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Polestar 5 in Gran Turismo 7: Wie viel Realität steckt im virtuellen Traum‑GT?

Polestar 5 in Gran Turismo 7 - Bildnachweis: Polestar

 

Virtuelle Premiere statt klassischer Probefahrt

Statt mit großen Fuhrparks bei den Händlern beginnt die Markteinführung des Polestar 5 mit einem Datenpaket: Ab 4. Dezember 2025 hält das Gran-Turismo‑7‑Update den Polestar 5 als frei verfügbares Fahrzeug bereit, einen Tag später starten in ausgewählten Polestar Spaces in Europa virtuelle Testfahrten auf PlayStation‑Simulatoren. Deshalb ist der erste reale Kontakt mit dem Flaggschiff der Marke für viele Interessenten ein digitales Erlebnis, bei dem Fahrdynamik und Simulationsqualität im Vordergrund stehen. Polestar und der GT‑Entwickler Polyphony Digital haben eng zusammengearbeitet, Telemetriedaten und Fahrversuche ausgewertet und sogar den Rennfahrer und Sim‑Profi Igor Fraga im Prototypen auf Brands Hatch fahren lassen, damit sich die virtuelle Version möglichst nah an der Realität bewegt.

Aber die virtuelle Welt ist nur der Auftakt zu einer klassischen Produkteinführung mit langer Rampe: Echte Probefahrten mit dem Serien‑Polestar‑5 in den Spaces sollen zur Mitte des Jahres 2026 folgen, die Bestellbücher für das viertürige Performance‑GT‑Modell sind in Europa bereits geöffnet. Für Polestar ist die Einbindung in eines der bekanntesten Rennspiele mehr als ein Marketing‑Gag, sie soll die Bekanntheit der Marke steigern und gleichzeitig ein technikaffines Publikum ansprechen, das sich für Fahrdynamik, Setups und Rundenzeiten interessiert. Und genau dort will sich der 5 als ernstzunehmender Elektro‑Gran‑Turismo positionieren.

Polestar 5 in Gran Turismo 7 – Bildnachweis: Polestar

Verfügbarkeit in Deutschland und Europa  

Für deutsche Kunden ist vor allem der Blick auf die konkrete Verfügbarkeit interessant. Polestar spricht in der offiziellen Kommunikation von Testfahrten in den Spaces „während 2026“, wobei die Markteinführung als Serienfahrzeug im Herbst 2025 auf Messen wie der IAA bereits begleitet wurde und Konfiguration sowie Bestellung über die deutsche Website möglich sind. Deshalb ist davon auszugehen, dass erste Fahrzeuge im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2026 auf deutschen Straßen unterwegs sein werden, während die virtuelle Probefahrt schon jetzt als Vorgeschmack dient.

In der aktuellen Liste der Standorte mit virtuellen Testmöglichkeiten taucht Hamburg als einziger deutscher Space im ersten Schwung der Roadshow auf: Dort steht der Polestar‑5‑Simulator vom 10. bis 21. Dezember 2025 bereit. In Trondheim, Sheffield, Cribbs Causeway, Göteborg, Brüssel, Stockholm, Battersea, Solihull, Wien, Zürich und weiteren Städten in Skandinavien und Mitteleuropa werden ähnliche Aktionen im Zeitraum Dezember 2025 bis Anfang Februar 2026 gefahren, was die Markteinführung klar als paneuropäisches Projekt zeigt.

Polestar 5 als neues Flaggschiff   

Der Polestar 5 nimmt im Modellprogramm eine Schlüsselrolle ein: Er ist als Performance‑GT positioniert, also als sportlich orientierter, langstreckentauglicher viertüriger Gran Turismo oberhalb von Polestar 2 und 4. Deshalb zielt das Fahrzeug klar auf Wettbewerber wie Porsche Taycan, Tesla Model S Plaid oder leistungsstarke Versionen des Mercedes EQE und Lucid Air – allerdings mit stärkerem Fokus auf Gran‑Turismo‑Charakter und skandinavische Zurückhaltung im Auftritt.

Technisch basiert der Polestar 5 auf einer neu entwickelten, verklebten Aluminiumplattform, die intern als Polestar Performance Architecture (PPA) bezeichnet wird. Diese Struktur kombiniert hochfeste Strangpress‑Profile, Guss- und Pressteile zu einer besonders torsionssteifen Karosserie und soll eine höhere Steifigkeit als viele klassische Zwei‑Sitzer‑Sportwagen bieten, gleichzeitig aber Gewicht sparen. Gerade für einen schweren Elektro‑GT ist diese Basis entscheidend, weil sie Fahrdynamik, Komfort und Crashsicherheit gleichermaßen beeinflusst.

