Der neue Ford Transit - Bildnachweis: Ford
Angriffslustiger Stromer für die City: Der neue Ford Transit City im Technik-Check
Der städtische Warentransport steht vor einer historischen Belastungsprobe. Dichte Innenstädte, strengere Abgasregeln und die drängende Anforderung von Null-Emissions-Zonen verändern den Fuhrpark von Bäckereien, Handwerksbetrieben und Paketdiensten in rasantem Tempo. Wer in den Ballungsräumen wettbewerbsfähig bleiben will, muss seine Flotte auf elektrische Antriebe umstellen. Doch bisher scheiterten viele kleine und mittlere Betriebe an den enorm hohen Anschaffungskosten für rein elektrische Nutzfahrzeuge. Mit dem Verkaufsstart des neuen Ford Transit City schickt Ford Pro nun ein Modell ins Rennen, das genau an diesem Schmerzpunkt ansetzt. Das jüngste Mitglied der Nutzfahrzeugfamilie verspricht eine konsequente Ausrichtung auf Effizienz, Wirtschaftlichkeit und Alltagsnutzen zu einem überraschend konkurrenzfähigen Preis.

Aber der Blick auf die technischen Daten zeigt rasch, dass dieser Elektro-Transporter nicht neu erfunden wurde, um Rekorde auf der Nordschleife aufzustellen. Er ist ein zweckmäßiges Werkzeug für den harten Arbeitsalltag auf der sogenannten letzten Meile. Mit der Freigabe der Bestellbücher für den Kastenwagen sowie für das neu eingeführte Fahrgestell eröffnet der Hersteller eine Modelloffensive im Segment der Transporter mit bis zu einer Tonne Nutzlast. Es stellt sich jedoch die Frage, wie viel Nutzfahrzeug der Kunde für einen Einstiegspreis von 35.990 Euro netto tatsächlich erhält und an welchen Stellen der Rotstift angesetzt werden musste.

Produktion in China und kompromisslose Ausstattungsstrategie
Deshalb lohnt sich zunächst ein Blick hinter die Kulissen der Fahrzeugentwicklung. Der Transit City entsteht nicht in europäischen Werkshallen, sondern wird beim chinesischen Partnerunternehmen Jiangling Motors Corporation, kurz JMC, gefertigt. An dieser Kooperation hält der amerikanische Mutterkonzern bedeutende Anteile. Die Fertigung in Fernost erlaubt es, von den hochskalierten und kostengünstigen Lieferketten der chinesischen Batterie- und Elektroautoindustrie zu profitieren. Das Fahrzeug fügt sich als fünftes Modell in die globale Transit-Reihe ein und besetzt die Lücke zwischen den kleineren Vertretern der Baureihe und dem etablierten Transit Custom.

Aber um die Produktionskosten und die Komplexität im Fertigungsprozess auf ein absolutes Minimum zu drücken, wählt der Hersteller eine radikal reduzierte Angebotsstruktur. Kunden suchen in der Aufpreisliste vergebens nach unterschiedlichen Motorisierungen, variablen Akkugrößen oder aufwendigen Ausstattungspaketen. Den Transit City gibt es ab Werk ausnahmslos mit einem einzigen Antriebsstrang, einer festen Kapazität des Akkus und einer fest definierten Serienausstattung. Was auf den ersten Blick nach einer Einschränkung der Wahlfreiheit aussieht, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als eiskalt kalkulierte Flottenstrategie.

Deshalb entfällt für Fuhrparkleiter der zeitintensive Konfigurationsprozess, während der Hersteller durch die Standardisierung erhebliche Einsparungen in der Logistik erzielt. Das Fahrzeug wird vorkonfiguriert geliefert und enthält bereits alle wesentlichen Ausstattungsmerkmale, die im städtischen Lieferverkehr als unverzichtbar gelten. Dazu gehören Parksensoren an Front und Heck, eine hochauflösende Rückfahrkamera, eine Schildererkennung für Höchstgeschwindigkeiten, das schlüssellose Startsystem und eine vollwertige Alarmanlage zum Schutz der Fracht.

