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Verkäuferarbeitsplatz der Zukunft: Was hinter dem Pilotprojekt new.VAP von Seat und Cupra steckt

Seatstartet mit der Pilotierung des neuen Verkäuferarbeitsplatzes „new.VAP“ in Deutschland – einer der teilnehmenden Partner: die MTS Automobile GmbH - Bildnachweis: Seat

Digitaler Wandel im Autohaus: Wie Seat und Cupra mit new.VAP die Kundenbeziehung neu gestalten wollen

Die Automobilbranche steckt mitten in einem dramatischen Umbruch – nicht nur was die Entwicklung neuer Antriebstechnologien oder Mobilitätskonzepte betrifft, sondern auch in Bezug auf die Art und Weise, wie Autos verkauft werden. Moderne Kunden erwarten heute individuelle Angebote, durchgängig digitale Erlebnisse und transparente Prozesse, auch und gerade im Autohaus. Mit der Einführung des neuen Verkäuferarbeitsplatzes „new.VAP“ nehmen Seat und Cupra nun eine Vorreiterrolle ein – zumindest innerhalb des Volkswagen-Konzerns in Deutschland.

Seat startet mit der Pilotierung des neuen Verkäuferarbeitsplatzes „new.VAP“ in Deutschland – einer der teilnehmenden Partner: die Autohaus Holzberg GmbH – Bildnachweis. Seat

Was ist „new.VAP“ und warum kommt es jetzt?

Mit dem Begriff „Verkäuferarbeitsplatz“ verbinden Branchenkenner meist komplexe Softwaresysteme, die bei Vertriebsvorgängen im Autohaus eingesetzt werden. Die meisten dieser Systeme basieren auf Insellösungen, die mitunter zu erheblichen Reibungsverlusten führen. Das neue System „new.VAP“, das nun pilotiert wird, soll hier Abhilfe schaffen – und erstmals eine durchgängig digitale, markenübergreifende Lösung bieten. Die Web-Anwendung startete diesen Sommer bei ausgewählten Seat- und Cupra-Partnern, darunter der MTS Automobile GmbH sowie dem Autohaus Holzberg GmbH. Nach Abschluss der Pilotphase ist ein flächendeckender Rollout ab Herbst 2025 vorgesehen. Mit „new.VAP“ wird der bisherige Arbeitsplatz ISA in der gesamten Seat- und Cupra-Handelsorganisation schrittweise abgelöst.

Effizient, intuitiv, integriert

Im Kern basiert das neue System auf zwei Modulen. Ein zentrales Element ist die Integration von Salesforce als Plattform für das Customer Relationship Management, inklusive Leadmanagement und einheitlicher Kundensicht. Diese Architektur erlaubt es, Kontakte und Prozesse unter den Marken Seat und Cupra einheitlich zu managen. Für Kunden und Verkäufer bedeutet das mehr Übersicht über sämtliche Interaktionen und ein konsistenteres Nutzererlebnis – von der ersten Kontaktaufnahme bis zum endgültigen Abschluss.

Erstmals werden nicht nur Vertriebsvorgänge, sondern auch alle relevanten Herstellersysteme vollständig vernetzt. Ein neu entwickelter Konfigurator soll helfen, passende Fahrzeuge und Ausstattungen unkompliziert zusammenzustellen und so die Customer Experience – die Erfahrung des Kunden im gesamten Prozess – spürbar verbessern. Gleichzeitig verspricht die Software eine höhere Datentransparenz, etwa bei Preisen, Verfügbarkeiten und individuellen Angeboten.

Mehrwert für Kunden und Mitarbeiter – aber nicht ohne Herausforderungen

Der angestrebte Kundennutzen zeigt sich vor allem in der Möglichkeit, den Vertriebsvorgang nahtlos zwischen digitalen und physischen Touchpoints verlaufen zu lassen. Wer sich am Abend über das Wunschmodell informiert, kann am nächsten Tag im Autohaus darauf aufbauen, ohne Medienbrüche und ohne Datenverlust. Verkäufer wiederum profitieren von einer verbesserten Übersicht im Tagesgeschäft: Zentralisierte Daten, vordefinierte Markenprozesse und automatisierte Workflows sparen Zeit, senken den organisatorischen Aufwand und ermöglichen einen gezielten Fokus auf die Beratung.

Allerdings ist ein solch tiefgreifender Wechsel auch mit Herausforderungen verbunden. IT-Umstellungen dieser Größenordnung ziehen in der Regel einen hohen Schulungsbedarf nach sich. Laut Hersteller werden die Partnerbetriebe deshalb bereits in der Pilotphase intensiv vorbereitet – sowohl durch Online-Seminare als auch durch ein professionelles Rollout-Team, das den Übergang begleiten soll. Die Effizienzgewinne stehen also erst nach Abschluss der Schulungen und der Anpassung aller internen Abläufe zu erwarten. Reibungslos funktionieren solche Veränderungen in der Praxis selten vom ersten Tag an, zumal auch der Kulturwandel im Autohaus nicht zu unterschätzen ist. Die Akzeptanz bei den Mitarbeitern entscheidet wesentlich über die nachhaltige Wirksamkeit der neuen Software.

