Pickup mit Leiterrahmen: Der Musso Grand von Ssangyong im Test

  

Eine Langversion des 2018 eingeführten Pickups Musso

 

Ssangyong gehört seit 2011 zum indischen Mahindra-Konzern. Im Jahr 2017 verkaufte die Marke rund 3.200 Autos in Deutschland. Davon entfielen etwa 1.200 Stück auf den Bestseller Rexton, das große SUV, dessen neue Generation 2017 auf den Markt kam. Auf der gleichen Basis beruht der neue Pick-up, der in Korea sogar Rexton Sports heißt. Bei uns ersetzt er den Actyon Sports und trägt den Namen Musso. Beim Musso bleibt für die Ladefläche trotz der 5,10 Meter Karosserielänge aufgrund der Doppelkabine nicht mehr viel Raum. Sie ist 1,30 Meter lang, 1,57 Meter breit und hat eine 57 Zentimeter hohe Wand mit Ladeklappe hinten. Deshalb bietet SsangYong nun seit Mitte 2019 eine zweite Musso-Version mit größerem Radstand und immerhin etwa zehn Zentimeter mehr Länge an. Diese längere Version Musso Grand haben wir im Rahmen eines Fahrberichts in der Topausstattung Sapphire genauer unter die Lupe genommen. Schon der Tivoli und der Rexton sowie der Korando sind im oberen Segment der Importmodelle angekommen. Und mit dem Musso bzw Musso Grand machen die Südkoreaner nun den nächsten konsequenten Schritt. Direkte Wettbewerber im europäischen Segment der Eintonner, dessen Feld seit Jahren vom Ford Ranger angeführt wird, dürften zudem im Toyota Hilux, Nissan Navara und Mitsubishi L200 zu suchen sein. Mercedes musste sich vor einem Jahr mit einer ersatzlosen Streichung der erfolglosen X-Klasse aus dem Segment verabschieden. Als deutscher Anbieter bleibt noch der VW Amarok. In Deutschland führen die Pritschenwagen und Pick-ups zwar ein Nischendasein. Aber diese lukrative Nische wächst. Das Segment entwickelt sich zur komfortablen Reise- und Lifestyle-Alternative gewöhnlicher SUV. Pro Jahr avisiert Ssangyong-Geschäftsführer Ullrich Mehling einen Absatz von rund 300 Pickups

In optischer Hinsicht verfehlt die Linienführung des Musso Grand nicht ihre Wirkung. Mit ihrem optisch selbstbewußten Auftritt vermag das Pick-up hier ordentlich zu punkten. Die Fahrzeugfront erscheint durch eine hoch angesetzte Linienführung und hoch positionierten Scheinwerfern modern und imposant. Kein Vergleich mehr zum biederen Vorgänger Actyon.

 

 

Musso das koreanische Wort für Nashorn


Fangen wir mit der Doppelkabine an. Der Musso wie auch Musso Grand wird ausschließlich mit Doppelkabine angeboten, das heißt mit vier Türen und fünf Sitzplätzen. Je nach Modell bietet das Korea-Trumms eine recht luxuriöse Ausstattung, die durchaus auf Pkw-Niveau liegt. Der Eindruck, in einem modernen SUV zu sitzen, wird über die aus dem Rexxton übernommenen Armaturen unterstrichen. Der von uns gefahrene Musso Grand verbirgt seinen Nutzfahrzeugscharme im Testwagen der Ausstattungslinie „Sapphire“ geschickt hinter viel Leder und ein paar Chromrähmchen im Cockpit.

     

Gegenüber dem Ssangyong Musso präsentiert sich die Ladefläche des Musso Grand um 31 Zentimeter verlängert und ergibt ein Ladevolumen von 1,44 Kubikmeter – Bildnachweis: MOTORMOBILES

     

   

Mit der Doppelkabine präsentiert sich das Pickup zudem mit vier vollwertigen Türen und ordentlichen Platzverhältnissen für bis zu fünf Insassen. Der Fahrerplatz punktet zunächst einmal mit seinem Cockpit. Von Nutzfahrzeug-Charme – mal abgesehen vom großen Lenkrad – wirklich weit und breit keine Spur. Es sieht aus wie in einer Limousine. Auch die Materialauswahl, Oberflächen und Verarbeitung sind überraschend gut. Die Sitze – in unserem Testwagen sogar mit softer Lederausstattung – bieten annehmbaren Seitenhalt und verfügen über Sitzheizung und sogar Belüftung. Punkten kann der Musso Grand zudem mit soliden Handgriffen überall dort wo man sie braucht – auch auf der Fahrerseite. Die Vordersitze bieten einen soliden Komfort und ermöglichen durchaus eine gewisse Langstreckentauglichkeit. Zudem lassen sie sich elektrisch einstellen und sind belüftet. Dazu gibt es einen schlüssellosen Zugang. Der Raum im Fond ist großzügig bemessen. Gute gefallen hat uns auch das Infotainment samt Navigation und Konnektivität zu Apple CarPlay unnd Android Auto. Die einzelnen Menüs des zentralen Bildschirms lassen sich alle nach kurzer Zeit intuitiv beherrschen, das System arbeitet performant und auch die verständliche Navigation überzeugt mit Zuverlässigkeit. Zudem punktet das System mit hoher Auflösung und guter Ablesbarkeit.

