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Trackday mit dem Gercollector: Abarth auf dem Nürburgring – Mitfahrt auf der Rennstrecke und Probefahrten jetzt buchen

Abarth beim GERCollector Trackday auf dem Nürburgring - Bildnachweis: Abarth / Stellantis

 

Der Skorpion lernt das Flüstern und Stürmen

Es gibt Geräusche, die man auf dem Nürburgring seit Jahrzehnten fest eingeplant hat, doch das schrille Kreischen eines Turboladers oder das aggressive Backfire einer Record-Monza-Abgasanlage gehört beim kommenden Auftritt von Abarth in der Eifel der Vergangenheit an. Am 1. Mai 2026 wird sich zeigen, ob ein Skorpion auch ohne den charakteristischen Benzingeruch zustechen kann, wenn die Marke im Rahmen des Trackdays von Influencer Gercollector auf den Grand-Prix-Kurs zurückkehrt. Die Erwartungshaltung ist zwiespältig, denn während Puristen noch immer dem Ende der Verbrenner-Ära nachtrauern, schickt Stellantis die bisher leistungsstärkste Interpretation eines Abarths in die Grüne Hölle. Es geht dabei um mehr als nur eine Marketing-Kooperation mit einem YouTube-Star, es geht um die Existenzberechtigung einer Performance-Marke in einer rein elektrischen Welt.

Der Schauplatz für diese Standortbestimmung könnte nicht prominenter gewählt sein, da die Grand-Prix-Strecke des Nürburgrings mit ihren technisch anspruchsvollen Kurvenkombinationen und den harten Anbremspunkten gnadenlos offenlegt, wie gut die Transformation vom charmanten Krawallmacher zum seriösen Elektro-Sportler gelungen ist. Abarth nutzt die Bühne des Gercollector Trackdays, um den Fans nicht nur statische Exponate zu präsentieren, sondern das versprochene Adrenalin in Form von Taxifahrten und Probefahrten erlebbar zu machen. Im Zentrum steht dabei der Abarth 600e, der mit einer Systemleistung von 207 kW, was traditionellen 280 PS entspricht, ein neues Kapitel aufschlägt. Aber die schiere Leistung ist in der heutigen Elektro-Ära, in der selbst Familien-SUVs beeindruckende Beschleunigungswerte liefern, nur die halbe Wahrheit.

Die technische Basis des neuen Flaggschiffs bildet die Perfo-eCMP-Plattform, eine tiefgreifend modifizierte Variante der bekannten Konzernarchitektur. Um den hohen Anforderungen auf einer Rennstrecke wie dem Nürburgring gerecht zu werden, haben die Ingenieure dem Fahrzeug ein mechanisches Torsen-Sperrdifferenzial an der Vorderachse spendiert. Dies ist ein entscheidendes Detail, da das hohe Drehmoment von Elektromotoren herkömmliche Traktionskontrollen oft vor unlösbare Aufgaben stellt. Das Sperrdifferenzial soll sicherstellen, dass die Kraft nicht in blauem Rauch aufgeht, sondern in Vortrieb umgemünzt wird, besonders wenn der Wagen aus der engen Müllenbachschleife herausbeschleunigt. Deshalb wird es spannend sein zu beobachten, wie das Fahrwerk mit dem im Vergleich zu den alten Verbrennern deutlich höheren Gesamtgewicht umgeht.

Das Mehrgewicht der Batterien ist die Achillesferse jedes Elektro-Sportwagens, und auch Abarth kann die Gesetze der Physik nicht außer Kraft setzen. Dennoch verspricht die Marke ein direktes Handling und eine Dynamik, die dem Namen gerecht wird. Die Mitfahrten auf dem Beifahrersitz sind für die Besucher eine seltene Gelegenheit, die Querbeschleunigung des 600e unter professioneller Anleitung zu spüren. Dabei wird sich zeigen, ob die Zusammenarbeit mit Michelin bei den spezifischen Reifenmischungen Früchte trägt. Diese Reifen müssen einerseits den niedrigen Rollwiderstand für den Alltag bieten, andererseits aber auch die thermische Belastung auf dem Grand-Prix-Kurs verkraften, ohne nach zwei schnellen Runden massiv abzubauen.

Neben dem neuen Topmodell wird auch der bereits bekannte Abarth 500e vor Ort sein, der mit 114 kW beziehungsweise 155 PS deutlich zahmer auftritt. Er dient eher als Einstieg in die elektrische Welt der Marke und zielt auf ein urbanes Publikum ab, das den Stil des Cinquecento schätzt, aber lokal emissionsfrei unterwegs sein möchte. Für die Probefahrten rund um den Nürburgring stehen beide Modelle zur Verfügung. Hier stellt sich jedoch die Frage, ob die kurvenreichen Landstraßen der Eifel tatsächlich das ideale Terrain für den kleinen 500e sind, oder ob ihm dort nicht doch schnell die Puste ausgeht, wenn es bergauf geht. Das Fahrprofil in der Eifel ist anspruchsvoll, und die Reichweitenangaben nach WLTP, die beim 500e zwischen 17,1 und 18,8 kWh pro 100 Kilometer liegen, dürften bei einer engagierten Gangart schnell Makulatur sein.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Modellversion Abarth 600e Competizione. Dieser Name weckt Erinnerungen an radikale Ausbaustufen früherer Jahre, in denen Komfort zugunsten von Rundenzeiten geopfert wurde. In der elektrischen Neuzeit definiert sich die Competizione-Variante vor allem durch ihre maximale Leistungsabgabe und eine spezifische Ausstattung. Doch Skepsis bleibt angebracht, ob ein Soundgenerator, der das Geräusch eines Verbrenners imitiert, die emotionale Lücke füllen kann. Für viele Enthusiasten wirkt ein künstliches Fahrgeräusch eher wie ein Trostpflaster als wie eine echte Innovation. Aber man muss der Marke zugutehalten, dass sie versucht, den Erlebniswert über das rein mechanische Maß hinaus zu steigern.

