Range Rover Sport Electric - Bildnachweis: Land Rover / JLR
Der Sprung ins Elektrozeitalter: Die Transformation der britischen SUV-Ikone
Steil aufragende weiße Felswände, feiner Marmorstaub in der Luft und Steigungen von bis zu 45 Grad schaffen eine Kulisse, die normalerweise schweren Kettenfahrzeugen und Bergbau-Spezialgeräten vorbehalten bleibt. Mitten in den bekannten Steinbrüchen von Carrara muss das neueste Modell von Jaguar Land Rover seine Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen. Der Range Rover Sport Electric tritt an, um das Segment der sportlichen Oberklasse-SUV neu zu definieren. Es geht um nicht weniger als die Frage, ob das markentypische Versprechen aus dynamischem Handling, unverwüstlicher Geländegängigkeit und absolutem Luxus ohne den emotionalen Klang eines Achtzylinders bestehen kann.
Die Herausforderung für die britischen Ingenieure lag keineswegs nur in der Abstimmung einer beeindruckenden Beschleunigung auf gerader Strecke. Die Umstellung auf einen rein batterieelektrischen Antrieb verlangt nach einer grundlegenden Überarbeitung der Fahrzeugarchitektur, wenn die sportliche DNS der Baureihe erhalten bleiben soll. Basierend auf der flexiblen Modularen Längsarchitektur MLA-Flex verlässt das Fahrzeug das gewohnte Terrain klassischer Verbrennungsmotoren. Die Transformation bringt grundlegende strukturelle Modifikationen mit sich, die dem Elektromodell theoretisch spürbare fahrdynamische Vorteile gegenüber den Plug-in-Hybrid-Varianten verschaffen.
Range Rover Sport EV - Modellübersicht 2026
Parameter Range Rover Sport EV450 Range Rover Sport EV550 Range Rover Sport P540 V8 MHEV
Antriebsart Dual-Motor Elektro (AWD) Dual-Motor Elektro (AWD) 4.4L V8 Twin-Turbo MHEV
Systemleistung 331 kW / 450 PS 405 kW / 550 PS 395 kW / 537 PS (P540)
Max. Drehmoment ca. 750 Nm 850 Nm 750 Nm
Beschleunigung (0-100 km/h) ca. 5,2 s 4,5 s 4,5 s
Höchstgeschwindigkeit 200 km/h 200 km/h 250 km/h
Batteriekapazität (nutzbar) 118,5 kWh 118,5 kWh -
Elektrische Reichweite (WLTP) bis zu 609 km bis zu 609 km (374 Meilen) -
Herstellerschätzung Praxisreichweite ca. 535 km ca. 535 km -
Max. DC-Ladeleistung bis zu 350 kW (800V) bis zu 350 kW (800V) -
DC-Ladezeit (10-80 %) 22 Minuten 22 Minuten -
Leergewicht (EU) ca. 2.750 kg 2.770 kg 2.485 kg
Maximale Wattiefe 900 mm 900 mm 900 mm
Maximale Anhängelast 2.500 kg 2.500 kg 3.500 kg
Einstiegspreis Deutschland ab 120.400 Euro ca. 135.000 Euro (Schätzung) ab 145.500 Euo
Der Blick richtet sich damit auf die konkreten technischen Daten, die den bisherigen Spitzenmodellen Paroli bieten sollen. Mit einem Einstiegspreis von 120.400 Euro für den deutschen Markt platziert Jaguar Land Rover das Fahrzeug unterhalb des großen Range Rover Electric, verlangt aber einen deutlichen Aufpreis im Vergleich zu den Plug-in-Hybriden. Der Markt für elektrische Luxus-SUV entwickelt sich rasant, und etablierte Mitbewerber setzen hohe Maßstäbe bei Reichweite und Ladegeschwindigkeit. Für anspruchsvolle Autoliebhaber geht es somit um die Abwägung, ob die Kombination aus britischem Haltungskomfort und moderner 800-Volt-Technologie das ideale Gesamtpaket bildet.

