BYD Seal 6 DM-i Touring im Kurztest - Bildnachweis: MOTORMOBILES
PHEV mit 1.350 km-Reichweite
Mit dem Seal 6 DM-i Touring wagt BYD einen Schritt, den viele chinesische Hersteller bislang gemieden haben: den Einstieg in das klassische Kombi-Segment. Der Neuling verbindet Plug-in-Hybridtechnik (PHEV) mit praxistauglicher Reichweite, robustem LFP-Akku und großzügigem Raumangebot.

Gerade in Deutschland, wo der Kombi trotz SUV-Boom eine treue Anhängerschaft hat, soll er Familien ebenso ansprechen wie Flottenkunden. Der Test des Seal 6 DM-i Touring Comfort zeigt, wie viel Substanz in diesem Ansatz steckt – und wo der Wagen noch Grenzen hat.

Marktumfeld und Wettbewerber – Zielgruppe
Der Seal 6 DM-i Touring tritt in einem Segment an, das in Deutschland traditionell stark nachgefragt ist. Typische Rivalen sind der VW Passat Variant eHybrid, der Skoda Superb iV oder auch ein Peugeot 508 SW Hybrid. Mit 4,84 Metern Länge und 2,79 Metern Radstand liegt er inmitten der Mittelklasse.

Zielgruppe sind Familien, die Alltag und Urlaub mit einem Fahrzeug abdecken wollen, ebenso wie Fuhrparkleiter, die bei der Dienstwagenbesteuerung Wert auf die 0,5-Prozent-Regel legen. Bemerkenswert ist die strategische Entscheidung: Während auf chinesische reine Elektroautos Importzölle erhoben werden, fällt ein Plug-in-Hybrid wie der Seal 6 nicht darunter. Für BYD ist der Touring also auch ein politisch kluger Schachzug.

Chinesen können auch Verbrenner – und Hybridtechnik
Das Antriebssystem basiert auf der DM-i-Superhybridtechnik von BYD. Herzstück ist ein 1,5-Liter-Benziner, der mit einem Wirkungsgrad von bis zu 43 Prozent arbeitet und vor allem als Generator eingesetzt wird. Ergänzt wird er durch einen 145-kW-Elektromotor und die hauseigene Blade-Batterie. Im Alltag fährt der Seal 6 die meiste Zeit elektrisch, während der Benziner nur bei Bedarf einspringt oder parallel unterstützt. Damit kombiniert er die Vorteile einer elektrischen Limousine mit der Flexibilität eines Hybriden.

Technische Einordnung
Die Comfort-Version verfügt über eine 19-kWh-Batterie, 156 kW Systemleistung und 300 Newtonmeter Drehmoment. Die elektrische Reichweite liegt bei 100 Kilometern nach WLTP, die Gesamtreichweite bei bis zu 1.350 Kilometern. Von null auf 100 km/h vergehen 8,5 Sekunden, die Spitze ist bei 180 km/h erreicht. Das Leergewicht liegt bei 1.805 Kilogramm. Als Plug-in-Hybrid mit großem 65-Liter-Tank ist der Seal 6 klar auf Langstreckeneignung ausgelegt.

Geladen wird AC mit 6,6 kW, die DC-Spitze liegt bei 26 kW. Von 30 auf 80 Prozent dauert es etwa 23 Minuten. Für ein PHEV ist das ordentlich, auch wenn Mercedes oder Volkswagen bei ihren aktuellen Modellen teils höhere Ladeleistungen ermöglichen. Die Vehicle-to-Load-Funktion (3,3 kW) ist serienmäßig und erlaubt, externe Verbraucher mit Strom zu versorgen.

Exterieur-Design und Optik
Das Design folgt BYDs „Ocean Aesthetics“-Linie. Schlanke Voll-LED-Scheinwerfer, aktiver Kühlergrill und eine schwebend wirkende Dachlinie verleihen dem Kombi eine eigenständige Note. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,28 ist für einen Kombi ein sehr guter Wert und unterstützt die Effizienz. Mit 18-Zoll-Rädern in der Comfort-Version wirkt der Touring modern, ohne aufdringlich aufzutreten.

Interieur: Raumökonomie, Platzverhältnisse, Haptik, Klima und Infotainment
Innen überzeugt der Seal 6 Touring mit solidem Platzangebot: 500 Liter Kofferraum bis zur Hutablage, 675 Liter bis unter das Dach und bis zu 1.535 Liter bei umgeklappten Rücksitzen. Die Sitze sind mit veganem Leder bezogen, elektrisch verstellbar und bieten Belüftung und Heizung. Im Fond herrscht großzügige Beinfreiheit, das Panorama-Schiebedach verstärkt den Raumeindruck.

Das Infotainment wird in der Comfort-Version über einen 15,6-Zoll-Bildschirm gesteuert, flankiert von digitalen Instrumenten mit 8,8 Zoll. USB-C-Anschlüsse mit bis zu 60 Watt Ladeleistung sowie kabelloses Laden mit 50 Watt stehen zur Verfügung. Die Softwareplattform DiLink erlaubt OTA-Updates und App-Integration. Damit ist das System flexibel und zukunftsfähig, auch wenn die Bedienung nicht immer die Klarheit europäischer Standards erreicht.

