He Xiaopeng - Vorsitzender und CEO von Xpeng - Bildnachweis: Xpeng
Chinas Technologieriese bläst zur nächsten Offensive
Wenn sich die Messehallen an der Porte de Versailles im Oktober 2026 zum Pariser Autosalon öffnen, steht die europäische Automobilbranche vor einer ihrer wohl tiefgreifendsten Umwälzungen. Der Wandel vom traditionellen Maschinenbau hin zur Software- und KI-getriebenen Mobilitätsplattform ist längst kein abstraktes Zukunftsszenario mehr, sondern harte Realität auf den Ausstellungsflächen. Ein Hersteller zieht dabei besondere Aufmerksamkeit auf sich: Der chinesische Anbieter Xpeng präsentiert in Halle 6 am Stand A51 ein Produktportfolio, das weit über das klassische Automobilgeschäft hinausreicht. Das Unternehmen nutzt das Pariser Forum nicht nur zur Vorstellung neuer Fahrzeugmodelle, sondern demonstriert ein vernetztes Technologie-Ökosystem unter dem Leitbegriff der physischen künstlichen Intelligenz. Diese Verknüpfung von Hochleistungsrechnern, komplexen Algorithmen und physischen Endgeräten reicht vom kompakten SUV-Coupé über Großraumlimousinen bis hin zu humanoiden Robotern und senkrechtstartenden Fluggeräten.
Aber hinter dem spektakulären Auftritt auf dem Pariser Parkett steht ein knallhart kalkuliertes Wirtschaftsmodell. Während traditionelle Hersteller mit verhaltenen Absatzzahlen im Elektrofahrzeugsegment ringen, drängt Xpeng mit einer ausgefeilten Plattformstrategie, extrem kurzen Entwicklungszyklen und einer klaren Europastrategie auf den Markt. Wer den Stand der Chinesen betritt, erkennt schnell, daß hier nicht mehr in einzelnen Baureihen gedacht wird, sondern in technologischen Gesamtlösungen. Von der eigenen Chipentwicklung über das Betriebssystem bis hin zur Leistungselektronik strebt Xpeng eine vertikale Integration an, die in dieser Tiefe bislang nur von sehr wenigen Branchengrößen angestrebt wird.
Das Unternehmen versucht seine Kompetenzen im Bereich der Fahrassistenzsysteme und der Fahrzeugarchitektur gezielt als Differenzierungsmerkmal einzusetzen. Auf einer Ausstellungsfläche von beachtlicher Größe zeigt Xpeng nicht nur Serienfahrzeuge, sondern gewährt tiefe Einblicke in seine Entwicklungsabteilungen. Der Messeauftritt bildet damit den vorläufigen Höhepunkt einer globalen Expansionswelle, die Europa als schlüsselfertigen Wachstumsmarkt im Visier hat.
Die Europa-Premiere des Xpeng G9L und die Transformation des Raums
Als zentrale Europapremiere enthüllt der Hersteller in Paris den Xpeng G9L. Bei diesem Modell handelt es sich um eine signifikante Weiterentwicklung und Verlängerung des bisherigen SUV-Topmodells G9. Mit einer Gesamtlänge von 5,12 m und einem Radstand von 3,10 m stößt der G9L direkt in das Segment der vollformatigen Luxus-SUVs vor. Bislang vertraute Xpeng in dieser Klasse vorrangig auf eine klassische Fünfsitzer-Konfiguration. Für den europäischen Markt haben die Ingenieure jedoch eine vielseitigere Raumausnutzung erarbeitet, die wahlweise fünf, sechs oder sieben Sitzplätze ermöglicht. Speziell für anspruchsvolle Kunden in Europa stellt Xpeng in Paris eine luxuriöse Variante mit sechs Einzelsitzen vor, bei der in der zweiten Reihe zwei beheizbare, belüftete und mit elektrischen Massagefunktionen ausgestattete Komfortsitze verbaut sind.
