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Zwischen Pathos und Präzision: 20 Jahre Range Rover Sport in der Twenty Edition

Range Rover würdigt zwei Jahrzehnte sportlichen Luxus mit der Range Rover Sport Twenty Edition - Bildnachweis: Land Rover / Range Rover / JLR

 

Jubiläum am Limit: Der Range Rover Sport feiert sich und seine Ahnen

Manche Autos entstehen nicht auf dem Reißbrett der Vernunft, sondern aus der schieren Lust an der Provokation, und als der Range Rover Sport vor zwei Jahrzehnten das Licht der Welt erblickte, war er genau das: ein Affront gegen die reine Lehre des Geländewagens. Damals wirkte die Idee, einen schweren Hochsitz mit der Agilität eines Tourenwagens zu kreuzen, fast schon vermessen. Doch der Erfolg gab den Briten recht und begründete ein Segment, das heute den Luxusmarkt dominiert. Zur Feier dieses runden Jubiläums rollt nun die Twenty Edition zu den Händlern. Sie ist mehr als nur eine bloße Ausstattungsvariante; sie ist eine technologische und optische Retrospektive, die versucht, die Brücke von den ungehobelten V8-Anfängen bis zur hochkomplexen Hybrid-Gegenwart zu schlagen. Wer dieses Fahrzeug betrachtet, erkennt sofort, daß hier nicht gespart wurde, um den Status des Modells als dynamische Speerspitze der Marke zu untermauern.

Range Rover würdigt zwei Jahrzehnte sportlichen Luxus mit der Range Rover Sport Twenty Edition – Bildnachweis: Land Rover / Range Rover / JLR

Eine Farbe als Manifest der Ahnenreihe

Das erste, was dem Betrachter ins Auge springt, ist die Lackierung in Sanguinello Orange, einem Ton, der weit über die üblichen Metallic-Nuancen hinausgeht. Aber diese Wahl ist keineswegs willkürlich getroffen worden, sondern zitiert das legendäre Vesuvius Orange der ersten Generation sowie die wegweisende Studie Range Stormer aus dem Jahr 2004. Damals wie heute dient das Orange als visuelles Signal für Aufbruch und Leistung. Wer es dezenter bevorzugt, kann zwar auf Santorini Black oder Ostuni Pearl White ausweichen, doch damit beraubt man die Sonderedition ihres eigentlichen historischen Kontextes. Flankiert wird der Auftritt vom Black Exterior Pack, das sämtliche Schriftzüge und Dekorelemente in ein tiefes Schwarz taucht. Besonders die massiven 23-Zoll-Leichtmetallräder in Gloss Sparkle Silver – oder wahlweise in Gloss Black – verleihen dem Fahrzeug eine Präsenz, die zwar beeindruckt, aber auch Fragen nach der ungefederten Masse und dem daraus resultierenden Abrollkomfort aufwirft.

Synthese aus Motorsport und Manufaktur

Im Innenraum wird schnell klar, dass die Twenty Edition keine Kompromisse bei der Materialwahl eingeht, was bei einem Fahrzeug dieser Preisklasse auch vorauszusetzen ist. Die Sitze stammen direkt aus dem Performance-Flaggschiff Range Rover Sport SV, was bedeutet, dass die Insassen auf Windsor-Leder thronen, das über eine deutlich ausgeprägtere Konturierung verfügt als die Standardbestuhlung. Diese Sitze sind nicht nur ein optisches Statement, sondern eine technische Notwendigkeit für jene Fahrer, die das dynamische Potenzial des Fahrwerks tatsächlich ausloten wollen. Ergänzt wird das Ambiente durch Schmiedecarbon-Furniere und einen Dachhimmel aus schwarzem Velours, was dem Interieur eine fast schon technokratische Kühle verleiht. Es ist eine bewusste Abkehr vom klassischen britischen Club-Chic hin zu einer modernen, leistungsorientierten Ästhetik. Ein gewisser Zweifel bleibt jedoch, ob die dunkle Atmosphäre nicht auf Dauer etwas erdrückend wirkt, doch die beleuchteten Einstiegsleisten setzen hier zumindest kleine, exklusive Lichtakzente.

Range Rover würdigt zwei Jahrzehnte sportlichen Luxus mit der Range Rover Sport Twenty Edition – Bildnachweis: Land Rover / Range Rover / JLR

Die Antriebsfrage zwischen Tradition und Transformation

Unter der Haube bietet die Twenty Edition zwei Philosophien an, die gegensätzlicher kaum sein könnten, und dennoch beide ihre Daseinsberechtigung beanspruchen. Da wäre zunächst der P540 AWD, ein 4,4-Liter-V8-Twin-Turbo mit Mildhybrid-Unterstützung. Mit einer Leistung von 395 kW oder 537 PS verkörpert er das klassische Ideal des souveränen Kraftwagens. Die Leistungsentfaltung erfolgt mit einer Mühelosigkeit, die nur durch das enorme Drehmoment eines großvolumigen Achtzylinders möglich ist. Aber man muss ehrlich sein: Ein kombinierter Verbrauch von 12 Litern und CO2-Emissionen von 270 Gramm pro Kilometer sind Werte, die in der heutigen Zeit zunehmend aus der Welt gefallen wirken. Deshalb ist dieser Antrieb wohl eher etwas für Sammler und Puristen, die den mechanischen Charakter eines Verbrenners über alles schätzen und die fiskalischen Folgen in Kauf nehmen.

