Bildnachweis: ADAC Hessen-Thüringen e.V.
Ein unerwartet volles Septemberende
Es wirkt fast paradox: Die Sommerferien sind vorbei, die großen Reisewellen eigentlich Geschichte. Doch schon jetzt warnt der ADAC erneut vor einem dichten Verkehrsaufkommen am kommenden Wochenende.Wer dachte, die Autobahnen würden am Ende des Monats leerer, dürfte sich täuschen. Zwischen 26. und 28. September müssen Autofahrer im ganzen Land mit erheblichen Behinderungen rechnen. Gründe dafür sind eine ungewöhnliche Mischung aus Späturlaubern, Baustellen und einem ganz besonderen Magneten in Süddeutschland: dem Oktoberfest in München.
Oktoberfest, Ausflugsverkehr und Urlaubsrückkehrer
Die bayerische Hauptstadt bleibt einer der größten Stauzonen. Das Oktoberfest zieht Hunderttausende von Besuchern an, die per Auto maßgeblich auf den Zufahrtsstrecken rund um München unterwegs sind. Dazu kommt der Ausflugsverkehr in die Alpen, der bei guter Wetterlage jedes Jahr zuverlässig für überfüllte Straßen sorgt. Vor allem die A8 und die A95 Richtung Garmisch-Partenkirchen entwickeln sich in solchen Phasen zu neuralgischen Punkten.
Aber nicht nur die Festzelte sind für Staus verantwortlich. Späturlauber, die sich noch in Richtung Alpen oder weiter nach Italien und Österreich aufmachen, schieben zusätzliche Reiseströme an. Ebenso machen sich viele Rückkehrer aus dem verlängerten Sommerurlaub auf den Heimweg – besonders aus Südosteuropa. Diese unterschiedliche Mischung führt dazu, dass sowohl die Routen in den Süden als auch die Rückreiserichtungen nach Norden gleichermaßen betroffen sind.
Großbaustellen als Dauerbrenner
Zusätzlich zu den saisonalen Faktoren bleiben die Autobahnen durch zahlreiche Baustellen belastet. Besonders gravierend ist die Sperrung des Hamburger Elbtunnels, einem der wichtigsten Autobahnknotenpunkte im Norden. Von Freitagabend bis Montagmorgen ist die A7 dort in beide Richtungen komplett gesperrt. Dies könnte den gesamten Nord-Süd-Verkehr stark beeinträchtigen und großräumige Umleitungen erzwingen. Auch andere Projekte wie Sperrungen auf der A3 bei Würzburg, der A27 bei Bremen oder der A44 in Hessen sorgen für weitere Engpässe – eine Situation, die viele Pendler und Fernreisende zunehmend ermüdet.
Deshalb lohnt es sich, bei jeder Fahrt ein wenig Pufferzeit einzubauen. Gerade angesichts der aktuellen Lage zeigen sich viele Autofahrer überrascht davon, wie dicht das Verkehrsnetz auch außerhalb der Spitzenferienzeiten ist. Manchmal bleibt der Eindruck, dass es kaum noch echte staufreie Wochenenden auf deutschen Autobahnen gibt.
Auch das Ausland bleibt nicht verschont
Wer meint, einfach die Grenze hinter sich zu lassen, steht oft vor dem nächsten Problem. Österreich, Italien und die Schweiz sind ebenfalls mit Verkehrsspitzen und Baustellen konfrontiert. Besonders die Brennerautobahn bleibt ein Sorgenfall, weil die Arbeiten an der Luegbrücke für erhebliche Verzögerungen sorgen. Auch der Fernpass und die Gotthard-Route zählen zum Kreis der Dauerprobleme, während Tirol zusätzlich mit Abfahrtssperren an Wochenenden versucht, den regionalen Verkehr zu entlasten.
In Frankreich und Italien zwingt die langfristige Sperrung des Mont-Blanc-Tunnels Reisende zur Geduld, viele Fahrer weichen auf Umleitungsrouten aus, was dort wiederum für Engpässe sorgt. Selbst Tschechien hat mit Verkehrsproblemen zu kämpfen: Die wichtige Verbindung Dresden-Prag ist durch Tunnelsanierungen beeinträchtigt.
Grenzkontrollen und Polster an Zeit
Ein weiterer Faktor, der nicht unterschätzt werden sollte, sind die weiterhin bestehenden Grenzkontrollen. Sie betreffen unter anderem die Übergänge an der A3 bei Suben oder an der A8 bei Walserberg. Hier kommt es regelmäßig zu Verzögerungen, die nicht selten unterschätzt werden. Für die meisten Autofahrer sind zusätzliche Wartezeiten von 30 Minuten oder mehr keine Ausnahme. Auch die Routen Richtung Dänemark, Niederlande und Frankreich bleiben von verstärkten Kontrollen betroffen.
Aber es zeigt sich auch: Wer Geduld mitbringt und Alternativen prüft, kann die Situation mit ein wenig Weitsicht entspannter meistern. Reisende, die flexible Abfahrtszeiten nutzen, profitieren in aller Regel von besseren Verkehrsbedingungen. Dennoch dürfte der Freitagabend und auch der Samstagvormittag erneut zu den Spitzenzeiten zählen, an denen sich gerade auf stauanfälligen Autobahnabschnitten kaum mehr entspannt reisen lässt.
Ein kritischer Blick auf die Prognose
So sehr der ADAC mit seinen Stauprognosen Orientierung bietet, bleibt dennoch vieles unvorhersehbar. Wetterumschwünge, unvorhersehbare Unfälle oder schlicht der Reiz eines plötzlich sonnigen Herbstwochenendes lassen Prognosen rasch an Grenzen stoßen. Deshalb ist es ratsam, nicht nur auf eine Quelle zu bauen, sondern auch Verkehrsmeldungen und Navigationsdienste parallel im Blick zu behalten. Das schafft eine realistischere Sicht auf die Lage und kann spontane Alternativrouten eröffnen.
Der Blick nach vorn
Mit dem nahenden Oktober und den kommenden Herbstferien in einigen Bundesländern dürfte die Verkehrslage auch in den nächsten Wochen angespannt bleiben. Gerade Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gelten als klassische Bundesländer, deren Ferienstarts und -enden bundesweit spürbar werden. Das kommende Wochenende zeigt also eindrücklich, dass Ruhe auf den Straßen längst nicht mehr selbstverständlich ist – auch dann nicht, wenn der Hochsommer vorbei ist.

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