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Castrol-Schmierstoffe aus Hamburg für Fahrzeuge des Newcomer Chery

Vertreter von Chery und Castrol besiegeln die europäische Kooperation zur Entwicklung speziell auf CHERY Fahrzeuge abgestimmter Motoröle. Die Produkte werden im Castrol Werk in Hamburg gefertigt - Bildnachweis: Chery Auto Deutschland

 

Hintergrund der Kooperation zwischen Chery und Castrol

Die europäische Automobillandschaft befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel, bei dem etablierte Hersteller zunehmend durch ambitionierte internationale Marken unter Druck geraten. Zu den aggressivsten Expansionsspielern gehört dabei die Chery Group aus China, die als einer der exportstärksten Fahrzeughersteller ihres Heimatmarktes nun massiv auf den europäischen Kontinent drängt. Um auf den anspruchsvollen hiesigen Märkten von Beginn an technisches Vertrauen aufzubauen, setzen die Verantwortlichen auf bewährte europäische Qualitätspartner. Deshalb wurde bereits Anfang 2025 eine weitreichende strategische Vereinbarung geschlossen, die die Motorenentwicklung direkt mit der Schmierstoffkompetenz von Castrol verknüpft. Das Besondere an diesem Bündnis ist die regionale Verankerung, denn sämtliche speziell zugelassenen Öle für die Erstbefüllung im Werk sowie für das weltweite Servicegeschäft wwrden direkt am traditionsreichen Standort in Hamburg produziert.

Aber bei genauer Betrachtung stellt sich die kritische Frage, ob derartige exklusive Öl-Partnerschaften tatsächlich einen messbaren technischen Mehrwert für den Endkunden darstellen oder ob es sich hierbei vor allem um geschicktes Marketing-Kalkül zur Kundenbindung im lukrativen Aftersales-Bereich handelt. Schließlich existieren auf dem freien Schmierstoffmarkt bereits zahlreiche vollsynthetische Hochleistungsöle, die nominell ähnliche Spezifikationen erfüllen. Die Konzernspitze um den europäischen Statthalter Eric Zheng betont jedoch, daß herkömmliche Standardprüfungen den thermischen und mechanischen Extrembelastungen moderner Hybridantriebe nicht mehr uneingeschränkt gerecht werden. Deshalb mussten die Schmierstoffe in einem aufwendigen Validierungsprozess zusätzliche, extrem verschärfte Herstellertests durchlaufen, bevor sie die offizielle Freigabe für das europäische Händlernetz erhielten.

Technologische Herausforderungen moderner Hybridantriebe

Die technischen Wurzeln dieser Kooperation liegen tief im Motorenbau vergraben, der durch die Elektrifizierung vor völlig neue physikalische Hürden gestellt wird. Moderne Hybridfahrzeuge wie die in Deutschland anlaufenden Modelle der Marken Omoda und Jaecoo nutzen hochkomplexe Antriebsarchitekturen, bei denen der Verbrennungsmotor nicht mehr unter konstanten Lasten betrieben wird. Die sogenannte Super-Hybrid-Technologie wechselt in Sekundenbruchteilen vollautomatisch zwischen rein elektrischem Fahren, seriellem Vortrieb, klassischem Parallelmodus und intensiver Rekuperation. Aber dieser ständige Wechsel offenbart eine heimtückische Materialbelastung, die Ingenieure vor große Herausforderungen stellt. Da der Verbrennungsmotor während längerer elektrischer Phasen völlig abgeschaltet bleibt und entsprechend auskühlt, kondensieren Verbrennungsrückstände und Kraftstoffreste im kalten Motorblock. Diese Flüssigkeiten vermischen sich schleichend mit dem Motoröl und mindern dessen Viskosität sowie Schmierfähigkeit drastisch.

Deshalb droht dem Aggregat beim schlagartigen Kaltstart unter hoher Last ein kritischer Moment, in dem die Schmierung kurzzeitig abreißen kann. Hinzu kommt, daß moderne Benzindirekteinspritzer wie der 1,5 Liter große TDGI-Hybridmotor extrem auf Effizienz getrimmt sind. Durch hocheffiziente Verbrennungsverfahren wie das spezielle i-HEC-System und extrem tiefe Miller-Zyklen erreichen diese Triebwerke einen beeindruckenden thermischen Wirkungsgrad von bis zu 44,5 Prozent. Aber dieser thermische Rekordwert hat seinen Preis, denn der Druck und die mechanischen Belastungen im Zylinderinneren steigen auf Werte an, die konventionelle Motorenöle an ihre physikalische Belastungsgrenze bringen. Zudem neigen kleine, stark turboaufgeladene Triebwerke bei niedrigen Drehzahlen zu unkontrollierten Frühzündungen, dem gefürchteten Phänomen der klopfenden Verbrennung bei niedriger Drehzahl.