  

  

Lademeister

 

Die Ladefläche des 5,4 Meter langen Musso Grand ist gegenüberdem Musso um 31 Zentimeter auf 1,61 Meter angewachsen. Verzurrösen auf der serienmäßig mit einer robusten Kunststoff-Wanne geschützten Ladefläche erleichtern das Verstauen sperriger Gegenstände. Sehr praktisch auch der 12 Volt-Anschluss. Serienmäßige Schwerlastreifen und Blattfedern an der Hinterachse ermöglichen zudem laut Datenblatt eine Zuladung von bis zu über einer Tonne. Wird die Pritsche mit Kunststoffauskleidung und zahlreichen Verzurrösen bis zur Bordkante beladen, steht ein Volumen von 1,44 Kubikmetern zur Verfügung, womit sich problemlos auch größere Güter befördern lassen dürften. Die gebremste Anhängelast darf bis zu 3,0 Tonnen betragen.


Diesel-Antrieb und Allrad

 

Den Vortrieb übernimmt der aus Rexton und Musso bekannte 2,2-Liter-Turbodiesel e-XDi 220, der wahlweise mit Hinterrad- oder zuschaltbarem Allradantrieb inklusive Getriebeuntersetzung und Sperrdifferential erhältlich ist. Der Vierzylinder, der SCR-gereinigt die Abgasnorm Euro 6d-Temp erfüllt, mobilisert 181 PS und stemmt ein maximales Drehmoment von 400 Nm auf die Kurbellwelle, das zwischen 1.400 und 2.800 Touren anliegt. Die Kraft überträgt serienmäßig ein 6-Gang-Schaltgetriebe. In unserem Testwagen war die optionale 6-Stufen-Automatik verbaut. Trotz des geringen Huibraum von noch nicht einmal 2.200 Kubikzentimeter, beißt der Selbstzünder aber stramm zu, dreht flott hoch und liefert mit 181 PS eine solide Antriebsleistung abgut im Rennen. Der Eindruck, man wäre untermotorisiert, kommt in unbeladenem Zustand nie auf. Der Kraftstoffverbrauch beläuft sich auf 8,1 bis 9,1 Liter je 100 Kilometer, was CO2-Emissionen von 212 bis 238 g/km entspricht. Unser kombinierter Testverbrauch war stets zweistellig und betrug 10,5 Liter Dieselkraftstoff je hundert gefahrene Kilometer. Der Musso Grand SsangYong verfügt zu dem über einen zuschaltbaren Allradantrieb.

  
Fahreigenschaften

 

Aufbauend auf der gleichen Plattform wie das Flagg­schiff SUV Rexton, sind Musso und Musso Grand mit einem Leiterrahmenchassis unterwegs, das zusammen mit dem zuschaltbaren Allradantrieb für Zuverlässigkeit und Sicherheit auch im Gelände sorgt. Auf der Straße ist der Leiterahmen dagegen nur bedingt hilfreich, da er zu leichtem Karosseriezittern mit Vibrationen in der Lenkung und (wegen des hohen Gewichts) zu hohem Verbrauch führt. Mit seiner Fahrzeuglänge von 5,40 Metern Länge und großem 12,2 Meter-Wendekreis ist der Musso Grand zuweilen auch mal etwas sperrig unterwegs. Mit seinem Leiterrahmen und Blattfedern an der Hinterhand, setzt die Federung den Fokus zwar nicht auf Komfort, ist aber in positiver Hinsicht weit entfernt von einem reinen Nutzfahrzeugcharme.
Für entsprechende Offroad-Fähigkeiten ist der Ssangyong mit einem Offroad-Modi ausgestattet.

  

2WD sowie Allradantriebs-Modi 4H und 4L – Bildnachweis: MOTORMOBILES

  

Mit seinem langen Überhang und der verhältnismäßig geringen Bauchfreiheit kommt der Musso Grand zwar bauartbedingt nicht so weit wie die typischen Hardcore-Offroader, weist aber die meisten weichgespülten SUV dank Differentialsperre deutlich in ihre Schranken. Der Fahrer entscheidet, wann das optionale Allradsystem aktiv sein soll. Der Musso hat ein klassisches Allradsystem: Im 2WD-Betrieb bzw. dem sogenannten „2H“-Modus wird nur die Hinterachse angetrieben. Bei „4H“ wird die Vorderachse mit einer festen Kraftverteilung dazu geschaltet. Rangieren führt zu Verspannungen im Antriebsstrang und sollten nur im 2H-Modus erfolgen. Auf glatter Fahrbahn ist 4H dagegen die beste Wahl. Fürs Gelände gibt es noch den 4L-Modus mit Geländeuntersetzung. Steile und rutschige Abfahrten meistert das Pickup mit Unterstützung einer elektrischen Bergabfahrhilfe. Bei Fahrten im Gelände helfen zudem eine 360 Grad-Kamera.

