Renault 4 JP4x4 Concept - Bildnachweis: Renault
Die Renaissance der Freiheit: Der Renault 4 JP4x4 Concept als technologischer und emotionaler Wegbereiter der elektrischen Freizeitmobilität
Manchmal braucht es den Mut zur Lücke und den kompletten Verzicht auf konventionelle Türen, um die Essenz eines Autokonzepts freizulegen, das mehr sein will als nur ein weiteres Elektro-SUV im überlaufenen B-Segment. Wer am 18. Mai 2026 das Gelände der French Open in Paris betritt, wird am Stand von Renault auf eine Erscheinung treffen, die den Puls von Technik-Enthusiasten und Nostalgikern gleichermaßen in die Höhe treibt. Der Renault 4 JP4x4 Concept steht dort in einem schimmernden Smaragdgrün, das bei direktem Lichteinfall seine perlmuttartigen Nuancen preisgibt und sofort klarstellt, daß hier die Brücke zwischen der utilitaristischen Vergangenheit der Quatrelle und einer emotional aufgeladenen Zukunft geschlagen wird. Es ist ein Fahrzeug, das die unbeschwerte Freiheit der 1960er und 1970er Jahre atmet, dabei jedoch auf einer hochmodernen Architektur fußt, die das Potenzial hat, das Segment der kompakten Allradler neu zu definieren. Die internationale Autombilindustrie befindet sich in einem tiefgreifenden Transformationsprozess, der weit über den bloßen Wechsel der Antriebsart hinausgeht, und Renault zeigt hier, wie man historisches Erbe als technologische Machtdemonstration nutzt.

Das historische Fundament und die DNA der Quatrelle
Um die radikale Natur des Renault 4 JP4x4 Concept zu verstehen, muss man tief in die Geschichte der Marke und ihrer Partner eintauchen. Der ursprüngliche Renault 4 war von Beginn an als ein Fahrzeug konzipiert, das keine Grenzen kannte und über 8,1 Millionen Mal in über 100 Ländern verkauft wurde. Doch zwei spezifische Varianten prägten das Bild des R4 als Freizeit- und Strandmobil besonders nachhaltig: der Plein Air und der JP4. Der Renault 4 Plein Air, der im Mai 1968 auf den Markt kam, war eine radikal offene Version ohne Türen und Dach, die von der Firma Sinpar produziert wurde. Sinpar war bereits für seine Allradumbauten des R4 bekannt und schuf mit dem Plein Air ein Fahrzeug, das eher für die Promenade als für unwegsames Gelände gedacht war. Trotz seiner ikonischen Optik blieb der Plein Air aufgrund der Konkurrenz durch den Citroen Mehari ein Nischenprodukt und wurde nur bis 1970 gefertigt.

Ein Jahrzehnt später trat die Firma Car Système auf den Plan und präsentierte 1981 den JP4. Dieses Modell war technisch noch ambitionierter als der Plein Air, denn die Ingenieure verkürzten den Radstand des ursprünglichen Renault 4 um beachtliche 20 Zentimeter. Dies verlieh dem Fahrzeug eine völlig neue Proportionalität und eine beeindruckende Agilität. Der heutige Renault 4 JP4x4 Concept greift genau diese Fäden auf und verwebt sie mit der modernen Elektroarchitektur der RGEV Small Plattform. Der Name JP4x4 ist somit nicht nur eine Hommage an die Schöpfung von Car Système, sondern signalisiert durch den Zusatz 4×4 auch den entscheidenden technologischen Sprung in die Gegenwart: den elektrischen Allradantrieb. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die Reduktion auf das Wesentliche im modernen Sicherheitskorsett der EU-Zulassungsregeln überhaupt eine Chance auf eine Serienfertigung hätte.