Infotainment, Konnektivität und Navigation
Das Navigationssystem profitiert von Online-Daten und kann über OTA ständig aktualisiert werden. Besonders für Flottenkunden ist interessant, dass Ladezyklen und Fahrzeugstatus per App überwacht werden können. Erste Tests zeigen, dass die Menüführung umfangreich ist, aber gelegentlich komplex wirkt. Die Sprachsteuerung arbeitet zuverlässig, benötigt jedoch klare Befehle. Positiv hervorzuheben ist die Integration von Batterie- und Energieanzeigen, die eine effiziente Fahrweise erleichtern.

Modellversionen zum Marktstart
BYD bringt den Seal 6 DM-i Touring in drei Varianten nach Deutschland. Das Einstiegsmodell Boost ist für 42.990 Euro erhältlich. Es arbeitet mit einer 10,08-kWh-Batterie, leistet 135 kW und erreicht eine elektrische Reichweite von rund 50 Kilometern. Das Ausstattungsniveau ist solide, es umfasst LED-Licht rundum, eine elektrische Heckklappe, digitale Instrumente, ein 12,8-Zoll-Mitteldisplay und die serienmäßige V2L-Funktion.

Darüber positioniert sich der Comfort Lite, der ab 48.990 Euro angeboten wird. Er nutzt die große 19-kWh-Batterie und damit die volle elektrische Reichweite von 100 Kilometern, bleibt aber beim 12,8-Zoll-Zentraldisplay. Damit richtet sich der Lite vor allem an Nutzer, die Wert auf maximale Reichweite und die steuerliche 0,5-Prozent-Regel legen, gleichzeitig aber einen niedrigeren Einstiegspreis wünschen.

Die getestete Comfort-Version schließlich startet bei 49.990 Euro und übernimmt den kompletten Technikumfang des Comfort Lite, erweitert ihn jedoch um das größere 15,6-Zoll-Display sowie weitere Komfortdetails wie Ambientebeleuchtung, Sitzbelüftung und ein aufgewertetes Audiosystem. Damit wird der Comfort zur vollausgestatteten Version und spricht sowohl Privatkunden als auch Dienstwagenfahrer an, die keine Kompromisse bei Bedienung und Ausstattung eingehen wollen.

Batterie-Zellchemie und Ladeeigenschaften
Der Seal 6 setzt auf die Blade-Batterie mit LFP-Zellchemie. LFP-Akkus sind sicherer, hitzestabiler und langlebiger als NCM-Zellen, verzichten auf Kobalt und sind damit ressourcenschonender. Für einen Plug-in-Hybrid mit vielen Ladezyklen im Alltag ist das eine logische Entscheidung. Der Nachteil geringerer Energiedichte fällt bei einem 19-kWh-Akku kaum ins Gewicht.
Die Ladeleistung ist für ein PHEV solide, aber kein Spitzenwert. AC-Laden über Nacht deckt die elektrische Reichweite ab, DC mit 26 kW bringt im Alltag selten echten Zeitvorteil. Dafür punktet BYD mit der serienmäßigen V2L-Funktion, die im Segment kaum ein anderer Hersteller bietet.
Batterie-Vorkonditionierung
Ein offener Punkt ist die Batterie-Vorkonditionierung. Während europäische Hersteller hier klare Angaben machen, bleibt BYD bislang vage. Fest steht, dass sich Innenraum und Klima über die App vorheizen lassen. Ob dabei auch die Batterie aktiv auf Schnellladen vorbereitet wird, ist softwareabhängig. In der Praxis bedeutet das: Bei kühlen Temperaturen könnten Ladezeiten höher ausfallen als bei Modellen mit aktiver Vorkonditionierung.

Fahreigenschaften
Auf der Straße zeigt der Seal 6 Touring Comfort eine komfortbetonte Abstimmung. Die Mehrlenker-Hinterachse sorgt für gutes Abrollen, die Lenkung wirkt leichtgängig und berechenbar. Der Elektroantrieb schiebt kräftig an, während der Verbrenner im Hintergrund unauffällig bleibt. Im Hybridbetrieb fährt das Auto über weite Strecken wie ein reines Elektrofahrzeug. Sportliche Ambitionen darf man nicht erwarten, dafür punktet der Kombi mit entspanntem Langstreckenkomfort und niedrigen Geräuschpegeln.

