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Sieben Sitze und sechshundert Kilometer: Das neue Skoda-Flaggschiff „Peaq“ im detaillierten Technik-Check

Ein erster Ausblick auf das neue Elektro-Flaggschiff Skoda Peaq - Bildnachweis: Skoda

 

Warum der Skoda Peaq mehr als nur ein elektrischer Kodiaq-Erbe ist

Ein Auto, das mehr Gepäck schluckt als ein durchschnittlicher Kleintransporter und dabei leiser gleitet als manch eine etablierte Luxuslimousine, kommt demnächst nicht etwa aus Stuttgart oder München, sondern aus dem tschechischen Mlada Boleslav. Mit dem Skoda Peaq schickt die Marke ihr bisher ambitioniertestes Projekt auf die Straße und markiert damit den vorläufigen Höhepunkt einer Transformation, die weit über das bloße Austauschen von Verbrennungsmotoren gegen Batterieen hinausgeht. Es ist ein Fahrzeug, das den Spagat zwischen familiärer Nutzbarkeit und einem fast schon aristokratischen Komfortanspruch wagt, wobei die technische Basis auf dem bewährten Modularen E-Antriebs-Baukasten des Konzerns fußt, hier jedoch in einer Ausbaustufe gezeigt wird, die das bisherige Verständnis von Skoda als reiner Budget-Alternative endgültig ad absurdum führt. Wer den Peaq zum ersten Mal in voller Pracht betrachtet, erkennt sofort, dass hier die Designstudie Vision 7S fast eins zu eins in die Serie übersetzt wurde, was dem Wagen eine Präsenz verleiht, die im aktuellen SUV-Segment ihresgleichen sucht.

Ein erster Ausblick auf das neue Elektro-Flaggschiff Skoda Peaq – Bildnachweis: Skoda

Die neue Formsprache und monumentale Abmessungen

Das Design folgt der neuen Philosophie namens Modern Solid, die eine fast schon monolithische Robustheit ausstrahlt und sich deutlich von der eher kantig-filigranen Sprache der vergangenen Jahre distanziert. Mit einer Gesamtlänge von knapp 4,90 Metern überragt der Peaq den ohnehin schon stattlichen Kodiaq um elf Zentimeter, was in der automobilen Welt Welten bedeutet, besonders wenn es um den Radstand und die damit verbundene Laufruhe geht. Aber diese schiere Größe ist kein Selbstzweck, sondern dient primär dazu, das Versprechen von maximalem Innenraum einzulösen, ohne die aerodynamische Effizienz zu opfern, die bei einem Elektrofahrzeug dieser Gewichtsklasse über Reichweite oder Ladestopp entscheidet. Die Frontpartie wirkt durch das neue Tech-Deck-Face massiv und geschlossen, während die schmalen Leuchteinheiten dem Gesicht eine technische Kühle verleihen, die man eher bei futuristischen Prototypen vermuten würde. Deshalb wirkt der Wagen im Rückspiegel deutlich breiter und flacher, als es die reinen Daten vermuten lassen, was durch die bündig in die Karosserie eingelassenen Türgriffe und die optimierte Dachlinie zusätzlich unterstützt wird.

Antriebsvielfalt zwischen Vernunft und Souveränität

Unter der massiven Hülle verbirgt sich eine Antriebstechnik, die in drei Leistungsstufen unterteilt ist und damit ein breites Spektrum an Kundenwünschen abdeckt. Den Einstieg bildet der Peaq 60, der mit einem Heckmotor und 150 Kilowatt beziehungsweise 204 PS ausgestattet ist. Diese Motorisierung mag für ein Fahrzeug dieser Größenordnung zunächst bescheiden klingen, reicht aber im urbanen Umfeld und für den alltäglichen Pendelverkehr völlig aus, zumal das sofort anliegende Drehmoment für eine souveräne Beschleunigung sorgt. Mit einer Reichweite von etwa 460 Kilometern nach dem gängigen Messverfahren zielt diese Version auf Kunden ab, die den Platz benötigen, aber nicht zwingend die ganz große Langstrecke am Stück bewältigen müssen. Die Höchstgeschwindigkeit ist hier vernünftigerweise auf 160 Kilometer pro Stunde begrenzt, um den Energieverbrauch bei Autobahntempo nicht ins Uferlose steigen zu lassen. Aber wer den Peaq als echtes Reisefahrzeug nutzen möchte, wird zwangsläufig zum Peaq 90 greifen müssen, der mit 210 Kilowatt oder 285 PS nicht nur mehr Längsdynamik bietet, sondern dank einer größeren Batteriekapazität auch die für viele Kunden wichtige Mindestreichweite von 600 Kilometern durchbricht.

