SUV-Geheimtippp aus Korea im Fahrbericht: Ssangyong Korando 136 PS Diesel 4WD Sapphire

 

Viel SUV auf Augenhöhe fürs Geld

 

Die neue vierte Generation des Ssangyong Korando startete Ende 2019 und hat viele überrascht. War das Design der Marke Ssangyong bisher zuweilen etwas bizarr. So punktet die Neuauflage umso bemerkenswerter mit einer stilistisch sehr stimmigen Optik. Die vierte Generation ist ein echter Hingucker. Außer dem Namen ist nicht viel gleich geblieben. Die klar gegliederte Front, die gestreckte Seitenlinie mit den sanft betonten Kotflügeln und das breit wirkende Heck mit der durchgehenden Chromleiste präsentieren sich sehr gefällig. Die veränderten Proportionen (länger, breiter, flacher) lassen die Neuauflage um Welten dynamischer wirken. Optisch ist das SUV damit zweifellos das bislang gelungenste Modell der für einige Design-Kuriositäten bekannten Marke. Aber auch die Technik, Qualität, Anmutung und Verarbeitung haben ebenfalls einen großen Sprung nach vorn gemacht.

Seit 1954 existiert das südkoreanische Unternehmen „Ssangyong“ (was soviel heisst wie „Zwillingsdrache“). Seit 2011 gehört der Autobauer zum indischen Mahindra-Konzern. Die koreanische Automarke, mit einer Kernkompetenz auf SUV und Pick-Ups, spielt in Europa völlig zu Unrecht eine Außenseiterrolle. Noch gelten die Fahrzeuge im deutschsprachigen Raum als Geheimtipp. Doch das könnte sich ändern. Ssangyong hat in den letzten 12 Monaten den Korando erneuert, den Tivoli überarbeitet und den Rexton für die neuesten Abgasrichtlinien fit gemacht. Wäre da nicht das schwierige Umfeld durch die Corona-Pandemie, dann könnte die Marke mit neuem Modellprogramm kräftig angreifen. Der neue Korando zielt mit 4,45 Metern Länge auf Wettbewerber wie den Seat Ateca, Opel Grandland oder den Hyundai Tucson und VW Tiguan. Wir haben überprüft, ob die Neuauflage des bislang wenig bekannten Kompakt-SUV über das Potenzial verfügt, die Marke auch im deutschsprachigen Raum deutlich nach vorne zu bringen.


Interieur – optisch radikal erneuert


Der Innenraum punktet mit viel Platz. Hier verbessert der auf 2,65 Meter verlängerte Radstand die ohnehin schon großzügigen Platzverhältnisse nochmals. Das gilt vor allem für die Kopffreiheit und den Fond. Den komfortablen Zugang ermöglichen weit öffnende Türen. Die großen Türen, bedecken den Schweller und unteren Teil der Karosserie und verhindern damit effektiv eine Verschmutzung der Kleidung beim Ein- und Aussteigen. Vom vierfach einstellbaren Fahrersitz mit integrierter Lendenwirbelstütze hat der Fahrer eine gute Sicht auf das Verkehrsgeschehen. Dem Fahrer bietet der Koreaner einen schick und ergonomisch gestalteten Arbeitsplatz an dem man sich relativ schnell zurecht findet. Die Materialanmutung samt Passgenauigkeit und Verarbeitung haben sich deutlich verbessert und befinden sich auf dem Niveu des Wettebewerbs. Die überwiegend unterschäumten Kunststoffe wie aber auch und anderen Materialien wirken edel und machen kaum noch einen Unterschied zu Rivalen wie die eines VW Tiguan oder Toyota RAV4.

 

 

Das Cockpit des Korando ist zweckmäßig gestaltet und verfügt über viele Ablagen. Ein Eyecatcher ist das 3D-Design der Ambientebleuchtung an den vorderen Seitentüren und beifahrerseitig im Armaturenträger, mit beindruckender Tiefenwirkung. Die Bestuhlung ist bequem und auf Wunsch auch beheizt sowie belüftet. Der Handbremshebel hat zugunsten einer elektrischen Feststellbremse ausgedient. Die neue Infotainmentplattform ist State of the Art, präsentiert sich grafisch wie auch bedien-performant mit hochauflösendem Touchscreen und vermag auch in Bezug auf Konnektivität zu überzeugen. Das Smartphone läßt sich problemlos per Apple CarPlay und Android Auto einbinden und auf dem Display spiegeln. Neben einem smarten Audiosystem mit Acht-Zoll-Bildschirm steht auf Wunsch auch eine Navigation zur Wahl. Route und Richtungshinweise lassen sich nicht nur auf dem neun Zoll großen LCD-Farbdisplay des optionalen TomTom-Navigationssystems darstellen, sondern auch auf dem 10,25 Zoll großen virtuellen Cockpit direkt hinter dem Lenkrad. Beide Displays sind hochauflösend und sehr gut – selbst bei direktem Sonnenlicht – ablesbar. Zudem gefällt die intuitive Menüführung. Bisher war dies keine Stärke der Koreaner.

