MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Seat Leon ST Style 1.4 TSI Start&Stop 140 PS – Eindrucksvoller Spagat aus Nutzwert, Effizienz und Fahrspaß

Eindrucksvoller Spagat aus Nutzwert, Effizienz und Fahrspaß

Seat Leon ST Style 1.4 TSI Start&Stop 140 PS

Eindrucksvoller Spagat aus Nutzwert, Effizienz und Fahrspaß
Seat Leon ST Style 1.4 TSI Start&Stop 140 PS – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

ST steht für Sporttourer

Seit November 2013 ist der neue Seat Kompakt-Kombi Leon ST bei den deutschen Händlern erhältlich. Lange stellte sich bei Seat trotz Zugriff auf modernste VW-Technik nicht der gewünschte Erfolg ein. Aber spätestens 2013 fand die Marke wieder zurück auf die Erfolgsspur.

Kompakter Kombi mit Preisvorteil

Entgegen der allgemeinen Absatzkrise konnten die Spanier deutlich mehr Autos als im Vorjahr verkaufen. Die geglückte Produktoffensive dürfte mit dem Kombiableger des VW Golf Variant zusätzlichen Schwung erhalten. Kein anderer Volumen-Hersteller wächst in Deutschland aktuell schneller als Seat.

Ein maßgeblicher Erfolgsfaktor des Seat Leon ist seine gelungene Optik. Der Leon ST gibt sich hier deutlich mutiger und akzentuierter als der VW Golf Variant. Wie in der Vergangenheit teilen sich die beiden Konzernbrüder auch in der neuesten Generation die Technik, bedienen sich also aus jenem Großbaukasten, der Gewicht und Kosten minimieren sowie das Raumangebot vergrößern soll. Mit fast 4,60 Metern Länge ist der Kombi aus Spanien ein stolzes und präsentes Auto. Trotz seiner Nutzwertorientierung strahlt der Spanier eine gehörige Portion sportive Eleganz aus. Kein Vergleich zu dem Van-Vorgänger Altea. Der Kombi präsentiert sich dank seiner LED-Leuchten vorne und den feinen lichtbrechenden Charakterlinien im Blechkleid äußerst selbstbewußt und optisch ganz auf der Höhe der Zeit. Wir haben den Leon Kombi in der Ausstatungslinie Style als Benziner mit dem 140 PS starken 1.4 TSI-Motor einem ausführlichen Fahrbericht unterzogen.

 

 

Optik und Design

Langweilige geformte Flächen sucht der betrachter eines Leon ST vergeblich. Egal aus welcher Perspektive. Rundum vermitteln die scharf gezogenen Blechkanten und Linien eine gehörige Portion südländische Dynamik. Von vorne werfen die Scheinwerfer mit ihren dreieckigen Tagfahrlichtern einen richtiggehend bösen Blick vorraus. Gegen Aufpreis gibt es die in unserem Testwagen verbauten Voll-LED-Leuchten. Mindestens genauso elgant haben die Designer das Kombiheck des Leon ST gestalten können.

Interieur

Der Innenraum zeigt sich progressiv gestaltet. Die Verarbeitung und Materialauswahl ist von hoher Qualität. Zwar finden sich an der einen oder anderes Stelle kostenoptimierte Kunststoff-Oberflächen, um den Respektabstand zu VW oder Audi zu wahren. Ein Beispiel ist hiwr auch die Feststellbremse mitklassischem Handbremshebel. Nicht jeder wird das unbedingt als Nachteil empfinden. Die US-Version des VW Golf verzichtet auf überweigenden Kundenwunsch ganz bewußt auf die Feststellbremse. Ansonsten erfüllt der Seat trotz Rotstift die wichtigsten Tugenden auch im Interieur. Es fehlen zwar einige bei den Technik-Brüdern Golf Variant und Audi A3 verfügbaren Ausstattungsmöglichkeiten. So ist das Navi für 690 Euro zwar günstiger als bei VW, aber im direkten Vergleich mit so feinen Multimedia-Lösungen wie sie beim neuen Golf zur Verfügung stehen, dann letztlich deutlich anspruchsloser. Das Cockpit ist klar gegliedert, die Instrumente gut ablesbar und alle Bedienelemente ohne große Überraschungen nahezu intuitiv zu bedienen. Die Drehregler der Klimaanlage sind groß und gut zu erreichen.

Vorne wie hinten verfügt der Leon ST über repektable Platzverhältnisse für Kopf- und Beinfreiheit. Die Kniefreiheit ist für einen Erwachsenen im Fond selbst dann noch gut, wenn vorn ein großgewachsene Personsitzt. Einzig der breite Kardantunnel stört bei einer Fondnutzung mit drei Passagieren. Gegen Aufpreis läßt sich der Komfort über Extras wie ein Glasdach mit Sonnenrollo, Sonnenrollo in den Türen sowie Klapptischen an den Vordersitzlehnen erhöhen. Eine Empfehlung ist das Panorma-Glasschiebedach für mehr als ein Hauch Cabriogefühl im Innenraum.

