Suzuki Baleno 1.2-Liter-Dualjet SHVS im Fahrbericht – Leichtgewicht trotz Mildhybrid

12. Juli 2018 21:54 Autor:

Im Fahrbericht der Suzuki Baleno 1.2 Dualjet Hybrid mit viel Platz und sparsamen Antrieb – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Fünftüriger Kleinwagen mt viel Platz

Vor knapp zwei Jahren brachte Suzuki den neuen Baleno auf den Markt. Wir hatten nun Gelegenheit die viertürige Schrägheck-Limousine mit einem 48 Volt-Mildhybridsystem einem ausgiebigen Fahrbericht zu unterziehen. Ob der kleine Japaner hält, was Suzuki verspricht, haben wir überprüft.

Der Name Balneo  – auf Deutsch Blitz – hat bei Suzuki sogar eine Historie. Bereits von 1995 bis 2001 hat Suzuki einen Kompakten dieser Bezeichnung gebaut. Wirklich reanimiert wurde aber nur der Name. Bei der Neuauflage handelt es sich um einen vier Meter kurzen Kleinwagen, der in der Liga von VW Polo, Opel Corsa, Ford Fiesta & Co. mitmischen will.

Zweifeslfrei: Der Balneo bietet enorm viel Platz – nahezu auf Kompaktklasseniveau – auf wenig Fläche zu einem günstigen Preis. In der Tat kann man sich streiten, ob der Baleno nun zum Kleinwagen- oder doch eher Kompaktsegment zuzordnen sei. Das Kraftfahrtbundesamt zählt ihn zu den Kleinwagen, und auch von der Länge her kann man ihn eher mit wettbewerbern im Kleinwagen-Segment vergleichen. Auch in technologischer Hinsicht ist der Wagen mit einem Mild-Hybrid-Antrieb sehr interessant. Direkte Wettbwerber sind der VW Polo, Opel Corsa, Hyundai i20, Kia Rio, Seat Ibiza oder auch Skoda Fabia.

 

Suzuki Baleno 1.2 DualJet Hybrid
Im Fahrbericht der Suzuki Baleno 1.2 Dualjet Hybrid mit viel Platz und sparsamen Antrieb - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Design und  Optik

Der Fünftürer präsentiert sich auf unauffällige Weise mit einem eigenständigen Gesicht.  Suzuki läßt den  Baleno ausschließlich in der von uns gefahrenen Hatchback-Variante mit 5 Türen bauen. Trotz der Sparmaßnahmen erweckt der Baleno – im positiven Sinne – nicht den Eindruck eines Ökoautos. Die nach hinten ansteigende Gürtellinie verleiht dem Fahrzeug eine leicht geduckte Haltung. Der kurze Überhang hinten verlängert zudem den Radstand auf 2,52 Meter. Das optisch markanteste Merkmal des Baleno dürfte seine geschwungene  Chromleiste sein, die den Kühlergrill nach unten abschließt und fließend in die Scheinwerfer übergeht. Das sieht schick aus. Der äußerlichen Auftritt des Japaners wirkt gereift und erwachsen. Den Balneo zeichnet ein sehr verbindliches und wenig verspieltes Design aus. Eigentlich eine Domäne der Wolfsburger. Das Heck des Fünftürers punktet mit seinen fast quadratischen Rückleuchten. Montiert wird der Baneo übrigens nicht in Japan, sondern in Indien. Umso mehr wundert deshalb die beachtliche Verarbeitungsqualität von den Spaltmaßen bis in die Details. Suzuki beschreibt die Formensprache als „Liquid Flow“-Design, die Harmonie austrahlen und der Dynamik fließenden Wassers nachempfunden sein soll.
Wir fuhren den Balneo in der höchsten Ausstattung Comfort. Das Basismodell mit 3-Zylinder-Ottomotor ist ab 13.790 Euro zu haben. Die Preise des gefahrenen Baleno mit Mild-Hybrid in der „Comfort“-Version mit fast kompletter Serienausstattung starten bei mindestens 17.590 Euro. Dann befinden sich klassenuntypisch unter anderem ein Audio-System mit Smartphone-Anbindung (Android Auto und Apple Carplay) plus nativer Navi, eine Klimaautomatik, ein Lederlenkrad, beheizbare Außenspiegel, Xenonscheinwerfer, 16-Zoll-Aluräder und ein Tempomat mit Abstandsassistent an Bord.