Designanalyse und die Ästhetik der absoluten Offenheit
Der Renault 4 JP4x4 Concept präsentiert sich als ein Fahrzeug, bei dem die Grenzen zwischen Interieur und Exterieur bewusst aufgelöst wurden. Unter der Leitung von Jean-Philippe Salar entstand ein Entwurf, der die optimistische Farbsprache der 1970er Jahre nutzt, um eine moderne Identität zu schaffen. Die Karosserie ist in einem schimmernden Smaragdgrün lackiert, das eine moderne Neuinterpretation der historischen Farbtöne Emerald Green (Code 927) und Lettuce Green (Code 913) darstellt. In hartem Kontrast dazu steht das Interieur in einem leuchtenden Orange, was dem Fahrzeug eine enorme visuelle Energie verleiht. Die strukturelle Gestaltung bricht mit konventionellen Normen, da anstelle klassischer Türen lediglich zwei minimalistische Streben zu finden sind, die eher als Rahmen denn als physische Barrieren fungieren. Das Dach wurde durch eine offene Konstruktion in Form eines Kreuzes ersetzt, die für die notwendige Steifigkeit der Karosserie sorgt.

Ein besonders markantes Merkmal ist das Heck, das im Pick-up-Stil gestaltet wurde. Die Heckklappe lässt sich wie die Bordwand eines Lastwagens nach unten klappen, was den Zugang zum Kofferraun massiv vereinfacht und den praktischen Charakter unterstreicht. An den Flanken des Fahrzeugs fällt ein komplexes, 3D-gedrucktes Muster auf, das laut Hersteller direkt aus der Welt der modernen Sportbekleidung inspiriert wurde. Diese Oberflächenbehandlung zeigt die Fortschritte in der additiven Fertigung, die Renault in seiner Refactory in Flins vorantreibt. Dort werden Zubehörteile aus 100 Prozent recycelbaren Materialien hergestellt, was die Vision einer kreislauforientierten Produktion bei diesem Autombilhersteller unterstreicht. Dennoch wirkt die Materialwahl im Innenraum mit viel Stoffbezug an den Türverkleidungen und dem Armaturenbrett zwar hochwertig, könnte aber im harten Strandalltag mit Sand und Salzwasser schnell an ihre Grenzen stoßen.

Technologische Innovation und permanenter Allradantrieb
Unter der expressiven Hülle des JP4x4 Concept verbirgt sich die wahre technologische Neuerung. Während der serienmäßige Renault 4 E-Tech primär als effizienter Fronttriebler konzipiert ist, demonstriert das Konzept das volle Potenzial der RGEV Small Plattform. Diese Plattform wurde hier mit einem zweiten Elektromotor an der Hinterachse ausgestattet, was einen permanenten elektrischen Allradantrieb ermöglicht. Dieser duale Motoraufbau sorgt nicht nur für überlegene Traktion auf sandigem oder steinigem Untergrund, sondern verbessert auch die Agilität durch präzise Kraftverteilung zwischen den Achsen. Die technischen Spezifikaitonen gehen jedoch über den reinen Antrieb hinaus, da die Bodenfreiheit im Vergleich zum Standardmodell um 15 mm erhöht wurde. Zudem wurden die vordere und hintere Spur um jeweils 10 mm pro Seite verbreitert, was dem Fahrzeug einen extrem satten Stand verleiht.