   

Technische Daten Pickup Ssangyong Musso Grand Sapphire 2.2L e-XDi 220 - 181 PS Doppelkabine
Hersteller:Ssangyong
Karosserie:Pickup mit Doppelkabine, 5 Sitzplätze
Motor:2.2 Liter Turbodiesel Viierzylinder
Getriebe:6-Stufen Automatik
Antrieb:Allradantrieb 4WD zuschaltbar
Hubraum:2.157 ccm
Abgasnachbehandlung:SCR mit Dieselpartikelfilter
Emissionsklasse:Euro 6d-Temp-EVAP
Leistung:133 kW (181 PS) bei 3.500 U/min
Drehmoment:430 Nm bei 2.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit:172 km/h
Verbrauch (ECE):9,1 Liter
CO2-Ausstoß:238 g/km
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis:12,2 Meter
Bodenfreiheit:220 mm zwischen den Achsen
Böschungswinkel vorn/hinten:19,6 / 20,5 Grad
Laderaumlänge:1.520 mm
Ladekantenhöhe:474 mm
Laderaumbreite:1.470 mm
Anhängelast ungebremst/gebremst750 kg / 3.000 kg
Tankinhalt Diesel / AdBlue:75 / 25 Liter
Leergewicht:2.260 bis 2.330 kg
Zulässiges Gesamtgewicht:3.250 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:5.405/1.950/1.855/3.210 mm
Grundpreis Testwagen:43.790 Euro
Preis Testwagen:46.390 Euro

 

Preise und Extras

   

Erkennungszeichen des Musso Grand sind die Dachreling und das Sperrdifferential, die ebenfalls zum Serienumfang gehören. Ansonsten gibt sich die Langversion weitgehend unverändert gegenüber dem regulären Musso. Zur Wahl stehen die bekannten Ausstattungslinien Crystal, Quartz und Sapphire. Preislich geht es zwar beim Musso Grand schon bei 32.290 Euro los, doch voll ausgestattet bringt es das Top-Modell „Sapphire“ auf knapp 42.000 Euro. Mit Safety-Paket und Metallic-Lackierungbrachte es unser Testwagen dann auf 46.390 Euro. Dafür gibt es dann immerhin eine Ausstattung, die keine Wünsche offen lässt.
  
Bereits die Einstiegsversion verfügt serienmäßig über Bergabfahr- (HDC) und Berganfahrhilfe (HSA), elektrisch einklappbare Außenspiegel mit integrierten LED-Blinkern, Geschwindigkeitsregelanlage, Digitalradio DAB+ mit MP3-Funktion, USB-Anschluss und vier Lautsprechern, Bluetooth-Vorrichtung, elektrischen Fensterhebern, Licht- und Regensensor, beheizbarer Frontscheibe, Klimaanlage und Nebelscheinwerfern. In höheren Ausstattungen kommen unter anderem ein automatisches Notbremssystem mit Frontkollisionswarner, ein Spurverlassens- und ein Querverkehrswarner sowie Spurwechsel- Totwinkel- und Fernlichtassistent hinzu.

 


Fazit: Verlängerter Pick-up

Im Rahmen der Erneuerung seines Produktportfolios positioniert sich der koreanische Hersteller SsangYong deutlich höher. Der Markt der Pick-Ups ist hierzulande noch kein Mainstream und sehr individuell. Über 80 Prozent aller in Deutschland verkauften Pick-Ups werden primär gewerblich genutzt. Insgesamt verfügt der Musso Grand über das nötige Rüstzeug für das hart umkämpfte aber in Europa sehr enge Segment der Pickups. Für alle Zweifler gewährt Ssangyong eine Garantie inkl. europaweiter Mobilitätsgarantie von 5 Jahren bis zu einer Laufleistung von maximal 150.000 Kilometern. Ergänzt wird dieses Paket von einer 6-jährigen Garantie gegen Durchrostung. Sicherlich werden auch einige Handwerker zugreifen, um auf ihm ihre Arbeitsgeräte zu verstauen. Eine Zulassung als LKW (N1) dürfte mit dem notwendigen Entfernen der zweiten Sitzreihe für viele nicht in Frage kommen, spart aber einen beträchtlichen Teil der KFZ-Steuern.