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Technik-Update mit Plug&Charge: DS Automobiles zündet beim N°8 die nächste Stufe

Der DS N°8 möchte per Plug&Charge das Ladekarten-Chaos beenden - Bildnachweis: DS / Stellantis

Strategie und Identität: Die Rückkehr der Nummer Acht

Wer heute in der automobilen Oberklasse überleben will, muss die Kunst beherrschen, Komplexität in absolute Einfachheit zu verwandeln. Während sich die Konkurrenz oft in einem Wettrüsten um die höchste Spitzenladeleistung verliert, wählt DS Automobiles für sein neues Flaggschiff, den DS N°8, einen Weg, der den Fahrer im Alltag viel direkter entlasten dürfte. Das Ende der mühsamen Suche nach der richtigen RFID-Karte oder der passenden Smartphone-App rückt mit der serienmäßigen Integration der Plug-&-Charge-Funtkion in greifbare Nähe. Aber dieser technishe Vorstoß ist nur ein Teil einer umfassenderen Strategie, mit der die französische Premiummarke aus dem Stellantis-Konzern ihren Anspruch im Segment der gehobenen Elektromobilität untermauern möchte. Deshalb wurde nicht nur die Software modernisiert, sondern auch die Hardware an entscheidenden Stellen nachgebessert, um den DS N°8 zu einem der komfortabelsten Reisebegleiter unserer Zeit zu machen.

Der DS N°8 markiert weit mehr als nur ein neues Modell im Portfolio; er steht für eine Zäsur in der Markenidentität. Das beginnt bereits beim Namen, bei dem das kleine, hochgestellte Symbol für Numéro eine bewusste Anspielung auf die französische Handwerkskunst und die Präzision einer Diamantspitze darstellt. Deshalb folgt die gesamte künftige Nomenklatur der Marke diesem Vorbild, wobei die Ziffer die Positionierung innerhalb der Fahrzeughierarchie vorgibt. Mit einer Länge von 4,82 Metern und einer Höhe von 1,58 Metern besetzt der Wagen eine interessante Nische zwischen einem klassischen SUV und einer flachen Limousine, was ihm eine Aerodynamik beschert, die mit einem cW-Wert von nur 0,24 in seiner Klasse fast konkurrenzlos dasteht. Aber technishe Finesse allein reicht im hart umkämpften deutschen Markt selten aus, weshalb die Franzosen nun massiv in die Ladeinfrastruktur-Kompatibilität investieren.

Plug & Charge: Digitale Zertifikate statt Plastikkarten

Die Einführung von Plug & Charge für alle Fahrzeuge, die ab Anfang April 2026 produziert werden, ist dabei ein Meilenstein für den gesamten Konzern. Basierend auf dem internationalen Standard ISO 15118 erfolgt die Kommunikation zwischen Fahrzeug und Ladestation künftig vollautomatisch und verschlüsselt. Sobald das Kabel an einer kompatiblen Schnellladesäule des Free2Move-Charge-Netzwerks eingesteckt wird, identifiziert sich der DS N°8 selbstständig. Der Ladevorgang startet ohne weiteres Zutun, und auch die Abrechnung wird im Hintergrund abgewickelt, was das Nutzererlebnis auf ein Niveau hebt, das man bisher fast nur von einem amerikanischen Elektro-Pionier kannte. In Europa stehen hierfür bereits über 50.000 Schnellladepunkte zur Verfügung, die diesen Standard unterstützen, eingebettet in ein Gesamtnetz von über einer Million Lademöglichkeiten.

Der AC-Vorteil: 22-kW-Lader für urbane Freiheit

Aber die Innovationen beschränken sich nicht auf das schnelle Laden an der Autobahn. Ein echtes Highlight für den urbanen Alltag ist der neue, optional erhältliche 22-kW-Dreiphasen-On-Board-Lader. Während die meisten Elektroautos serienmäßig lediglich mit 11 kW an Wechselstrom-Säulen laden können, verdoppelt DS diese Leistung gegen einen moderaten Aufpreis von 700 Euro. In deutschen Innenstädten, wo 22-kW-Ladesäulen weit verbreitet sind, ist dies ein unschätzbarer Vorteil. Ein DS N°8 FWD Long Range mit der großen 97,2-kWh-Batterie lässt sich so in nur 3 Stunden und 20 Minuten vollständig aufladen, während ein Standard-Lader hierfür über sechs Stunden benötigen würde. Deshalb wird das Fahrzeug besonders für Laternenparker oder Pendler attraktiv, die während eines Termins oder eines Einkaufs signifikante Reichweite nachladen wollen, ohne auf teurere Gleichstrom-Ladestationen angewiesen zu sein.