Antrieb und Performance: Der elektrische Zweikampf gegen den V8
Im Zentrum der Leistungsentfaltung stehen zwei intern entwickelte Elektromotoren, die an der Vorder- und Hinterachse verbaut sind. In der Topversion EV550 leisten diese Stromer gemeinsam 405 kW, was einer Systemleistung von genau 550 PS entspricht. Mit einem maximalen Drehmoment von 850 Nm übertrifft der elektrische Ableger selbst das V8-Topmodell SV um 100 Nm und markiert den höchsten Wert, der jemals in einem Range Rover Sport angeboten wurde. Neben dem EV550 steht für den europäischen Markt eine etwas leistungsschwächere Variante namens EV450 mit 331 kW respektive 450 PS bereit, die den finanziellen Einstieg in die Modellreihe markiert.

Im Dynamic Launch Mode vergehen für den Sprint von 0 auf 100 km/h im EV550 lediglich 4,5 Sekunden. Damit zieht der Stromer exakt mit dem konventionell angetriebenen V8-Benziner P540 gleich. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 200 km/h elektronisch abgeregelt, was auf deutschen Autobahnen im Vergleich zu den Verbrenner-Brüdern eine bewusste Einschränkung darstellt, der Batterieeffizienz bei hohen Geschwindigkeiten jedoch geschuldet ist. Beeindruckender als der reine Sprintwert ist die Reaktionsschnelligkeit des Systems: Das Drehmoment baut sich um 50 Prozent schneller auf als beim größeren Range Rover Electric, da die Ansteuerung der Traktionskontrolle direkt in die Wechselrichter integriert wurde.
Aber die schiere Kraft trifft auf eine physikalische Hürde, die sich im Leergewicht widerspiegelt. Mit einem unbeladenen EU-Gewicht von rund 2.770 kg bringt der Range Rover Sport Electric gut 285 kg mehr auf die Waage als das V8-Topmodell SV. Diese gewaltige Masse muss in Kurven und bei harten Bremsmanövern beherrscht werden. Ein intelligentes Traktionsmanagement regelt die Kraftverteilung zwischen den Rädern innerhalb von nur fünf Millisekunden und arbeitet damit bis zu 100-mal schneller als mechatronische Allradsysteme herkömmlicher Bauart. Dennoch bleiben die Gesetze der Masse bestehen, was bei engagierter Fahrweise eine extrem ausgetüftelte Regelungstechnik der Fahrwerks-Komponnenten erfordert.

Deshalb haben die Entwickler das Ansprechverhalten der Antriebseinheiten so programmiert, daß der Leistungseinsatz extrem linear und dosierbar erfolgt. Das vereinfacht nicht nur das schnelle Fahren auf Asphalt, sondern bildet auch die Grundlage für die Präzision im schweren Gelände. Statt abrupter Leistungsspitzen steht das volle Drehmoment fast ab dem ersten Meter blitzschnell und zugleich seidenweich bereit. Diese Souveränität unterscheidet den Range Rover Sport Electric von vielen rein leistungsorientierten Elektro-Sportwagen, die bei schnellen Gasbefehlen oft zu digital und unharmonisch wirken.
Fahrwerkstechnik und Dynamik: Physik-Kontrolle auf Spitzenniveau
Um das erhebliche Gewicht dynamisch zu kaschieren, setzt das Fahrwerk auf eine Kombination fortschrittlichster Steuerungssysteme. Die Basis bildet die Rohkarosserie der MLA-Flex-Plattform, deren Torsionssteifigkeit durch die feste Integration des Batteriegehäuses um 61 Prozent gegenüber den Plug-in-Hybrid-Modellen gesteigert wurde. Gleichzeitig wandert der Schwerpunkt durch die im Fahrzeugboden verankerten Batteriezellen um 73 Millimeter nach unten. Diese zweifache Optimierung verringert die Neigung zu Karosseriebewegungen schon vor dem Eingreifen der elektronischen Helfer maßgeblich.

Zur aktiven Fahrwerksregelung gehört die elektronische aktive Wankstabilisierung eARC, die als Teil des Dynamic Response Pro Pakets beim EV550 serienmäßig an Bord ist. Elektromotoren an den Stabilisatoren können ein Stabilisierungsmoment von bis zu 1.400 Nm pro Achse aufbringen, um die Neigung des Fahrzeugs in schnell durchfahrenen Kurven nahezu vollständig auszugleichen. Ergänzt wird dieses System durch die Dynamic-Luftfederung mit Zweiventil-Dämpfern und das Steuerungssystem Adaptive Dynamics. Letzteres analysiert 500-mal pro Sekunde insgesamt 100 Parameter wie Lenkwinkel, Raddrehzahl und Vertikalbewegungen, um die Dämpfkraft für jedes Rad einzeln anzupassen.