Ein erster Ausblick auf das neue Elektro-Flaggschiff Skoda Peaq – Bildnachweis: Skoda

Das Flaggschiff mit Allradantrieb und technischer Finesse

Für Kunden, die auch in den Bergen oder bei schwierigen Witterungsbedingungen keine Kompromisse eingehen wollen, stellt der Peaq 90 mit Allradantrieb die Speerspitze dar. Hier addieren sich zwei Motoren zu einer Systemleistung von 220 Kilowatt, was 300 PS entspricht und den schweren SUV in respektablen Zeiten aus dem Stand auf Landstraßentempo katapultiert. Die Höchstgeschwindigkeit steigt bei den 90er-Modellen auf 180 Kilometer pro Stunde, was auf deutschen Autobahnen ein Mitschwimmen im expressiven Bereich ermöglicht. Dennoch muss man kritisch hinterfragen, wie sich das hohe Leergewicht, das vermutlich deutlich über 2,3 Tonnen liegen wird, auf die Querdynamik auswirkt. Skoda begegnet diesem Umstand mit einem verfeinerten Fahrwerk, das optional über eine adaptive Dämpferregelung verfügt, um den Spagat zwischen sänftenartigem Abrollen und ausreichender Stabilität in Kurven zu meistern. Besonders interessant ist die Ladekurve, die bei den großen Batterieeinheiten Spitzenwerte von bis zu 200 Kilowatt erreichen soll, wodurch der obligatorische Stopp an der Schnellladesäule in etwa 28 Minuten erledigt sein kann, um den Akku von zehn auf achtzig Prozent zu füllen.

Ein Innenraum als mobile Wohlfühloase

Wenn man den Innenraum des Peaq betritt, wird schnell klar, warum Skoda den Begriff Peak Comfort so prominent platziert hat. Das Interieur gleicht eher einer modernen Wohnlandschaft als einem klassischen Fahrzeugcockpit. Besonders stolz ist man in Mlada Boleslav auf die Flexibilität, denn der Peaq kann wahlweise als klassischer Fünfsitzer oder als vollwertiger Siebensitzer konfiguriert werden. In der fünfgeschossigen Konfiguration bietet das Fahrzeug ein Kofferraumvolumen von unglaublichen 1010 Litern bei dachhoher Beladung, was selbst für ausgedehnte Urlaubsreisen mit viel Equipment mehr als ausreichend ist. Aber das eigentliche Highlight ist das optionale Relax-Paket, das in Deutschland in die bestehende Paketstruktur integriert wird und Features bietet, die man bisher nur aus deutlich teureren Fahrzeugsegmenten kannte. Die ergonomischen Sitze verfügen nicht nur über eine ausgeklügelte Massagefunktion, sondern auch über ausfahrbare Beinstützen für den Beifahrer und die Passagiere in der zweiten Reihe. Deshalb wird das Reisen im Peaq zu einer Erfahrung, die weniger durch Anspannung und mehr durch Entspannung geprägt ist, unterstützt durch eine Wellness-App, die Licht, Sound und Klima harmonisch aufeinander abstimmt.

Akustik und digitale Integration auf neuem Niveau

Um das Lounge-Gefühl zu komplettieren, setzt Skoda auf eine Kooperation mit den Audio-Spezialisten von Sonos. Das installierte High-End-Soundsystem wurde akribisch auf die spezifische Akustik des großen Innenraums abgestimmt und soll eine Klangbühne erzeugen, die selbst anspruchsvolle Audiophile überzeugt. Ergänzt wird dies durch das bisher größte Panoramadach, das Skoda je in einem Serienfahrzeug verbaut hat. Es zieht sich fast über die gesamte Länge des Daches und sorgt für eine Transparenz, die den ohnehin schon großzügigen Raum noch weiter öffnet. Aber hier regt sich auch eine gewisse Skepsis, denn eine solch große Glasfläche stellt hohe Anforderungen an das Thermomanagement. Skoda verspricht hier modernste Beschichtungen, die die Infrarotstrahlung effektiv abblocken sollen, damit sich der Innenraum im Sommer nicht übermäßig aufheizt. Die Bedienung erfolgt über ein zentrales Infotainmentsystem mit einem Bildschirm, der in seinen Dimensionen fast schon an kleine Fernseher erinnert, wobei Skoda glücklicherweise an einer intuitiven Menüführung und einigen physischen Direkteinstiegen für die Klimatisierung festgehalten hat, um den Fahrer nicht unnötig abzulenken.