Digitalisierung als Konzernstrategie – und Seat als Vorreiter?

Innerhalb des VW-Konzerns nimmt Seat mit der Einführung von „new.VAP“ eine Pionierrolle ein. Das Projekt ist Teil der konzernweiten Strategie, die Vertriebsprozesse stärker zu digitalisieren und markenübergreifend zu harmonisieren. Ziel ist eine stabile, zukunftsfähige IT-Infrastruktur, die mittelfristig nicht nur Seat und Cupra, sondern auch anderen Konzernmarken zugutekommen könnte.

Wie genau der Rollout dann ab Herbst 2025 verläuft, ist auch eine Frage des Feedbacks aus der Pilotphase. Die erste Stufe des Testlaufs umfasst zwölf Händlerbetriebe; wenn sich die erhofften Vorteile im Alltag bestätigten, dürfte die schnelle Skalierung in die Breite folgen. Der Fokus liegt dabei auf der Vereinfachung und Harmonisierung der Prozesse – und dem Aufbau einer einheitlichen Datenbasis. Der Gegensatz zur bisherigen Praxis könnte dabei deutlicher kaum ausfallen, denn oft arbeiten Händler von Konzernmarken mit separaten Systemen. Mit einem Plattformansatz wie „new.VAP“ erhalten Hersteller und Handel erstmals die Möglichkeit, Synergien umfassend zu nutzen.

Preise, Modelle und Perspektiven

Die Pilotierung von „new.VAP“ steht zunächst losgelöst von konkreten Änderungen im Produktportfolio oder der Preispolitik. Dennoch bleibt das Thema Transparenz auch beim Fahrzeugkauf ein zentrales Anliegen. Seat-Modelle wie Ibiza, Arona, Leon oder der Cupra Born starten aktuell ab rund 19.900 Euro für Einstiegsvarianten, während die sportlicheren Cupra-Modelle wie der Formentor oder der Leon Sportstourer, je nach Ausstattung, zu Preisen ab knapp 32.000 Euro beziehungsweise über 38.000 Euro verfügbar sind. Leasing-Angebote variieren je nach Modell und Laufzeit und können dank der neuen Plattform künftig schneller verglichen und individualisiert werden. Die Möglichkeit einer markenübergreifenden Betreuung könnte dabei auch für Kunden, die sich zwischen Seat und Cupra entscheiden, von Vorteil sein: Beratung, Angebotserstellung und Vertragsabschluss lassen sich zukünftig noch stärker nach persönlichen Anforderungen gestalten.

Ausblick

Die digitale Transformation des Autohandels ist keine reine Technologiedebatte, sondern ein Prozess, der ganz wesentlich von der Akzeptanz auf Händler- und Kundenseite abhängt. Die Einführung des neuen Verkäuferarbeitsplatzes „new.VAP“ bei Seat und Cupra ist ein Schritt, den viele Branchenbeobachter als längst überfällig ansehen: Die Anforderungen und Erwartungen an Service, Transparenz und Flexibilität haben sich in den vergangenen Jahren verschärft. Gleichzeitig bleibt abzuwarten, wie leistungsfähig und anwenderfreundlich die Lösung im realen Betriebsalltag tatsächlich ist.

Der Wegfall von Insellösungen und die Vereinfachung von Workflows bergen zweifellos Potenzial, doch die Praxis zeigt: Die Integration bestehender Prozesslandschaften bringt meist mehr Besonderheiten und Migrationsthemen mit sich, als in den Hochglanzpräsentationen vorgesehen. Hersteller, Handelspartner und IT-Dienstleister stehen also vor einer anspruchsvollen Bewährungsprobe. Ob Seat und Cupra in diesem Pilotprojekt ihre Rolle als „First Mover“ im Konzern festigen können und wie die Lösung zu einer konsistenten Customer Journey beiträgt, wird sich im Alltag sowie im Mix aus Online- und Offline-Betreuung zeigen müssen.

Mit „new.VAP“ wagen Seat und Cupra den nächsten Schritt beim Umbau der Vertriebsstrukturen in Deutschland und reagieren auf den Druck zur Digitalisierung, der sich längst nicht mehr ignorieren lässt. Wie nachhaltig die positiven Effekte ausfallen und wie reibungslos die Umstellungen tatsächlich verlaufen, bleibt offen. Fest steht: Das Pilotprojekt ist mehr als nur ein neues Tool im Autohaus, sondern eine bedeutende Weichenstellung für die nächsten Jahre – sowohl für die Marke, den Handel als auch für die Kunden selbst.