Aber die wahrhaft spürbare Agilität im Alltagsverkehr verdankt das große SUV seiner serienmäßigen Allradlenkung. Die Hinterräder schlagen je nach Fahrgeschwindigkeit um bis zu 7,3 Grad entgegen oder gleichsinnig zu den Vorderrädern ein. Dadurch schrumpft der Wendekreis auf das Niveau eines Kompaktwagens, was das Manövrieren in engen Innenstädten oder steilen Haarnadelkurven enorm erleichtert. Beim Verzögern übernimmt das regenerative Bremssystem den Großteil der Arbeit, wodurch die mechanische Bremsanlage entlastet wird. Vorn arbeiten Bremsscheiben mit 380 mm Durchmesser und Vierkolben-Festsätteln, hinten kommen 355-mm-Scheiben zum Einsatz. Um Korrosion durch die primäre Nutzung der E-Motor-Rekuperation zu verhindern, wurden die Stahlscheiben einer speziellen Stickstoffbehandlung unterzogen.
Deshalb hinterlässt das Zusammenspiel der Fahrwerkssysteme auf dem Papier einen überzeugenden Eindruck. Dennoch stellt sich im automobilen Alltag die Frage, ob die elektronische Entkopplung von der Fahrbahn nicht ein wenig Rückmeldung vermissen lässt. Ein Fünf-Meter-Schiff mit fast 2,8 Tonnen Gewicht kann trotz eARC und Hinterachslenkung die Gesetze der Trägheit bei sehr schnellen Richtungswechseln nicht gänzlich aushebeln. Zweifel bleiben bestehen, ob der extreme Aufwand beim Fahrwerk vor allem dazu dient, das fahrzeugbedingte Übergewicht zu kompensieren, anstatt ein leichtfüßiges Sportgefühl aus sich heraus zu erzeugen.
Geländetauglichkeit und der Extremtest in den Marmorsteinbrüchen
Ein Range Rover definiert sich seit jeher über seine Fähigkeit, unwegsames Gelände ohne Mühe zu bewältigen. Um dies für die elektrische Ära zu demonstrieren, schickte das Unternehmen den Prototyp zum finalen Erprobungslauf in die Marmorsteinbrüche von Carrara. Auf dem Weg zum Gipfel des Gioia musste das Fahrzeug extrem glatte, polierte Marmorflächen, tiefen Steinstaub und lose Geröllpassagen überwinden. Der virtuelle Allradantrieb verteilte das Drehmoment ohne mechanische Längsdifferenziale feinfühlig an jene Räder, die den besten Grip aufwiesen. Steigungen von bis zu 45 Grad wurden dabei ohne Schlupf oder Unterbrechung des Zugkraftflusses gemeistert. Zu den geländespezifischen Eckdaten gehört eine unveränderte Wattiefe von 900 Millimetern. Sämtliche Hochvoltelemente, die Steckverbindungen sowie das Batteriegehäuse wurden nach höchsten Schutzstandards abgedichtet, um Wassereintritt selbst bei längeren Durchfahrten zu verhindern. Neben den Geländetests in Italien nutzten die Ingenieure auch die private Rennstrecke des Magarigawa Club in Japan, um das Zusammenspiel aus Allradsteuerung und Traktionskontrolle bei hohen Reibwerten zu verfeinern. Das Fahrzeug kann zudem Anhängelasten von bis zu 2.500 kg an die Haken nehmen, wobei eine neu entwickelte Software die verbleibende Reichweite unter Berücksichtigung des Gewichts und des Luftwiderstands des Anhängers in Echtzeit prognostiziert.
Aber die imposanten Aufnahmen aus dem Steinbruch von Carrara sind auch mit einer gewissen Skepsis zu betrachten. Hersteller nutzen extrem inszenierte Herausforderungen gerne als Marketinginstrument, während der reale Alltag der meisten Besitzer eher von Bordsteinkanten, Tiefgaragen und schneebedeckten Passstraßen geprägt ist. daß das Elektro-SUV 900 mm tief durch Wasser waten kann, ist technisch faszinierend, im zivilen Einsatz jedoch eine Eigenschaft, die nur extrem seltene Anwendung finden dürfte.