Das Gepäckteil fasst stolze 587 Liter und bewegt sich damit auf einem guten C-Segment-Niveau. Der Stauraum des Kombi läßt sich durch die im Verhältnis 40:60 zweigeteilt umklappbare Rücklehne auf bis zu maximal 1.470 Liter vergrößern. Das ist allerdings nur gutes Mittelmaß. Der Konzernbruder Golf hat hier hundertfünfzig Liter mehr zu bieten. Der Skoda Octavia noch mehr. Aber vielen dürfte das Ladevolumen des Seat ST vollkommen reichen, zumal er vermutlich über das optisch gelungenste Heck verfügt. Als sehr praktisch erweisen sich hierbei die beiden Fernentriegelungshebel (erst ab der Ausstattung Style) der Rücklehnen, um auch vom Kofferraum aus bequem und schnell umlegen zu können. Ruckzuck fallen die Rücklehnen auf Wunsch in die Waagerechte. Die sich ergebende Ladefläche ist komplett eben, keine Kante stört. Auch Leisten und Regalbretter bis zu 2,67 Meter Länge lassen sich im Leon ST transportieren. Erneute Einschränkung: Erst ab der von uns gefahrenen Austtaungslinie “Style” steht die umlegbare Beifahrersitzlehne für besonders lange Transporte in der Aufpreisliste. Als sehr vorteilhaft erweist sich auch der in der Höhe verstellbare doppelte Ladeboden. Vorbildlich: Die niedrige Ladekante (65 Zentimeter) und die breite Laderaumöffnung (1,09 Meter). Als sehr pfiffig erweist sich auch der in der Höhe verstellbare doppelte Ladeboden. In dem Staufach unter dem Ladeboden läßt sich bei Bedarf sogar das bei umgeklappter Rückenlehne störende Gepäckrollo verstauen.

Diese beherbergt außerdem ein für preissensiblere Kunden gedachtes Navi-Infotainment-System, welches , nicht mithalten kann, dafür aber mit 690 Euro alle wichtigen Funktionen für überschaubares Geld bietet. Trotz dieser Gut-und-Günstig-Variante wird Seat vermutlich noch 2014 das Infotainment-Angebot um höherwertige Lösungen erweitern.

 

Antrieb

Bei den Benziner entscheiden sich mit die meisten Leon-Kunden für den von uns gefahrenen 1.4 TSI mit 103 kW (140 PS) zu Preisen ab mindestens 22 370 Euro. Für diesen aufgeladenen Benzindirekteinspritzer ist derzeit noch kein Doppelkupplungsgetriebe DSG erhältlich. Dafür überzeugt hier die manuelle Sechsgangbox mit Präzision und kurzen Schaltwegen. Der kleine und sehr laufruhige Turbo-Direkteinspritzer bietet genügend Drehmoment, um mit dem Kombi schaltfaul unterwegs zu sein. Geschmeidig, kultiviert und ausreichend flott treibt der kleine Turbobenziner den großen Spanier voran. Ein schnell reagierendes Start-Stopp-System hilft beim Spritsparen. Seat verspricht für den Vierzylinder einen kombinierten Normverbrauch von 5,3 Litern. Unser Testverbrauch betrug mit knapp über 6 Litern nur einen moderaten Praxisaufschlag. Überzeugen kann der TSI vor allem im mittleren Drehzahlbereich mit ordentlich Schub: Das maximale Drehmoment von 250 Newtonmeter liegt konstant im Drehzahlband zwischen 1.500 bis 3.500 Umdrehungen pro Minute an. Für den Null-Hundert-Paradesprint benötigt der Leon ST 1.4 TSI nur 8,4 Sekunden. Auf Wunsch endet die Beschleunigung erst bei der Höchstgeschwindigkeit von 211 Stundenkilometer. Der 1.4 TSI läuft auf der Autobahn auch bei hohen Tempi angenehm leise und begnügt sich mit einem Testverbrauch von knapp unter 7 Litern/100 km. Alles in allem erwies sich der 1.4 TSI als eine echte Empfehlung für potentielle Käufer, die einen Kompromiss aus Fahrspass und günstigem Anschaffungspreis suchen. Extreme Vielfahrer wie Firmenkunden dürften eher zum 2.0 TDI mit 150 PS und 320 Nm Drehmoment greifen.

Fahreigenschaften

Seat bietet zwar eine adaptive Fahrwerksregelung und eine Progressivlenkung ab dem 180-PS-Benziner und dem 184-PS-Diesel an. Unser Testwagen musste sich mit dem Standard-Fahrwerk und -lenkung begnügen. Trotzdem ist den seat-Ingenieuren eine vorzüglicher Kompromiss aus Härte für eine beim Kombi wichtige maximale Zuladung sowie noch angemessenen Federungskomfort geglückt. Der Leon ST bügelt kleinere Unebenheiten sauber weg. Größere Querrillen leitet er allerdings spürbar nach innen. Auch wenn ein Kombi kein Kurvenräuber ist, die Abstimmung ist straff genug, um Kurvenabschnitte beherzt angehen zu können.Der Aufbau neigt sich nur wenig zur Seite. Zum positiven Gesamteindruck trägt auch die direkte und präzise Lenkung bei. Dank der serienmäßige Differenzialsperre XDS neigt der Leon ST nur wenig zum Untersteuern. Die XDS bremst in scharf gefahrenen Biegungen das kurveninnere Antriebsrad hierfür ganz leicht an. Überzeugen können auch die beachtlich zupackenden Bremsen.

