SsangYong Tivoli e-XDi 160 4WD 6MT im Test

26. Februar 2016 23:41 Autor:
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Mini-SUV liegen im Trend: Im Test der neue SsangYong Tivoli e-XDi 160 4WD 6MT

 

Der Trend geht zu kleinen SUVs

Die südkoreanische Marke SsangYong hat im deutschen Markt eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Dies bedingt in erster Linie durch den Importeur. Die Fahrzeuge – vornehmlich SUVs – von SsangYong waren immer erstklassig, wenn auch exotisch. Seit dem Neustart vor 3 Jahren geht es mit der Marke auch auf dem deutschen Markt stetig bergauf. SsangYong schließt das Jahr 2015 mit 120 Prozent Zuwachs ab. Neben dem Händlernetz mit geplanten 300 und bereits über 200 vorhandenen Vertragspartnern weckt vor allem ein Neuzugang im Sortiment von SsangYong für ein gesteigertes Interesse an der Marke. Mit dem Tivoli präsentieren die Südkoreaner im Segment der kleinen und kompakten SUVs ein nicht nur optisch äußerst attraktives Angebot. Fast vier Jahre hat das Unternehmen an der Entwicklung des Tivoli gearbeitet und dabei mehr als 280 Millionen Euro investiert. Fünf Designstudien gingen ihm voraus. Neben Platz und Variabilität stand vor allem ein schickes Ambiente im Mittelpunkt. Mit dem Tivoli deutet sich für SsangYong ein gehöriger Schritt nach vorn an. Ob der Tivoli – benannt nach der historischen Kulturstadt in der Nähe von Rom – allerdings auch hält was er verspricht, klärt unser erster Fahrbericht.

 

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Design und Optik

Der Markenkern von SsangYong ist in Asien primär durch dessen Design geprägt. Außerhalb von Asien wurde dieser Zuspruch nicht immer geteilt. Der Tivoli ist im Vergleich zu früheren SsangYong-Modellen dagegen rein optisch verdammt gut gelungen. Die Optik des 4,20 Meter langen Tivoli dürften massenkompatibel zum Geschmack europäischer Autokäufer sein. Die Formensprache betont im positiven Sinne dennoch ein hohes Maß an Eigenständigkeit. Der Tivoli ist acht Außenfarben sowie fünf zweifarbigen Kombinationen erhältlich. Die direkten Wettbewerber sind im Bereich der rund 4,2 Meter kurzen Mini-SUVs für die Stadt im sogenannten B-Segment zu suchen. Hierzu zählen neben dem Opel Mokka und Renault Captur im weitesten Sinne auch der BMW X1 sowie der Mini Countryman.

Interieur

Ein großer Aha-Effekt im Innenraum. So sieht kein fernöstliches Günstig-Auto aus. Das möchte der Tivoli je nach Ausstatung auch gar nicht sein. Er präsentiert sich überraschend routiniert und vorbildlich sauber verarbeitet. Die Oberflächen – auch die aus Kunsstoff sehen optisch ansprechend aus und fassen sich auch so an. Geschäumte Flächen finden sich nur an wenigen Stellen – aber dafür sind einige Flächen zur Verbesserung der Haptik mit Softlack überzogen. Das beachtliche Finish ergänzen viele durchdachte Ablagen. Auch während der Fahrt knarzt oder klappert absolut nichts.

Der Innenraum wirkt angenehm. Die Rundinstrumente im SsangYong Tivoli sind gut ablesbar und die Instrumentenbeleuchtung bietet sogar sechs einstellbare Farben. Die Platzverhältnisse im Interieur profitieren von den 1,80 Metern Fahrzeugbreite. Positiv auch der Eindruck der großen Fensterflächen mit genügend Rundumsicht. Sehr überzeugend sind die Platzverhältnisse im Fond in denen selbst Großgewachsene eine große Beinfreiheit genießen können. Der Fahrer und Beifahrersitz sind gut konturiert. In unserem Testwagen mit Ausstattung mit Voll-Leder sowie optional beheizbaren oder zur Kühlung belüfteten Sitzen. Die Sitze verleihen Fahrer und Beifahrer einen ausgezeichneten Seitenhalt.

