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Raumwunder ab 24.900 Euro: Der Leapmotor B03X fordert die etablierte Stromer-Konkurrenz heraus

Leapmotor B03X - 2026 - Bildnachweis: Stellantis / Copyright: Paolo Tangari

 

Beginn eines neuen Kapitels der urbanen Mobilität: Der neue Leapmotor B03X

Die sonnenverwöhnten Küstenstraßen und steilen Bergpässe rund um das andalusische Marbella dienten als Kulisse für eine dynamische Fahrpräsentation, die in der europäischen Automobilbranche für Aufsehen sorgt. Der chinesische Hersteller Leapmotor schickt mit dem B03X seinen neuesten voll elektrischen Urban Crossover auf die Straße und zielt damit exakt auf die empfindlichste Lücke des europäischen Elektroautomarkts. Unter dem Herstellermotto eines einfachen und cleveren Begleiters für den Alltag verspricht das Fahzeug eine Kombination aus familientauglichem Raumangebot, zeitgemäßer Software sowie soliden Fahrleistungen zu einem Einstiegspreis von 24.900 Euro in Deutschland. Doch hinter dem sympathischen Lächeln der LED-Front verbirgt sich keineswegs nur ein weiteres Experiment aus Fernost, sondern ein strategisch durchdachter Angriff auf die etablierte Konkurrenz. Durch die enge Kooperation mit dem Autogiganten Stellantis nutzt die Marke bestehende Logistik- und Servicestrukturen in ganz Europa, was dem B03X von Beginn an einen massiven Startvorteil verschafft.   

Leapmotor B03X – 2026 – Bildnachweis: Stellantis / Copyright: Paolo Tangari

Deshalb richtet sich der Blick vieler Automobilanalysten derzeit gespannt auf dieses Modell des B-Segments, das ab sofort bestellbar ist und bereits im Juli den Vorverkauf im europäischen Händlernetz eröffnet hat. Dank staatlicher Rahmenbedingungen und flexibler Leasingmodelle startet die monatliche Rate in Deutschland bei attraktiven 109 Euro mit E-Auto-Förderung beziehungsweise bei 239 Euro ohne Förderung, jeweils basierend auf einer Sonderzahlung von 4.790 Euro über eine Laufzeit von 36 Monaten und 10.000 Kilometern pro Jahr. Aber kann ein knapp 4,27 Meter langes Fahrzeug für diesen Preis tatsächlich die hohen Ansprüche europäischer Autokäufer erfüllen, ohne an wesentlichen Stellen den Rotstift anzusetzen? Ein Blick auf die technischen Spezifikationen, die Plattformarchitektur sowie erste Fahrwerte aus den andalusischen Erprobungsfahrten offenbart eine überraschende Mischung aus cleverer Konstruktion und wohlüberlegtem Sparzwang.   

Leapmotor B03X – 2026 – Bildnachweis: Stellantis / Copyright: Paolo Tangari

Die Stellantis-Allianz und der Strategiewechsel im bezahlbaren E-Segment

Um die Tragweite dieses Modells zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Konzernstrukturen hinter der Marke. Stellantis hält eine Mehrheitsbeteiligung von 51 Prozent an dem Joint Venture Leapmotor International und übernimmt exklusiv den Vertrieb sowie die Produktion außerhalb Chinas. Das beseitigt für Kunden in Deutschland eine der größten Hemmschwellen beim Kauf chinesischer Fahrzeuge, nämlich das ungewisse Servicenetz, denn die Wartung wird direkt über das bestehende Stellantis-Händlernetz mit etablierten Marken wie Opel, Peugeot oder Fiat abgewickelt. Ein interessantes Detail zeigt sich bereits bei der Namensgebung des Stromers. Ursprünglich sollte das Modell analog zum kleineren T03 oder dem größeren C10 schlicht als A03 oder A10 auf den Markt kommen, was jedoch am Einspruch der Rechtsabteilung von Audi scheiterte, die sich die Nomenklatur der A-Reihe langjährig gesichert hat. Aus dem Wunschnamen wurde somit die Bezeichnung B03X für die Crossover-Variante, während eine aerodynamisch optimierte Stufenheck-Limousine unter dem Namen B03 in Kürze folgen wird.   

Leapmotor B03X – 2026 – Bildnachweis: Stellantis / Copyright: Paolo Tangari

Deshalb stellt die Partnerschaft mit Stellantis auch eine Absicherung gegen geopolitische Spannungen dar. Um drohenden EU-Strafzöllen auf chinesische Eigenimporte zu entgehen, nutzt der Konzern europäische Fertigungsstandorte. Während der kleine T03 bereits im polnischen Werk Tychy vom Band läuft, startet die europäische Fertigung für neuere B-Modelle wie den B10 und perspektivisch den B03X im spanischen Stellantis-Werk Figueruelas bei Saragossa. Diese Produktionsverlagerung reduziert nicht nur die Logistikkosten, sondern verringert auch die Lieferzeiten für deutsche Endkunden erheblich.   

