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Wenn dem E-Smart der Saft ausgeht – das Akku-Dilemma des fortwo 451 der Baujahre 2012 bis 2015

Smart Werk Hambach, Juni 2012: Produktionsstart des neuen smart fortwo electric drive - Bildnachweis: Daimler / Smart

Reparieren statt Tauschen – so geht es weiter

Was einst als cleveres Stadtkonzept galt, steht heute vor einem ernsten Reparatur-Hindernis: Beim Smart fortwo ED3, der zwischen 2012 und 2015 gebaut wurde, wird der Akku zunehmend zum Schwachpunkt. Nicht, weil die Technik besonders anfällig wäre, sondern weil Ersatzbatterien schlicht nicht mehr erhältlich sind. Für viele Halter kann das den wirtschaftlichen Wert ihres Fahrzeugs drastisch mindern – im schlimmsten Fall droht der komplette Ausfall.

Der Smart fortwo Electric Drive der dritten Generation basierte auf dem Modell 451 und verfügte über einen Lithium-Ionen-Akku mit 17,6 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität. Die Zellen stammten aus deutscher Fertigung der Firma Li-Tec, einem Gemeinschaftsunternehmen von Evonik und Daimler. Das Akkupaket bestand aus drei Modulen mit je 31 Pouchzellen und war mit einem Flüssigkühlsystem ausgestattet. In der Praxis lag die Reichweite bei über 140 Kilometern.

Das Vermietmodell für den Akku galt damals als zukunftssicher: Gegen eine monatliche Gebühr tauschte der Hersteller die Batterie, sobald deren Kapazität unter 80 Prozent sank. Für viele Käufer war das ein wesentlicher Grund, sich für den ED3 zu entscheiden.

Keine neuen Akkus mehr – Vorräte erschöpft

Bereits Ende 2015 stoppte Daimler die Produktion der Li-Tec-Zellen. Ersatzteile stammten danach aus Restbeständen, die über mehrere Jahre in der Werkstattversorgung und teilweise in stationären Großspeichern eingesetzt wurden. Seit Ende 2019 gibt es offenbar keine unbenutzten Akkumodule mehr. Die Versorgung erfolgte zuletzt durch sogenannte „zusammengeführte“ Akkus, bestehend aus noch brauchbaren Zellen anderer Rückläufer. Diese Option lief spätestens 2024 aus, seither sind auch solche gebrauchten Ersatzakkus nicht mehr verfügbar.

Eine Verlängerung der Akkumiete ist nicht mehr möglich. Bei Vertragsende wird der Akku inzwischen ins Eigentum des Fahrzeughalters übertragen – ohne Garantie, ohne Option auf Austausch und mit dem Risiko, dass bei einem Defekt nur noch spezialisierte Drittanbieter helfen können.

Softwareproblem mit hohem Risiko

Neben der Teileknappheit sorgt ein weiterer Faktor für Unsicherheit. In Einzelfällen kann ein Ausfall der 12-Volt-Batterie dazu führen, dass der Hochvoltspeicher unbemerkt tiefentladen wird. Eine solche Tiefentladung zerstört den Akku irreversibel. Früher tauschte der Hersteller den Speicher in diesen Fällen komplett aus. Heute ist das nicht mehr möglich, weil keine kompatiblen Akkus mehr verfügbar sind. Die Reparaturfähigkeit hängt damit unmittelbar von der Arbeit unabhängiger Werkstätten ab.

Erfahrungen aus der Praxis

In der Szene der Smart-ED3-Fahrer gibt es mehrere dokumentierte Fälle, bei denen Besitzer nach einer Kapazitätsminderung zunächst Ersatzakkus aus dem Restbestand erhielten, die jedoch bereits gebrauchte Zellen enthielten. Ein Beispiel zeigt, dass nach rund 80.000 Kilometern die Restkapazität auf 75 Prozent sank. In einem unabhängigen Berliner Betrieb wurden drei defekte Zellen für rund 900 Euro ersetzt, wodurch der Akku wieder 95 Prozent Kapazität erreichte. Inzwischen sind solche Reparaturen bei spezialisierten Anbietern zu Preisen knapp über 1.000 Euro möglich – deutlich günstiger als ein kompletter Austausch, der vor einigen Jahren noch bis zu 17.000 Euro kosten konnte.

Situation in Deutschland

Schätzungsweise mehrere tausend ED3 sind hierzulande noch in Betrieb. Viele davon befinden sich im Besitz von Privatpersonen, einige stammen aus früheren Carsharing-Flotten. Da der Ersatzteilmarkt für Hochvoltbatterien leer ist, steigt die Abhängigkeit von Drittanbietern, die auf Zelltausch und Modulreparaturen spezialisiert sind. Die Ersatzteilpolitik des Herstellers und die früh eingestellte Zellproduktion führen dazu, dass Halter den Erhalt ihres Fahrzeugs selbst organisieren müssen.

Ausblick

Eine komplette Neuauflage des Akkus ist nicht zu erwarten. Zwar wird an Reparaturlösungen gearbeitet, doch diese beschränken sich voraussichtlich auf die Instandsetzung vorhandener Packs. Für Besitzer bedeutet dies, dass sie Wartung und Pflege des Energiespeichers besonders im Blick behalten müssen. Der Smart fortwo ED3 bleibt ein wendiges und zuverlässiges Stadtauto – doch sein größter Vorteil, der elektrische Antrieb, kann bei einem Akkuausfall zum größten Risiko werden.