Aber die rein technische Betrachtung der Karosserieabmessungen greift zu kurz, um die strategische Ausrichtung des G9L zu verstehen. Das Fahrzeug basiert auf der weiterentwickelten 800-Volt-Siliziumkarbid-Architektur der Marke, was extrem kurze Ladezeiten an entsprechenden Schnellladesäulen garantiert. Im Innenraum dominieren großflächige hochauflösende Monitore, die von einer zentralen Recheneinheit angesteuert werden. Xpeng integriert im G9L das NGP-System der nächsten Generation. Dieses Assistenzsystem soll künftig hochautomatisierte Fahrfunktionen ermöglichen, sobald die rechtlichen Rahmenbedingungen und Homologationsverfahren in den jeweiligen europäischen Ländern dies gestatten.
Dennoch darf man leise Zweifel anmelden, ob die komplexen und uneinheitlichen Gesetzgebungen in Europa eine schnelle und uneingeschränkte Freigabe all dieser KI-gestützten Pilotfunktionen zulassen werden. Genau hier liegt eine verletzliche Stelle vieler chinesischer Hochtechnologie-Ansätze: Die Hardware und Software sind serienreif, doch die bürokratischen Hürden auf dem alten Kontinent verzögern die praktische Ausrollung oft um Jahre. Man darf gespannt sein, wie sich der G9L im Alltagstest schlagen wird, wenn die ersten Serienfahrzeuge auf deutschen Straßen rollen.
Das Modellportfolio in Deutschland: Preise, Leistung und Plattformtechnik
Um auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen, setzt Xpeng auf ein gestaffeltes Modellangebot, das vom kompakten Segment bis zur Oberklasse reicht. Die genaue Betrachtung der technischen Daten und Preisstrukturen offenbart die aggressive Preis-Leistungs-Positionierung, mit der der Hersteller etablierte Konkurrenten unter Druck setzt. Das derzeit günstigste Einstiegsmodell markiert der Xpeng L03, der als kompaktes SUV-Coupé mit einer Länge von 4,65 Metern konzipiert ist. Der L03 verbindet eine abfallende Dachlinie mit robusten SUV-Elementen und rollt in zwei Batterievarianten sowie mit Hinterrad- oder Allradantrieb zu den Händlern. Der Einstiegspreis für den L03 liegt in Deutschland bei genau 35.600 Euro. Der kombinierte Stromverbrauch nach WLTP-Standard bewegt sich je nach Antriebskonfiguration zwischen 15,3 und 18,4 kWh auf 100 Kilometer. Mit diesem Modell zielt Xpeng direkt auf den volumenträchtigen Markt der kompakten Crossover und bietet bereits im Basismodell eine serienmäßige Wärmepumpe sowie umfangreiche Fahrassistenzsysteme.
Eine Stufe darüber rangiert der Xpeng G6, ein 4,75 Meter langes SUV-Coupé, das technisch direkt gegen das Tesla Model Y positioniert ist. Der G6 wird in Deutschland ab einem Grundpreis von 43.600 Euro für die Variante Standard Range angeboten. In dieser Ausführung leistet der Heckmotor 190 kW, was 258 PS entspricht, und greift auf einen LFP-Akku mit einer Kapazität von 66 kWh zurück. Die Reichweite nach WLTP liegt hier bei 435 bis 455 Kilometern, während der Stromverbrauch mit 16,6 bis 17,5 kWh pro 100 Kilometer angegeben wird. Wer mehr Reichweite benötigt, greift zum Xpeng G6 Long Range, der ab 47.600 Euro in der Preisliste steht. Diese Version leistet 210 kW beziehungsweise 286 PS, in einigen Datenblättern auch mit 296 PS geführt, verfügt über eine Akkumulatro-Netto-Kapazität von 87,5 kWh und erzielt eine WLTP-Reichweite von bis zu 570 Kilometern. Das Topmodell der Baureihe bildet der G6 AWD Performance mit Allradantrieb, einer Systemleistung von 358 kW beziehungsweise 487 PS und einem maximalen Drehmoment von 660 Nm, der preislich bei 49.200 Euro ansetzt und eine WLTP-Reichweite von 510 Kilometern bietet. Dank der serienmäßigen 800-Volt-Architektur erreicht der G6 DC-Ladeleistungen von bis zu 280 bis 382 kW, wodurch der Akku an Schnellladesäulen in nur rund zehn bis zwanzig Minuten von 20 auf 80 Prozent aufgeladen werden kann. Zur Förderung des Absatzes gewährt Xpeng zeitlich befristet eine sogenannte Tech-Prämie von 2.500 Euro auf den G6.