Antrieb, Leistung und Fahrwerte

Herzstück des Polestar‑5‑Antriebs ist ein neu entwickelter permanenterregter Synchronmotor an der Hinterachse, der in der Performance‑Variante bis zu 450 kW und 660 Nm beisteuert und zusammen mit einem zweiten Motor an der Vorderachse eine Systemleistung von bis zu 650 kW und 1.015 Nm ermöglicht. Deshalb beschleunigt das Performance‑Modell in nur 3,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h, während die ebenfalls allradgetriebene Dual‑Motor‑Variante mit 550 kW Systemleistung 3,9 Sekunden benötigt; in beiden Fällen ist bei elektronisch begrenzten 250 km/h Schluss.

Aber reine Zahlen erzählen nur die halbe Geschichte. In Verbindung mit dem festen Allradantrieb, einem fein regelnden Drehmomentmanagement zwischen Vorder- und Hinterachse und der steifen Alu‑Struktur soll der Wagen sowohl auf der Rennstrecke als auch auf langen Autobahnetappen stabil und präzise wirken. Der Heckmotor lässt sich im effizienteren Fahrmodus teilweise entkoppeln, sodass der Polestar 5 über weite Strecken als überwiegend heckbetontes oder effizienzorientiertes Fahrzeug unterwegs ist, was Reichweite und Verbrauch zugutekommen soll.

Batterie, Reichweite und Laden  

Die Energie liefert ein Lithium‑Ionen‑Hochvoltspeicher mit einer Kapazität von 112 kWh brutto, der in eine 800‑Volt‑Architektur eingebettet ist. Deshalb kann der Polestar 5 an geeigneten DC‑Schnellladern mit bis zu 350 kW laden, was laut Datenblatt einen Sprung von 10 auf 80 Prozent in rund 22 Minuten ermöglicht; an AC‑Wallboxen sind 11 bis 22 kW zu erwarten, konkret kommuniziert Polestar aktuell 11 kW für eine Vollladung über Nacht.

Die WLTP‑Reichweite liegt beim 550‑kW‑Dual‑Motor bei bis zu 670 Kilometern, die Performance‑Variante wird mit bis zu 565 Kilometern angegeben. In der Praxis dürften diese Werte – wie üblich – von Fahrstil, Temperatur und Felgengröße abhängen; wer das volle Beschleunigungspotenzial regelmäßig abruft, wird eher im Bereich von gut 400 Kilometern oder darunter landen, während effiziente Autobahnfahrten im Tempolimit die Werksangaben realistischer erscheinen lassen. Für einen fast 5,1 Meter langen und leistungsstarken GT sind diese Reichweiten dennoch ein starkes Argument, gerade im direkten Vergleich mit manchen Wettbewerbern, die entweder früher am Lader stehen oder langsamer nachladen.

Fahrwerk und Fahrcharakter   

Beim Fahrwerk geht Polestar zweigleisig vor. Die Dual‑Motor‑Version nutzt aufwendig abgestimmte passive BWI‑Dämpfer mit internen Rückprallfedern, die vor allem ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Komfort und Kontrolle anvisieren. Die Performance‑Variante setzt dagegen auf ein adaptives BWI‑MagneRide‑System, das die Fahrbahn laut Hersteller bis zu tausendmal pro Sekunde abtastet und die Dämpferkennlinie mithilfe magnetorheologischer Flüssigkeit innerhalb von Millisekunden anpassen kann.

Deshalb soll der Polestar 5 im Alltag langstreckentauglich federn, bei forcierter Gangart aber Karosseriebewegungen sehr wirkungsvoll begrenzen. Gerade für deutsche Kunden, die lange Autobahnetappen mit hoher Geschwindigkeit gewohnt sind, könnte diese Abstimmung ein entscheidender Punkt sein, zumal der Wagen mit über 650 kW sonst schnell in Richtung unangenehm nervöser Fahrcharakter kippen könnte. Persönlich bleibt dennoch die Frage, wie gut das System auf schlechten Landstraßen oder Querfugen mittlerer Geschwindigkeit harmoniert – das lässt sich am Ende nur in einem ausführlichen Realtest klären und nicht im Simulator.

