Neues OTA-Update für Xpeng Modelle: XOS 5.9.5 erweitert Sicherheits-, Lade- und Komfortfunktionen - Bildnachweis: Xpeng
Vernetzte Effizienz und digitale Flexibilität: Das globale Softwareupdate XOS 5.9.5 von Xpeng im Detail
Die moderne Elektromobilität definiert sich längst nicht mehr primär über mechanische Detaillösungen oder reine PS-Zahlen. Vielmehr bildet die Software-Architektur das Nervensystem eines modernen Elektrofahrzeugs, das über die tägliche Nutzerzufriedenheit, die funktionale Alterungsbeständigkeit und die Effizienz beim Fahren sowie Laden entscheidet. Der chinesische Automobilhersteller Xpeng rollt derzeit weltweite Funkupdates unter der Kennung XOS 5.9.5 in insgesamt 64 Märkten aus, um das digitale Ökosystem seiner Flotte gezielt nachzuschärfen. Das Softwarepaket betrifft wesentliche Kernbereiche von der Infotainment-Schnittstelle über den Sprachassistenten bis hin zu tiefgreifenden Optimierungen im Batteriemanagement und den Assistenzsystemen. Für den deutschen Markt, auf dem die Marke mit einer wachsenden Modellpalette Fuß fassen möchte, stellt diese Überarbeitung einen wichtigen Baustein dar, um im Wettbewerb mit etablierten europäischen Premiummarken und internationalen Rivalen zu bestehen.
Der Spagat im Cockpit: Neuer Splitscreen-Modus und tiefere Google-Integration
Ein Dauerbrenner in der Kritik von Testberichten und Kundenrückmeldungen betraf bisher die strikte Trennung zwischen externen Smartphone-Anwendungen und den herstellereigenen Fahrzeugmenüs. Wer bisher auf Apple Carplay oder Android Auto setzte, verlor häufig den direkten Zugriff auf essenzielle Bordeinstellungen. Xpeng begegnet diesem Bedienkonflikt mit der Einführung eines neuen Splitscreen-Modus. Dieser ermöglicht es den Insassen, Anwendungen des gekoppelten Mobiltelefons parallel zu nativen Fahrzeug-Apps auf dem zentralen Infotainment-Bildschirm darzustellen. So lassen sich beispielsweise die Navigationskarte der Smartphone-App und der werkseitige Mediaplayer gleichzeitig im Blick behalten, ohne daß man manuelle Anwendungswechsel durchführen muss.
Deshalb bleibt auch die sogenannte Xdock-Leiste selbst bei aktiver Smartphone-Spiegelung dauerhaft am unteren Bildschirmrand eingeblendet. Diese Funktionsleiste erlaubt jederzeit den schnellen Zugriff auf die Klimasteuerung, die Lautstärkeregelung und andere primäre Fahrzeugfunktionen. Früher mussten Fahrer die Smartphone-Oberfläche erst aufwendig verlassen, um einfache Anpassungen am Innenraumklima vorzunehmen. Neben der visuellen Neuordnung zieht mehr Google-Funktionalität in die Bordsysteme ein. Die integrierte Kartennavigation nutzt fortan die Google Places API, wodurch die Suche nach Sonderzielen, Geschäftsadressen oder Sehenswürdigkeiten deutlich präziser und schneller gelingt. Die Suchergebnisse entsprechen exakt dem Niveau, das Anwender von der direkten Nutzung am Smartphone gewohnt sind. Beim kommenden Modell Xpeng L03 wird diese Google-Anbindung ab Werk noch tiefer in das Gesamtsystem integriert sein.
Sprachsteuerung und Audio: Natürliche Dialogführung ohne Signalwörter
Parallel zur optischen Überarbeitung verzeichnet die akustische Mensch-Maschine-Schnittstelle eine spürbare Weiterentwicklung. Der bordeigene Sprachassistent beherrscht nach dem Update natürliche Folgegespräche. Das bedeutet, daß der bisher obligatorische Aktivierungsbefehl Hey Xpeng nach dem ersten Kontakt entfällt. Die Sprachsteuerung bleibt nach einer Eingabe für einen Zeitraum von genau 20 Sekunden aktiv aufnahmebereit oder beendet die Unterhaltung augenblicklich, sobald der Befehl Goodbye gesprochen wird.