Das bisherige SUV-Flaggschiff, der Xpeng G9, deckt mit einer Karosserielänge von 4,89 Metern und einem Radstand von knapp drei Metern das Segment der gehobenen Mittelklasse und Oberklasse ab. Der Einstiegspreis für den G9 Standard Range mit Heckantrieb beginnt bei 59.600 Euro. Die Variante G9 Long Range schlägt mit mindestens 63.600 Euro zu Buche und liefert 230 kW oder 313 PS an die Hinterachse, gekoppelt mit einem 93,1 kWh großen Akku für eine WLTP-Reichweite von über 500 Kilometern. Die Speerspitze stellt der G9 AWD Performance dar, der ab 72.600 Euro erhältlich ist. Dieses Allradmodell leistet gewaltige 423 kW, was 575 PS entspricht, und katapultiert das schwere Fahrzeug in nur 3,9 Sekunden von null auf 100 km/h. Die DC-Ladeleistung des G9 ist mit bis zu 445 kW außergewöhnlich hoch bemessen. Im Rahmen aktueller Vertriebsaktionen bietet Xpeng für den G9 eine Tech-Prämie von 5.000 Euro sowie beim Long Range und Performance das sonst kostenpflichtige Premium-Paket ohne Aufpreis an, welches unter anderem Massagesitze, Nappaleder und ein Dynaudio-Soundsystem beinhaltet.
Einen besonderen Schwerpunkt auf dem Messestand bildet die neue Sportlimousine Xpeng P7+, die mit einer Länge von 5,07 Metern, einer Breite von 1,94 Metern und einem Radstand von exakt drei Metern ein imposantes Auftreten zeigt. Die Preise für den P7+ beginnen bei 46.600 Euro für die Version Standard Range mit 180 kW oder 245 PS und einer WLTP-Reichweite von 455 Kilometern. Der P7+ Long Range kostet ab 49.600 Euro, leistet 230 kW beziehungsweise 313 PS aus einem Heckmotor und nutzt einen 74,9 kWh großen LFP-Akku, der für eine WLTP-Reichweite von bis zu 530 Kilometern sorgt. Die moderne 800-Volt-5C-Ladetechnologie erlaubt Spitzenladeleistungen von bis zu 446 kW an geeigneten Ladepunkten. Ein Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent verstreicht damit unter optimalen Bedingungen in exakt zehn Minuten. Für besonders leistungsorientierte Kunden steht der P7+ AWD Performance ab 53.600 Euro bereit, der mit 370 kW oder 503 PS Systemleistung aufwartet und den Sprint auf Tempo 100 in 4,3 Sekunden erledigt. Der Stromverbrauch des P7+ ist mit Werten zwischen 15,2 und 17,4 kWh pro 100 Kilometer für eine Fahrzeugform dieser Größe erstaunlich niedrig angesetzt.