Design und Abmessungen: Kompakter Zuschnitt mit SUV-Anleihen

Optisch setzt der Leapmotor B03X auf eine ausgewogene Mischung aus robuster Crossover-Ästhetik und freundlicher Linienführung. Mit einer Gesamtlänge von 4,27 m, einer Breite von 1,81 m und einer Höhe von 1,64 m reiht er sich exakt zwischen klassischen Kleinwagen und kompakten SUVs ein. Der Radstand fällt mit 2,6 m für diese Fahrzeugklasse erfreulich lang aus, was den Überhängen zugutekommt und die Basis für das großzügige Raumangebot bildet. An der Frontpartie sticht eine dreigeteilte LED-Lichtleiste ins Auge, die von den Designer bewusst so gezeichnet wurde, dass sie ein dezentes Lächeln skizziert. Dieses Motiv wird an den markanten LED-Heckleuchten wieder aufgegriffen, deren Lichtgrafik intern als Haha-Signatur bezeichnet wird und dem Heck zusammen mit dem integrierten Dachspoiler eine eigenständige Note verleihen.   

Aber nicht nur die Optik, auch die Aerodynamik wurde im Windkanal geschliffen. Bündig versenkte Türgriffe, die beim Entriegeln elektrisch ausfahren, sowie ein verkleideter Unterboden tragen zum Luftwiderstandsbeiwert von cw 0,26 bei. Das Leergewicht variiert je nach Batteriegröße zwischen 1.360 kg bei der kleineren Variante und 1.460 kg bei der größeren Ausführung, was für ein batterieelektrisches Fahrzeug dieser Kategorie ein vergleichsweise leichtes Niveau darstellt. Mit einem Wendekreis von punktgenau 10 m erweist sich das Fahrzwug im alltäglichen Stadtverkehr zudem als extrem wendig und prädestiniert für enge Parklücken.   

Raumökonomie und Alltagstauglichkeit: Das Prinzip Kinositz im Fond

In der Fahrgastzelle überrascht der B03X mit einem Raumgefühl, das spürbar über das gewohnte Maß dieses Segments hinausgeht. Durch die flache Elektro-Plattform ohne störenden Kardantunnel bietet der Innenraum eine Länge von 2,28 m sowie eine Kniefreiheit im Fond von beeindruckenden 947 mm. Selbst groß gewachsene Passagiere finden auf der Rückbank dank guter Kopffreiheit problemlos Platz, ohne dass die Dachlinie einschränkend wirkt. Die wahre Stärke des Innenraums liegt jedoch in seiner funktionalen Variabilität. Leapmotor bedient sich hier eines Konzepts, das Autokenner bereits von Hondas Magic Seats kennen. Die hinteren Sitzflächen lassen sich mit einem einfachen Handgriff hochklappen und arretieren, wodurch hinter den Vordersitzen ein hoher vertikaler Laderaum entsteht, der sich perfekt für den Transport von sperrigen Gegenständen wie hohen Pflanzen oder Kisten eignet.   

Deshalb überzeugt auch der klassische Kofferraum mit durchdachter Alltagstauglichkeit. Das reguläre Ladevolumen beträgt 405 Liter und lässt sich durch das Umklappen der Rücksitzlehne auf bis zu 1.355 Liter erweitern, wobei eine weitgehend ebene Ladefläche mit einer nutzbaren Länge von 2,53 m entsteht. Unter dem doppelten Kofferraumboden verbirgt sich zudem eine 105 Liter fassende Kunststoffsammelbox. Diese Unterbodenwanne ist komplett wasserdicht sowie abwaschbar und verfügt sogar über einen eigenen Wasserablassstöpsel am Boden, womit sie sich ideal für schmutzige Wanderschuhe oder nasses Equipment eignet. Bei den verwendeten Materialien dominiert im oberen Bereich des Armaturenbretts eine angenehm weiche Soft-Touch-Oberfläche, ergänzt durch nach Oeko-Tex zertifizierte Sitzbezüge. In den unteren Zonen des Cockpits kommt zwar einfacherer Hartplastik zum Einsatz, was jedoch angesichts der Preisgestaltung verständlich erscheint und solide verarbeitet wirkt. Insgesamt stehen im Innenraum 33 verschiedene Staufächer für Gegenstände des täglichen Bedarfs zur Verfügung.   

