MOTORMOBILES

Das Automagazin im Internet

Startschuss für den Kia EV4: Was der neue Stromer kosten soll

Kia EV4: Das speziell für den europäischen Markt entwickelte Schrägheckmodell ist der erste Elektro-Kia, der in Europa produziert wird - Bildnachweis: Kia

Kia nennt die Preise für den neuen Herausforderer in der Kompaktklasse

Mit der offiziellen Preisveröffentlichung des neuen Kia EV4 rückt ein weiteres vollelektrisches Modell in den Fokus, das gezielt auf die Bedürfnisse europäischer Autofahrer zugeschnitten ist. In einer Zeit, in der SUV-Modelle die Zulassungsstatistiken dominieren, bleibt die Kompaktklasse in Deutschland weiterhin gefragt. Fast jede fünfte Neuzulassung entfiel 2024 auf dieses Segment. Kia setzt mit dem EV4 ein deutliches Zeichen und bringt ein Schrägheckmodell auf den Markt, das erstmals in Europa produziert wird. Der Startpreis von 37.590 Euro für die Basisversion mit 58,3-kWh-Batterie unterbietet einige Konkurrenten und dürfte bei preisbewussten Interessenten für Aufmerksamkeit sorgen.

Produktion und Markteinführung: Ein Schritt Richtung Europa

Der EV4 wird im slowakischen Werk Zilina gefertigt und ist damit das erste Elektrofahrzeug von Kia, das in Europa vom Band läuft. Die Auslieferung des Kompaktwagens ist für das vierte Quartal 2025 geplant. Mit dieser Entscheidung reagiert Kia auf die steigende Nachfrage nach lokal produzierten Elektrofahrzeugen und verspricht sich kürzere Lieferwege sowie eine bessere Anpassung an die europäischen Marktanforderungen.

Technische Basis und Varianten: Zwei Akkus, eine Motorisierung

Der Kia EV4 basiert wie die Schwestermodelle EV6 und EV9 auf der E-GMP-Plattform, setzt allerdings auf eine 400-Volt-Architektur. Angeboten werden zwei Batteriegrößen: Die Basisversion mit 58,3 kWh ermöglicht laut Hersteller eine Reichweite von bis zu 440 Kilometern, während die größere 81,4-kWh-Variante bis zu 625 Kilometer schaffen soll. Beide Versionen werden von einem 150 kW (204 PS) starken Elektromotor angetrieben, der die Vorderachse antreibt. Die Beschleunigung auf Tempo 100 gelingt in rund 7,5 bis 7,7 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h. Die Ladeleistung fällt mit maximal 100 kW solide aus, sodass ein Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in etwa 30 Minuten möglich ist. Im Alltag dürfte das für die meisten Nutzer ausreichend sein, auch wenn einige Konkurrenten inzwischen höhere Ladeleistungen bieten.

Ausstattung und Innenraum: Moderne Technik und viel Platz

Schon die Basisausstattung des EV4 fällt umfangreich aus. Serienmäßig sind ein neues Infotainmentsystem mit großem Panoramadisplay, Navigationssystem, Rückfahrkamera, Parksensoren und Klimaautomatik an Bord. Auch zahlreiche Assistenzsysteme wie ein Autobahnassistent, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Frontkollisionswarner und ein Totwinkelassistent sind verfügbar, wobei die Verfügbarkeit je nach Ausstattungsvariante variiert. Der Innenraum präsentiert sich modern und funktional, mit einer scheinbar schwebenden Bedienlandschaft und einem asymmetrisch gestalteten Lenkrad. Fahrer und Passagiere profitieren von einem großzügigen Platzangebot, der Kofferraum fasst 435 Liter und bietet damit ausreichend Stauraum für den Alltag.

Fahrdynamik und Komfort: Alltagstauglich und effizient

Das Fahrwerk des Kia EV4 wurde auf den europäischen Markt abgestimmt und soll einen guten Kompromiss zwischen Komfort und Dynamik bieten. Ein spezielles Dämpfungssystem und eine optimierte Vorderradgeometrie tragen zur Fahrstabilität bei. Die Energierückgewinnung beim Bremsen lässt sich individuell einstellen und ermöglicht sogar das sogenannte One-Pedal-Driving, was das Fahren im Stadtverkehr erleichtert. Die Effizienz des Antriebs und die Rekuperationsleistung tragen maßgeblich zur hohen Reichweite bei.

Kritische Einordnung: Stärken und Schwächen im Wettbewerbsumfeld

Kia positioniert den EV4 als vollelektrische Alternative zu etablierten Kompaktmodellen wie dem Ceed. Im Vergleich zu Mitbewerbern wie dem VW ID.3, Tesla Model 3 oder Hyundai Ioniq 6 kann der EV4 mit einer hohen Reichweite, einer umfangreichen Serienausstattung und einem attraktiven Einstiegspreis punkten. Die Ladeleistung ist im Klassendurchschnitt, bleibt aber hinter den Spitzenwerten einiger Konkurrenten zurück. Positiv hervorzuheben ist die lange Herstellergarantie von sieben Jahren, die auch für die Batterie – allerdings mit einer Laufleistungsbegrenzung – gilt. Kritisch betrachtet bleibt abzuwarten, wie sich der EV4 im Alltag hinsichtlich Verbrauch und Ladeinfrastruktur schlägt, zumal die endgültigen Verbrauchswerte und die deutsche Homologation noch ausstehen.

Ein ernstzunehmender Neuzugang für die Kompaktklasse?

Mit dem EV4 bringt Kia ein modernes, gut ausgestattetes und preislich attraktives Elektrofahrzeug auf den europäischen Markt. Die Kombination aus großzügigem Platzangebot, hoher Reichweite und umfangreicher Basisausstattung dürfte sowohl Privatkunden als auch Flottenbetreiber ansprechen. Die Produktion in Europa und die Ausrichtung auf hiesige Bedürfnisse unterstreichen den Anspruch, in der Kompaktklasse neue Maßstäbe zu setzen. Ob der EV4 die hohen Erwartungen im Alltag erfüllen kann, werden die ersten Fahrtests und die Resonanz der Kunden zeigen.