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Vollelektrischer Neustart: Wie sich der Nissan Micra in Deutschland einordnet

Der neue Nissan Micra ist ab 27.990 Euro bestellbar - Bildnachweis: Nissan

Reichweiten, Preise und Chancen des kleinen Stromers

Wer bislang dachte, in der Kleinwagenklasse sei der Wechsel zur Elektromobilität noch Zukunftsmusik, wird nun überrascht: Der neue Nissan Micra kommt in Deutschland ausschließlich vollelektrisch auf die Straße. Damit verabschiedet sich eine traditionsreiche Modellreihe endgültig vom Verbrennungsmotor und startet in eine neue Ära, die Chancen, aber auch Fragen mit sich bringt.

Los geht es mit kleiner Batterie ab 27.990 Euro  

Deshalb rückt die sechste Generation des Kleinwagens stärker denn je ins Zentrum der elektrischen Modelloffensive des japanischen Herstellers. Die Auslieferungen sollen Anfang 2026 beginnen, bestellt werden kann aber ab sofort. Mit Einstiegspreisen ab 27.990 Euro positioniert sich der Micra im hart umkämpften Segment der erschwinglichen Stromer. Damit zielt er vor allem auf urbane Käufer ab, die auf eine vertraute Größe im Straßenbild setzen und zugleich den Umstieg in die Elektromobilität wagen möchten.

Zwei Batteriegrößen für unterschiedliche Bedürfnisse

Aber die Entscheidung für einen elektrischen Micra ist nicht Pauschalsache. Käufer müssen sich zwischen zwei Batteriegenerationen entscheiden, die den Alltagseinsatz maßgeblich bestimmen. Die kleinere Variante mit 40 kWh Kapazität leistet 122 PS und soll nach WLTP bis zu 317 Kilometer Reichweite bieten. Die stärkere Ausführung mit 52 kWh bringt es auf 150 PS und offiziell bis zu 416 Kilometer. Damit könnte der Micra in seiner Klasse konkurrenzfähig bleiben, allerdings bleibt abzuwarten, wie nah diese Werte im Praxiseinsatz erreicht werden können. Immerhin ist mit 100 kW Gleichstrom-Schnellladeleistung ein Wert möglich, der für kurze Ladepausen sorgt. Ob dieser Standard im Alltag reicht, um den Anschluss an die ebenfalls erstarkende Konkurrenz wie Peugeot e-208, Opel Corsa Electric oder den kommenden VW ID.2 zu halten, wird die Praxis zeigen.

Preise, Ausstattung und Auftritt

Die Preislage für Elektro-Kleinwagen ist seit Jahren ein sensibles Thema, und der Micra bildet dabei keine Ausnahme. Mit 27.990 Euro startet die Basisversion Engage, ausgestattet mit einem 40-kWh-Akku. Bereits serienmäßig finden sich Funktionen wie LED-Scheinwerfer, ein 10-Zoll-Infotainment-Bildschirm, Smartphone-Integration sowie eine Vielzahl an Assistenzsystemen. Damit übertrifft der Nissan den bisherigen Standard vieler Wettbewerber im Einstiegssegment.

Ab 29.990 Euro erweitert die Advance-Ausstattung das Paket um stärkere digitale Instrumente, kabelloses Laden, integrierte Google-Dienste sowie Komfortfeatures wie abblendbare Spiegel und Ambientebeleuchtung. Wer zur Top-Version „Evolve“ greift, die ab 34.900 Euro erhältlich ist, erhält zusätzlich ein Harman/Kardon-Soundsystem, Sitz- und Lenkradheizung, ein erweitertes Assistenzpaket mit ProPilot-Navi-Link sowie auffälligere Optik-Optionen.

Aber gerade in diesem Preisbereich stellt sich die Frage, ob Kunden nicht gleich zur nächstgrößeren Klasse mit mehr Platz oder Reichweite greifen. Denn der Abstand zu Kompaktmodellen wie dem Cupra Born oder dem Renault Mégane E-Tech ist nicht mehr groß.

