Wolfgang Ufer (li) und Sebastian Ebel (re) nutzten die Bestellung der TUI Edition, um diesen besonderen Moment gemeinsam zu feiern - Bildnachweis: Smart / J. Konrad Schmidt (station3)
Kooperation in Hannover
Die Elektromobilität hält Einzug in immer mehr Branchen, und inzwischen hat sie auch die Reise- und Touristikindustrie erreicht. Ein Markenzeichen dieser Entwicklung ist die neue strategische Partnerschaft zwischen dem Hannoveraner Touristikriesen TUI und dem Fahrzeughersteller Smart. Bei einem Termin in der niedersächsischen Landeshauptstadt wurde die speziell entwickelte TUI Edition des Smart #3 vorgestellt und von TUI-Chef Sebastian Ebel persönlich bestellt. Der Moment wirkte bewusst symbolträchtig, auch weil Aufsichtsrat und Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche dabei eine tragende Rolle spielt, gilt er doch als einer der Ideengeber dieser Kooperation.

Ein Schulterschluss zweier Welten
Was zunächst wie ein PR-begleitetes Einzelereignis wirkt, ist bei genauerer Betrachtung Teil eines tiefergehenden Transformationsprozesses. TUI hat in den vergangenen Jahren die Elektrifizierung der eigenen Flotte zum strategischen Schwerpunkt erklärt, um die Klimaziele des Unternehmens zu unterstreichen. Bis 2030 sollen mehr als 90 Prozent der Fahrzeuge elektrisch betrieben werden. Dazu gehören neben Bussen und Serviceautos eben auch Vertreterfahrzeuge der Führungsebene. Für Smart ist die Anbindung an einen global agierenden Reisekonzern eine Möglichkeit, die Idee urbaner Elektromobilität in einen größeren Kontext zu stellen.

Das Modell im Fokus
Die TUI Edition basiert auf dem vollelektrischen Smart #3, der als SUV-Coupé seit 2023 im Markt verfügbar ist und inzwischen in mehreren Ausstattungsvarianten angeboten wird. Das Fahrzeug bietet je nach Version Reichweiten zwischen 325 und 455 Kilometern nach WLTP und einen durchschnittlichen Energieverbrauch zwischen 16,3 und 17,6 kWh pro 100 Kilometer. Die Modelle Pro, Pro+, Premium und Pulse unterscheiden sich in Batterieleistung, Ausstattung und Ladegeschwindigkeit. Auch die Performance-Variante Brabus ist Teil der Palette und markiert den sportlichsten Auftritt der Baureihe. Preislich beginnt das Angebot in Deutschland bei rund 37.490 Euro für den Smart #3 Pro, während die Topversion Brabus knapp unter 46.000 Euro liegt. Die TUI Edition selbst ist in der offiziellen Preisliste noch nicht verankert, soll aber zwischen Premium und Pulse positioniert werden, versehen mit markanten Designmerkmalen wie dem TUI-Smile-Logo am Heck.
Symbolkraft durch Personalien
Für Aufmerksamkeit sorgte die Tatsache, dass Dieter Zetsche, langjähriger Kopf der Daimler AG und heute Aufsichtsratschef von TUI, als Initiator der Partnerschaft auftrat. Seine Verbindungen zu Smart reichen Jahrzehnte zurück, seit er in den 1990er-Jahren die Marke in den Konzernstrukturen mitentwickelt hatte. Mit Blick auf die Kooperation zwischen TUI und Smart knüpft Zetsche gewissermaßen an alte Überzeugungen an. Die Verbindung eines international tätigen Touristikkonzerns mit einem europäischen E-Autobauer soll nicht nur ein praktisches Mobilitätsprojekt sein, sondern auch ein klares Signal für nachhaltige Transformation.
Nachhaltigkeit statt Inszenierung?
Bei aller Inszenierung mit Kamerateam und Foto-Set bleibt die Frage, wie substanziell die Partnerschaft tatsächlich ausfällt.
Klar ist: TUI steht unter öffentlichem Druck, CO₂-Emissionen aus Reisen zu reduzieren. Flugkilometer lassen sich nicht ohne Weiteres einsparen, weshalb die Elektrifizierung aller begleitenden Mobilitätsangebote zu einem Baustein der Gesamtstrategie wird. Smart profitiert seinerseits von der Reichweite der weltweit operierenden TUI Group, die Elektrofahrzeuge nicht nur im deutschen Markt, sondern perspektivisch auch in Urlaubsregionen einsetzen könnte. Denkbar ist, dass Urlauber künftig in Zielgebieten Smart Modelle als Mietwagen vorfinden oder Transfers weitgehend elektrisch stattfinden.
Bedeutung für den deutschen Markt
Für Deutschland ist diese Kooperation weniger wegen der Stückzahlen interessant, sondern vielmehr wegen der Signalwirkung. Der hiesige Automobilmarkt ist in einem schwierigen Transformationsprozess, die Nachfrage nach reinen Elektrofahrzeugen steht unter Preisdruck, die Ladeinfrastruktur wächst langsamer als geplant. Wenn mit TUI nun ein branchenfremder Konzern bewusst auf Elektromobile setzt, kann das auch als Fingerzeig für andere Dienstleister verstanden werden. Besonders touristische Anbieter stehen in Deutschland oft in der Kritik, ihre Nachhaltigkeitsziele nicht konsequent genug zu verfolgen. Ob die Kooperation also zur Blaupause wird, hängt davon ab, ob sie über repräsentative Vorstandsfahrzeuge hinaus wirklich in die Fläche gebracht wird.
Ausblick
Der Auftakt in Hannover mag in erster Linie symbolisch gewesen sein, doch die Weichenstellung ist bedeutsam. TUI will bis 2030 nahezu komplett elektrifiziert unterwegs sein, Smart betont seinerseits den Anspruch, im Premium-Segment der kompakten Elektromobile führend zu bleiben. Wenn aus den gemeinsamen Worten handfeste Projekte hervorgehen, könnte aus der Partnerschaft mehr erwachsen als ein Sondermodell. Für Reisende in Deutschland und Europa wäre das ein Schritt hin zu sichtbarer Elektromobilität abseits der klassischen Hersteller und Zulieferer.

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