Leapmotor B03X - 2026

Antriebstechnik und Batteriearchitektur: Cell-to-Chassis im Detail

Unter dem Karosseriekleid vertraut der B03X auf die modernste Evolution der herstellereigenen Elektro-Architektur mit der Bezeichnung Leap 3.5. Herzstück der Struktur ist das sogenannte Cell-to-Chassis-Sytem 2.0 Plus, bei dem die Batteriezellen ohne den Umweg über separate Modulgehäuse direkt in die Bodengruppe des Fahrzeugs integriert werden. Das senkt nicht nur den Schwerpunkt spürbar ab, sondern erhöht gleichzeitig die Torsionssteifigkeit der gesamten Karosserie und spart Gewicht ein. Beim Fahrwerk setzen die Ingenieure auf eine bewährte Kombination aus MacPherson-Federbeinen an der Vorderachse und einer platzsparenden Verbundlenkerachse im Heck. An allen vier Rädern sorgen Scheibenbremsen für Verzögerung, während bei den Rädern je nach Ausstattungsvariante 18-Zoll-Stahlfelgen oder Leichtmetallfelgen mit Reifen im Format 215/50 R18 aufgezogen sind. Der Antrieb erfolgt ausschließlich über die Vorderräder.   

Kunden können beim Kauf zwischen zwei klar getrennten Antriebs- und Batteriekonfigurationen wählen. Die Basisvariante Pro kombiniert einen permanentmagneterregten Synchronmotor an der Vorderachse mit einer Leistung von 130 kW, was umgerechnet 177 PS entspricht, mit einem Lithium-Eisenphosphat-Akkumulator von 39,8 kWh Nettokapazität. Diese Ausführung stellt ein maximales Drehmoment von 200 Nm bereit, absolviert den Sprint von 0 auf 100 km/h in 8,6 Sekunden und erreicht eine abgeregelte Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h. Die Reichweite nach dem europäischen WLTP-Prüfzyklus beläuft sich auf bis zu 292 Kilometer bei einem kombinierten Stromverbrauch von 15,5 kWh pro 100 Kilometer. Für Fahrer mit höherem Aktionsradius steht die Variante ProMax zur Verfügung. Hier steigt die Leistung des Elektromotors auf 145 kW, was satten 197 PS entspricht, während das Drehmoment unverändert bei 200 Nm verbleibt. Der LFP-Akku fasst in dieser Version 53,0 kWh und ermöglicht eine WLTP-Reichweite von bis zu 382 km bei einem normierten Verbrauch von 15,7 kWh pro 100 km.   

Ladeperformance, Effizienz und kritische Fahreindrücke

Beim Thema Ladetechnik nutzt der B03X ein 400-Volt-Bordnetz, verzichtet also aus Kostengründen auf eine teurere 800-Volt-Architektur. Dennoch fallen die Ladezeiten dank einer Laderate von 2,5 C für diese Preisklasse kurz aus. An einer entsprechenden DC-Schnellladestation nimmt die kleine Batterie Ladeleistungen von bis zu 100 kW entgegen, während der größere 53-kWh-Akku in der Spitze bis zu 133 kW verarbeitet. Damit gelingt der typische Ladehub von 30 auf 80 Prozent Kapazität in lediglich 16 bis 17 Minuten. Für das Wechselstromladen an der heimischen Wallbox oder städtischen Ladesäulen ist serienmäßig ein dreiphasiger On-Board-Lader mit 11 kW Leistung verbaut. Zudem gehört eine Wärmepumpe zur Serienausstattung, um die Reichweiteneinbußen in den kalten Wintermonaten zu minimieren. Auch eine Vehicle-to-Load-Funktion ist integriert, wodurch externe elektrische Geräte direkt über die Fahrzeugbatterie betrieben werden können.   

Auf den hügeligen Teststrecken rund um Marbella zeigte der Stromer ein erfreulich ausgereiftes Fahrverhalten. Das Fahrwerk ist primär auf Komfort ausgelegt und bügelt Unebenheiten im Asphalt sauber weg, neigt jedoch in schnell durchfahrenen Kurven zu einer spürbaren Karosserieneigung. Im reinen Überlandverkehr pendelte sich der Praxisverbrauch im Test bei niedrigen 10,6 kWh je hundert gefahrene Kilometer. Bei flotter Fahrt auf der Autobahn kletterte die Anzeige hingegen auf rund 17 kWh pro 100 km. Aus fahrzeugtechnischer Sicht bleibt dennoch eine gewisse Skepsis angebracht, wie realistisch die Reichweite des kleinen 39,8-kWh-Akkus auf einer deutschen Autobahn bei winterlichen Temperaturen sein wird. Hier dürfte die praxistaugliche Distanz ohne Zwischenstopp rasch unter die Marke von 200 km fallen. Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Abstimmung der Fahrparameter. Das Ansprechverhalten des Motors, die Lenkkraft sowie die Intensität der Rekuperation lassen sich zwar jeweils in drei Stufen individueller anpassen, die Umstellung muss jedoch ausschließlich über Untermenüs auf dem zentralen Touchscreen erfolgen, da physische Schalter im Cockpit fehlen.   