Ladeleistung im Vergleich: Das 400-Volt-Dilemma

Trotz dieser Fortschritte bleibt ein kritischer Blick auf die Schnellladeleistung von maximal 160 kW an DC-Säulen unerlässlich. Im direkten Vergleich zu Wettbewerbern wie dem Audi A6 e-tron, der dank 800-Volt-System bis zu 270 kW erreicht, wirkt der DS N°8 auf dem Papier fast schon bescheiden. Aber die Ingenieure halten dagegen, dass eine flache und stabile Ladekurve oft wertvoller ist als eine kurzzeitige Peak-Leistung. Zwischen einem Ladestand von 20 und 55 Prozent soll der Wagen seine maximale Leistung nahezu konstant halten können, was in der Praxis bedeutet, dass in etwa zehn Minuten genug Energie für weitere 200 Kilometer nachgeladen wird. Das 400-Volt-System der STLA-Medium-Plattform wurde hier bis an die Grenzen des Machbaren ausgereizt. Wer von 20 auf 80 Prozent laden möchte, muss mit einer Standzeit von rund 27 Minuten rechnen, was für die meisten Nutzer auf einer Langstrecke durchaus akzeptabel sein dürfte.

Effizienz durch Aerodynamik: Rekorde ohne Lärm

Die technishe Souveränität des DS N°8 stützt sich zudem auf eine Batterie-Technologie, die in Europa, genauer gesagt im nordfranzösischen Billy-Berclau, gefertigt wird. Die Lithium-Ionen-Zellen mit NMC-Chemie erreichen in der Long-Range-Version eine beachtliche Energiedichte von 264 Wattstunden pro Kilogramm. Das Resultat ist eine WLTP-Reichweite von bis zu 750 Kilometern für den frontgetriebenen Long Range, was selbst bei Autobahntempo von 120 km/h noch für reale 500 Kilometer ohne Ladestopp genügen soll. Dass dies keine leeren Versprechungen sind, unterstreicht die aerodynamische Formgebung, die konsequent im Windkanal optimiert wurde. Jedes Detail, von den aktiven Luftklappen im vorderen Stoßfänger bis hin zur Gestaltung der 20-Zoll-Leichtmetallfelgen, dient der Reduktion des Luftwiderstands. Aber es bleibt abzuwarten, wie sich diese Effizienz bei winterlichen Bedingungen in Deutschland bewährt, auch wenn die serienmäßige Wärmepumpe hier Schlimmeres verhindern sollte.

Fahrkomfort: Der schwebende Kamerablick

Fahrwerkstechnisch setzt der DS N°8 auf die bewährte Active Scan Suspension. Eine Kamera an der Windschutzscheibe scannt die Fahrbahn bis zu 25 Meter vor dem Fahrzeug und gibt diese Informationen an das Steuergerät weiter, das jeden Stoßdämpfer einzeln und in Echtzeit anpasst. Dieses System soll den legendären Komfort der historischen DS-Modelle in die Neuzeit übertragen. Aber man muss wissen, dass dieses System seine volle Wirkung vor allem im Comfort-Modus entfaltet. Wer den Sport-Modus wählt, bekommt eine straffere Abstimmung, bei der die Kamera-Unterstützung zugunsten eines direkteren Fahrgefühls zurücktritt. Die Lenkung selbst wird als präzise beschrieben, lässt aber für manche Experten ein wenig die Rückmeldung vermissen, was jedoch zum eher gleitenden Charakter des Fahrzeugs passt.