Design mit Precept‑DNA   

Optisch überträgt der Polestar 5 das 2020 gezeigte Precept‑Concept in die Serie: flache, gestreckte Silhouette, ausgeprägte Schulterlinien, eine lange Motorhaube trotz Elektroantrieb und ein schnelles Heck im Stile eines GT‑Fastbacks. Polestar setzt auf markentypische Lichtsignaturen mit geteilten Tagfahrleuchten vorn und einem durchgehenden Leuchtenband hinten, kombiniert mit bündigen Türgriffen und klaren Flächen, die bewusst mit übermäßigem Zierrat brechen.

Aber die vielleicht umstrittenste Designentscheidung ist der Verzicht auf eine klassische Heckscheibe. Stattdessen spannt sich ein großes Glasdach bis weit nach hinten, während die Rücksicht über eine digitale Spiegelkamera und ein Display im Innenraum erfolgt. Das schafft mehr Kopffreiheit im Fond, reduziert allerdings die direkte Verbindung nach außen und könnte bei manchen Kunden Skepsis erzeugen, die sich erst in der Praxis legt, wenn die Sichtlösung bei Regen, Dunkelheit oder Verschmutzung zuverlässig funktioniert.

Innenraum, Bedienkonzept und Assistenz

Im Innenraum folgt der Polestar 5 der bekannten Markenphilosophie aus minimalistischem Design, möglichst nachhaltigen Materialien und einem stark digitalisierten Bedienkonzept. Das Cockpit wird von einem großen hochkant montierten Zentraldisplay mit 14,5 Zoll und einem querformatigen Fahrerdisplay dominiert, auf denen ein Android‑Automotive‑System mit Google‑Diensten läuft. Deshalb integriert das Fahrzeug nativ Navigation mit Echtzeitdaten, Sprachsteuerung, Streaming‑Dienste und Over‑the‑Air‑Updates, was aus Software‑Sicht eine gewisse Zukunftssicherheit verspricht.

Die Materialauswahl reicht je nach Ausstattung von Textiloberflächen mit recycelten Komponenten bis zu Leder von Bridge of Weir und offenporigen Holzdekoren. Polestar betont zudem den Einsatz von recyceltem Aluminium und CO2‑optimierten Lieferketten für die Karosserie, wobei der Anteil recycelten Aluminiums bei etwa 13 Prozent liegen soll und der Großteil des restlichen Materials aus Werken mit erneuerbarem Strom stammt. Für den Fahrer bedeutet das zwar nicht direkt ein anderes Fahrgefühl, für viele Käufer aber ein zunehmend wichtiges Argument in der Gesamtbilanz eines Fahrzeugs dieser Preisklasse.

Preise und Modellvarianten

Für Deutschland kommuniziert Polestar aktuell zwei Hauptvarianten. Der Polestar 5 Dual Motor mit 550 kW Allradantrieb, 812 Nm Drehmoment und bis zu 670 Kilometern WLTP‑Reichweite startet bei rund 119.900 Euro Listenpreis. Die leistungsstärkere Performance‑Variante mit 650 kW, 1.015 Nm und 565 Kilometern WLTP‑Reichweite liegt bei etwa 142.900 Euro, bevor optionale Ausstattung, besondere Lackierungen oder Pakete hinzukommen.

Deshalb bewegt sich der Polestar 5 klar im Umfeld hochpreisiger Elektro‑Performance‑Limousinen, die eher als Alternative zu klassischen Oberklasse‑Verbrennern und Supersportlern gesehen werden als zu Volumenmodellen. Ein voll ausgestatteter Polestar 5 Performance kann laut ersten internationalen Ausstattungsbeispielen problemlos in Richtung 140.000 bis 150.000 Euro klettern, etwa in Form einer Launch Edition mit spezieller Lackierung, großformatigen 22‑Zoll‑Rädern, adaptiver Dämpfung und umfangreichen Assistenzpaketen. Angesichts dieser Preisregionen werden viele Interessenten den Vergleich mit Taycan Turbo, Model S oder Lucid Air suchen – und genau dort muss der Polestar 5 beweisen, ob seine Mischung aus Design, Fahrdynamik und Reichweite den Preis rechtfertigt.

