Der Mazda CX-5 als Manga-Star: Mazda auf der DoKomi 2026 - Bildnachweis: Mazda
Wenn ein gestandener japanischer Automobilhersteller die glitzernden Hallen klassischer Automessen verlässt, um sein wichtigstes SUV-Modell zwischen schrill kostümierten Comic-Fans und neonfarbenen Manga-Zeichnungen zu enthüllen, dann offenbart dies die ganze Unruhe einer Branche im radikalen Wandel.
Die Zeiten, in denen neue Fahrzeuggenerationen im sterilen Licht kontinentaler Automobilsalons debütierten, gehören zunehmend der Vergangenheit an. Auf der DoKomi 2026, Deutschlands größter Anime- und Japan-Expo in Düsseldorf, zeigt sich dieser Paradigmenwechsel in aller Deutlichkeit. Mehr als 200.000 Besucher fluten das Düsseldorfer Messegelände am Rheinknie, um in die bunte Welt der asiatischen Popkultur einzutauchen. Mittendrin präsentiert sich die dritte Generation des Mazda CX-5 als unkonventioneller Hauptdarsteller. Der japanische Hersteller nutzt die traditionsreiche japanische Community der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt als strategisches Sprungbrett, um eine junge, digital affine und über soziale Medien vernetzte Käuferschicht anzusprechen, von der über die Hälfte zwischen 25 und 40 Jahre alt ist. Mit einer auffälligen Sonderfolierung versehen, wird das neue Modell direkt in eine interaktive Erlebniswelt integriert, in der die bekannte Manga-Zeichnerin Christina Plaka die Standbesucher im authenthischen Anime-Stil porträtiert. Zusätzlich stellt die Marke vier Exemplare des neuen SUV als VIP-Shuttle-Dienst bereit, um die Präsenz im Straßenbild zu maximieren. Aber hinter diesem spielerischen Farbrausch verbirgt sich eine ernste, knallharte Produktrealität. Der bewährte Bestseller muss im schrumpfenden europäischen Markt eine gewaltige Lücke füllen. Während Mazda versucht, über die emotionale Schiene neue Kundenströme zu erschließen, ringt die südkoreanische Premiummarke Genesis auf demselben Kontinent mit existenziellen Vertriebsfragen. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Auf der einen Seite steht ein etablierter Volumenhersteller mit cleverer Nischen-Kommunikation, auf der anderen eine noble Hyundai-Tochter, deren ehrgeizige Premium-Träume in der europäischen Realität von desaströsen Zulassungszahlen eingeholt wurden.
Raumgewinn durch geometrische Korrekturen
Deshalb lohnt sich ein nüchterner Blick unter das Blechkleid des neuen Hoffnungsträgers aus Hiroshima. In seiner dritten Generation hat der Mazda CX-5 im Vergleich zum Vorgängermodell signifikant an Statur gewonnen. Die Gesamtlänge wuchs um beachtliche 11.5 Zentimeter auf nunmehr 4.690 Millimeter, während die Breite um zwei Zentimeter auf 1860 Millimeter zulegte. Mit einer Höhe von 1.695 Millimetern steht der Crossover optisch spürbar satter auf der Straße. Das eigentliche technische Highlight ist jedoch der Radstand, der analog zur Außenlänge ebenfalls um 11.5 Zentimeter auf 2815 Millimeter gestreckt wurde. Diese geometrische Korrektur behebt eine der spürbarsten Schwachstellen der zweiten Generation, nämlich das knappe Platzangebot im Fond. Passagiere im hinteren Bereich genießen nun eine hervorragende Knie- und Beinfreiheit, die selbst Personen mit einer Körpergröße von bis zu zwei Metern ein entspanntes Reisen ermöglicht. Zudem erleichtern die konstruktiv deutlich weiter öffnenden Fondtüren das Einsteigen und das Handling von Kindersitzen ungemein. Das reguläre Kofferraumvolumen wuchs laut Werksangaben um über sechzig Liter auf ein alltagstaugliches Volumen von 583 Litern.