 

 

Technische Daten Seat Leon ST Style 1.4 TSI Start&Stop 140 PS
Hersteller: Seat
Karosserie: Kombi
Motor: Vierzylinder Turbo-Benziner mit Benzindirekteinspritzung
Hubraum: 1.395 ccm
Leistung: 103 KW (140 PS) bei 4500-6000 Umdrehungen pro Minute
Drehmoment: 250 nm bei 1500-3500 Umdrehungen pro Minute
Von 0 auf 100: Handschalter 7,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 211 km/h
Verbrauch (ECE) 5,3 Liter
CO2-Ausstoß
122 g/km
Kraftstoff: Benzin Super plus
Schadstoffklasse Euro 5
Leergewicht
1.269 kg
Kofferraum 587-1.470 Liter
Tankinhalt 50 Liter
Zuladung 565 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand
4.535/1.816/1.451/2.636 mm
BasispreisTestwagen ab 22.370
Testwagenpreis: ab 30.220,- Euro

 

Ausstattungslinien und Preise

Den Einstieg ermöglichen die Spanier beim 86 PS starken Leon ST 1.2 TSI bereits zu einem Basispreis ab 16.820 Euro, Die Lademeister-Version des Leon ist damit sehr günstig positioniert. Zur Serienausstattung der Basisversion gehören neben Radio und Klimaanlage ein höhenverstellbarer Beifahrersitz, elektrische Fensterheber hinten, die Nebelscheinwerfer inklusive Abbiegelicht und ein Multifunktionslenkrad. ansonsten ist das Ausstattungsniveau der namenlosen Basisversion eher dürftig. Die Rückbank ist beispielsweise dann lediglich einteilig umklappbar. Der Leon ST läßt sich mit weiteren Ausstattungen kräftig und entsprechend preistreibend aufrüsten Insgesamt bewegt sich der Seat mit seiner Golf-Technik ungefähr 2.000 Euro günstiger als das Original aus Wolfsburg.

Oberhalb der recht nackten Basis bietet Seat die Ausstattungslinien Reference und den von uns gefahrenen Style. Für sportlich orientierte Fahrer hält Seat noch die beliebte “Formular Race”-Ausstattung FR bereit. Das sportliche Bekenntnis ist in Deutschland besonders hoch: Der FR-Anteil auf dem deutschen Markt beträgt zwischenzeitlich über die Hälfte alle bestellten Leon. Für den Leon ST Reference verlangen die Spanier mindestens 18.530 Euro. Dafür umfasst die Serienausstattung dann bereits eine Klimaanlage, geteilte Rücklehnen und ein Audiosystem. Aber auch hier fehlen noch sinnvolle Sicherheitsfeatures wie die automatische radarunterstützte Distanzregelung ACC oder die nur im FR erhältliche adaptive Fahrwerksregelung DCC. Für 1.190 Euro bietet Seat für den Leon in der Variante Style mit Voll-LED-Scheinwerfern an, die gegenüber Xenonlicht eine sichbar bessere Fahrbahnausleuchtung bei geringerem Energieverbrauch ermöglichen. Und auch tagsüber verleihen die Voll-LED-Scheinwerfer dem Leon ein deutlich bessere Optik.

 

Fazit: Solide Technik schöner verpackt

Die Spanier machen momentan vieles richtig. Die Volkswagen-Tochter – bisheriges “Sorgenkind” im Konzern, erneuert sich und befindet sich mit der aktuellen Modelloffensive auf dem besten Wege zur Genesung. Der Variant-Bruder ist optisch und technisch gleichermaßen gelungen und dürfte maßgeblich zu Seats Fortsetzung des aktuell sehr beachtlichen Erfolgs beitragen. Auch der Antrieb zeigt sich – obwohl Benziner – als äußerst sparsam. Der von uns getestete Seat Leon ST Style 1.4 TSI bietet einen eindrucksvollen Spagat aus Nutzwert, Effizienz und Fahrspaß. Desweiteren punktet der Leon ST mit einem ausgeklügelten Lademanagement sowie sehr handlichen Fahreigenschaften. Einziges Manko bleibt die nicht ungewöhnliche Kombination aus offener und versteckter Preisgestaltung: Viele der aufpreispflichtigen Optionen treiben den Preis kräftigt nach oben und lassen den Basispreis schnell Makulatur werden. Aber auch wenn der Leon ST Style kein Schnäppchen mehr darstellt, für die Käufer auf der Suche nach einer Alternative zu Wolfsburg, stellt er eine sehr attraktive Option dar.

 

« 1 von 2 »
Top