Abgerundet wird das Fahrzeugprogramm durch den Xpeng X9, eine voll elektrische Großraumlimousine beziehungsweise einen Luxus-MPV. Mit Preisen ab 77.600 Euro richtet sich der X9 an Shuttle-Dienste, Gewerbekunden und Familien mit extrem hohem Platzbedarf. Der Energieverbrauch des X9 wird kombiniert mit 20,0 bis 20,8 kWh auf 100 Kilometer angegeben. Zur finanziellen Unterstützung bietet Xpeng in Deutschland neben den Kaufprämien eine Zinssubventionierung mit einem effektiven Jahreszins von 0,99 Prozent bei Laufzeiten zwischen zwölf und 48 Monaten an. Deshalb versucht Xpeng, die Hürden beim Fahrzeugkauf durch finanzielle Anreize und lange Garantiezeiten abzufedern. Die Standardgarantie auf das Fahrzeug beträgt sieben Jahre oder 160.000 Kilometer, während auf die Hochvoltbatterie acht Jahre Garantie gewährt werden. Diese Garantieversprechen sind ein wichtiges Signal an den deutschen Markt, wo Restwertrisiken und Befürchtungen bezüglich der Haltbarkeit chinesischer Akkutechnologie noch immer eine wesentliche Kaufbarriere darstellen.
Autonomes Fahren im Pariser Stadtverkehr: NGP im Autonomous Lab
Ein herausragendes Merkmal des Pariser Auftritts ist das Teilnahmeangebot von Xpeng am offiziellen Rahmenprogramm Autonomous Lab der Messe. Auf den Straßen rund um das Messegelände haben Medienvertreter und Fachbesucher die Möglichkeit, das NGP-Fahrassistenzsystem im neuen SUV-Coupé L03 unter realen Pariser Verkehrsbedingungen zu testen.
Aber diese Vorführung besitzt einen brisanten Hintergrund: Xpeng ist neben dem US-amerikanischen Konkurrenten Tesla der einzige Automobilhersteller auf der Messe, der solche praktischen Demonstrationsfahrten für automatisiertes Fahren im öffentlichen Straßenraum anbietet. Damit führt Xpeng seine NGP-Technologie erstmals im Rahmen einer groß angelegten Publikumsveranstaltung außerhalb des chinesischen Heimatmarktes vor. Das NGP-System verarbeitet Daten von mehreren hochauflösenden Kameras, Radarsensoren und Ultraschallsensoren, die über eine zentralisierte Rechnerarchitektur gebündelt werden. Das System führt eigenständige Spurwechsel durch, passt Geschwindigkeiten an den Verkehrsfluss an, erkennt Lichtsignalanlagen und navigiert selbstständig durch komplexe Kreisverkehre. Dennoch muss angemerkt werden, daß Demonstrationsfahrten auf festgelegten Routen unter Aufsicht von Sicherheitstreibern nicht automatisch bedeuten, daß das System überall nahtlos funktioniert. Der Pariser Stadtverkehr mit seinen unvorhersehbaren Spurwechseln von Zweirädern und dichtem Fußgängerverkehr stellt extrem hohe Anforderungen an die Erkennungs- und Entscheidungslogik der Algorithmen. Wie souverän sich das System im Alltag europäischer Großstädte schlägt, wird sich erst in unabhängigen Langzeit-Praxistests zeigen müssen.
Eigenentwickelte Halbleiter und humanoide Robotik: Turing-Chips und der Roboter Iron
Um zu verstehen, warum sich Xpeng nicht mehr als reiner Fahrzeughersteleler versteht, muss der Blick auf die proprietäre Hardwareentwicklung gerichtet werden. Der Hersteller hat einen eigenen Prozessor entwickelt, der unter der Bezeichnung Turing AI Chip läuft. Dieser Mikrochip wurde speziell für die Anforderungen großer KI-Sprach- und Transformationsmodelle konzipiert. Ein einzelner Turing-Chip verfügt über eine 40-Kern-Prozessarchitektur, beinhaltet eine selbst entwickelte Neural Processing Unit (NPU) und liefert eine effektive Rechenleistung von 750 TOPS. Der Chip unterstützt KI-Modelle mit bis zu 30 Milliarden Parametern direkt auf dem Endgerät.