In den weit ausgestellten Radhäusern drehen sich spezifische 18-Zoll-JP4-Felgen, die mit Goodyear UltraGrip Performance+ Reifen in der Dimension 225/55 bestückt sind. Diese Wahl unterstreicht, daß Renault hier kein reines Show-Fahrzeug für die Messehalle geschaffen hat, sondern eine fahrfähige Studie mit ernstzunehmenden Offroad-Parametern. Deshalb ist die technische Basis auch eng mit dem bereits 2025 vorgestellten Savane 4×4 Concept verwandt. Kritisch anzumerken ist jedoch, daß das zusätzliche Gewicht des zweiten Motors und die aerodynamischen Nachteile der offenen Bauweise die Reichweite im Vergleich zu den 409 km des Serienmodells deutlich reduzieren dürften. Renault macht hierzu keine genauen Angaben, was bei Konzeptfahrzeugen üblich ist, aber für potenzielle Serienkunden eine entscheidende Kennzahl wäre.
Interieur und Ergonomie im Stil der Siebziger
Der Innenraum des Renault 4 JP4x4 Concept ist eine faszinierende Mischung aus haptischer Wärme und minimalistischer Funktionalität. Besonders hervorzuheben sind die Schalensitze, deren Formgebung eine direkte Hommage an die legendären Ägyptische Mumie-Sitze der 1970er Jahre darstellt. Diese Sitze, die ursprünglich für die Sportmodelle Renault 15 und 17 entwickelt wurden, zeichneten sich durch ihre markante Struktur mit integrierten Kopfstützen aus. Im Konzeptfahrzeug wurden sie mit modernen Materialien neu interpretiert, wobei eine Kombination aus Krepp-Gewebe und diagonalen Mesh-Strukturen zum Einsatz kommt. Eine schwebende Mittelkonsole dominiert den vorderen Bereich und beherbergt die Bedienelemente in einer luftigen Anordnung. Ein besonderes Augenmerk verdient der Haltegriff auf der Beifahrerseite des Armaturenbretts, der bei holprigen Fahrten im Gelände eine reale Funktion erfüllt.

