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Zwischen Erfolg und Herausforderung: Volkswagen liefert das 1,5-millionste Elektroauto der ID-Familie aus

V.l.nr.: Kai Grünitz, Olaf Lies, Robert Müller, Jörg Tegeler und Martin Sander bei der Übergabe des 1,5 Mio. ID. Modells in Emden - Bildnachweis: Volkswagen

 

Ein neuer Meilenstein für Volkswagen

Mit der Übergabe eines schwarzen ID.7 Tourer Pro an einen Kunden in Vechta hat Volkswagen im Sommer 2025 das 1,5-millionste Fahrzeug seiner vollelektrischen ID-Reihe ausgeliefert. Die Szene, die im Werk Emden stattfand, markiert weit mehr als nur eine symbolische Schlüsselübergabe. Sie steht für eine beschleunigte Transformation des größten deutschen Autobauers hin zur Elektromobilität. Was 2020 mit dem Kompaktmodell ID.3 begann, hat sich zu einer breiten Palette unterschiedlichster Modelle entwickelt – vom SUV bis zum Familienkombi. Heute, nur fünf Jahre später, führt Volkswagen nach eigenen Angaben den Elektrofahrzeugmarkt in Deutschland und Europa an.

Vom Experiment zum Erfolgstreiber

Als vor fünf Jahren in Zwickau die ersten ID.3 vom Band rollten, galt der Start als Bewährungsprobe. Noch zahlten Käufer teils hohe Preise und nahmen Kinderkrankheiten wie schwankende Softwarequalität in Kauf. Inzwischen haben die Wolfsburger ihre Modellfamilie deutlich verbreitert. Der ID.4 brachte den SUV-Trend in die elektrische Welt, der ID.5 erweiterte das Angebot um ein Coupé-SUV, der ID. Buzz knüpfte nostalgisch an die Bulli-Tradition an und die erst 2024 erschienenen ID.7-Varianten richten sich an die Mittelklasse und Langstreckenfahrer. Insbesondere der ID.7 Tourer, mit einer offiziellen Reichweite von bis zu 606 Kilometern, mauserte sich im ersten Halbjahr 2025 zum meistzugelassenen Elektroauto in Deutschland.

Emden als Symbol des Wandels

Das niedersächsische Werk Emden spielt eine zentrale Rolle. Volkswagen hat mehr als eine Milliarde Euro in den Umbau investiert, um den Standort vollständig auf Elektroproduktion auszurichten. Damit reiht sich das Werk in die Reihe weiterer Elektro-Standorte wie Zwickau und Dresden ein. International ergänzen Chattanoga in den USA sowie mehrere Fabriken in China die Fertigung. Die Wandlung hat auch eine politische Dimension. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies, der selbst aus einer früheren Amtszeit einen ID.7 als Dienstwagen nutzte, verwies bei der Übergabe in Emden auf den Transformationscharakter des Projekts für Region und Land.

Verkaufszahlen im europäischen Kontext

Mit 1,5 Millionen ausgelieferten Fahrzeugen in fünf Jahren ist die ID-Familie innerhalb kurzer Zeit zu einem Kernpfeiler im Volkswagen-Portfolio geworden. In Deutschland verzeichnete der Hersteller im Jahr 2024 etwa 100.000 Neuzulassungen. Das reichte für einen Marktanteil von über 30 Prozent bei Elektrofahrzeugen. Die Konkurrenz ist dabei stark. Tesla dominiert weiterhin das internationale Feld, Peugeot und Hyundai gewinnen Marktanteile in Europa. Dennoch zeigt sich, dass Volkswagen insbesondere im Heimatmarkt und in Westeuropa die Zulassungsstatistiken derzeit anführt.

Preise und Positionierung

Die aktuelle ID-Reihe deckt verschiedene Preisklassen ab. Der ID.3 startet in Deutschland bei rund 39.000 Euro, während der ID.4 je nach Ausstattung zwischen 39.000 und 55.000 Euro kostet. Der ID.5 bewegt sich in ähnlichen Regionen. Deutlich darüber liegt der ID.7: Für die Limousine beginnen die Preise bei etwa 56.000 Euro, der Tourer mit größerem Kofferraumvolumen liegt bei mindestens 58.000 Euro. Der ID. Buzz, stark nachgefragt von Familien und Gewerbekunden, kostet in der Standardversion knapp 65.000 Euro. Für die kommenden Jahre hat Volkswagen jedoch angekündigt, mit dem ID.2all ein Kompaktmodell unter 25.000 Euro und ab 2027 mit dem ID. Every1 sogar ein Einstiegsmodell für etwa 20.000 Euro auf den Markt zu bringen. Gerade diese Fahrzeuge sollen die Akzeptanz bei privaten Käufern erhöhen, denn bislang entfällt ein Großteil der E-Auto-Neuzulassungen auf gewerbliche Flotten, die von Steuervergünstigungen profitieren.

Chancen und Herausforderungen

Die Zahl von 1,5 Millionen ausgelieferten ID-Fahrzeugen ist unstrittig ein Erfolg. Sie zeigt, dass Volkswagen in der Lage ist, seine Größe auch in die Elektromobilität zu übertragen. Doch der Hochlauf bleibt eine Gratwanderung. Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen stagniert in Deutschland seit dem Auslaufen der Kaufprämien, während gleichzeitig die Ladeinfrastruktur vielerorts noch Lücken aufweist. Auch in ländlichen Regionen wie Ostfriesland, direkt am Standort Emden, stellen fehlende Schnellladepunkte eine Hürde dar. Experten fordern daher eine klarere politische Strategie und verlässliche Rahmenbedingungen, insbesondere für private Käufer.

Ausblick

Mit dem Jubiläum sendet Volkswagen ein deutliches Signal: Die Elektromobilität ist nicht mehr nur ein Projekt weniger Pioniere, sondern im Kerngeschäft eines der größten Autobauer der Welt angekommen. Ob der eingeschlagene Kurs langfristig trägt, hängt weniger von den Produktionszahlen als von den Marktbedingungen ab. Preisdruck, staatliche Regulierung, technologische Innovationskraft und die Akzeptanz in der Bevölkerung werden entscheiden, ob Volkswagen seine Spitzenstellung im europäischen Elektroautomarkt auch in den kommenden Jahren behaupten kann.