Xpeng setzt diese Prozessoren nicht nur in seinen Fahrzeugen ein, sondern nutzt eine skalierbare Rechnerarchitektur. Im Bereich der autonomen Fahrzeuge schaltet das Unternehmen mehrere dieser Chips zusammen. Für künftige Robotaxis erreicht die kumulierte Rechenleistung im Fahrzeug bis zu 3.000 TOPS, was die technische Basis für vollautonomes Fahren nach Level 4 bilden soll. Die Chips entsprechen den internationalen Sicherheitsstandards ASIL D nach ISO 26262 und sind nach AEC-Q100 für den Automobilbereich zertifiziert. Aber der spektakulärste Exponatbereich am Pariser Messestand betrifft die Robotik. Xpeng präsentiert dort den humanoiden Roboter Iron. Dieser lebensgroße Roboter wurde entwickelt, um komplexe Aufgaben in Industrieanlagen, Geschäften und im Alltag zu übernehmen. Iron wird von insgesamt drei Turing-KI-Chips angetrieben, die zusammen eine lokale Rechenleistung von 2.250 TOPS bereitstellen. Der Roboter verfügt über eine bionische Wirbelsäule, bionische Schultergelenke mit vier Freiheitsgraden und extrem feingliedrige Hände mit 22 Freiheitsgraden. Dadurch ist er in der Lage, feinmotorische Tätigkeiten wie das Aufbrühen von Kaffee oder die Handhabung kleiner Bauteile auszuführen.
Technologisch überrascht Xpeng bei der Energieversorgung des Roboters: Der Hersteller setzt nach eigenen Angaben als erster Akteur der Branche auf eine All-Solid-State-Batterie, also eine Festkörperbatterie. Diese Zellchemie bietet eine extrem hohe Energiedichte bei reduziertem Gewicht, ist thermisch stabil bis zu hohen Temperaturen und erweist sich bei mechanischen Beschädigungen als nicht entflammbar. Xpeng nutzt Iron bereits in seinen eigenen Automobilwerken als lernenden Mitarbeiter. Kürzlich verließ das erste Serienmodell des Roboters eine neue, zu über 80 Prozent automatisierte Fertigungslinie auf den eigenen Füßen. Die offizielle Serienfertigung soll bis Ende 2026 hochfahren, während der kommerzielle Vertrieb an externe Kunden für das Jahr 2027 angepeilt ist.
Neben der Robotik hält Xpeng an seinen Aktivitäten im Bereich der Flugmobilität fest. Unter der Tochtergesellschaft AeroHT beziehungsweise Aridge entwickelt das Unternehmen senkrechtstartende Elektro-Fluggeräte (eVTOL). Diese Flugautos nutzen dieselbe grundlegende Steuerungs- und KI-Architektur wie die bodengebundenen Fahrzeuge. Man mag sich beim Anblick des humanoiden Roboters und der Flugauto-Konzepte im Showroom unwillkürlich fragen, ob sich ein junger Automobilhersteller mit solch gigantischen Nebenprojekten nicht finanziell und organisatorisch verzettelt. Die Entwicklung von Serienautomobilen frisst enorme Kapazitäten; zeitgleich komplexe Roboter und Luftfahrzeuge zur Serienreife zu treiben, birgt erhebliche betriebswirtschaftliche Risiken.