Technische Analyse des LFP-Akkus und des E-Motors
Aber wie sieht die technische Herzstück-Architektur des neuen Elektro-Transporters im Detail aus? An der Vorderachse arbeitet ein permanentmagneterregter Elektromotor mit einer Leistung von 110 kW, was umgerechnet 150 PS entspricht. Die Kraftübertragung erfolgt über ein einstufiges Automatikgetriebe direkt auf die Vorderräder. Mit dieser Motorisierung ist der Lieferwagen für die Anforderungen des städtischen Verkehrs mehr als ausreichend gerüstet. Der Antritt erfolgt elektrotypisch unverzüglich, was das Einfädeln in den fließenden Verkehr oder das zügige Anfahren an Kreuzungen selbst bei voller Beladung spürbar erleichtert.
Deshalb verdient die Wahl des Energiespeichers eine eingehende fachliche Betrachtung. Ford koppelt den Elektromotor an eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie, abgekürzt LFP, mit einer nutzbaren Kapazität von 56 kWh. Im Vergleich zu den in Personenkraftwagen weit verbreiteten Lithium-Nickel-Mangan-Kobaltdioxid-Zellen weist die LFP-Chemie spezifische physikalische Vor- und Nachteile auf. LFP-Akkus gelten als extrem langlebig, zykelfest und thermisch außerordentlich stabil. Sie vertragen das tägliche Vollladen auf 100 Prozent Kapazität ohne nennenswerte Degeneration des Zellmaterials, was für Fahrzeuge im harten Schichtbetrieb einen unschätzbaren Vorteil darstellt. Zudem verzichtet die LFP-Zellchemie vollständig auf die kritischen Rohstoffe Kobalt und Nickel.

Aber man darf die physikalischen Grenzen dieser Technologie nicht verschweigen. LFP-Batterien besitzen eine geringere gravimetrische Energiedichte als NMC-Speicher. Das bedeutet, dass der Akku bei gleicher Speicherkapazität mehr wiegt und mehr Bauraum beansprucht. Zudem reagieren LFP-Zellen bei niedrigen Außentemperaturen im Winter empfindlicher mit einem Anstieg des inneren Widerstands. Das führt bei Frost zu einer reduzierten Rekuperationsleistung und zu einer verlangsamten Ladegeschwindigkeit, sofern der Akku nicht über ein hocheffizientes Vorkonditionierungssystem auf Betriebstemperatur gebracht wird. Ob das Thermomanagement im Transit City diese physikalische Schwäche bei eisigen mitteleuropäischen Wintertemperaturen vollständig kompensieren kann, werden erst unabhängige Praxistests unter kühlen Bedingungen zeigen.
Reichweite und Ladeleistung im praxisnahen Flottencheck
Deshalb müssen die angegebenen Reichweitenwerte im Kontext des tatsächlichen Fahrprofils gewertet werden. Nach dem offiziellen WLTP-Prüfverfahren erzielt der Transit City in der kurzen Kastenwagenversione eine kombinierte Reichweite von bis zu 254 Kilometern mit einer Akkuladung. In der verlängerten und höheren Ausführung L2H2 sinkt der zertifizierte Standardwert aufgrund des höheren Fahrzeuggewichts und des gewachsenen Luftwiderstands auf 223 Kilometer. Blickt man jedoch auf den reinen WLTP-Stadtzyklus, der das primäre Einsatzgebiet dieses Fahrzeugs abbildet, gibt der Hersteller eine maximale Reichweite von bis zu 381 Kilometern an.
Aber diese beeindruckend klingende Zahl aus dem Labor spiegelt nur die halbe Wahrheit wider. Wer den Transporter bei Autobahntempo über die Überholspur treibt oder im tiefsten Winter mit voller Heizungsleistung unterwegs ist, wird den Energiespeicher deutlich schneller leeren. Dennoch reicht das gebotene Kapazitätspolster von 56 kWh für die überwiegende Mehrheit aller Einsätze völlig aus. Empirische Untersuchungen im Fuhrparksektor belegen seit Jahren, dass mehr als 90 Prozent aller leichten Nutzfahrzeuge in diesem Segment täglich weniger als 120 Kilometer zurücklegen. Der Transit City deckt das tägliche Pensum eines Handwerkers oder Paketzustellers somit problemlos ab, ohne dass während der Arbeitszeit nachgeladen werden muss.
Deshalb ist das Ladekonzept primär auf das Laden über Nacht im Firmendepot oder an der heimischen Wallbox ausgelegt. Der serienmäßige Wechselstrom-Bordlader verarbeitet dreiphasigen Strom mit einer Leistung von 11 kW. Ein vollständiger Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent Kapazität nimmt an einer entsprechenden Ladestation etwa 5,5 Stunden in Anspruch. Für ungeplante Zusatzfahrten oder längere Etappen steht ein Gleichstrom-Schnellladeanschluss zur Verfügung. An entsprechenden DC-Ladesäulen nimmt der Akku Energie mit einer maximalen Ladeleistung von bis zu 87 kW auf. Unter idealen Temperaturbedingungen lässt sich der Ladezustand damit in rund 33 Minuten von 10 auf 80 Prozent anheben. Das ist kein Fabelwert im Vergleich zu modernen Pkw-Plattformen, reicht für eine kurze Pause während der Beladung aber völlig aus.