Gran Turismo 7 als Testfeld  

Ein besonderes Merkmal dieser Markteinführung ist die enge Verzahnung mit der Spielewelt. Über das kostenlose Dezember‑Update von Gran Turismo 7 können Spieler den Polestar 5 auf PlayStation 4 und 5 in verschiedenen Konfigurationen fahren, inklusive einer speziellen Zeitfahr‑Challenge auf dem virtuellen Brands‑Hatch‑Kurs in England. Für Polestar‑Fans ohne eigene Konsole richten die Spaces Simulatorstationen ein, an denen sich Interessenten mit dem digitalen Fahrzeug vertraut machen und erste Eindrücke zum Fahrverhalten sammeln können, lange bevor die ersten Testwagen bereitstehen.

Für ambitionierte Sim‑Racer ist die Aktion noch aus einem anderen Grund spannend. Parallel zum Update startet ein weltweiter Zeitfahr‑Wettbewerb, bei dem die beste Rundenzeit einen exklusiven Trip nach Fukuoka in Japan zu den World‑Finals der GT‑World‑Series 2025 auslobt. Das zeigt, wie stark Polestar seine Zielgruppe in einem technikaffinen, gaming‑nahen Umfeld vermutet, und wirft gleichzeitig die Frage auf, wie viele dieser digitalen Kontakte später tatsächlich in reale Probefahrten und Bestellungen umschlagen werden – eine klare Antwort darauf wird es erst 2026 geben.

Mit dem Polestar 5 versucht die Marke, den Schritt vom Nischenanbieter zum ernsthaften Konkurrenten im Hochleistungs‑Elektrosegment zu gehen. Die technischen Eckdaten, die steife Aluminiumbasis, die 800‑Volt‑Architektur und die hohen Ladeleistungen sind auf dem Papier überzeugend und positionieren das Fahrzeug auf Augenhöhe oder sogar darüber mit einigen Wettbewerbern. Deshalb ist der Polestar 5 vor allem für Kunden interessant, die ein sehr schnelles, reichweitenstarkes und designorientiertes Reisefahrzeug suchen, das sich bewusst etwas von den üblichen Luxus‑Codes absetzt.

Aber genau in diesem Anspruch liegen auch Risiken. Der Verzicht auf eine klassische Heckscheibe, der hohe Einstiegspreis, die vergleichsweise junge Marke und das im Vergleich zu etablierten Premiumherstellern dünnere Servicenetz könnten manchen Interessenten zögern lassen. Hinzu kommt, dass Polestar sich in einem Marktsegment bewegt, in dem die Konkurrenz ständig nachlegt – Software‑Updates, neue Motorisierungen und Facelifts sind hier an der Tagesordnung. Persönlich bleibt vor allem spannend, wie der Polestar 5 auf deutschen Autobahnen im Alltagsbetrieb wirkt: Ob er eher als komfortabler Gleiter mit Leistungsreserve wahrgenommen wird oder als kompromisslos straffer Sportler, wird am Ende maßgeblich über seine Akzeptanz entscheiden.

Fazit zur Markteinführung

Unterm Strich markiert der Polestar 5 einen wichtigen Meilenstein für die Marke und einen ungewöhnlichen Weg in der Markteinführung. Die Kombination aus früher digitaler Verfügbarkeit in Gran Turismo 7, einer europaweiten Simulator‑Roadshow und dem gestaffelten Hochlauf realer Testfahrten ab Mitte 2026 zeigt, wie stark Polestar auf vernetzte, digitale Communities setzt. Für deutsche Kunden bleibt der Fokus zunächst auf Hamburg als einer der ersten Anlaufstellen für virtuelle Tests, bevor weitere Spaces mit realen Fahrzeugen nachziehen.

Deshalb lässt sich der Polestar 5 zum jetzigen Zeitpunkt vor allem als Versprechen lesen: auf sehr hohe Fahrleistungen, starke Ladefähigkeit, besondere Karosserietechnik und ein bewusst eigenständiges Design. Gleichzeitig bleiben Fragen nach Langzeitqualität, Restwerten, Serviceerfahrungen und der realen Reichweite im täglich gefahrenen Mix, die erst die kommenden Jahre beantworten werden. Wer früh einsteigt, bekommt ein technisch hochgerüstetes Elektro‑Flaggschiff mit viel Gesprächsstoff – muss aber akzeptieren, dass nicht alle Antworten schon vor der ersten echten Probefahrt vorliegen.