Deshalb bleibt die Erkenntnis, daß der elektrische Allradantrieb die Geländeeigenschaften konstruktiv nicht verschlechtert, sondern durch die stufenlose Steuerung sogar präzisiert. Das Fehlen eines mechanischen Verteilergetriebes spart Bauraum, der für die Platzierung der Batteriezellen genutzt werden konnte. Wer das Fahrzeug tatsächlich abseits befestigter Wege bewegt, profitiert von der extrem feinen Dosierbarkeit des E-Motors bei Schrittgeschwindigkeit, ohne eine Kupplung schleifen lassen oder Wandlerschlupf einkalkulieren zu müssen.
Batterietechnologie, 800-Volt-System und Thermomanagement
Das Energiespeicherzentrum des Fahrzeugs bildet eine Lithium-Ionen-Batterie mit einer nutzbaren Speicherkapazität von 118,5 kWh. Die Zellen sind in einem hochfesten Aluminiumrahmen untergebracht, der fest mit dem Unterboden der MLA-Flex-Plattform verschraubt ist. Nach dem offiziellen WLTP-Prüfverfahren ermöglicht dieses Akkupaket eine maximale Reichweite von bis zu 609 Kilometern. Jaguar Land Rover nennt transparent einen praxisnahen Herstellerschätzwert von etwa 535 Kilometern im gemischten Ganzjahresbetrieb. Dies liegt leicht über den Werten früherer Testprotokolle und entschärft die oft geäußerten Bedenken hinsichtlich der Alltagstauglichkeit großer Elektro-SUV. Ein entscheidender technischer Baustein ist die 800-Volt-Architektur, die extrem hohe Ladeleistungen ermöglicht. An entsprechenden DC-Schnellladesäulen mit mindestens 325 kW Ladeleistung kann der Akku unter optimalen Bedingungen in rund 22 Minuten von 10 auf 80 Prozent aufgeladen werden. Im günstigsten Ladefenster zieht das System innerhalb von zehn Minuten Energie für weitere 220 Kilometer Reichweite. Um auch an älteren oder schwächeren 400-Volt-Ladesäulen zügig laden zu können, kommt eine integrierte Split-Charging-Technologie zum Einsatz, welche die Batterie virtuell in zwei Abschnitte teilt. Für das Laden zu Hause steht ein Wechselstrom-Onboard-Lader mit 22 kW dreiphasig bereit, der eine vollständige Ladung von 0 auf 100 Prozent in etwa sieben Stunden ermöglicht. An einem einfachen 7-kW-Anschluss dauert dieser Vorgang rund 19 Stunden.
Eine Schlüsselrolle für den Erhalt der Leistungsfähigkeit spielt das neu entwickelte Thermomanagementsystem ThermAssist. Diese intelligente Wärmepumpentechnik senkt den Energiebedarf für die Innenraumheizung um bis zu 40 Prozent. Zudem hält das System die Batterie selbst bei extremen Außentemperaturen im idealen Temperaturfenster. Die Entwicklungsabteilung wies die Funktionstüchtigkeit bei Kältetests bis minus 40 Grad Celsius im schwedischen Arjeplog sowie bei Wüstentests in der arabischen Hitze nach. Ein sogenannter Battery Digital Twin überwacht kontinuierlich den Zellzustand aus der Ferne, um über Software-Over-The-Air-Updates (SOTA) vorausschauende Wartungen durchzuführen. Land Rover gewährt auf den Akku eine Garantie von acht Jahren oder 160.000 Kilometern.
Der modernen 800-Volt-Architektur zum Trotz zeigt der Blick auf die Mitbewerber, daß die effizienzbezogene Systemarchitektur der Briten im Klassenvergleich kein Alleinstellungsmerkmal mehr bietet. Die Reichweite von 609 WLTP-Kilometern ist respektabel, erfordert aber einen gigantischen 118,5-kWh-Akku. Porsche erzielt beim kommenden elektrischen Cayenne mit einem kleineren Akku von netto rund 108 kWh eine Reichweite von bis zu 653 Kilometern. Der BMW iX5 strebt mit einem 141-kWh-Paket sogar Werte von bis zu 845 Kilometern an. Der Range Rover Sport Electric benötigt somit vergleichsweise viel Energie, um seine Masse durch den Luftstrom zu schieben.