Klappt man die im Verhältnis 40:20:40 geteilte Rückbank um, entsteht ein maximaler Laderaum von bis zu 2.019 Litern bei einer angenehm niedrigen Ladekante. Die Fahrwerkskonstruktion vertraut auf die bewährte Kombination aus MacPherson-Federbeinen an der Vorderachse und einer Multilenker-Achse hinten, die im Detail jedoch feinfühliger abgestimmt wurde. Das direkte, Mazda-typische Lenkgefühl bleibt erhalten, fordert auf schlechten Straßen jedoch durch ein recht trockenes Abrollen auf Querfugen seinen Tribut. Das Fahrzeuh liegt stabil, filtert grobe Unebenheiten aber nicht immer restlos heraus. Das optische Konzept orientiert sich am verfeinerten Kodo-Design, das unter dem Leitmotiv des funktionellen Werkzeugs entwickelt wurde. Ein breiterer, skulpturaler Kühlergrill mit der markanten Signaturschwinge und zweiteilige Scheinwerfer prägen die Front. Ein subtiles Designdetail an den Radläufen ist von der traditionellen japanischen Holzkunst namens Kigumi inspiriert, die durch präzise Holzverbindungen ohne Schrauben glänzt. Am Heck weicht das Markenlogo einem modernen, quer gezogenen Herstellerschriftzug, was dem Heck ein deutlich breiteres Aussehen verleiht.
Digitale Entschlackung mit ergonomischen Einbußen
Der technologische Sprung im Interieur wird allerdings nicht von jedem traditionellen Kunden klaglos hingenommen werden. Das Cockpit präsentiert sich radikal aufgeräumt und befreit von fast allen physischen Tasten und Reglern. Dominiert wird der Instrumententräger von einem horizontal ausgerichteten Touchscreen, der je nach Ausstattungslinie eine Diagonale von 12.9 Zoll oder stolze 15.6 Zoll aufweist. Dies stellt das größte Display dar, das Mazda jemals in einem Serienfahrzeug verbaut hat. Erstmals zieht eine tief integrierte Google-Software in das System ein, was eine reibungslose Navigation über Google Maps in Echtzeit, den Zugriff auf den Google Play Store und die Nutzung des sprachgesteuerten Google Assistant mit künstlicher Intelligenz ermöglicht. Aber für diesen digitalen Fortschritt opferte die Marke ein zentrales Alleinstellungsmerkmal, was in der Fachwelt auf harsche Kritik stößt. Der intuitive Dreh-Drück-Steller auf der Mittelkonsole wurde ersatzlos gestrichen. Die Bedienung erfolgt nun rein über den Touchscreen oder via Sprachbefehl, was im fahrerischen Alltag zweifellos zu einer höheren Ablenkung führt. Auch bei der Materialauswahl zeigt sich ein sehr gemischtes Bild. Zwar umschmeicheln weich aufgeschäumte Kunstlederoberflächen mit feinen Ziernähten an den wichtigsten Kontaktpunkten die Hände, doch an den oberen Türbrüstungen und der Einfassung des digitalen 10.25 Zoll-Kombiinstruments regiert harter, klopfempfindlicher Kunststoff. Versöhnlich stimmt dagegen die serienmäßige Sicherheitsausstattung. Bereits in der Basisversion schützt das i-Activsense-System die Insassen mit Spurhalte- und Spurwechselassistenten, autonomer Notbremsfunktion samt Fußgängererkennung, Verkehrszeichenerkennung sowie einer adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage mit automatischer Tempolimit-Anpassung.