Das Bedienkonzept ist insgesamt stimmig

Zweifelsfrei gut gelungen ist die Bedienung. Nahezu alle Bedienelemente sind gut plaziert und direkt ohne große Sucherei direkt und leicht auffindbar. Neben dem modern gestalteten Cockpit befindet sich in der Mitte ein modernes Infotainmentsystem mit Sieben-Zoll-Display. Auch hier zeigt sich die Bedienung schnell und intuitiv beherrschbar. Die integrierte Navigation stammt von TomTom. Moderne Handys lassen sich via Bluetooth koppeln.  Ein kleines Manko ist das nur in der Höhe verstellbare Lenkrad.

Der Kofferraum ist klassenüblich eher kurz, dafür aber ausgesprochen tief. In den Kofferaum passen über eine hohe Ladekante 423 Liter. Das Volumen läßt sich über die im Verhältnis 60:40 geteilt umklappbaren Rücksitze auf bis zu  1.215 Liter vergrößern. Bei umgelegten ­Sitzen entsteht eine unpraktische Stufe. Unter dem Ladeboden befinden sich noch weitere Fächer.

Diesel-Motor mit Allrad-Antrieb

Der Benziner und der Turbodiesel mit jeweils 1,6 Litern Hubraum, lassen sich sowohl mit Front- als auch Allradantrieb sowie Schaltgetriebe oder Automatik kombinieren. Wir fuhren den 1,6 Liter Turbo-Diesel e-XDi160 mit Allradantrieb und 6-Gang-Handschalter. Der Selbstzünder wird von der neusten Generation des E-VGT-Turboladers aufgeladen uns erfüllt bereits die Euro-6-Norm. Das 115 PS starke Aggregat sorgte stets für ausreichenden Vortrieb. Sehen lassen kann sich das recht hohe und bereits im unteren Drehzahlbereich von 1.500 bis 2.500  Umdrehungen pro Minute vollumfänglich anliegende Drehmoment von 300 Newtonmetern. dies sorgt für gute elastizitätswerte. Die Kraftübertragung übernimmt ein manuelles Getriebe, dass sich  hervorragend und präzise schalten läßt. Die Gesamtübersetzung ist ebenfalls gut gewählt. Im sechsten Gang bei 130 km/h dreht der Motor nur mit 2.500 Umdrehungen pro Minute. Der Hersteller gibt für die von uns gefahren Allradversion einen kombinierten Normverbrauch von 4,7 Litern – entsprechend einer CO2-Emission von 123 Gramm je gefahrenem Kilomter – an.  Wir hatten einen knapp darüber liegenden durchschnittlichen Testverbrauch von 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Die optionale Start/Stopp-Automatik hatte unser Testwagen nicht verbaut.

So fährt der kleine Crossover SsangYong Tivoli

Die direkte Lenkung läßt sich ab Basis über drei Programme individuellen Wünschen (Comfort, Normal und Sport) anpassen. Das Lenkverhalten ist etwas synthetisch. Das Fahrwerk ist sportlich-straff ausgelegt. Der Komfort leidet mitunter darunter. Dem Handling und der Agilität kommt sie zuweilen zu gute. Das Fahrwerk mit McPherson-Federbeinen vorn und Torsionsachse hinten rollt auf glatter Fahrbahn recht komfortabel und kommod. Aber spätestens bei Unebenheiten oder im Gelände werden diese relativ ungefiltert an die Passagiere weitergereicht. Die ,,Lock“-Taste sperrt im Fall des Tivoli 4WD nicht das Differenzial, sondern schaltet den ansonsten automatischen auf dauerhaften Allradantrieb. Das Das Allrad-System dient dem Tivoli in erster linie als wirkungsvolle Traktionshilfe auf befestigten Straßen – macht ihn aber nicht zum vollwertigen echten Geländegänger. Mit seiner geringen Bodenfreiheit von nur 16.7 cm eignet er sich nicht wirklich als Offroader. Das möchte der Tivoli auch gar nicht sein. Der Koreaner orientiert sich eher an Lifestyle und Boulevard.