Deshalb haben die Aerodynamiker feine Details an der Karosserie nachgeschärft, um den Luftwiderstand zu reduzieren. Der Luftwiderstandsbeiwert konnte auf cw= 0,29 gesenkt werden, was für ein steil stehendes Geländefahrzeug einen guten Wert darstellt. Eine aktive Kühlerjalousie im neu gestalteten Kühlergrill schließt bei geringem Kühlbedarf automatisch. Zusammen mit aerodynamisch optimierten Leichtmetallrädern und speziellen Air Curtains an der Frontschürze bringt das Aerodynamik-Paket bei Autobahngeschwindigkeit bis zu 16 Kilometer zusätzliche Reichweite.
Karosserie, Aerodynamik und Innenraumkomfort
Das äußere Erscheinungsbild bleibt der klaren, reduzierten Designsprache der aktuellen Modellgeneration treu. Die Unterschiede zu den Verbrennermodellen fallen subtil aus und beschränken sich im Wesentlichen auf den geschlossenen Kühlergrill, die spezifischen Aerofelgen sowie das Fehlen von Auspuffendrohren an der Heckschürze. Diese optische Verwandtschaft ist bewusst gewählt, da Kunden im Luxussegment kein betont futuristisches, sondern ein zeitloses Erscheinungsbild schätzen. Das Fahrzeug wirkt stämmig, elegant und verzichtet auf aufdringliche Dekorelemente. Im Innenraum setzt sich der puristische Stil fort. Durch den wegfallenden Motorlärm rückt die akustische Dämmung noch stäker in den Fokus. Das Fahrzeug nutzt ein aktives Geräuschunterdrückungssystem, das über Mikrofone im Radhaus Störgeräusche erfasst und Gegen-Schallwellen über die Lautsprecher in den Kopfstützen wiedergibt. Zudem wird das akustische Verbundglas rundum durch eine neu komponierte Sound-Signatur ergänzt. Ein dezentes Soundsystem überlagert elektronische Klänge im Innenraum je nach gewähltem Fahrmodus, während das gesetzlich vorgeschriebene AVAS-System Fußgänger bei niedrigen Geschwindigkeiten warnt.
Aber der Verzicht auf Motorengeräusche legt unweigerlich andere Schallemissionen frei. Abrollgeräusche der breiten 22-Zoll-Räder und Windgeräusche an den großen Außenspiegeln treten bei höheren Geschwindigkeiten deutlicher in den Vordergrund. Die Dämmung erfordert daher zusätzlichen Aufwand beim Einsatz von Isoliermaterialien, was wiederum das Gesamtgewicht erhöht. Das Raumangebot bleibt dank der MLA-Flex-Plattform auf dem bekannten Niveau der Verbrennervarianten, sodaß der Kofferraum ein praxisgerechtes Volumen bietet und die Passagiere im Fond großzügige Beinfreiheit genießen.
Das Augenmerk bei der Ausstattung richtet sicxh auf nachhaltige Luxusmaterialien. Neben klassischem Semi-Anilin-Leder stehen hochwertige Textilalternativen wie Kvadrat-Wollmischungen und Ultrafabrics zur Auswahl. Eine erweiterte Innenraumluftreinigung Pro mit PM2.5-Filtration und nanoe-X-Technologie reduziert Allergene, Bakterien und Gerüche im Cockpit. Das Infotainment steuert alle wesentlichen Fahrzeugfunktionen über ein zentrales Touchscreen-Display, wobei die Einbindung einer speziellen App das Auffinden und Vorwärmen an Ladestationen vereinfacht.
Modellvarianten, Ausstattungen und Preisstruktur für Deutschland
Für den Marktstart in Deutschland ist die Preisstruktur klar definiert. Der Range Rover Sport Electric startet ab einem Grundpreis von 120.400 Euro für die Ausstattungslinie Dynamic SE. Damit liegt das vollelektrische Modell rund 16.000 Euro über der günstigsten Plug-in-Hybrid-Variante P460e, die ab knapp 104.400 Euro erhältlich ist. Im Vergleich zum großen Range Rover Electric fällt der Einstiegspreis jedoch spürbar moderater aus, da das Flaggschiff in Deutschland erst ab etwa 163.500 Euro angeboten wird.