Aber die Funktionserweiterung beschränkt sich nicht nur auf die Dialogstruktur. Die Passagiere können nun auch die Intensität der Innenraumlüftung, das induktive Laden der Mobiltelefone sowie die Aktivierung des Fahrzeugüberwachungssystems Xguard per Sprachkommando steuern. Selbst die elektronische Kindersicherung lässt sich nun auf Zuruf aktivieren. Man fragt sich im Alltag allerdings, wie feinfühlig die Mikrofone im Passagierraum zwischen nebensächlichen Plaudereien der Insassen und tatsächlichen Steuerbefehlen unterscheiden. Im Bereich der Audiowiedergabe wurden zudem die Klangeinstellungen im Innenraum flexibler gestaltet, während Titelinformationen, Interpreten und Radiosender nun einheitlich im Mediaplayer und im zugehörigen Display-Widget dargestellt werden.
Verfeinerung der Fahrassistenz: Manuelle Optionen für den Kurvenassistenten
Bei den unter der Bezeichnung Xpilot zusammengefassten Fahrerassistenzsystemen liegt das Augenmerk auf einer harmonischeren Regelgüte. Sowohl der adaptive Geschwindigkeitsregler als auch der Spurhalteassistent erhielten Überarbeitungen im Algorithmus. Eine feine technische Differenzierung erfährt der adaptive Kurvenassistent, der zuvor vollautomatisch die Geschwindigkeit vor engen Radien drosselte. Fahrer können diese automatische Geschwindigkeitsanpassung vor Kurven nun manuell im Untermenü aktivieren oder deaktivieren. Dies kommt Fahrern entgegen, die ein eigenständiges Abbremsen der Elektronik als Bevormundung empfinden.
Sobald die adaptive Geschwindigkeitsregelung aktiv ist und ein manueller Spurwechsel vollzogen wird, beschleunigt das Fahrzeug nach dem Fahrstreifenwechsel nun spürbarer auf das eingestellte Tempo. Der intelligente Fernlichtassistent schaltet zudem mit verkürzten Reaktionszeiten zwischen Abblend- und Fernlicht um, um eine Blendung anderer Verkehrsteilnehmer verlässlicher zu verhindern. Der automatische Parkassistent unterstützt den Einparkvorgang nun dadurch, daß er nach der Auswahl der Parklücke die genauen Manövrieranweisungen in Echtzeit im Fahrerinformationsdisplay einblendet.
Batteriemanagement und Ladeinfrastruktur: Bessere Performance am Schnelllader
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Updates betrifft das Thermomanagement und die digitale Kommunikation an Schnellladesäulen. Die Software-Version XOS 5.9.5 verbessert gezielt die Kompatibilität mit den weit verbreiteten Tesla-Superchargern der Generationen V3 und V4. Dies ist für europäischen Elektroautofahrer ein wichtiger Punkt, da es in der Vergangenheit an Fremdladesäulen gelegentlich zu Abbrüchen beim initialen Handshake kam. Darüber hinaus wurden die Ladeleistung sowie die Vorkonditionierung der Hochvoltbatterie bei niedrigen Außentemperaturen optimiert.
Deshalb verspricht der Hersteller auch eine höhere Genauigkeit bei der Berechnung der verbleibenden Restreichweite und der angezeigten Batteriekapazität unmittelbar nach dem Ladevorgang. Die Verbrauchsstatistiken im Bordcomputer wurden logisch überarbeitet, wodurch bisher aufgetretene Differenzen zwischen dem Verbrauch der letzten absolvierten Fahrt und den kumulierten Werten der vergangenen 100 Kilometer behoben wurden.
Alltagsfunktinen und erweiterte passive Sicherheitsfeatures
Abseits der großen Systemblöcke beinhaltet das Update zahlreiche funktionale Anpassungen for den Alltagseinsatz. Der neue Modus Quiet Remote Climate erlaubt einen leiseren Betrieb der Klimaautomatik, wenn der Innenraum vor Fahrtantritt über die Smartphone-App vorklimatisiert wird. Diese Geräuschreduzierung greift ebenfalls bei stehendem Fahrzeug oder bei sehr niedrigen Rangiergeschwindigkeiten, um die Geräuschbelastung in Wohngebieten zu minimieren. Der Heckscheibenwischer koppelt seine Wischintervalle ab sofort automatisch an die gewählte Geschwindigkeitsstufe der Frontscheibenwischer.
Um ein ungewolltes Aussperren zu verhindern, erkennt das Fahrzeug beim Schließen der elektrischen Heckklappe, ob sich der Autoschlüssel im Gepäckraum befindet. Ist dies der Fall, stoppt das System den Schließvorgang, öffnet die Heckklappe automatisch wieder und gibt eine Warnmeldung aus. Beim Berganfahren wurde das Zurückrollen durch eine präzisere Ansteuerung der Bremsanlage reduziert. Die Sicherheit wird zudem durch dauerhaft aktivierte Scheinwerfer in bestimmten Fahrmodustypen erhöht. Bei schweren Unfällen setzt das System automatisch einen Notruf ab, während bei batteriespezifischen Notfällen die genauen Entriegelungspositionen der Türen auf dem Display dargestellt werden. Sollte das Fahrzeug abgeschleppt werden müssen, bietet die digitale Betriebsanleitung nun eine überarbeitete Schritt-für-Schritt-Anleitung zur drucklosen Entkopplung des Antriebsstrangs.