 

Interieur des Suzuki Baleno in der Ausstattung Comfort – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Interieur

Das Lenkrad ist in Höhe und Weite über einen großen Stellbereich anpassbar. Der Blick des Fahrers fällt erstmal druch das Volant auf die im Blauton gehaltenen Hauptinstrumente. Zwischen ihnen befindet sich ein kleines Farbdisplay, welches sogar die g-Kräfte oder die abgerufene Leistung anzeigt. Der Touchscreen des Multimediasystems lässt sich intuitiv bedienen.  Man kann auch ohne Studium der Bedienungsanleitung sofort losfahren. Im Cockpit befindet sich alles dort, wo es erwartet wird.

Bei der Auswahl der Innenraummaterialien muss man geringe Abstriche machen, hier dominiert primär Hart-Kunststoff. Die Kunststoffteile wirken in ihrer Materialqualität zwar einfach, zum Teil auch nicht unterschäumt, aber optisch dennoch ansprechend. Alles ist sauber eingepasst und verarbeitet. Auch auf holprigen Straßen knarzt und klappert nichts. ebenso sucht man schiefe Spaltmaße  vergebens. Der Sitzkomfort geht auch voll in Ordnung. Allenfalls der Seitenhalt könnte besser sein. Das Platzangebot für die Fondspassagiere mit bis zu rund (!)  80 Zentimetern zwischen Vorder- und Rücksitzlehne ist extrem großzügig bemessen. Der Wagen schlägt da viele Wettbewerber im C-Segment der Kompaktklasse. In den Kofferraum passen 355 Liter, in Maximal-Konfiguration mit komplett umgeklappter Rückbank sogar bis zu 1.085 Liter. Allenfalls die Ladekante könnte etwas niedriger sein. Der Baleno ist auch in Sachen Konnektivität und Infotainmanet samt Navigation absolut zeitgemäß. Mit Multi-Informations-Farbdisplay, mit dem Apple-CarPlay-fähigem Audiosystem, mit Smartphone-Anbindung auch via MirrorLink, USB-Anschluss, SD-Kartensteckplatz sowie einer Heckkamera, die auf dem Touchscreen zeigt, wenn der Rückwärtsgang eingelegt ist.

Ein Mild-Hybrid-System wirkt als Muntermacher

Ebenfalls eine Seltenheit in der Größenordnung des Baleno ist sein fortschrittlicher  Hybridantrieb. In Kombination mit der „Comfort“ Ausstattung verfügt der 1.2-l-Dualjet-Benziner über die sogenannte SHVS-Technologie. Gemeint ist damit ein Mild-Hybrid-System (Smart Hybrid Vehicle by Suzuki), bei dem ein integrierter Startergenerator den 90 PS starken Vierzylinder unterstützt.

Die entsprechende Energie liefert eine Lithium-Ionen-Batterie unter dem Fahrersitz, die via Rekuperation aufgeladen wird. Der 1,2-Liter-Ottomotor kann dank Startergenerator rekuperieren, den Verbrennungsmotor mit dem gespeicherten Strom anlassen und beim Beschleunigen unterstützen. Das alles passiert während der Fahrt unmerklich, wirkt sich aber je nach Fahrweise und Fahrsituationen dann positiv an der Tankstelle aus. Da es sich um einen Mild-Hybrid handelt kann man mit dem Baleno nicht rein elektrisch fahren. Der kleine Elektromotor gibt immer wieder mal etwas Zusatzschub. Diese zusätzlichen 50 Newtonmeter bemerkt man zum Teil beim Anfahren. Das Mild-Hybridsystem ist ein Novum bei den europäischen Modellen des japanischen Autobauers. Die Systemleitung von 90 PS genügen, um im Verkehr ordentlich mitzuschwimmen, ohne als Verkehrshindernis aufzufallen. Bei höheren Drehzahlen läßt sich der Suzuki bei Bedarf – sogar recht agil bewegen. Dies ist weniger der Systemlestung als dem extrem geringen Gewicht von gerade einmal 990 Kilogramm zu verdanken. Die Karosserie wurde komplett neun entwicklet, die aus hochfesten Stählen besteht und mit fast 100 Kilogramm Mindergewicht im Vergleich zum Swift ermöglicht. Ein ähnlich großer VW Polo mit 1,2-Liter-Ottomotor und den gleichen Leistungsdaten wiegt über 1.100 kg.