Nachhaltigkeit und Materialwahl im Fokus

Ein weiterer Aspekt, den Skoda beim Peaq betont, ist der verstärkte Einsatz nachhaltiger Materialien. Das bedeutet jedoch keineswegs Verzicht auf Luxus oder Haptik. Recycelte Fasern aus alten Fischernetzen oder PET-Flaschen werden zu hochwertigen Stoffbezügen verarbeitet, die sich angenehm anfühlen und eine moderne, fast schon skandinavische Schlichtheit ausstrahlen. Das klassische Leder wird durch vegane Alternativen ersetzt, die in Sachen Strapazierfähigkeit und Optik dem Original in nichts nachstehen sollen. Aber man muss abwarten, wie diese Materialien nach mehreren Jahren intensiver Nutzung durch Familien und Haustiere aussehen werden. Die Verarbeitungsqualität, für die Skoda seit Jahren bekannt ist, scheint jedoch auch beim Peaq auf einem sehr hohen Niveau zu liegen, mit passgenauen Fugen und einer Materialauswahl,  die bis in die unteren Bereiche der Türverkleidungen eine gewisse Wertigkeit vermitteln sollen. Damit unterstreicht die Marke ihren Anspruch, innerhalb der Core-Markengruppe des Volkswagen Konzerns eine führende Rolle in Sachen Kundenzufriedenheit und Nutzwert einzunehmen.

Die preisliche Positionierung in einem kompetitiven Markt

Natürlich hat dieser enorme Sprung in Sachen Größe, Technik und Komfort seinen Preis. Wer erwartet hatte, dass Skoda den Peaq zum Schnäppchenpreis anbietet, wird enttäuscht sein. Das Basismodell Peaq 60 wird voraussichtlich bei etwa 58.500 Euro starten, was in Anbetracht der gebotenen Größe durchaus konkurrenzfähig ist. Der Peaq 90 mit der großen Batterie und mehr Leistung wird sich jedoch eher im Bereich von 68.000 bis 70.000 Euro bewegen, während die vollausgestattete Allradversion locker die Marke von 80.000 Euro reißen kann, wenn man alle verfügbaren Kreuze in der Aufpreisliste macht. Damit dringt Skoda preislich in Regionen vor, in denen sich auch ein Audi Q6 e-tron oder ein BMW iX bewegen. Deshalb muss der Peaq durch seine Simply Clever-Lösungen und seinen überlegenen Nutzwert überzeugen, um Kunden von den klassischen Premium-Marken wegzulocken. In Deutschland, wo Skoda im Jahr 2025 mit über 226.000 Zulassungen einen Marktanteil von 7,9 Prozent erreichte, ist die Basis für einen Erfolg gelegt, zumal das Vertrauen in die Marke und das dichte Händlernetz starke Verkaufsargumente sind.

Strategische Bedeutung und Ausblick

Die Einführung des Peaq Mitte 2026 ist ein entscheidender Baustein für Skoda, um das Ziel zu erreichen, das elektrische Modellangebot innerhalb kurzer Zeit zu verdoppeln. Es geht nicht nur darum, ein neues Auto zu verkaufen, sondern die Marke zukunftssicher aufzustellen und auch in Segmenten präsent zu sein, die bisher anderen vorbehalten waren. Die Produktion in Mlada Boleslav sichert Arbeitsplätze und nutzt die Synergien der konzernweiten Batterieproduktion. Aber der Erfolg wird maßgeblich davon abhängen, ob die Software-Infrastruktur, die in der Vergangenheit oft die Achillesferse der MEB-Modelle war, beim Peaq von Anfang an stabil und performant läuft. Skoda hat hier viel investiert, um die Rechenleistung zu erhöhen und die Benutzeroberfläche flüssiger zu gestalten. Wenn man bedenkt, dass der Peaq als Flaggschiff auch eine technologische Vorbildfunktion für kleinere Modelle wie den Elroq oder den Enyaq-Nachfolger hat, steht viel auf dem Spiel.

Ein vorläufiges Resümee zum tschechischen Vorstoß

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Skoda Peaq ein beeindruckendes Paket darstellt, das vor allem durch seine schiere Größe und die konsequente Ausrichtung auf Langstreckenkomfort besticht. Er ist das Gegenteil eines hektischen Sport-SUVs und besetzt stattdessen die Nische des souveränen Gleiters für die große Familie oder den anspruchsvollen Geschäftskunden. Die Reichweitenangaben von über 600 Kilometern klingen auf dem Papier hervorragend, müssen sich aber im harten Realitätscheck auf der Autobahn erst noch beweisen. Wer jedoch ein Elektroauto sucht, das keine Kompromisse beim Ladevolumen macht und gleichzeitig mit Features aufwartet, die das Reisen spürbar angenehmer machen, kommt am Peaq im Jahr 2026 kaum vorbei. Es ist die Reifeprüfung für eine Marke, die sich längst vom Geheimtipp zum ernsthaften Herausforderer entwickelt hat. Der Peaq ist nicht nur das größte Modell im Portfolio, sondern vielleicht auch das mutigste, da es den Kern der Marke Skoda „viel Auto zu ewinem fairen Preis“ in eine neue, deutlich teurere und exklusivere Ära überführt. Ob die traditionelle Kundschaft diesen Weg mitgeht oder ob Skoda hier eine völlig neue Käuferschicht erschließt, wird eines der spannendsten Themen des kommenden Autojahres sein.