Das Modellportfolio in Deutschland: Technische Daten und Preisaufstellung
Die kontinuierliche Weiterentwicklung der Fahrzeugsoftware gewinnt vor dem Hintergrund des zügigen Marktausbaus von Xpeng in Deutschland an Bedeutung. Das aktuelle Modellangebot deckt verschiedene Segmente ab und setzt durchweg auf fortschrittliche Ladetechnik sowie umfangreiche Serienausstattungen.
Den Einstieg bildet das Mittelklasse-SUV-Coupé Xpeng G6, das mit einer Länge von 4,75 m, einer Breite von 1,92 m und einer Höhe von 1,6 m bei einem Radstand von 2.890 Millimetern gegen E-Autos wie das Tesla Model Y antritt. Das Leergewicht liegt je nach Variante zwischen 2.025 und 2.220 Kilogramm, während der Kofferraum 571 Liter fasst und bei umgeklappter Rücksitzbank auf 1.374 Liter erweitert werden kann. Das Modell wird in drei Antriebskonfigurationen angeboten. Die Basisversion RWD Standard Range leistet 185 kW beziehungsweise 251 PS, nutzt eine LFP-Batterie mit 67,8 kWh Nettokapazität und bietet eine WLTP-Reichweite von bis zu 455 Kilometern. Der kombinierte Stromverbrauch wird mit 17,3 kWh pro 100 Kilometer angegeben, die maximale DC-Ladeleistung beträgt 382 kW und der Grundpreis liegt bei 43.600 Euro.
Darüber rangiert die Variante RWD Long Range mit Heckantrieb, deren Leistung bei 218 kW liegt. Ausgestattet mit einem 80 kWh netto fassenden LFP-Akku erreicht sie eine WLTP-Reichweite von 525 Kilometern bei einem Verbrauch von 17,5 kWh pro 100 Kilometer und kostet 47.600 Euro. Die Spitzenversion bildet der G6 AWD Performance für 51.600 Euro, der mit Allradantrieb eine Systemleistung von 358 kW beziehungsweise 487 PS sowie ein Drehmoment von 660 Nm bereitstellt. Dieser beschleunigt in 4,1 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht dank der 800-Volt-Architektur eine maximale DC-Ladeleistung von 451 kW, wodurch die Ladezeit von 10 auf 80 Prozent lediglich 12 Minuten beträgt.
Oberhalb des G6 positioniert der Hersteller das große Premium-SUV Xpeng G9, das mit einer Gesamtlänge von 4891 Millimetern und einer Breite von 1937 Millimetern auftritt. Auch der G9 nutzt eine 800-Volt-Plattform für kurze Ladezeiten. Die Preisliste für den G9 beginnt bei 59.600 Euro für die RWD Standard Range Ausführung mit Heckantrieb und 235 kW Leistung. Die Variante RWD Long Range mit identischer Motorleistung, aber größerem Akku für bis zu 570 Kilometer WLTP-Reichweite kostet 63.600 Euro. Das Allrad-Topmodell G9 AWD Performance mit 370 kW beziehungsweise 503 PS Systemleistung schlägt mit 72.600 Euro zu Buche.
Als elegante Reiselimousine der oberen Mittelklasse steht der Xpeng P7+ im Angebot. Bei einer Länge von 5,07 m, einer Breite von 1,94 m, einer Höhe von 1,51 m und einem Radstand von 3.000 Millimetern zielt das Fahrzeug auf Mitbewerber wie den BMW i5 oder Audi A6 e-tron. Der cW-Wert fällt mit 0,211 außerordentlich niedrig aus. Der P7+ baut auf dem Prozessor AI Chip XP5 Turing auf und verfügt über ein Kofferraumvolumen von 573 bis 1.931 Litern, verzichtet jedoch auf einen vorderen Frunk.
Die Einstiegsversion P7+ RWD Standard Range kostet 46.600 Euro. Sie bietet einen Heckantrieb mit 180 kW beziehungsweise 245 PS und 450 Nm Drehmoment. Der LFP-Akku mit 61,7 kWh Kapazität ermöglicht eine WLTP-Reichweite von 455 Kilometern bei einem Normverbrauch von 15,2 kWh pro 100 Kilometer. An schnellen Gleichstromsäulen lädt der Standard Range mit bis zu 350 kW und füllt den Akku in 10 Minuten von 20 auf 80 Prozent.