Digitales Ökosystem und Fahrassistenz

Das digitale Herzstück im minimalistischen Innenraum bildet der zentrale 14,6-Zoll-Touchscreen mit einer Auflösung von 2,5K, unterstützt von einem 8,8-Zoll-Display für die wichtigsten Instrumentenanzeigen direkt im Blickfeld des Fahrers. Hinter den Bildschirmen arbeitet ein Qualcomm Snapdragon 8155-Prozessor, der für eine flüssige Menüführung und schnelle Reaktionszeiten sorgt. Das Betriebssystem Leap OS 4.0 Plus unterstützt eine Split-Screen-Funktion sowie die kabellose Einbindung von Smartphones über Apple CarPlay und Android Auto. Über die zugehörige Smartphone-App lässt sich das Fahrzeug aus der Ferne vorklimatisieren, der Ladevorgang planen oder der digitale Fahrzeugschlüssel verwalten.   

In puncto Sicherheit baut der Crossover auf ein Sensornetzwerk aus insgesamt 14 Kameras und Radar- beziehungsweise Ultraschallsensoren auf. Serienmäßig sind 21 Assistenzsysteme der Stufe 2 an Bord, darunter ein adaptiver Tempomat, ein Spurhalteassistent, ein Stauassistent für den Stop-and-Go-Verkehr sowie eine Müdigkeitserkennung. Sieben Airbags runden das passive Sicherheitspaket ab.   

Modellaufstellung, Preise und Marktchancen in Deutschland

Die Modellstruktur des B03X präsentiert sich übersichtlich und verzichtet auf lange Aufpreislisten. Der Einstieg gelingt mit der Aussattungsvariante Pro LIFE ab einem Listenpreis von 24.900 Euro. Bereits diese Basisversion bietet automatische LED-Scheinwerfer, eine Klimaautomatik, ein Lenkrad aus Eco-Leder, die beiden digitalen Displays, ein Soundsystem mit sechs Lautsprechern sowie sämtliche 21 Assistenzsysteme. Die höherwertige Ausführung ProMax Design liegt preislich bei rund 29.400 Euro und ist stets an den größeren 53-kWh-Akku gekoppelt. Sie erweitert den Umfang um Kunstledersitze, einen sechsfach elektrisch verstellbaren Fahrersitz, Sitz- und Lenkradheizung, eine Ambientebeleuchtung mit 64 Farben, ein Soundsystem mit 12 Lautsprechern, Parksensoren vorne mit 360-Grad-Kamera sowie 18-Zoll-Leichtmetallfelgen.   

Im direkten Konkurrenzumfeld trifft der B03X auf Mitbewerber wie den Citroen e-C3, den Renault 5 E-Tech, den MG4 Electric, den BYD Dolphin oder den Hyundai Inster. Zwar ist ein Citroen e-C3 im Grundpreis knapp 1.600 Euro günstiger, bietet jedoch mit 310 Litern spürbar weniger Ladevolumen und ein abgespecktes Infotainment. Der MG4 hingegen verlangt in der Basis einen Aufpreis von rund 5.000 Euro. Mit einer Fahrzeuggarantie von vier Jahren bis 100.000 km sowie einer Batteriegarantie von acht Jahren bis 160.000 km sichert der Hersteller das Fahrzeug zudem solide ab.   

Marktchancen und redaktionelle Einschätzung

Mit dem Leapmotor B03X gelingt dem Verbund aus chinesischer Technologie und europäischer Vertriebskraft ein wirkungsvoller Vorstoß in das B-Segment der Elektro-Crossover. Die Kombination aus kompakten Abmessungen, überraschend variablen Platzverhältnissen und einer vollwertigen Sicherheitsausstattung zu einem Grundpreis von unter 25.000 Euro setzt etablierte Mitbewerber spürbar unter Zugzwang.   

Aber die verbleibenden Detailmängel bei der Touchscreen-Bedienung und die noch im deutschen Winter zu demonstrierende Praxistauglichkeit des Basisakkus zeigen, dass auch Stellantis und Leapmotor nicht zaubern können. Das Gesamtpaket erweist sich jedoch als durchdachtes Angebot für pragmatische Pendler und preisbewusste Familien. Wenn der Vertrieb über das Stellantis-Netzwerk reibungsfrei greift, besitzt der B03X alle Voraussetzungen, um das Segment der bezahlbaren Elektromobilität nachhaltig aufzumischen.