MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Peugeot Polygon Concept: Wenn die Zukunft kantig wird

Peugeot Polygon Concept - Bildnachweis: Peugeot / Stellantis

Peugeot Polygon Concept: Wenn der Löwe kantig denkt

Manchmal reicht ein einziger Blick, um zu ahnen, dass eine Marke ihr vertrautes Revier neu kartografieren will. Das Peugeot Polygon Concept wirkt genau so – wie ein Hinweis darauf, dass der französische Hersteller die Ära der kompakten Elektrofahrzeuge neu definieren möchte. Mit dem Polygon wagt Peugeot den Schritt in eine mutigere, technikbetonte Zukunft – und experimentiert mit Formen, Technologien und Interaktionskonzepten, die bis vor kurzem noch als zu futuristisch galten.

Ein Löwe mit scharfen Kanten

Das Design des Polygon-Concepts bricht radikal mit den bisherigen Linien der Marke. Während Peugeot in den vergangenen Jahren eher weich modellierte Silhouetten pflegte, setzt das neue Konzeptfahrzeug auf geometrische Präzision und bewusst kantige, fast architektonische Flächen. Aus der Seitenansicht erinnert das Polygon an eine dynamisch gestreckte Schräghecklimousine, deren kurze Überhänge und breite Spur einen niedrigen, fast geduckten Stand erzeugen.

Aber diese neue Formensprache ist kein Selbstzweck: Peugeot verfolgt damit das Ziel, die Aerodynamik signifikant zu verbessern – ein kritischer Faktor für Reichweite und Effizienz bei Elektroautos. Besonders auffällig sind die schlanken LED-Lichtleisten, die sich wie Krallen über die Fahrzeugfront ziehen, während das Marken-Emblem in harmonisches Acryl eingefasst ist. Es ist das erste Peugeot-Konzept, das diese Designelemente im Zusammenhang mit der neuen Stellantis-Plattform STLA Small zeigt.

Elektrische Zukunft auf neuer Architektur

Hinter dem Polygon steht mehr als nur eine Designübung. Das Konzept fungiert als technischer Vorbote der kommenden Generation des Peugeot e-208 – und ebenso als Schaufenster für die modulare Kleinwagenplattform STLA Small. Diese wurde speziell für Fahrzeuge der Kompaktklasse entwickelt und kann sowohl elektrische als auch hybride Antriebe aufnehmen.

Doch die Anzeichen verdichten sich, dass Peugeot bei künftigen Modellen, analog zu Opel, ausschließlich auf den Elektroantrieb setzt. Dafür sprechen mehrere Faktoren: die immer strengeren CO2-Flottenziele, die Produktionsplanung im Werk Saragossa sowie das klare Bekenntnis der Stellantis-Führung zur Elektrifizierung. Die Plattform soll Batteriekapazitäten zwischen 37 und 82 kWh unterstützen, was Reichweiten von mehr als 400 Kilometern ermöglicht. Damit bewegt sich die Technikbasis in einem Bereich, der den nächsten e-208 durchaus alltagstauglich und Langstrecken-kompatibel macht.

Hypersquare und die Revolution der Steuerung

Das vielleicht ungewöhnlichste Detail des Polygon ist seine Lenkung. Peugeot bezeichnet sie als Hypersquare – ein kantiges, rechteckiges Bedienelement, das die traditionelle Lenkradform hinter sich lässt. Bereits im Inception Concept von 2023 vorgestellt, wird dieses System nun erstmals weiterentwickelt und konkretisiert.

Anstelle einer mechanischen Lenksäule verbindet das Konzept ein Steer-by-Wire-System den Fahrer elektronisch mit den Vorderrädern. Die Reaktionsgeschwindigkeit lässt sich softwareseitig variieren, sodass das Lenksystem sich an Fahrstil und Situation anpassen kann. Im Alltag könnte das bedeuten, dass Parkmanöver präziser und Autobahnfahrten ruhiger erfolgen. Zugleich reduziert der Entfall der mechanischen Verbindung den Bauraum, wodurch das Interieur schlanker und offener gestaltet werden kann.