Für 49.600 Euro steht der P7+ RWD Long Range im Konfigurator. Seine Motorleistung steigt auf 230 kW beziehungsweise 313 PS bei 450 Nm Drehmoment. Mit der größeren LFP-Batterie von 74,9 kWh erhöht sich die WLTP-Reichweite auf 530 Kilometer bei einem Verbrauch von 16,4 kWh pro 100 Kilometer. Die DC-Ladeleistung beträgt hier bis zu 446 kW.
Das Leistungsflaggschiff ist der P7+ AWD Performance für 53.600 Euro. Zwei Motoren erzeugen eine Systemleistung von 370 kW beziehungsweise 503 PS und ein Drehmoment von 670 Nm. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h erfolgt in 4,3 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei allen P7+ Modellen bei abgeregelten 200 km/h. Bei einem Verbrauch von 17,4 kWh pro 100 Kilometer erlaubt der 74,9 kWh Akku eine WLTP-Reichweite von 500 Kilometern.
Als luxuriöser Großraum-Van komplettiert der Xpeng X9 das hiesige Modellprogramm. Mit Abmessungen von 5316 Millimetern Länge, 1988 Millimetern Breite und 1785 Millimetern Höhe bei einem Radstand von 3160 Millimetern präsentiert sich das MPV als echter Siebensitzer. Der cW-Wert liegt bei 0,236. Serienmäßig kommen eine Allradlenkung mit einem Wendekreis von 10,8 Metern und ein adaptives Zweikammer-Luftfahrwerk zum Einsatz. Das Koffer- und Stauvolumen liegt aufgund der flexiblen Bestuhlung zwischen 721 Litern bei voller Bestuhlung und 2250 Litern bei versenkter dritter Sitzreihe.
Der X9 FWD Standard Range startet bei 77.600 Euro. Der Frontantrieb leistet 235 kW beziehungsweise 320 PS. In Kombination mit der 94,8 kWh LFP-Batterie ergibt sich eine WLTP-Reichweite von 535 Kilometern bei einem Verbrauch von 20,2 kWh pro 100 Kilometer. Die maximale DC-Ladeleistung beträgt 537 kW, womit der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent in 12 Minuten erledigt ist.
Der X9 FWD Long Range wird für 81.600 Euro angeboten. Er nutzt denselben 320 PS starken Frontmotor, greift aber auf einen 110 kWh fassenden NMC-Akku zurück. Dies steigert die WLTP-Reichweite auf bis zu 615 Kilometer bei einem kombinierten Verbrauch von 20,0 kWh pro 100 Kilometer. Die maximale Ladeleistung erreicht 542 kW.
An der Spitze steht der X9 AWD Performance ab 86.600 Euro. Die Systemleistung des Allradantriebs beträgt 370 kW beziehungsweise 503 PS bei 640 Nm Drehmoment. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt in 5,9 Sekunden. Trotz des Leergewichts von 2745 Kilogramm ermöglicht der 110 kWh NMC-Akku eine WLTP-Reichweite von 580 Kilometern bei einem Normverbrauch von 20,8 kWh pro 100 Kilometer.
Software-Strategie und Ausblick
Das Softwareupdate XOS 5.9.5 unterstreicht die hohe Entwicklungsgeschwindigkeit, mit der junge Automobilhersteller aus Fernost ihre Fahrzeuge nach dem Marktstart weiterentwickeln. Die Trennung zwischen Smartphone-Anwendungen und Fahrzeugmenüs über den neuen Splitscreen-Modus zu überbrücken, stellt eine pragmatische Lösung dar, die den Komfort im Alltag spürbar verbessert.
Aber man muss auch festhalten, daß viele der nun eingeführten Features – wie etwa die Deaktivierung des Kurvenassistenten oder die Korrektur der Verbrauchsstatistiken – Funktionen betreffen, die von Beginn an ausgereift hätten sein sollen. Die Praxis wird zeigen müssen, ob die Vielzahl an digitalen Untermenüs auf den großen Touchscreens nicht stellenweise zu Ablenkungen während der Fahrt führt. Nichtsdestotrotz beweist Xpeng mit der konsequenten Pflege seiner 800-Volt-Flotte, daß OTA-Updates im modernen Automobilbau weit mehr sein können als bloße Kosmetik. Die Mischung aus extrem hohen Ladeleistungen auf der Hardware-Seite und kontinuierlichen Nachbesserungen der Software schafft gute Voraussetzungen, um anspruchsvolle Kunden auf dem europäischen Markt für sich zu gewinnen.

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