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Trennkost für den Elektro-Bulli: Warum eine Wand das Beste ist, was dem VW ID. Buzz passieren konnte

VW ID. Buzz erhält mit neuer Trennwand separaten Passagier- und Laderaum - Bildnachweis: VWN

Eine technische Lösung, die den ID. Buzz in eine Art moderne Doppelkabine verwandelt

Der Volkswagen ID. Buzz hat seit seiner Markteinführung die Gemüter gespalten, da er zwar die optische Brücke zur Historie des T1 schlug, im Alltag jedoch oft zwischen dem Anspruch als Lifestyle-Objekt und der harten Realität eines Nutzfahrzeugs schwankte. Während der klassische ID. Buzz als reiner Personentransporter glänzte und der ID. Buzz Cargo die Rolle des Lastentiers übernahm, fehlte bisher ein entscheidendes Bindeglied für jene Anwender, die beides in einem Gehäuse vereinen müssen. Nun reagiert Hannover-Stöcken auf die Rufe nach mehr Pragmatismus und führt eine feste Trennwand für die Pkw-Version ein, die weit mehr ist als nur eine Barriere aus Kunststoff. Es handelt sich um eine technische Lösung, die den elektrischen Bulli in eine Art moderne Doppelkabine verwandelt und dabei physikal. Vorteile nutzt, die man auf den ersten Blick gar nicht vermutet hätte.

In Kooperation mit dem niederländischen Spezialisten Snoeks Automotive entwickelt

Der Ansatz, den Fahrgastraum strikt vom Laderaum zu isolieren, folgt einer Logik, die in der Welt der Verbrenner-Transporter seit Jahrzehnten etabliert ist, im Bereich der Elektromobilität jedoch eine neue Relevanz erfährt. Wer heute einen ID. Buzz als Fünfsitzer erwirbt, bekommt ein Fahrzeug mit einem enormen Innenraumvolumen, das im Winter beheizt und im Sommer gekühlt werden muss. Hier setzt das neue Trennwandsystem an, das in Kooperation mit dem niederländischen Spezialisten Snoeks Automotive entwickelt wurde. Durch die feste Installation hinter der zweiten Sitzreihe wird das zu klimatisierende Luftvolumen drastisch reduziert. In der Theorie führt dies zu einer gesteigerten Effizienz der Wärmepumpe beziehungsweise der elektrischen Zuheizer, da die Energie nicht mehr ungenutzt in den leeren Laderaum verpufft. Dies könnte in der Praxis gerade bei extremen Außentemperaturen den einen oder anderen Kilometer an Reichweite sichern, was für professionelle Nutzer ein handfestes Argument darstellt.

VW ID. Buzz erhält mit neuer Trennwand separaten Passagier- und Laderaum – Bildnachweis: VWN

Aber die Entscheidung für eine feste Wand ist nicht nur eine Frage der Thermodynamik, sondern vor allem eine der Sicherheit und der akustischen Qualität. In einem herkömmlichen Van ohne Trennung fungiert der Laderaum oft als Resonanzkörper, der Abrollgeräusche der Hinterachse oder das Klappern von Ladegut ungefiltert an die Ohren der Passagiere weitergibt. Die neue Konstruktion aus dem sogenannten Compax-Material verspricht hier Abhilfe. Bei diesem Werkstoff handelt es sich um einen Verbundstoff, der durch ein geringes Eigengewicht bei gleichzeitig hoher mechanischer Belastbarkeit besticht. Die Oberflächen sind mit einer Soft-Touch-Haptik veredelt, was den Anspruch unterstreicht, dass hier kein rein rustikaler Umbau stattgefunden hat, sondern eine Integration, die sich nahtlos in das Interieur-Design des ID. Buzz einfügt. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob die akustische Entkoppelung in der Realität so signifikant ausfällt, wie es die Materialbeschaffenheit vermuten lässt, oder ob Windgeräusche an der Trennkante neue akustische Herausforderungen schaffen.

Ein technisches Detail, das besonders für die tägliche Handhabung relevant ist, betrifft die Integration der Sicherheitssysteme. Oftmals führen nachträgliche Einbauten dazu, dass Seitenairbags oder die Gurtgeometrie im Fond beeinträchtigt werden. Volkswagen betont jedoch, dass die Trennwand so konzipiert wurde, dass die Schutzfunktion für die Passagiere in der zweiten Reihe vollumfänglich erhalten bleibt. Das integrierte Fenster sorgt zudem dafür, dass der Fahrer den rückwärtigen Verkehr im Blick behält, was bei einem komplett geschlossenen Kastenwagen oft nur über Kamera-Systeme gelöst werden kann. Wer zusätzliche Diskretion benötigt, kann die Heck- und Seitenscheiben mit einer Folierung versehen, um den Inhalt des Laderaums vor neugierigen Blicken zu schützen. Dies macht den ID. Buzz mit Trennwand besonders für Handwerker oder Dienstleister interessant, die teures Werkzeug oder Material transportieren, aber dennoch nicht auf die Annehmlichkeiten und die Optik des Pkw-Modells verzichten möchten.