Deshalb wirkt das Cockpit fast wie ein digitales Atelier: ein großzügig gebogenes Display, vermutlich eine Variante des 21-Zoll-Doppelschirms aus dem e-3008, dominiert den Innenraum. Der Übergang zwischen Information und Interaktion scheint fließend. Peugeot will damit demonstrieren, wie sich die Idee des bekannten i-Cockpits in die Zukunft übersetzen lässt – mehr Intuition, weniger Mechanik.

Vom Showcar zum Serienausblick

Der Zeitpunkt des Polygon-Concepts ist kein Zufall. 2026 soll der nächste e-208 die Bühne betreten – als erstes Serienmodell auf Basis der STLA Small-Plattform. Das Polygon dient damit als gestalterischer und technischer Vorbote dieses Modells. Auch Opel nutzt mit seiner Studie Corsa GSE Vision Gran Turismo ein ähnliches Schaufenster, um die gemeinsame Architektur zu präsentieren. Peugeot geht jedoch einen Schritt weiter und verschränkt reale Fahrzeugentwicklung mit virtueller Markenkommunikation:

Bereits ab dem 10. November können Interessierte das Polygon im Spiel Fortnite erkunden. Auf einer eigens gestalteten Insel namens Polygon City, die von Gameloft in Zusammenarbeit mit dem Peugeot-Designteam entwickelt wurde, können Gamer und Auto-Enthusiasten die futuristischen Formen des Konzeptautos digital erleben. Diese Brücke zwischen Designstudio und virtueller Welt ist bemerkenswert – und zeigt, wie intensiv Peugeot versucht, mit neuen Zielgruppen in Kontakt zu treten.

Eine neue Denkweise unter der Haube

Technisch gibt es zwar noch keine konkreten Leistungsdaten, doch auf Basis der Stellantis-Angaben zur STLA Small darf man mit Elektromotoren zwischen etwa 80 und 115 kW rechnen – ähnlich wie beim aktuellen e-208. Der Fokus liegt auf Effizienz und Gewichtseinsparung. Peugeot dürfte hier gezielt Leichtbaustrategien einsetzen, um Reichweite und Antritt zu verbessern.

Auch bei der Ladetechnik sind Fortschritte realstisch. Mit 400-Volt-Architektur und bis zu 100kW Ladeleistung wären in 20 bis 25 Minuten rund 80 Prozent Batteriestand erreichbar. Preislich dürfte die Serie später im Bereich von etwa 36.000 bis 40.000 Euro starten, je nach Ausstattung und Batteriekapazität – also vergleichbar mit heutigen e-208-Versionen.

Zwischen Vision und Wirklichkeit

Gerade weil das Polygon auf den ersten Blick so futuristisch wirkt, bleibt die Frage, wie viel davon in einem Serienfahrzeug überleben wird. Die Erfahrung lehrt: futuristische Konzepte von Peugeot verlieren auf dem Weg zur Serienreife meist ihre radikalsten Details – behalten aber oft die zentrale Idee. Beim Polygon dürfte das die konsequente Digitalisierung der Bedienung und die Weiterentwicklung des i-Cockpits sein.

Doch Peugeot steht vor einer Gratwanderung: Wie viel Zukunft darf in ein Fahrzeug einziehen, das zugleich der meistverkaufte Kleinwagen im Segment bleiben soll? Deshalb scheint das Polygon weniger eine reine Fingerübung der Designer, sondern ein strategischer Testlauf für die Markteinführung der neuen Architektur. Es ist Prototyp, Kommunikationsplattform und Zukunftsversprechen in einem – ganz im Stil einer Marke, die seit mehr als einem Jahrhundert versucht, Emotion und Technik miteinander zu verbinden.