Produktion in Graz und Münchner Entwicklungszentrum: Die strategische Antwort auf EU-Zölle
Um den drohenden Handelshemmnissen und den von der Europäischen Union verhängten Anti-Subventionszöllen auf importierte Elektrofahrzeuge aus China zu entgehen, hat Xpeng eine umfassende Lokalisierung eingeleitet. Seit Ende Oktober 2024 erheben die EU-Behörden zusätzliche Zölle auf chinesische Stromer. Für Xpeng beträgt dieser Aufschlag exakt 20,7 Prozent, der zusätzlich zum Regelsatzzoll von zehn Prozent fällig wird. Ein Gesamtzoll von über 30 Prozent würde die Margen vernichten oder die Endkundenpreise in unkonkurrenzfähige Höhen treiben. Der Konzern hat eine strategische Partnerschaft mit dem österreichischen Auftragsfertiger Magna Steyr in Graz geschlossen. Die Montage von Xpeng-Fahrzeugen für den europäischen Markt findet direkt im Grazer Werk statt. Nach den Modellen G6, G9 und der Limousine P7+ wird auch die Fertigung weiterer Baureihen, wie beispielsweise des neuen G9L, in Österreich vorbereitet. Durch die Endmontage auf europäischem Boden entfallen die hohen Importzölle, die Transportwege werden verkürzt und die Reaktionszeiten auf Marktveränderungen reduzieren sich drastisch. Magna bringt dabei seine jahrzehntelange Erfahrung als Qualitätsfertiger ein, wovon auch die Verarbeitungsgüte der Fahrzeuge profitiert.
Ergänzend zur Produktion in Österreich unterhält Xpeng ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum in München. Dort arbeiten Ingenieure an der Abstimmung von Fahrwerken, der Übersetzung von Softwareoberflächen und der Anpassung von Fahrerassistenzsystemen an europäische Verkehrsregeln und Fahrgewohnheiten. In der Vergangenheit gab es bei chinesischen Importfahrzeugen immer wieder Kritik an unzureichend übersetzten Menüs oder übernervösen Assistenzsystemen. Die Münchner Dependance soll sicherstellen, daß solche Schwachstellen vor dem Marktstart eliminiert werden. Auf dem Pariser Autosalon unterstreicht das Management diese Regionalisierungsstrategie. Im Vorfeld der Messe lädt das Unternehmen zur exklusiven Paris Night am Sonntag, den 11. Oktober 2026, in die Pariser Innenstadt ein. Vor rund 300 geladenen Gästen, bestehend aus Medienvertretern, Investoren und Branchenexperten, erläutern der Vorstandsvorsitzende He Xiaopeng sowie der stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende Dr. Brian Gu die langfristige Ausrichtung des Konzerns. Auf der Hauptpressekonferenz am Montag, den 12. Oktober um 11:10 Uhr in Halle 6, stellen die Führungskräfte die Modellneuheiten der Weltöffentlichkeit vor.
Fazit
Der Auftritt von Xpeng auf dem Pariser Autosalon 2026 hinterlässt einen zwiespältigen, aber tief beeindruckenden Eindruck. Auf der einen Seite demonstriert der chinesische Hersteller eine Innovationsgeschwindigkeit und eine vertikale Integration bei Chips, Batterien und KI-Software, die etablierten europäischen Herstellern Respekt einflößt. Die Fahrzeuge wie der P7+, der G6 oder der neue G9L überzeugen auf dem Papier mit herausragenden Ladeleistungen von teilweise über 400 kW, modernen 800-Volt-Architekturen und wettbewerbsfähigen Preisen. Die lokale Fertigung bei Magna Steyr in Graz zeigt zudem, daß Xpeng gewillt ist, politische Zollsperren geschickt zu umgehen und sich langfristig in Europa zu verankern.
Aber auf der anderen Seite bleibt abzuwarten, ob die Strategie der maximalen technologischen Diversifizierung aufgeht. Der Bau von humanoiden Robotern und Flugautos erfordert gigantische Kapitalressourcen. Ob Kunden in Deutschland bereit sind, ihr Vertrauen und ihr Geld einer Marke zu anzuvertrauen, die zeitgleich so viele unterschiedliche Baustellen bespielt, wird der Markt zeigen. Zudem müssen die hochgesteckten Versprechungen beim autonomen Fahren erst den Härtetest im europäischen Regelwerk und im unberechenbaren Alltag überstehen. Dennoch steht fest: Xpeng ist kein flüchtiger Importeur mehr, sondern ein technologisch agiler Akteur, an dem sich die europäische Automobilindustrie in den kommenden Jahren messen lassen muss.

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