Die Digitalisierung ist dezent integriert und nutzt das OpenR Link-System mit Google built-in, das über zwei 10-Zoll-Displays gesteuert wird. Dieses System ist bereits aus den Modellen Megane und Scenic bekannt und gilt als eines der reaktionsschnellsten auf dem Markt. Im JP4x4 wurde die Benutzeroberfläche jedoch mit spezifischen Grafiken angepasst, die den Freizeit- und Offroad-Charakter betonen. Trotz der hochwertigen Anmutung bleibt die Frage offen, wie wetterfest die elektische Anlage in einem Fahrzeug ohne festes Dach und Fenster tatsächlich ist. Renault setzt hier auf robuste Textilien und 3D-gedruckte Abdeckungen, um die empfindliche Technologi zu schützen. Es ist ein mutiger Entwurf, der zeigt, daß Elektromobilität auch physisch und abenteuerlich sein kann, ohne in klinische Sterilität zu verfallen.
Marktelevanz und die Preisstruktur in Deutschland
Für den deutschen Markt ist der Renault 4 JP4x4 Concept als Imageträger von großer Bedeutung, auch wenn dieses spezifische Modell ein Einzelstück bleibt. Dennoch lassen sich aus der aktuellen Preisliste des serienmäßigen Renault 4 E-Tech wichtige Schlüsse ziehen. Das Einstiegsmodell Evolution mit der 40 kWh Batterie startet bei 29.500 Euro. Wer mehr Leistung und die 52 kWh Comfort Range Batterie wünscht, muss für die Version Evolution mindestens 32.500 Euro investieren. Die gehobene Ausstattungslinie Techno liegt bei 34.500 Euro, während das Topmodell Iconic mit 36.500 Euro zu Buche steht. Besonders interessant für Sonnenanbeter ist die Version Plein Sud mit dem elektrischen Stoff-Faltdach, die ab 36.300 Euro in der Techno-Variante und 38.300 Euro in der Iconic-Ausführung erhältlich ist.
In diesem preislichen Umfeld müsste sich auch eine mögliche Serienversion eines Allrad-R4 einordnen, die vermutlich unter dem Namen Savane vermarktet würde. Im Vergleich zum Hauptkonkurrenten, dem Jeep Avenger Electric, der bei etwa 38.500 Euro startet, bietet der Renault R4 mit 420 Litern ein deutlich größeres Kofferraumvolumen gegenüber den 355 Litern des Jeep. Zudem punktet der Franzose mit einer rekordverdächtig niedrigen Ladekante von nur 61 cm. Deshalb könnte ein elektrischer Allradler im B-Segment besonders in schneereichen Regionen Süddeutschlands auf großes Interesse stoßen. Die für Herbst 2026 angekündigte Roland-Garros-Sonderedition des R4 wird bereits viele Designelemente der Studie übernehmen, wie etwa die spezifischen Polsterungen und Farbakzente in Terracotta-Braun an den Stoßfängern.
Nachhaltigkeit und die Strategie der Dekarbonisierung
Hinter dem verspielten Äußeren des JP4x4 Concept steht eine ernsthafte ökologische Strategie. Renault hat sich zum Ziel gesetzt, den CO2-Fußabdruck seiner Fahrzeuge über den gesamten Lebenszyklus drastisch zu reduzieren. Die Batterien des R4 E-Tech, die auch im Konzept zum Einsatz kommen dürften, verwenden eine Nickel-Mangan-Kobalt-Chemie und sind so konstruiert, daß sie am Ende ihres Fahrzeuglebens leicht repariert oder zu über 90 Prozent recycelt werden können. Ein weiterer Aspekt ist die Dekarbonisierung der Materialien, wobei das Interieur bereits zu fast 20 Prozent aus recycelten Kunststoffen besteht. Die Produktion im ElectriCity-Verbund in Nordfrankreich stellt sicher, daß 75 Prozent der Zulieferer in einem Umkreis von weniger als 300 km angesiedelt sind.
Dieses lokale Ökosystem ist ein wichtiges Verkaufsargument in Deutschland, da es kurze Lieferwege und eine hohe Wertschöpfung in Europa garantiert. Die Konstrukiton des Motors kommt ohne Seltenerdmetalle aus, was die Umweltbilanz weiter verbessert. Im JP4x4 Concept wird dieser Ansatz durch den massiven Einsatz von 3D-gedruckten Komponenten aus kreislauffähigen Polymeren auf die Spitze getrieben. Man merkt dem Fahrzeug an, daß Nachhaltigkeit hier nicht als lästige Pflicht, sondern als gestalterische Chance begriffen wird. Dennoch bleibt die Herausforderung bestehen, diese umweltfreundlichen Materialien so robust zu gestalten, daß sie dem Anspruch eines echten Offroaders langfristig gerecht werden können.
Fazit und kritische Würdigung des Konzepts
Der Renault 4 JP4x4 Concept ist eine meisterhafte Übung darin, wie man eine Marke emotional auflädt, ohne den Bezug zur technischen Realität zu verlieren. Er beweist, daß Elektromobilität nicht zwangsläufig vernunftbetont oder gar langweilig sein muss. Durch die geschickte Verknüpfung von historischen Zitaten wie den Ägyptische Mumie-Sitzen mit modernster Allradtechnologie und nachhaltigen Fertigungsprozessen schafft Renault ein Fahrzeug, das Sehnsüchte weckt. Auch wenn der JP4x4 in seiner hier gezeigten Form ein Showcar bleibt, so sind seine technologischen Kernbotschaften konkret greifbar. Die Flexibilität der RGEV-Plattform und die Möglichkeit, einen zweiten Motor im B-Segment unterzubringen, sind wichtige Signale für die zukünftige Modellpalette.
Kritisch zu bewerten bleibt die Alltagstauglichkeit eines solch extremen Konzepts. In einem Land wie Deutschland, in dem das Wetter unbeständig ist, bleibt ein Auto ohne Türen und festes Dach ein reines Luxusspielzeug für eine sehr kleine Zielgruppe. Doch als Technologieträger erfüllt der JP4x4 seine Aufgabe vollumfänglich. Er zeigt, daß Renault zurück im Spiel der emotionalen Nischenmodelle ist und sich traut, ausgetretene Pfade zu verlassen. Die Kombination aus 110 kW Leistung, Allradantrieb und einem unverwechselbaren Design macht den JP4x4 Concept zu einem der spannendsten Entwürfe des Jahres 2026. Es ist ein Auto, das nicht nur transportiert, sondern eine Geschichte erzählt und den unbeschwerten Geist einer vergangenen Ära mit den technologischen Möglichkeiten von heute verknüpft. Wer die French Open 2026 besucht, wird am Renault-Stand die Zukunft der Freizeitmobilität sehen, und sie sieht verdammt gut aus.

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