 

Technische DatenSsangYong Tivoli 160 e-Xdi 6MT
Hersteller:SsangYong
Karosserie:SUV Subkompaktsegment
Motor:Vierzylinder Turbo-Diesel
Getriebe6-gang manuelles Getriebe
AntriebAllradantrieb
Hubraum:1.597 ccm
EmissionsklasseEuro 6
EnergieeffizienklasseA
Leistung:85 kW / 115 PS 3.400 bis 4.000 U/Min
Drehmoment:300 Nm bei 1.500 bis 2.500 U/Min
Höchstgeschwindigkeit:175 km/h
Verbrauch (ECE)4,7 Liter (4,5 Liter mit Start/Stopp)
CO2-Ausstoß123 g/km
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis10,6 Meter
Leergewicht1.465 kg
Kofferraum423-1.215 Liter
Tankinhalt45 Liter
Zuladung455 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.202/1.798/1.590/2.600 mm
Preise 1.6 Diesel 4WDab 19.990 Euro
Testwagenpreis (Sapphire):27.590 Euro

 

Preise und Ausstattung

15.490 Euro ruft SsangYong für das frontgetriebene (2WD) Benziner-Basismodell auf. Ein echter Kampfpreis. Damit zählt er zu den günstigsten Offerten bei den kleinen SUV. Die Ausstattungsvariante Quartz kostet mindestens 18.990 Euro und bietet serienmäßig u.a. einen Knie-Airbag, Sieben-Zoll-Bildschirm und Bluetooth. Der günstigste Tivoli mit Dieselmotor und Allradantrieb kostet bereits 19.990 Euro. Die teuerste Ausstattung treibt die Preise kräftig nach oben. Beim Tivoli um weitere 7.000 Euro. Zum Test trat der 115-PS-Allradler in der Topausstattung Sapphire an. Kaufpreis ab mindestens 26.990 Euro. Die Topversion liefert Parkpiepser für vorn und hinten, 18-Zöller und einen schlüssellosen Zugang, eine Rückfahrkamera sowie eine Zweizonen-Vollklimatisierung, Keyless Go mit schlüssellosem Öffnen und Schließen, ein beheizbares Lenkrad sowie eine Lederausstattung und Sitzbelüftung. Optional läßt sich noch die Navigationsfunktion von TomTom (600 Euro), sechsstufiges Automatikgetriebe (2.000 Euro), sowie ein Sonnendach (1.000 Euro) sowie Start/Stopp-.Automatik (300 Euro) ordern

Aber auch im Top-Tivoli fährt es sich noch gänzlich assistenzlos

Was es beim Tivoli weder für gute Wort noch Geld gibt, sind zeitgemäße elektronische Sicherheitshelfer wie bspw. einen Notbremsassistent, Abstands- und Totwinkelwarner, Spurhalteassistent – oder auch ein automatischer Tempomat.

Die serienmäßigen fünf Jahre Herstellergarantie bis zu maximal 100.000 Kilometer – sowie sechs Jahre gegen Durchrostung  – sind ein Versprechen, das über die eine oder andere geringfügige Schwäche des Südkoreaners wohlwollend hinwegsehen lässt.

 

Fazit: Gerade die kleinen SUVs boomen

Die Koreaner können gute Autos bauen. Dies wissen wir nicht erst seitdem Kia und Hyundai bei Volkswagen das einstige Feindbild von Toyota zu ersetzen droht. Mit dem optisch gefälligen SsangYong Tivoli möchte der kleinste der fünf koreanischen Autobauer auch auf dem deutschen Markt kräftig angreifen. Die Chancen dafür stehen aktuell sehr gut. Der Volkswagen-Konzern ist in dem boomenden Segment der Mini-SIVs und Crossover bisher noch gar nicht aufgestellt. In Genf wird hierzu gerade erst in Kürze eine Studie gezeigt. Und den etablierten Angeboten von Opel oder Renault hat der Tivoli sogar manches voraus. Der Opel sowie der Renault Captur haben allesamt schlechtere Platzverhältnisse im Innenraum aufzuweisen. Auch ist die Verarbeitung beim Tivoli durchweg besser. Und es kommt noch besser: Noch in diesem Jahr soll eine siebensitzige Variante folgen. Ab 19.990 ist der Tivoli mit Diesel zu haben. Für die von uns gefahrene Top-Ausstattung werden dann allerdings noch weitere 7.000 Euro fällig. Von einem Schnäppchen kann dann kaum noch geredet werden.

 

SsangYong Tivoli Fahrbericht 2016

 

 

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