Deshalb ist die Preisgestaltung ein Faktor, der kritisch betrachtet werden muss. Mit einem Aufpreis von 1.856,40 Euro inklusive eines speziellen Ablagefachs für das Ladekabel im Fahrzeugboden ist die Trennwand keine billige Ergänzung. Man muss sich vor Augen führen, dass dieser Betrag zusätzlich zum ohnehin schon ambitionierten Grundpreis des ID. Buzz fällig wird. Dennoch könnte sich die Investition für gewerbliche Nutzer rechnen, da der Werterhalt eines Fahrzeugs mit sauberem Passagierraum meist höher liegt als bei einem Van, dessen Teppiche und Verkleidungen durch grobes Ladegut in Mitleidenschaft gezogen wurden. Das integrierte Fach für das Ladekabel auf der Laderaumseite ist zudem ein pragmatisches Detail, das zeigt, dass man sich Gedanken über die täglichen Abläufe gemacht hat. Das Kabel muss nicht mehr lose im Kofferraum liegen oder unter Gepäck hervorgekramt werden, sondern hat einen festen Platz direkt an der Wand.

Die Verfügbarkeit der Trennwand erstreckt sich über ein breites Spektrum der Modellpalette, was die Strategie der Hannoveraner verdeutlicht, den ID. Buzz breiter im Markt zu positionieren. Beim kurzen Radstand kann das System für die Ausstattungslinien Freestyle, Pure, Energy und Pro bestellt werden. Besonders die Version Pro stellt hierbei das Rückgrat der Verkäufe dar, während die Einstiegsversionen wie der Pure oder der auf das Wesentliche reduzierte Freestyle eher preissensible Kunden ansprechen sollen. Für Nutzer mit erhöhtem Platzbedarf ist die Trennwand zudem für den langen Radstand in den Versionen Energy und Pro konfigurierbar. Hier entfaltet das Konzept sein volles Potenzial, da der Laderaum hinter der zweiten Sitzreihe bei der Langversion dimensionale Ausmaße annimmt, die fast schon an klassische Transporter herankommen, während die vorderen fünf Plätze den Komfort einer Limousine bieten.

Man darf jedoch bezweifeln, ob die feste Trennwand für jeden Nutzer die Ideallösung ist. Die Flexibilität, die ein herkömmlicher ID. Buzz durch das Umklappen der Rücksitze bietet, geht bei dieser Konfiguration verloren. Während man im Standardmodell spontan lange Gegnstände bis nach vorne durchschieben kann, setzt die Wand hier eine unumstößliche Grenze. Es ist eine bewusste Entscheidung für eine dauerhafte Spezialisierung des Fahrzeugs. Wer sich für die Trennwand entscheidet, kauft kein variables Freizeitauto mehr, sondern ein spezialisiertes Werkzeug. Diese Abwägung zwischen Variabilität und Schutz des Innenraums muss jeder Käufer für sich treffen. Doch genau hier liegt die Stärke der Kooperation mit Snoeks Automotive. Das niederländische Unternehmen bringt sieben Jahrzehnte Erfahrung in der Modifikation von Volkswagen-Nutzfahrzeugen mit und weiß genau, wo die Belastungsgrenzen im harten Arbeitsalltag liegen.

Technisch gesehen basiert der ID. Buzz auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten (MEB), was ihm eine Gewichtsverteilung und einen Schwerpunkt beschert, von denen Fahrer klassischer Verbrenner-Bullis nur träumen konnten. Die im Unterboden platzierte Batterie sorgt für eine satte Straßenlage, die auch durch die zusätzliche Masse der Trennwand und die Beladung des Hecks nicht negativ beeinflusst werden dürfte. Im Gegenteil: Eine feste Last im Heck könnte bei der heckgetriebenen Version sogar die Traktion auf losem Untergrund verbessern. Die Motorenpalette reicht dabei von der moderaten 170 PS-Variante bis hin zum leistungsstarken Pro-Modell mit 286 PS, was sicherstellt, daß der ID. Buzz auch vollbeladen nicht zum Verkehrshindernis wird. Gerade im urbanen Lieferverkehr oder im Shuttleservice zwischen Baustellen und Büro bietet der Elektroantrieb zudem den Vorteil, lokal emissionsfrei und nahezu lautlos unterwegs zu sein.

Aber es gibt auch Herausforderungen, die nicht verschwiegen werden sollten. Die Zuladung ist beim ID. Buzz aufgrund des hohen Eigengewichts der Batterien ein Thema, das man stets im Auge behalten muss. Jedes zusätzliche Kilo an Einbauten wie der Trennwand reduziert die theoretisch mögliche Nutzlast. Für schwere Güter wie Fliesenpakete oder Maschinenteile könnte das Gesamtgewicht schneller erreicht sein, als das Volumen des Laderaums vermuten lässt. Hier zeigt sich die physikalische Grenze des MEB-Konzepts im Vergleich zu reinrassigen Lasteseln wie dem kommenden Transporter auf Ford-Basis. Der ID. Buzz mit Trennwand ist somit eher ein Fahrzeug für das „Edel-Handwerk“, für Techniker mit hochwertigem, aber nicht übermäßig schwerem Equipment oder für Outdoor-Enthusiasten, die ihre verschlammten Mountainbikes oder nassen Neoprenanzüge strikt vom Wohnbereich trennen wollen.