Das größte Plus im Innenraum ist das üppige Platzangebot im Fond. Der Koreaner ist sechs Zentimeter flacher geworden, hat dafür aber in Länge und Breite um satte vier Zentimeter zugelegt. Das verbessert die Proportionen und die Platzverhältnisse im Interieur. Die Dachlinie fällt nach hinten nur dezent ab, was groß gewachsenen Heckpassagieren viel Kopffreiheit bietet. Selbst große Personen verfügen über eine gute Kniefreiheit und können sich im Fond sehr bequem ausstrecken. Besondere Variabilität, etwa verschiebbare Sitze, darf man aber nicht erwarten. Das Kofferraumvolumen wächst um 65 Liter und lässt sich von standardmäßig 551 Litern auf bis zu 1.248 Liter bei umgeklappter Rückbank erweitern. Als sehr praktisch erweisen sich hier die elektrisch öffnende Heckklappe unseres Testwagen in der Top-Ausstatung Sapphire, die sich schon dann automatisch öffnet, wenn man mit seinem Autoschlüssel nur lange genug hinter dem Auto steht


Antriebe

 

Wir entschieden uns für unseren Testwagen für den 1,6-Liter-Diesel mit 136 PS und 324 Newtonmeter Drehmoment bei 1.500 bis 2.500 Touren, der seine Kraft auf alle vier Räder über eine Sechsstufen-Automatik überträgt. Für den Korando mit dem hier getesteten Dieselaggregat verlangt Ssangyong mindestens 25.990 Euro. Für 2.000 Euro Aufpreis verfügt der Korando dann auch über Allradantrieb und für weitere 2.200 Euro ist er dann sogar  mit einem sechsstufigen Automatikgetriebe ausgestattet. Der praxisnahe WLPT-Herstellerangabe des kombinierten Verbrauchs beträgt 6,5 Liter, den wir während unserer Testfahrten – mit hohen Stadtanteil – um etwas über einen halben Liter überhöht haben. Die Höchstgeschwindigkeit berägt 181 Stundenkilometer. Der Vierzylinder-Selbstzünder ist mit Sechsgang-Schaltgetriebe wahlweise mit Handschalter und Automatik sowie Front- oder Allradantrieb erhältlich. Der 136 PS-Diesel erfüllt die Abgasnorm Euro 6d-temp. Die Versionen mit Zweiradantrieb sind mit einem Start-Stopp-System ausgestattet. Ein Mild- oder Plugin-Hybrid (PHEV) ist noch nicht entschieden. Noch dieses Jahr – spätestens Anfang nächsten Jahres soll das erste Elektroauto mit batterielektrischen Antrieb (BEV) von Ssangyong debütieren. Das E-Modell werde auf der Technikplattform des Korando basieren und bis zu 400 Kilometer Reichweite erzielen können, kündigte Ulrich Mehling, Chef von Ssangyong Deutschland, an.

 

Allradler mit hoher Anhängelast

 

Das Fahrwerk erweist sich als guter Komfort-Kompromiss mit stets gutmütiger Auslegung. Die Lenkung wirkt abseits von Perfektion dennoch präzise und folgt willig den Befehlen des Fahrers. Die gesamte Abstimmung von Fahrwerk und Antrieb empfanden wir als guten Durchschnitt der sich vor der Konkurrenz nicht zu verstecken braucht.

Wir fuhren den Korando mit Allradantrieb (4WD). Dies prädestiniert den Korando auch abseits befestigter Wege oder schlechten Witterungsverhältnissen talentiert unterwegs zu sein. Über den Mode-Schalter samt elektrisch regelbarer Differenzialsperre steht einer Tour abseits der befestigter Straßen zwar prinzipiell nichts im Wege. Trotzdem ist der Korando eher als City-SUV ausgelegt. Bereits mittelgroße Unebenheiten können für den Ssangyong Korando zum Problem werden, da er nur über 180 Millimeter Bodenfreiheit verfügt. Über die Momenteverteilung leitet der Allrad die Kraft an Vorder- und Hinterachse. Befindet sich ein Rad in der Luft, endet der Vortrieb in den meisten Fällen abrupt. Die 4WD wie auch die frontgetriebene 2WD-Version können maximal 2 Tonnen Anhängelast an den Haken nehmen.