Technische Basis und Plattform

Der Micra fährt auf der sogenannten AmpR Small Plattform, die Nissan gemeinsam innerhalb der Allianz mit Renault und Mitsubishi entwickelt hat. Sie bietet die Grundlage für eine Mehrlenkerachse hinten, ein vergleichsweise leichtes Fahrzeuggewicht von etwa 1.500 Kilogramm und einen niedrigen Schwerpunkt dank tief platzierter Batterie. Das soll sowohl im Stadtverkehr als auch auf kurvigen Landstraßen Vorteile bringen. Zweifel bleiben dennoch, ob ein Kleinwagen mit diesem Gewicht im Alltagsbetrieb dieselbe Agilität wie frühere Verbrennerversionen vermitteln kann.

Innen- und Alltagspraktikabilität

Mit einem Radstand von 2,54 Metern bietet der neue Micra ein Platzangebot, das in seiner Kategorie ausreichend, wenn auch nicht herausragend ist. Positiv fällt das Kofferraumvolumen von 326 Litern auf, das sich mit umgelegten Rücksitzen auf bis zu 1.106 Liter erweitern lässt. Das unterstreicht den Allround-Anspruch und dürfte auch für Wochenendausflüge reichen.

Deshalb bleibt der Micra zunächst vor allem ein Alltagsauto mit hohem Nutzwert. Besonders die Option einer V2L-Funktion, also der Möglichkeit externe Geräte über die Fahrzeugbatterie zu betreiben, hebt ihn von manchen Konkurrenten ab. Perspektivisch soll auch eine V2G-Integration möglich sein, die das Auto ins Stromnetz zurückspeisen lässt.

Garantie und Marktstrategie

Nissan verspricht drei Jahre Fahrzeuggarantie, die sich auf acht Jahre verlängern lässt. Für die Batterie gilt eine Laufzeitgarantie von standardmäßig acht Jahren beziehungsweise 160.000 Kilometern. Damit bewegt sich der Micra auf Branchenniveau,  ohne jedoch entscheidende Vorteile gegenüber Wettbewerbern wie Hyundai oder Kia zu bieten.

Aber interessant ist, dass der Micra den Auftakt für eine neue Stromeroffensive markiert, die Nissan bis 2027 in Europa mit vier zusätzlichen Modellen ergänzt. Neben einem neuen Leaf und einem elektrischen Juke soll auch ein A-Segment-Modell folgen. Vor allem die Kleinwagenklasse wird damit endgültig zum Testfeld im Wettbewerb um urbane Kunden und um Käufer, die von höheren E-Auto-Preisen bislang abgeschreckt wurden.

Kunden im Jahr 2026 noch bereit sind, für einen Kleinwagen mehr als  30.000 Euro zu zahlen

So wirkt der Micra in seiner neuen Generation wie ein mutiger, aber auch riskanter Schritt. Mutig, weil Nissan den Kleinwagen konsequent elektrifiziert und damit den Wandel in der unteren Klasse aktiv mitgestaltet. Riskant, weil Preis und Reichweite im harten Vergleich mit europäischen Rivalen auf den Prüfstand gestellt werden. Auch die Frage, ob Kunden im Jahr 2026 noch bereit sind, für einen Kleinwagen jenseits der 30.000 Euro zu zahlen, wird entscheidend für den Erfolg sein.

Es bleibt am Ende der Eindruck eines technisch modernen, reichhaltig ausgestatteten, aber im Marktumfeld nicht ganz konkurrenzlosen Modells. Der Micra könnte vor allem Stammkunden der Baureihe überzeugen, die mit ihm ein vertrautes, nun elektrisches Fahrgefühl suchen. Ob er darüber hinaus neue Käuferschichten gewinnt, entscheidet sich auf der Straße – und an der Ladesäule.