Der Saugmotor-Anachronismus im europäischen Härtetest
Unter der Motorhaube des neuen Mazda CX-5 offenbart sich eine Antriebsphilosophie, die im Zeitalter hocheffizienter, aufgeladener Downsizing-Motoren wie ein technischer Anachronismus wirkt und in der Fachpresse für reichlich Diskussionsstoff sorgt. Als einzige Motorisierung steht zum Marktstart ein großvolumiger 2.5-Liter-Vierzylinder-Saugmotor mit e-Skyactiv G Technologie bereit, der an ein 24-Volt-Mildhybridsystem mit Riemen-Startergenerator gekoppelt ist. Doch die Leistungsentfaltung des Euro-6e-konformen Aggregats ist für europäische Kunden eine herbe Enttäuschung. Während der identische Motor in Nordamerika muntere 187 PS leistet, wird er für den europäischen Markt auf magere 141 PS beziehungsweise 104 Kilowatt gedrosselt. Das maximale Drehmoment von 238 Newtonmetern liegt erst bei späten 3.500 Umdrehungen pro Minute an. In Kombination mit dem neu kalibrierten Sechsgang-Automatikgetriebe, das zwar weich, aber bisweilen träge agiert, führt dies zu recht zähen Fahrleistungen. Die frontgetriebene Version benötigt 10.5 Sekunden für den Sprint von null auf 100 Kilometer pro Stunde, mit dem Allradantrieb i-Activ AWD verstreichen sogar 10.9 Sekunden. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 187 Kilometern pro Stunde für den Fronttriebler und 185 Kilometern pro Stunde für die Allradvariante ist auf der Autobahn frühzeitig Schluss. Trotz einer automatischen Zylinderabschaltng im Teillastbereich glänzt der Saugmotor nicht mit überragender Sparsamkeit. Der WLTP-Verbrauch von kombinierten 7.0 Litern für den Fronttriebler und bis zu 7.5 Litern auf einhundert Kilometern für die Allradversion stuft das SUV unweigerlich in die steuerlich unattraktive CO2-Klasse F ein. Wer eine zeitgemäße Effizienz sucht, muss auf den für 2027 angekündigten echten Vollhybrid auf Basis der neuen Skyactiv-Z Motorengeneration warten.
Die Preisstruktur des neuen SUV-Hoffnungsträgers
Der Einstieg in den neuen Mazda CX-5 gestaltet sich preislich auf den ersten Blick fair, bewegt sich im gehobenen Ausstattungsbereich jedoch schnell in Regionen, in denen die Luft im Wettbewerbsumfeld dünner wird. Das SUV ist in Deutschland in vier strukturierten Ausstattungslinien lieferbar. Den Einstieg markiert die Prime-Line ab 34.990 Euro, die ausschließlich mit Frontantrieb kombiniert werden kann und bereits die wichtigsten Konnektivitäts- und Sicherheitsfunktionen ab Werk beinhaltet. Darüber rangiert die Center-Line für 38.790 Euro mit Vorderradantrieb, die für einen Aufpreis von glatten zweitausend Euro auf 40.790 Euro auch mit dem variablen Allradantrieb geordert werden kann. Sie bietet zusätzlich die Zwei-Zonen-Klimaautomatik, edlere Bezüge und die kabellose Smartphone-Integration. Die Exclusive-Line startet bei 40.890 Euro für den Fronttriebler und klettert als Allradler auf 42.890 Euro. Sie verwöhnt die Insassen mit einer elektrischen Heckklappe, Sitz- und Lenkradheizung sowie dem farbigen Head-up-Display. Als Topmodell fungiert die Variante Homura ab 44.090 Euro mit Frontantrieb und 46.090 Euro mit Allradantrieb, die sich optisch durch glänzend schwarze Karosserieteile und schwarze 19-Zoll-Alufelgen abhebt sowie ein komfortabeles Interieur mit klimatisierten Ledersitzen, ein Bose-Soundsystem mit zwölf Lautsprechern und den großen 15.6-Zoll-Bildschirm mitbringt. Ein optionales Panorama-Glasschiebedach schlägt für die beiden Toplinien mit weiteren 1.500 Euro zu Buche. Positiv hervorzuheben ist das umfangreiche Garantieversprechen der Japaner, das sich über einen Zeitraum von sechs Jahren bis zu einer Laufleistung von 150.000 Kilometern erstreckt.

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