Karosserievarianten, Raumökonomie und Nutzlastwerte
Aber bei den verfügbaren Aufbauten bietet der Hersteller dem Kunden trotz des vereinfachten Ausstattungskonzepts eine praxisgerechte Vielfalt. Der Kastenwagen steht in zwei unterschiedlichen Längen- und Höhenkonfigurationen beim Händler. Die Ausführung L1H1 bringt es bei einer Gesamtlänge von 4,985 Metern und einer Höhe von 1,991 Metern auf einen Radstand von 3,060 Metern. Das Laderaumvolumen dieser kompakten Version beläuft sich auf bis zu 6 Kubikmeter, während die maximale Ladelänge bei 2,77 Metern liegt. Die zulässige Nutzlast beträgt hier bis zu 1.085 Kilogramm.
Deshalb greifen Betriebe mit höherem Platzbedarf zur vergrößerten Variante L2H2. Diese Ausführung wächst in der Gesamtlänge um exakt 30 Zentimeter auf 5,285 Meter und legt in der Höhe um knapp 29,4 Zentimeter auf 2,285 Meter zu. Der Radstand verlängert sich ebenfalls um 30 Zentimeter auf 3,360 Meter. Durch diesen Zuwachs steigt das Ladevolumen auf beeindruckende 8 Kubikmeter an, und die nutzbare Ladelänge überschreitet die Marke von 3,07 Metern. Die maximale Nutzlast erhöht sich bei dieser Variante auf bis zu 1.275 Kilogramm. Beide Kastenwagen-Ausführungen sind so dimensioniert, dass bis zu drei Europaletten problemlos über die weit öffnenden Heckflügeltüren geladen werden können.
Aber eine entscheidende Neuerung im Modellprogramm betrifft das Segment der Fahrgestelle. Zum ersten Mal bietet Ford Pro in der Ein-Tonnen-Nutzlastklasse ein rein elektrisches Fahrgestell mit Einzelkabine an. Diese Modellvariante glänzt mit einer maximalen Nutzlast von bis zu 1.600 Kilogramm auf dem Chassis und dient als flexible Basis für spezialisierte Branchenlösungen. In Deutschland arbeitet die Nutzfahrzeugsparte mit 39 zertifizierten Auf- und Umbaupartnern zusammen, um maßgeschneiderte Aufbauten wie Dreiseitenkipper, Kühlkoffer oder Pritschen zu realisieren. Zusätzlich können Kunden vorkonfigurierte Pritschen- und Kofferaufbauten direkt über das offizielle Händlernetz ordern.
Cockpitergonomie, Infotainment und Sicherheitsausstattung
Deshalb zeigt sich auch das Innenraumkonzept konsequent auf die Anforderungen des Arbeitsalltags abgestimmt. Die Fahrerkabine verfügt über drei Sitzplätze und zeichnet sich durch pflegeleichte, robuste Materialien aus, die auch grober Beanspruchung standhalten. Zahlreiche Ablagefächer auf der Oberseite des Armaturenträgers bieten ausreichend Stauraum für Klemmbretter, Werkzeug und persönliche Utensilien der Besatzung.
Aber auf modernen Bedienkomfort müssen die Insassen trotz der Ausrichtung auf Wirtschaftlichkeit nicht verzichten. Das Cockpit wird von einem digitalen Infotainmentsystem mit einem 12,3 Zoll großen Touchscreen dominiert. Die Schnittstelle erlaubt die kabellose Einbindung von Smartphones über Apple CarPlay und Android Auto, sodass Navigationsanwendungen und kundenrelevante Apps direkt auf dem zentralen Bildschirm genutzt werden können. Ein beheizbarer Fahrersitz gehört ebenso zum serienmäßigen Lieferumfang wie das schlüssellose Startsystem, das lästiges Suchen nach dem Zündschlüssel bei häufigen Zwischenstopps überflüssig macht.
Deshalb ist das Paket an elektronischen Sicherheits- und Assistenzsystemen erfreulich umfangreich ausgefallen. Neben der obligatorischen Rückfahrkamera und den Parksensoren schützt ein automatischer Notbremsassistent vor drohenden Kollisionen im Stadtverkehr. Die adaptive Geschwindigkeitsregelanalge verfügt über eine praktische Stop-and-Go-Funktion, die den Transporter im zähfließenden Stauverkehr selbstständig abbremst und wieder anfahren lässt. Besondere Beachtung verdient die Steuerung über das sogenannte One-Pedal-Drive. Beim Loslassen des Fahrpedals leitet die Steuerung eine kraftvolle elektrische Rekuperation ein, die das Fahrzeug bis zum Stillstand verzögern kann. Das entlastet den Fahrer im Stadtverkehr erheblich und reduziert gleichzeitig den mechanischen Bremsenverschleiß auf ein Minimum. Für den Fall der Fälle wählt das integrierte eCall-System bei einem schweren Unfall automatisch den Notruf und übermittelt die genauen Standortdaten an die Rettungsdienste.