Die Detailtiefe der Konstruktion wird besonders beim Blick auf die Materialwahl deutlich. Das Compax-Material ist so beschaffen, dass es unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit und gängigen Chemikalien ist. Wenn also im Laderaum einmal etwas ausläuft oder Schmutz mit einer Bürste entfernt werden muss, nimmt die Wand dies nicht krumm. Auf der Fahrgastseite hingegen sorgt die Veredelung dafür, dass kein „Lkw-Feeling“ aufkommt. Die Passagiere in der zweiten Reihe blicken auf eine hochwertige Rückwand, die den hochwertigen Gesamteindruck des Interieurs nicht stört. Dies ist ein entscheidender Punkt für die Akzeptanz bei Familien oder im gewerblichen Personentransport, wo das Fahrzeug auch repräsentative Aufgaben übernehmen muss.

Der ID. Buzz Pro mit kurzem Radstand startet preislich derzeit bei etwa 60.000 Euro, während die Einstiegsversion Freestyle etwas darunter liegt. Rechnet man die Kosten für die Trennwand hinzu, bewegt man sich schnell in Regionen, in denen man auch einen gut ausgstatteten Multivan oder einen voll ausgestatteten Transporter der nächsten Generation bekommt. Doch der Buzz spielt eine andere Karte: Er ist das Gesicht der neuen Mobilität bei Volkswagen Nutzfahrzeuge. Er transportiert ein Image von Fortschritt und Umweltbewusstsein, das für viele Unternehmen heute ein wichtiger Bestandteil ihrer Corporate Identity ist. Die Trennwand macht dieses Image nun auch für jene nutzbar, die bisher aufgrund von Schmutz- und Lärmbelastung im Innenraum gezögert haben.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Volkswagen mit dieser neuen Option eine Lücke im Portfolio schließt, die viele Praktiker schmerzlich empfunden haben. Es ist die Transformation des ID. Buzz von einem reinen Lifestyle-Statement hin zu einem ernstzunehmenden Arbeitsgerät für anspruchsvolle Aufgaben. Ob die Trennwand den stolzen Preis wert ist, wird die individuelle Kalkulation jedes Nutzers zeigen müssen. Technisch ist die Lösung durchdacht, materialseitig hochwertig ausgeführt und in Bezug auf die Effizienz sogar ein kleiner Gewinnbringer. Wer den ID. Buzz liebt, aber bisher vor der mangelnden Trennung zwischen Arbeit und Privatleben zurückgeschreckt ist, findet hier nun die physikalische Lösung für sein Dilemma. Der elektrische Bulli beweist damit einmal mehr seine Wandlungsfähigkeit, die ihn vielleicht eines Tages tatsächlich zum legitimen Nachfolger der legendären Doppelkabinen früherer Generationen machen wird.

Die Entscheidung für eine solche Festinstallation unterstreicht zudem den Trend zur Spezialisierung innerhalb der Elektromobilität. Während man früher versuchte, mit einem Fahrzeug alle denkbaren Szenarien abzudecken, erkennt die Industrie zunehmend, dass maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Nutzergruppen der Schlüssel zum Erfolg sind. Der ID. Buzz mit Trennwand ist kein Generalist mehr, er ist ein Spezialist für den kombinierten Transport. Er trennt nicht nur Luftmassen und Geräusche, sondern definiert klare Funktionszonen in einem Fahrzeug, das bisher vor allem durch Offenheit glänzte. Dass man dabei auf die Expertise von Snoeks setzt, zeigt, dass man in Hannover bereit ist, bewährte Partnerschaften in das neue Zeitalter zu überführen. Es bleibt eine spannende Entwicklung, wie der Markt diese „harte Kante“ im sonst so weich gezeichneten Elektro-Bulli aufnehmen wird.

Schlussendlich bleibt der ID. Buzz ein Fahrzeug der Extreme. Er ist extrem auffällig, extrem modern und nun auch extrem konsequent in seiner Raumaufteilung. Die Trennwand ist ein Bekenntnis zum Nutzwert, ohne den Charme des Konzepts zu opfern. Sie ist ein Werkzeug für Profis, die wissen, dass eine klare Trennung im Leben oft zu besseren Ergebnissen führt.  Ob auf der Fahrt zur Baustelle  oder zum Wochenendausflug am See, die Gewissheit, dass der Dreck hinten bleibt und der Komfort vorne herrscht, könnte für viele Kunden genau das Argument sein, das bisher für eine Bestellung noch fehlte. Mit dieser Erweiterung des Programms wird der ID. Buzz erwachsener und zeigt, dass er bereit ist, sich die Hände schmutzig zu machen, solange die Weste im Fahrgastraum weiß bleibt.