Effizienz als neuer Leistungsträger

Dem gegenüber steht der P550e Plug-in Hybrid, der technisch die deutlich spannendere Variante darstellt. Hier kooperiert ein 3,0-Liter-Reihensechszylinder aus der Ingenium-Serie mit einem 160 kW starken Elektromotor. Die Systemleistung liegt bei beachtlichen 405 kW oder 550 PS, was den Hybrid nominell sogar über den V8 hebt. Die Kapazität der 38,2-kWh-Batterie ermöglicht eine rein elektrische Reichweite von bis zu 116 Kilometern nach WLTP-Standard. Das klingt auf dem Papier hervorragend und ermöglicht im urbanen Pendlerverkehr ein lokal emissionsfreies Fahren. Doch sobald der Akku leer ist, muß der Sechszylinder das immense Gewicht des Hybridsystems mitschleppen, was den Verbrauch auf etwa 10,1 Liter ansteigen läßt. Es ist eine beeindruckende Ingenieursleistung, diese beiden Welten so nahtlos zu verknüpfen, doch der Fahrer muss sein Nutzungsprofil genau kennen, um die Vorteile dieses Systems wirklich auszuspielen.

Fahrwerkstechnik als Resultat zweier Jahrzehnte Evolution

Die dynamischen Fähigkeiten der Twenty Edition sind das Ergebnis einer langen Ahnenreihe von Innovationen. Während die erste Generation noch auf ein elektrohydraulisches System zur Wankstabilisierung setzte, arbeitet das aktuelle Modell mit hocheffizienten Luftfedersystemen und aktiven Stabilisatoren, die in Millisekunden auf Fahrbahnzustände reagieren. Deshab fühlt sich das Fahrzeug trotz seiner Masse von weit über zwei Tonnen erstaunlich handlich an. Die Bremsanlage, die bei den V8-Modellen traditionell groß dimensioniert ist, sorgt für die nötige Verzögerung, auch wenn man die physikalischen Grenzen bei schneller Bergabfahrt nicht ignorieren kann. Man spürt die Erfahrung aus unzähligen Rekordfahrten am  Pikes Peak oder den berüchtigten Treppenaufstiegen in China, die in die Abstimmung dieses Jubiläumsmodells eingeflossen sind. Es ist diese Souveränität, die den Range Rover Sport seit 20 Jahren definiert: die Gewißheit, daß das Fahrzeug theoretisch mehr kann, als man ihm jemals abverlangen wird.

Preispunkte und Marktpositionierung

Exklusivität hat ihren Preis, und bei der Twenty Edition ist dieser deutlich im sechsstelligen Bereich angesiedelt. Für die Hybrid-Variante P550e müssen Kunden mit einem Basispreis von 154.800 Euro kalkulieren. Wer sich den prestigeträchtigen V8-Benziner gönnen möchte, sollte mindestens 176.400 Euro einplanen. Diese Beträge sind eine Ansage, doch im Vergleich zum regulären Aufpreis für die SV-Komponenten und die limitierte Stückzahl erscheint die Kalkulation für die Zielgruppe durchaus nachvollziehbar. Man erwirbt hier nicht nur ein Transportmittel, sondern ein Sammlerstück, das repräsentativ die Historie einer Marke zu konservieren vermag. Die Serienausstattung ist  umfangreich und die Aufpreisliste läßt nur noch wenige Wünsche offen. Dies führt dazu den Kaufprozess für den Kunden angenehm zu verkürzen. Dennoch bleibt die Frage, ob der Aufpreis gegenüber einem gut ausgestatteten Standardmodell rein rational zu rechtfertigen ist. Aber bei einem Auto dieser Klasse spielt Ratio ohnehin eine untergeordnete Rolle.

Zwei Jahrzehnte Sportlichkeit

Rückblickend hat der Range Rover Sport eine beeindruckende Wandlung vollzogen. Von der anfänglichen Skepsis der Fachwelt hat er sich zum absoluten Leistungsträger des Hauses entwickelt. Die Twenty Edition feiert diesen Weg mit einer Mischung aus Mut zur Farbe und technischer Finesse. Sie ist ein Beweis dafür, daß Luxus und Dynamik keine Gegensätze sein müssen, solange der technische Aufwand hoch genug betrieben wird. Es ist ein Fahrzeug, das polarisiert und genau dadurch seine Daseinsberechtigung behält. In einer Zeit, in der Autos immer austauschbarer werden, ist dieser Brite eine wohltuende, wenn auch teure Ausnahme. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich dieses Konzept in einer voll elektrifizierten Welt behaupten wird, doch für den Moment bietet die Twenty Edition einen fulminanten Abschluss und gleichzeitigen Ausblick auf das, was technisch machbar ist, wenn man die Grenzen der Physik mit britischer Eleganz herausfordert.