Preisstruktur, Leasingraten und Gesamtkostenkalkulation
Aber der entscheidende Faktor für den Erfolg eines Nutzfahrzeugs bleibt die kaufmännische Gesamtrechnung. Die Bestellbücher für alle Modellvarianten des Transit City sind ab sofort geöffnet. Der Einstiegspreis für den Kastenwagen liegt bei 35.990 Euro netto, was einem Bruttopreis von 42.828,10 Euro entspricht. Für Gewerbekunden stellt der Hersteller über die hauseigene Ford Bank ein Leasingangebot bereit. Die monatliche Leasingrate startet bei 309 Euro netto beziehungsweise 368 Euro brutto. Diese Rate basiert auf einer Vertragslaufzeit von 48 Monaten, einer Gesamtlaufleistung von 40.000 Kilometern und kommt ohne anfängliche Sonderzahlung aus.
Deshalb lohnt sich der direkte Vergleich der Gesamtbetriebskosten mit konventionellen Verbrennern und Mitbewerbern. Ford Pro beziffert die Einsparung beim Wartungsaufwand gegenüber einem vergleichbaren Diesel-Transporter auf rund 40 Prozent. Dieser deutliche Vorteil resultiert aus dem konstruktionsbedingt einfacheren Aufbau des Elektroantriebs. Der Entfall von Ölwechseln, Zahnriemen, Abgasnachbehandlungsanlagen mit AdBlue-Einspritzung sowie der geringere Verschleiß der Bremsbeläge senken die Werkstattkosten spürbar. Das spiegelt sich auch in den langen Serviceintervallen wider, die lediglich alle zwei Jahre oder nach 40.000 Kilometern eine Inspektion vorsehen.
Aber wie schlägt sich der Neuling im direkten Wettbewerbsumfeld? Ein Blick auf den Markt zeigt, dass Mercedes-Benz für den eVito Kastenwagen mit Netto-Listenpreisen von weit über 45.000 Euro spürbar mehr Geld verlangt. Der eVito bietet zwar mit seiner 60-kWh-Batterie eine WLTP-Reichweite von bis zu 314 Kilometern, hinkt jedoch bei der maximalen Nutzlast mit rund 900 Kilogramm hinter dem Ford hinterher. Die etablierte Stellantis-Gruppe schickt mit dem Opel Vivaro Electric, dem Citroën e-Jumpy und dem Peugeot E-Expert starke Konkurrenten ins Feld. Diese Modelle starten preislich in ähnlichen Regionen um 36.000 Euro netto, bieten in der Basisversion allerdings nur einen 50-kWh-Akku und erfordern für größere Reichweiten Aufpreise für das 75-kWh-Akkupaket. Der Transit City ordnet sich mit seinem Preis-Leistungs-Verhältnis somit äußerst attraktiv im mittleren Segment ein.
Marktperspektive und abschließende Bewertung
Deshalb lässt sich festhalten, dass der Ford Transit City ein extrem pragmatisches Gesamtpaket für den urbanen Fuhrpark darstellt. Die Kombination aus solider LFP-Batterietechnik, praxistauglicher Nutzlast von bis zu 1.275 Kilogramm und einem geräumigen Ladevolumen von bis zu 8 Kubikmetern erfüllt exakt die Anforderungsprofile moderner Gewerbebetriebe. Durch die Auslagerung der Produktion nach China und die Beschränkung auf eine Einheitsausstattung gelingt dem Hersteller ein Preispunkt, der die Elektrifizierung kleinerer Fuhrparks spürbar beschleunigen dürfte.
Aber man darf bezweifeln, ob die strikte Ein-Modell-Strategie ausnahmslos jeden Kunden zufriedenstellen wird. Gewerbetreibende, die spezielle Sonderausstattungen oder größere Akkukapazitäten für häufige Überlandfahrten suchen, werden bei diesem Modell an Grenzen stoßen. Wer jedoch einen ehrlichen, kalkulierbaren und robusten E-Transporter für die tägliche Arbeit in der Stadt sucht, findet im neuen Transit City eine hochinteressante Alternative zum klassischen Diesel. Es bleibt spannend zu beobachten, wie der Markt auf diesen Fernost-Stromer im Ford-Kleid reagieren wird.
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