Der Seal 6 Touring Comfort ist ausschließlich mit Frontantrieb erhältlich. Allradvarianten bietet BYD bei anderen Modellen, für den Touring liegt der Fokus aber klar auf Effizienz und Gewichtseinsparung.
Effizienz und Verbrauch
BYD gibt für den Seal 6 Comfort einen gewichteten WLTP-Verbrauch von 1,7 Litern pro 100 Kilometer an. Entscheidend ist die Ladepraxis: Wer regelmäßig lädt, bewegt den Kombi überwiegend elektrisch. Auf langen Strecken steigt der Verbrauch, bleibt mit rund fünf Litern jedoch auf dem Niveau moderner Verbrenner. Damit bietet das Auto eine für Flotten attraktive Kombination aus niedrigen Betriebskosten und steuerlicher Begünstigung.
Technische Daten BYD Seal 6 DM-i Touring Comfort
Hersteller: BYD
Karosserie: Kombi fünfsitzig
Antrieb: Plug-in Hybrid auf Basis Super-Hybrid-DM-Technologie (Dual
Mode)
Verbrenner: Xiaoyun-1,5-Liter-
Benzinmotor mit einem thermischen Wirkungsgrad von 43 Prozent
E-Motor: Zwei Hochgeschwindigkeits-
Elektromotoren mit integrierter Steuerung
Getriebe: Automat. Schaltgetriebe
Hubraum: 1.498 ccm
Max. Leistung Verbrenner: 72 kW
Max. Leistung Elektromotor 145 kW
Kombin. Systemleistung Verbrenner: 156 kW
Beschleunigung: 8,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h Sekunden
Drehmoment Verbrenner: n.b.
Ladeleistung: AC:6,6 DC:26,0
Batterie: BYD Blade Batterie (LFP)
Batteriekapazität: 19 kWh
Nennspannung (kWh): 352 V
Vehicle-to-Load (V2L): ja
AC-Schnell-Ladeanschluss am Fahrzeug: Typ 3
DC-Schnell-Ladeanschluss am Fahrzeug: CCS
Ladeanschlussposition: Hinten rechts
Ladezeiten (AC): n.b.
Ladedauer (DC) 30-80 %: ca. 23 min.
CO2-Effizienzklasse: B
CO2-Emissionen gewichtet, kombiniert: 12 g/km
Verbrauch (nach WLTP): 1,7 l
Stromverbrauch kombiniert (nach WLTP): 16,4 kWh/100km
Elektrische Reichweite: Kombiniert: (WLTP): 100 km
Gesamtreichweite: Kombiniert: (WLTP): 1.350 km
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
Luftwiderstandsbeiwert (cW): 0,28
Gewichteter Kraftstoffverbrauch kombiniert: 1,7 L/100km (WLPT)
Kraftstoffart: Super Benzin ROZ 95
Radgröße: 18 Zoll
Kofferraum: 675 bis 1.535 Liter
Tankinhalt: 65 Liter
Leergewicht inkl. Fahrer: 1.805 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand: 4.840/1.875/1.505/2.790 mm
Zulässiges Gesamtgewicht: n.b.
Garantie und Gewährleistung:: Sechs Jahre Hersteller-Garantie, acht Jahre auf Antriebsstrang und Batterie
Baispreis (Boost) ab: 42.990 Euro
Preis Testwagen (Comfort) ab: 49.990 Euro
Markteinführung, Preise und Extras
Der Seal 6 DM-i Touring ist ab sofort bestellbar, erste Auslieferungen sollen Ende 2025 erfolgen. Es stehen drei Ausstattungslinien zur Auswahl: Boost, Comfort-Lite sowie Comfort. Bereits beim Einstiegsmodell Boost gibt es 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, elektrische Heckklappe, Vehicle-to-Load sowie ein 12,8 Zoll großer Infotainment-Touchscreen. In der Top-Ausstattung Comfort gibt es dann schon ein größeres Display, ein beheiztes Lenkrad, die größere Batterie mit Wechselstromlademöglichkeit, 18-Zoll-Felgen und mehr. Die Preise reichen von 42.990 bis 49.990 Euro. BYD gewährt sechs Jahre Garantie auf das Fahrzeug und acht Jahre auf Batterie und Antriebsstrang. Damit positioniert sich der Seal 6 mit einer umfangreichen Serienausstattung und konkurrenzfähigen Garantiebedingungen attraktiv im Marktumfeld.

Fazit
Der BYD Seal 6 DM-i Touring Comfort vereint solide Hybridtechnik mit alltagstauglicher Reichweite, sicherer LFP-Batterie und hohem Nutzwert. Für Familien bietet er Platz, Ausstattung und echte Elektroalltagskilometer, für Fuhrparkleiter steuerliche Vorteile und kalkulierbare Betriebskosten. Abzüge gibt es beim Schnellladen, wo 26 kW im Vergleich zu manchen Rivalen zurückfallen, und bei der noch unklaren Frage der Batterie-Vorkonditionierung. Insgesamt präsentiert sich der Seal 6 jedoch als ernsthafte Alternative im Mittelklasse-Kombi-Segment, die mit Preis-Leistungs-Verhältnis und Alltagstauglichkeit überzeugt.

Ähnliche Berichte
Fahrbericht: Wie der Xpeng G6 mit 800-Volt-Technik und LFP-Zellen die automobile Hierarchie auf den Kopf stellt
Herzschlag aus der Steckdose: Warum der neue Elektro-GTI mehr ist als nur ein schneller Akku!
Sand unter den Reifen und Strom im Blut: Der neue Renault 4 JP4x4 Concept