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VW führt Leistungssteigerung per OTA-Update beim ID.3 als Kauf oder Abo ein

VW ID.3 Pro S - Bildnachweis: MOTORMOBILES

Von 150 auf 170 kW 

Die Digitalisierung erreicht zunehmend auch die automobile Antriebstechnik. Was bislang häufig auf Navigationssysteme, Infotainment oder Fahrassistenzsysteme beschränkt war, zieht nun in die Kernfunktionen des Autos ein: der Motorleistung. Volkswagen bietet beim ID.3 Pro ab Modelljahr 2025 erstmals die Möglichkeit, ein Leistungsplus per OTA-Update freizuschalten. Damit wird eine Neuerung eingeführt, die sowohl für den deutschen Markt als auch für die Diskussion über künftige Geschäftsmodelle im Automobilsektor von Bedeutung ist.

Der ID.3 Pro, bislang mit 150 Kilowatt Leistung ausgeliefert, kann nachträglich auf 170 Kilowatt gebracht werden. Damit erreicht er das Niveau des ID.3 Pro S, kostet jedoch deutlich weniger. Für Käufer stellt sich damit die Frage: Lohnt sich die Investition in das Upgrade oder bleibt der Versionsunterschied zwischen Pro und Pro S am Ende doch erheblich?

Technische Fakten und Unterschiede zwischen Pro und Pro S

Im Serienzustand leistet der ID.3 Pro 150 Kilowatt, das entspricht 204 PS. Mit der nachträglichen Freischaltung steigt die Leistung auf 170 Kilowatt beziehungsweise 231 PS. Diese Werte entsprechen exakt den Leistungsdaten des ID.3 Pro S. Auch das maximale Drehmoment steigt spürbar: von 265 auf 310 Newtonmeter. In den Fahrleistungen macht sich das bemerkbar, wenngleich nur in Nuancen. Während der Pro im Werkszustand 7,6 Sekunden benötigt, um auf 100 km/h zu beschleunigen, verkürzt sich diese Zeit mit Upgrade auf 7,1 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit ändert sich nicht und bleibt bei beiden Modellen auf 160 km/h begrenzt.

Ein entscheidender Unterschied zwischen den beiden Modellen liegt jedoch bei der Batteriegröße. Der Pro verfügt über 59 Kilowattstunden, was einer WLTP-Reichweite von 434 Kilometern entspricht. Der Pro S ist mit 79 Kilowattstunden ausgerüstet und kommt damit auf 568 Kilometer nach WLTP-Messung. Für Vielfahrer macht dies einen wesentlichen praktischen Unterschied, unabhängig von der reinen Motorleistung.

Kosten und Optionen des Upgrades

Volkswagen bietet das Leistungsupgrade ab Werk vorbereitet an, die Freischaltung erfolgt ausschließlich digital. Zwei Varianten stehen zur Auswahl: Einmalige 629 Euro sichern die Mehrleistung dauerhaft, während ein monatliches Abonnement für 18,90 Euro das Plus temporär freischalten kann – etwa für Urlaubsfahrten oder Langstreckendienste.

Mit Blick auf den Preisunterscheid zwischen den beiden Modellvarianten ergibt sich ein interessantes Bild. Während der ID.3 Pro mit Herstellerabatt für 32.925 Euro erhältlich ist, kostet der Pro S 40.525 Euro und damit rund 8.000 Euro mehr. Wer sich allein für die höhere Leistung interessiert, fährt mit dem OTA-Upgrade deutlich günstiger. Wer dagegen auf große Reichweite angewiesen ist, wird um die größere Batterie des Pro S nicht herumkommen.

Technische Voraussetzungen und Umsetzung

Damit das Upgrade genutzt werden kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Notwendig sind ein Volkswagen-ID-Benutzerkonto, ein aktiver VW-Connect-Vertrag und die Software-Version 3.2.1. Die Fahrzeuge ab Modelljahr 2025 verfügen ab Werk über diese Version, ältere Modelle können ein Update kostenfrei in der Werkstatt erhalten.