Das maßgeschneiderte Schmierstoffkonzept aus Hamburg

Um diesen widrigen Bedingungen im Alltagsbetrieb verläßlich entgegenzuwirken, wurde gemeinsam das speziell abgestimmte Motorenöl Castrol Magnatec 0W-20 C5 entwickelt, welches direkt aus der Produktion in Hamburg in die Vertriebsstrukturen fließt. Dieses Produkt verzichtet bewusst auf die universelle Abbrechung breiter Viskositätsbandbreiten und konzentriert sich stattdessen auf die spezifischen Anforderungen der vollsynthetischen Klasse nach ACEA C5. Aber die eigentliche technische Innovation steckt in der inneren Zusammensetzung des Schmierstoffs. Um die gefürchteten Vormischungs- und Kondensatprobleme im intermittierenden Hybridbetrieb zu beherrschen, hält das Öl schädliche Schwebstoffe extrem fein verteilt und unterbindet so die Bildung von zähflüssigem Ölschlamm im Kurbelgehäuse zuverlässig.

Deshalb setzt die Rezeptur im Vergleich zu herkömmlichen Massenölen auf eine gezielt modifizierte Additivtechnologie mit einem deutlich reduzierten Calciumgehalt. Dieser chemische Kniff minimiert das Risiko von unkontrollierten Frühzündungen in den hochverdichteten Direkteinspritzern wirksam, ohne Kompromisse beim Verschleißschutz einzugehen. Dank der extrem niedrigen Viskosität im kalten Zustand strömt das Öl nach dem Start des Verbrennungsmotors unmittelbar an jede noch so enge Schmierstelle und baut selbst nach stundenlangem, rein elektrischem Gleiten im Stadtverkehr sofort einen tragfähigen Schutzfilm auf. Zudem sorgt eine verbesserte thermische Stabilität dafür, daß die molekulare Struktur des Öls auch bei langen Wechselintervallen und dauerhaft hohen Öltemperaturen stabil bleibt.

Validierung und Härteprüfungen im Testlabor

Die Qualitätssicherung eines solchen Spezialöls lässt sich nicht im Handumdrehen auf dem Reißbrett lösen, weshalb umfangreiche Testreihen der Zulassung vorausgingen. Anstelle der üblichen, breit gestreuten Industrie-Normen durchlief das Schmierstoffprojekt den sogenannten HYSPEC-Standard, der von Castrol speziell für die harten Betriebsbedingungen in Hybridantrieben konzipiert wurde. Aber die Ingenieure gaben sich damit noch nicht zufrieden, sondern schickten das Öl in eine gnadenlose Testmarathon mit realitätsnahen Dauerlaufprüfungen zwischen 260 und 1.000 Betriebsstunden. In diesen simulierten Zyklen wurden die Motoren von frostigen Kaltstarts bis zur Dauerhöchstleistung unter Volllast extremen thermischen Schocks ausgesetzt, um die Alterungsbeständigkeit der Flüssigkeit lückenlos zu dokumentieren.

Deshalb dient das nun in Hamburg gefertigte Öl inzwischen intern als offizieller Maßstab für kommende Motorengeneration der Marke. Die erfolgreichen Prüfungen untermauern den ernsthaften Anspruch des chinesischen Herstellers, sich nicht nur über den reinen Anschaffungspreis, sondern auch über substanzielle technische Qualität im europäischen Markt zu etablieren.

Marktkontext und Preisstruktur in Deutschland

Diese technische Unterfütterung der Antriebstechnik ist auch dringend geboten, da der Markteintritt in Deutschland über die Marken Omoda und Jaecoo mit spitzer Feder kalkuliert ist und sich gegen etablierte Platzhirsche behaupten muss. So startet der kompakte Omoda 5 HEV als zugänglicher Einstieg in die Hybridwelt zu einem Basispreis von 28.900 Euro, während das robust gestaltete Schwestermodell Jaecoo 5 HEV sogar ab 27.900 Euro angeboten wird. Wer etwas mehr Raum und modernste Plug-in-Hybridtechnik sucht, greift zum Jaecoo 7 SHS PHEV, dessen Preisliste bei 36.900 Euro beginnt, während das Flaggschiff Omoda 9 PHEV mit einem Einstiegspreis von 52.900 Euro positioniert ist. Aber trotz dieser durchaus wettbewerbsfähigen Preisgestaltung bleibt abzuwarten, wie schnell deutsche Autofahrer Vertrauen in die neue Serviceinfrastruktur fassen werden.

Deshalb ist die Entscheidung, wichtige Verbrauchsmaterialien wie hochmoderne Motorenöle direkt vor der Haustür in Hamburg fertigen zu lassen, ein kluger Schachzug zur Absicherung der Lieferketten und zur Beruhigung skeptischer Kunden. Die weltweite Versorgung von schätzungsweise rund 20 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in mehr als 130 Ländern zeigt zwar die enorme internationale Marktmacht des chinesischen Giganten, aber erst der tägliche Werkstattbetrieb in Europa wird zeigen, ob sich die hohen technischen Versprechungen im harten Kundeneinsatz nachhaltig bewähren.