Die Preisstruktur, die Abarth für Deutschland aufruft, unterstreicht den Premium-Anspruch innerhalb des Kleinwagen-Segments. Der Abarth 500e startet in der Basisversion bei rund 37.990 Euro, während die besser ausgestattete Variante Turismo bereits mit 42.990 Euro zu Buche schlägt. Wer das volle Potenzial des 600e ausschöpfen möchte, muss noch tiefer in die Tasche greifen. Der Abarth 600e Turismo wird voraussichtlich ab 44.990 Euro angeboten, während das Topmodell, der 600e Competizione, mit etwa 48.990 Euro kalkuliert wird. Angesichts dieser Summen tritt Abarth in Regionen an, in denen sich auch größere und prestigeträchtigere Elektrofahrzeuge tummeln. Der Erfolg wird also maßgeblich davon abhängen, ob der Skorpion-Faktor ausreicht, um diese Preisdifferenz zu rechtfertigen.

Ein wesentlicher Faktor für das Interesse am Trackday ist die Präsenz von Gercollector. Der Influencer hat es geschafft, eine junge, autoaffine Zielgruppe zu mobilisieren, die sich weniger für Hubraum und Verdichtungsverhältnisse, sondern mehr für Performance-Daten und visuelle Präsenz interessiert. Für Abarth ist dies die ideale Plattform, um den Imagewechsel voranzutreiben. Man will weg vom Image des lauten Krawallbruders hin zum technologisch fortschrittlichen Performance-Anbieter. Dennoch bleibt ein gewisses Restrisiko bestehen, ob die Hardcore-Fans des Nürburgrings, die normalerweise für das Brüllen der GT3-Fahrzeuge an die Strecke kommen, die lautlosen Stromer akzeptieren werden.

Technisch gesehen ist die Leistungssteigerung auf 280 PS für einen frontgetriebenen Elektro-Kompakten beachtlich. Es ist das stärkste Serienfahrzeug, das jemals das Skorpion-Logo trug. Diese Zahl allein garantiert jedoch noch keinen Sieg in der Gunst der Fahrer. Die Herausforderung besteht darin, das Drehmoment so fein zu dosieren, dass die Lenkung nicht durch Antriebseinflüsse erhärtet. Hier setzen die Ingenieure auf eine neu abgestimmte Lenkung und eine verstärkte Bremsanlage, die dem erhöhten Rekuperationsbedarf und der thermischen Belastung standhalten muss. Besonders bei den Mitfahrten wird das Bremssystem unter Dauerfeuer stehen, da die kurzen Abstände zwischen den Stints kaum Zeit zur Abkühlung lassen.

Die Teilnahme am Trackday am 1. Mai 2026 markiert somit einen Wendepunkt. Es ist der Versuch, den Mythos Carlo Abarths in eine Ära zu retten, in der Batteriezellen die Kolben ersetzen. Ob die explosionsartige Beschleunigung, die durch das sofort anliegende Drehmoment der E-Maschine entsteht, den Verlust der mechanischen Rückmeldung kompensieren kann, muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden. Zweifel sind erlaubt, ob das emotionale Band zwischen Fahrer und Maschine in der digitalen Welt genauso stark geknüpft werden kann wie früher. Deshalb ist der Ansatz, die Fahrzeuge direkt auf der Rennstrecke zu präsentieren, mutig und konsequent zugleich.

Die Besucher können sich am Veranstaltungstag von 10 bis 17 Uhr selbst ein Bild machen. Eine vorherige Online-Anmeldung ist aufgrund der hohen Nachfrage und der begrenzten Slots für die Mitfahrten zwingend erforderlich. Es wird interessant sein zu sehen, wie sich die Tecknik unter Realbedingungen schlägt, wenn die Theorie der Presseunterlagen auf den rauen Asphalt der Eifel trifft. Abarth geht hier eine Wette auf die Zukunft ein. Die Marke setzt darauf, dass die Kombination aus traditionsreichem Design und moderner Elektro-Performance eine neue Nische besetzt, die bisher kaum besetzt ist. Aber am Ende entscheidet auf dem Nürburgring immer noch die Stoppuhr und das subjektive Fahrgefühl, nicht die Follower-Zahl auf sozialen Netzwerken.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Abarth mit dem 600e ein Fahrzeug an den Start bringt, das auf dem Papier alle Zutaten für einen modernen Hot Hatch besitzt. Die Integration in den GERCollector Trackday ist ein geschickter Schachzug, um die Sichtbarkeit in der relevanten Zielgruppe zu erhöhen. Doch die wahre Prüfung findet am Limit statt. Die Rennstrecke verzeiht  keine Schwächen bei der themischen Stabilität oder der Fahrwerksabstimmung. Es bleibt abzuwarten, ob der elektrische Skorpion am Ende des Tages tatsächlich mit einem Lächeln im Gesicht der Fahrer quittiert wird oder ob die Sehnsucht nach dem alten, unvernünftigen Abarth-Grollen am Ende doch überwiegt. Der 1. Mai wird in dieser Hinsicht ein aufschlussreicher Tag für die gesamte Branche sein.