 

Technische Daten Ssangyong Korando 1.6 E-XDI Diesel Sapphire 4WD 136 PS 6AT
Hersteller:SsangYong
Karosserie:SUV
Motor:1.6 Diesel
Getriebe:6-Stufen Automatik inkl. Start & Stopp
Antrieb:Allrad (4WD)
Hubraum:1.597 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d-TEMP
Leistung:100 kW (136 PS) bei 4.000 U/min
Drehmoment:320 Nm bei 1.500 - 2.500 U/min
Höchstgeschwindigkeit:181 km/h
Verbrauch (WLPT):6,5 Liter
CO2-Ausstoß 170 g/km
EffizienzklasseC
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis:11,7 Meter
Kofferraum:551 - 1.248 Liter
Anhängelast ungebremst/gebremst 12%2.000 kg
Tankinhalt:47 Liter
Leergewicht:1.700 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.450/1.870/1.630/2.675 mm
Garantie5 Jahre/ 100.000 km
Grundpreis Testwagen 4WD Sapphire Automatik:38.990 Euro
Preis Testwagen:42.990 Euro

 


Deutlich teurer als der Vorgänger aber immer noch günstig

 

Die Neuauflage des Korando startet zu Preise ab 22.990. Neben einer adaptiven Geschwindigkeitsregelanlage fährt der neue Korando mit zahlreichen Assistenz- und Sicherheitssystemen vor: Ein automatischer Notbremsassistent (AEBS) mit Kamera und Radarsensoren ist ebenso an Bord wie Spurverlassens-, Abstands- und Müdigkeitswarner sowie Anfahr-, Fernlicht-, Totwinkel- und Spurhalteassistent. Der Querverkehrswarner informiert beim Ausparken über querenden Verkehr und leitet bei Bedarf eine Notbremsung ein. Zur umfangreichen Serienausstattung des Korando gehören zudem elektrisch einstell-, anklapp- und beheizbare Außenspiegel, eine Anhängevorrichtung, Verkehrszeichenerkennung (TSR), Anfahrassistent (FVSA), Müdigkeitswarner (DAA), Klimaanlage, beheizbare Windschutzscheibe, Licht- und Regensensor, 17-Zoll-Alufelgen, 3,5-Zoll-LCD-Bordcomputer, Doppel-DIN Audiosystem mit MP3-Funktion und Bluetooth-Freisprecheinrichtung sowie Lenkradbedientasten. Das Top-Niveau markiert die von uns gefahrene Ausstattungslinie Sapphire, die mit einer elektrischen Sitzverstellung und einer elektrisch einstellbaren Lendenwirbelstütze für den Fahrer sowie belüfteten Vordersitzen den Komfort erhöht. LED-Hauptscheinwerfer sorgen für optimale Sicht, der Totwinkelassistent, der Spurwechselassistent und der Querverkehrswarner reduzieren die Unfallgefahr. Der Hersteller gewährt eine Garantie von 5 Jahren und bis zu einer maximalen Laufleistung von 100.000 Kilometern.

 

Fazit – Technisch und Optisch auf Augenhöhe


„Kein Schrott, sondern eindeutig hot“ präsentiert sich die Neuauflage des Ssangyong Korando. Das koreanische Kompakt–SUV bietet zeitgemäße Technik und viel Platz sowie keinerlei Einbußen bei Komfort und Verarbeitung knapp unterhalb des Tiguan. Wirkte die Vorgänger-Generation des kompakten SUV nach neun Jahren Bauzeit trotz einiger Facelift ziemlich antiquiert und verstaubt, sind die Südkoreaner mit der Neuauflage technisch und optisch wieder voll auf der Höhe der Zeit. Auf ihrem Heimmatmarkt Südkorea zählt der Hersteller mit dem Korando übrigens zu den Premium-Anbietern. Dies in einem primären Wettbewerb zu Hyundai und Kia. Der Korando ist mit Benziner schon ab 22.990 Euro, inklusive 5-Jahres-Garantie, erhältlich. Der Preis des Testwagen mit üppiger Vollausstattung beträgt allerdings 42.990 Euro.

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