Interieur: Haute Couture und künstliche Intelligenz

Ein Blick in den Innenraum offenbart ein Ambiente, das sich wohltuend vom oft sterilen Look der Konkurrenz abhebt. Das Armaturenbrett scheint fast im Raum zu schweben, und die verwendeten Materialien wie Alcantara oder Nappaleder, das mit Olivenblatt-Wirkstoffen gegerbt wurde, zeugen von einem hohen Qualitätsanspruch. Ein besonderes Gimmick für kalte Tage ist der Neckwarmer, ein in die Kopfstützen integrierter Nackenföhn, der einen warmen Luftstrom um die Schultern der Passagiere legt. Das Infotainment-System basiert auf einem 16-Zoll-Touchscreen und integriert künstliche Intelligenz via ChatGPT, um die Sprachsteuerung natürlicher zu gestalten. Aber die Bedienung über den Bildschirm bleibt Geschmackssache; manche Funktionen könnten für Layen in den Menütiefen etwas verborgen wirken. Dennoch bietet das System nützliche Funtkionen wie ein EV-Routing, das Ladestopps intelligent in die Routenplanung einbezieht.

Preisgefüge: Premium-Anspruch in Zahlen

Die Preisstruktur des DS N°8 zeigt, dass sich die Marke selbstbewusst im Premium-Segment positioniert. Der Einstieg beginnt mit der Version Pallas FWD und der 74-kWh-Batterie, die 230 PS leistet und eine Reichweite von rund 550 Kilometern bietet, bei einem Listenpreis von 58.300 Euro. Wer mehr Ausdauer benötigt, greift zum Pallas FWD Long Range mit 245 PS und dem großen 97,2-kWh-Akku für 64.200 Euro. Für Kunden, die Allradantrieb bevorzugen, steht der Pallas AWD Long Range mit einer Systemleistung von 350 PS für 69.100 Euro in der Liste. In der höheren Ausstattungslinie Étoile steigen die Preise entsprechend an: Hier kostet der Basis-Fronttriebler 65.700 Euro, der FWD Long Range 72.000 Euro und das Allrad-Modell 76.000 Euro. Die exklusive Collection Jules Verne markiert mit Preisen von 78.000 Euro für den Fronttriebler und 82.000 Euro für den Allradler das obere Ende der Skala.

Ausstattungslinien: Pallas versus Étoile

Aber man sollte bei diesen Summen bedenken, dass die Serienausstattung bereits in der Pallas-Linie beachtlich ist. Voll-LED-Scheinwerfer, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik und das kamerabasierte Fahrwerk gehören hier zum Standard. In der Étoile-Ausführung kommen Highlights wie das Focal-Audiosystem mit 14 Lautsprechern, das erweiterte Head-up-Display mit Augmented-Reality-Funktionen und die belüfteten Massagesitze hinzu. Dennoch bleibt die Konkurrenz stark: Ein Audi A6 e-tron bietet zwar schnellere Ladezeiten, ist aber bei vergleichbarer Ausstattung oft deutlich teurer. Deshalb könnte der DS N°8 gerade für Individualisten, die Wert auf Design und Kofort legen, eine ernsthafte Alternative sein.

Fazit: Die Art of Travel im Elektrozeitalter

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der DS N°8 mit den neuen Funktionen Plug & Charge sowie dem 22-kW-Lader zwei der drängendsten Probleme im Elektroalltag adressiert. Die technishe Basis auf der STLA-Medium-Plattform ist solide, auch wenn mancher Experte ein 800-Volt-System vermissen mag. Aber durch die clevere Aerodynamik und die großen Batterien erzielt der Wagen Reichweiten, die ihn massivv langstreckentauglich machen. Es ist ein Fahrzeug, das nicht durch aggressive Sportlichkeit auffallen will, sondern durch die französische Kunst des Reisens. Wer bereit ist, sich auf den gallischen Charme einzulassen, erhält ein technologisch ausgereiftes Automobil, das im Alltag durch seine einfache Handhabung beim Laden punktet. Die Markteinführung in Deutschland steht kurz bevor, und es wird spannend sein zu sehen, ob der DS N°8 die Zulassungszahlen der Marke nachhaltig beflügeln kann.