 

Den Null-Hundert-Paradesprint erledigt der Balneo in 12,3 Sekunden – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Wie er sich fährt

Der Unterstützung durch das Hybridsystem hat es der 990 kg leichtgewichtige Dualjet-Baleno zu verdanken, dass er in der Praxis deutlich munterer und antrittsstärker wirkt, als es die Papierform vermuten lässt. Den Null-Hundert-Paradesprint erledigt der Balneo in 12,3 Sekunden. Eine weitere Beschleunigung endet auf Wunsch erst bei Tempo 180. An Steigungen ist Runterschalten angesagt, um den Motor bei Laune zu halten. Wir konnten den Balneo auch auf Langstrecke gut bewegen. Aber die besten Qualifikationen verfügt der Fünftürer für den Stadtverkehr. Zu erwähnen ist auch das Start/ Stopp-System, das (dank Mildhybrid-Version) schon im Rollbetrieb unter 15 km/h den Motor abschaltet. Hilft alles beim Spritsparen. Mit seinem Mild-Hybrid-System kommt der Suzuki Baleno auf günstige Verbrauchswerte. Die Hertstellerangaben des kombinierten Normverbrauch von 4 Litern konnten wir sogar ohne große Verrenkungen unterbieten. Bei schneller Fahrweise war der Aufschlag moderat. Interessanterweise verbraucht der Baleno Hybrid Innerorts weniger  als auf der Autobahn. Fahrt man auf der Autobahn schneller als 120 km/h, geht auch der Verbrauch spürbar rauf. Gerade bei Kleinwagen, ist das nachweislich sparsame Mildhybridsystem eine gute Alternative gegenüber der immer aufwändigeren Abgasnachbehandlung auch kleiner Dieselmotoren. Das Fünfganggetriebe schaltet sich leicht und präzise, die Gänge sind praxisgerecht abgestuft. Einen sechsten Gang mit langer Übersetzung vermissten wir insbesondere auf der deutschen Autobahn. Innerorts läßt sich bereits ab 50 km/h problemlos im 5. Gang sparen.

Insgesamt fährt sich der Balneo unaufällig und eher gefühlt wie ein Kompaktwagen, denn ein Kleinwagen. Die elektrisch unterstützte  Lenkung verfügt in der  Mittellage zunächst über einen leichten, aber spürbaren Widerstand, was einer zielgenauen Geradeausfahrt etwa auf der Autobahn dienlich ist und ein hektisches Hin und Her wegen zu geringer Lenkstabilität vermeidet. Seine angeborene Tendenz zum minimalen Untersteuern liegt im Frontmotor-Konzept und bereiten nicht zuletzt aufgrund des geringen Gewichts und tiefen schwerpunkt sogar ein wenig Fahrspaß. Der Fahrwerksabstimmung fehlt noch der letzte Quentchen Feinschliff zu einem optimalen Kompromiss zwischen Komfort und Härte. Bodenwellen werden zuweilen mehr als nötig an die Insassen weitergereicht. Dafür läßt er sich im städtischen Umfeld besonders flink und zielsicher dirigieren. Auch auf der Autobahn macht der Kleine keine schlechte Figur. Bis Tempo 140 Sachen bietet der Suzuki Baleno – nicht zuletzt dank seines recht üppigen Radstandes – ein beachtliches Maß an Komfort. Kurzum der Balneo empfiehlt sich als talentierter Stadtflitzer und nur geringfügig weniger ausgeprägt als Reisefahrzeug für die Langstrecke.