Das Portfolio gliedert sich in vier grundlegende Ausstattungslinien: Dynamic SE, Dynamic HSE, Autobiography sowie die zeitlich begrenzt angebotene First Edition. Bereits die Version Dynamic SE bietet eine umfangreiche Serienausstattung mit Luftfederung, LED-Scheinwerfern und modernen Fahrassistenzsystemen. Die Variante Dynamic HSE ergänzt erweiterte Komfortmerkmale wie belüftete Sitze mit Massagefunktion und das Dynamic Response Pro Fahrwerk. Das Topmodell Autobiography richtet sich an Käufer mit höchstem Anspruch an Luxus und bietet unter anderem exklusive Dekorelemente sowie das Meridian Surround-Soundsystem.
Aber für Kunden, die eine individuelle Gestaltung wünschen, öffnet Land Rover beim Autobiography den hauseigenen Bespoke Service. Dieser Personalisierungsdienst ermöglicht nahezu unbegrenzte Kombinationen aus Speziallacken, individuellen Innenraumfarben und maßgeschneiderten Stickereien. Die zur Einführung angebotene First Edition besticht durch eine Lackierung in Zadar Grey, eine mattierte Satin-Wrap-Schutzfolie ab Werk, ein schwarzes Kontrastdach und spezifische 22-Zoll-Leichtmetallräder.
Der finale Kaufpreis läßt sich durch die umfangreiche Aufpreisliste mühelos in höhere Regionen treiben. Wer die Topversion EV550 mit Autobiography-Ausstattung und zusätzlichen Personalisierungen wählt, nähert sich schnell der Marke von 150.000 Euro. Die Auftragsbücher sind ab sofort geöffnet, die Fertigung erfolgt gemeinsam mit den Benziner-, Diesel- und Hybridversionen im Stammwerk Solihull in Großbritannien. Die ersten Kundenauslieferungen in Deutschland sind für Anfang 2027 terminiert.
Marktpositionierung, Wettbewerbsvergleich und kritische Würdigung
Der Range Rover Sport Electric betritt ein Segment, das sich im Umbruch befindet. Im Vergleich zu den Hauptkonkurrenten zeigt sich eine klare Differenzierung. Während der Porsche Cayenne Electric primär auf Rundenzeiten und maximale Effizienz getrimmt ist und der BMW iX5 mit enormen Akku-Kapazitäten um die Reichweitenkrone kämpft, setzt der Briten-Stromer auf die breiteste Spreizung aller Eigenschaften. Er kombiniert die Beschleunigung eines Sportwagens mit echten Offroad-Fähigkeiten, 900 mm Wattiefe und einem unveränderten Markenimage.
Aber dieser Spagat zwingt zu Kompromissen, die im Testalltag nicht ignoriert werden können. Das hohe Leergewicht von 2.770 kg belastet die Reifen und schränkt die Effizienz bei zügiger Autobahnfahrt ein. Wer die gebotene Leistung von 550 PS häufig abruft, wird den theoretischen WLTP-Wert von 609 Kilometern rasch unterbieten. Zudem sollten die Entwicklungsverzögerungen in der jüngeren Vergangenheit nicht vergessen werden: Ein Überhitzungsproblem des Vorderachs-Elektromotors bei Erprobungsfahrten in Dubai führte beim Schwestermodell Range Rover Electric zu Verzögerungen beim Marktstart. Es bleibt abzuwarten, ob die Haltbarkeit des komplexen Gesamtsystems unter extremen Dauerbelastungen den hohen Kundenerwartungen standhält.
Es lässt sich festhalten, daß der Range Rover Sport Electric eine beeindruckende technische Leistung darstellt, die den Übergang der Traditionsmarke in das Zeitalter der Elektromobilität glaubwürdig vollzieht. Das Fahrzeug versucht nicht, krampfhaft anders zu sein als seine Verbrenner-Ahnen, sondern nutzt die Vorteile des Elektroantriebs zur Verfeinerung bewährter Stärken. Für finanzstarke Käufer, die ein luxuriöses, extrem leistungsfähiges und geländegängiges Allround-SUV suchen und dafür ein hohes Fahrzeuggewicht in Kauf nehmen, bietet der britische Stromer ab Anfang 2027 ein technisch faszinierendes Gesamtpaket.

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