Interessant ist ein rechtlicher Detailaspekt: Im Fahrzeugschein wird beim ID.3 Pro bereits die maximale mögliche Leistung von 170 Kilowatt eingetragen, unabhängig davon, ob das Upgrade tatsächlich freigeschaltet ist. Der Kunde erhält also ein Auto, das offiziell die höhere Leistung bescheinigt, aber im Alltag zunächst nur die niedrigere Variante bietet. Erst durch die digitale Freischaltung stehen die vollen 231 PS zur Verfügung.

Marktumfeld und Konkurrenz

Mit diesem Schritt betritt Volkswagen in Deutschland Neuland. Zwar gibt es weltweit bereits ähnliche Angebote, doch meist in anderen Segmenten oder Märkten. Mercedes bietet beispielsweise für den EQE in den USA eine digitale Leistungssteigerung gegen Aufpreis, BMW setzt auf Funktionen wie die befristete Freischaltung von Sitzheizungen, und Tesla hat seit Jahren digitale Updates für Autopilot-Funktionen im Programm. In Deutschland ist der ID.3 jedoch das erste Elektroauto, bei dem die Antriebsleistung selbst nachträglich und offiziell vom Hersteller erhöht werden kann.

Chancen und Kritik

Das Modell eröffnet Chancen für beide Seiten. Künftige Käufer profitieren davon, dass sie nicht von vornherein die teurere Fahrzeugversion wählen müssen, wenn sie nur gelegentlich mehr Leistung abrufen möchten. Gerade der flexible Abo-Modus passt in eine Zeit, in der Nutzungsmodelle statt Besitzmodellen im Vordergrund stehen. Für Volkswagen entsteht wiederum der Vorteil, die Produktionskomplexität zu reduzieren, da technisch identische Fahrzeuge ausgeliefert werden und Unterschiede erst per Software definiert werden.

Gleichzeitig wirft das Konzept auch kritische Fragen auf. Der Gedanke, dass Kunden für vorhandene Technik nachträglich zahlen müssen, stößt bei manchem Fahrer auf Vorbehalte. Schon in anderen Bereichen sorgte dieses Geschäftsmodell für Diskussionen, etwa bei optionalen Sitzheizungen oder Assistenzsystemen, die hardwareseitig verbaut sind, aber erst per Zahlung aktiviert werden. Kritisch bleibt ebenso, ob sich der Mehrwert eines solches Leistungsupgrades im Alltag überhaupt spürbar niederschlägt, zumal Reichweite und Verbrauch unverändert bleiben.

Einordnung im deutschen Markt

Für den deutschen E-Auto-Markt, in dem Preis-Leistungs-Verhältnisse und Förderungen eine erhebliche Rolle spielen, könnte dies ein wichtiger Faktor sein. Kunden, die bisher zwischen einem günstigen, aber leistungsschwächeren ID.3 Pro und einem teureren Pro S entscheiden mussten, haben nun mehr Flexibilität. Damit eröffnet Volkswagen potenziell ein neues Käufersegment, das auf eine Kombination aus moderater Reichweite und optionaler Leistung setzt.

Für Flottenbetreiber und Leasingnehmer ist die Abo-Variante interessant, da sich Leistung bedarfsweise hinzubuchen lässt, ohne den Anschaffungspreis zu erhöhen. In einer Zeit, in der Dienstwagenbesteuerung und Betriebskosten im Fokus stehen, könnte dies ein relevantes Argument darstellen.

Mit dem OTA-Leistungsupgrade für den ID.3 Pro startet Volkswagen in eine neue Phase digitaler Fahrzeugnutzung. Während die Idee technisch überzeugend und aus Kundensicht flexibel wirkt, bleibt die Diskussion über das Geschäftsmodell selbst bestehen. Spürbare Mehrleistung ist vorhanden, allerdings beschränkt sich der Vorteil auf Beschleunigungswerte und Drehmoment – Reichweite und Höchstgeschwindigkeit bleiben gleich. Der tatsächliche Nutzen wird daher davon abhängen, wie viel Wert Kunden auf kurzfristige Fahrdynamik legen. Letztlich steht der Ansatz jedoch beispielhaft für eine Entwicklung, die den Automarkt der Zukunft prägen könnte: weniger Variantenvielfalt im Werk, dafür mehr digitale Optionen im Alltag.