 

Technische Daten Suzuki Baleno 1.2 Dualjet Hybrid
Hersteller:Suzuki
Karosserie:Kleinwagen
Motor:1.2 Dualjet Hybrid SHVS mit Start/Stop
Getriebe:5-Gang Handschalter
Antrieb:Frontantrieb
Hubraum:1.242 ccm
Emissionsklasse:Euro 6
Leistung:66 kW (90 PS)
Drehmoment:120 Nm bei 4.400 U/min
Von 0 auf 100:12,3 s
Höchstgeschwindigkeit:180 km/h
Verbrauch (ECE):4,0 Liter
CO2-Ausstoß93 g/km
CO2-EffizienzklasseA
Kraftstoff:Superbenzin
Wendekreis:10,0 Meter
Kofferraum:355 bis 1.085 Liter
Tankinhalt:37 Liter
Leergewicht/Zuladung inkl Fahrer:990 kg / 415 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:3.995/1.745/1.470/2.520 mm
Grundpreis Testwagen (Comfort) ab:17.590 Euro

 

Preise und Ausstattung

Der Baleno seht serienmäßig auf 15-Zoll-Felgen für den Basic und Club, die Ausstattungslinie Comfort erhält bereits optisch ansehnliche Leichtmetallräder in 16-Zoll. Ein mit dem Tempomaten gekoppeltes Radar, das automatisch den Abstand zum Vordermann überwacht, bietet der Baleno ebenfalls serienmäßig. Das Preis-Leistungsverhältnis ist stimmig. Die Ausstattung „Club“ beinhaltet bereits Bluetooth, Sitzheizung, Lederlenkrad, Bordcomputer, Lichtautomatik, LED Tagfahrlicht und den doppelten, herausnehmbaren Ladeboden im Kofferraum.

Den Baleno SHVS gibt es nur in der höchsten Top-Ausstattungsvariante „Comfort“ und hat somit alle kleinen Aufmerksamkeiten mit an Bord. Bei unserem Testwagen für 17.590 Euro erhält der Kunde ein Auto das alles hat was man von einem modernen Auto erwartet. So umfasst die Ausstattung auch über Annehmlichkeiten wie Schlüsselloses Einsteigen und Starten, Xenon samt LED-Tagfahrlicht und LED-Rückleuchten, wie auch Alufelgen in 16 Zoll, Berganfahrhilfe, eine Klimaautomatik, adaptiver Tempomat (ACC) mit Geschwindigkeitsbegrenzer, Sitzheizung, radargestützte Bremsunterstützung die sich bei Gefahr durch laute Warnsignale und dann einen abrupten Bremseneingriff bemerkbar macht,  Audio-System mit Smartphone-Anbindung per Android Auto und Apple Carplay inklusive Navi (ganz Europa) plus eine Rückfahrkamera und ein großes 4,2-Zoll-LCD-Farbdisplay, auf dem Beschleunigung, Verbrauch, Motorleistung, Drehmoment und sogar die auf die Passagiere wirkende Fliehkraft angezeigt wird.

 

Fazit: Kleinwagen mit Mildhybrid

Der Suzuki Balneo überzeugt mit viel Platz auf keiner Fläche und niedrigem Verbrauch. Dies macht ihn zu einem zweifellos  bemerkenswerten Vertreter in der Kleinwagenklasse. Uns wundert, ob seiner Qualitäten seine geringe Verbreitung. Sein Mauerblümchen-Dasein wird seinen inneren Qualitäten nicht gerecht. Mit seinem außergewöhnlich geringen Gewicht und der unkomplizierten Handhabung samt fortschrittlicher Mild-Hybrid-Technik und Raumökonomie machen den Suzuki Baleno zu einer echten Empfehlung.

 

 

Suzuki Baleno 1.2 Dualjet Hybrid
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