Im Test der Ford Fiesta ST-Line – die sportliche Einstiegsdroge

17. März 2018 00:03 Autor:

Ford Fiesta ST-Line mit 140 PS im Fahrbericht – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Der neue Fiesta ist ein echter Ford-Schritt

Unter den Kleinwagen dürfte der Ford Fiesta einer der agilsten Verfolger des VW Polo sein. Seit seinem Start vor 40 Jahren konnte Ford über 17 Millionen Fahrzeuge vom Fiesta absetzen. Letztes Jahr startete nun die Neuauflage (MK8) des in Köln produzierten Kleinwagen. Die achte Generation des Kleinwagen ist moderner, größer und fortschrittlicher als je zuvor und hebt sich von seinem Vorgänger technisch und qualitativ deutlich ab. Wir haben uns für unseren ausführlichen Fahrbericht für den neuen Ford Fiesta in der Variante als ST-Line entschieden. Wie bei Audi S-Line oder VW R-Line bedeute ST-Line auch bei Ford ein auf Sport getrimmter „Normalo“. Der „echte ST“ hat noch einmal 60 PS mehr unter Haube. Die Ausstattungsvariante der ST-Line steht bei Ford für Sportsgeist und Dynamik zu noch bezahlbaren Preisen. Die sportlich-orientierte ST-Line ist aber dennoch von den Ford Performance-Modellen inspiriert und präsentiert sich mit einer Reihe sportlicher Highlights wie Leichtmetallräder, Sportsitzen vorn und diversen weiteren Zutaten. So ist unser Testwagen viertürig ab 21.700 Euro erhältlich und kostet wie gefahren mit einigen Extras an Bord 28.240 Euro. Dem neuen 140 PS starke Ford Fiesta ST-Line kommt die Rolle des einst so beliebten Fiesta Sport zu.

Im Innenraum des Fiesta ST-Line sorgen die an den Motorsport erinnernde Pedalerie mit Aluminium-Auflagen, ein angenehm griffiges und perforiertes Sportlenkrad, Sportsitze mit Kontrastnähten sowie eine markante Einstiegsleiste mit ST-Line Beschriftung für eine flotte Note. 700 Euro verlangen die Ford-Händler für das Carbon-Styling-Paket, das Teilledersitze mit Ziernähten, ein Innenspiegelgehäuse im Carbon-Look und vier Teppichfußmatten mitbringt. Aber wie sportlich ist der neue Fiesta ST-Line wirklich und bereitet er auch soviel Fahrspaß bei gleichzeitig hoher Alltagstauglichkeit?

 

Ford Fiesta ST-Line - Fahrbericht 2018
Unter den Kleinwagen dürfte der Ford Fiesta einer der agilsten Verfolger des VW Polo sein. Seit seinem Start vor 40 Jahren konnte Ford über 17 Millionen Fahrzeuge vom Fiesta absetzen - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Exterieur

Auch das Exterieur des Ford Fiesta ST-Line verspricht mit prägnanten Karosserieanbauteilen, den auffälligen Nebelscheinwerfern und den 17 Zoll-Alurädern gesteigerte Agilität. Neben den konventionellen Ausstattungsversionen Trend, Titanium und Vignale bietet Ford die sportlich gestaltete ST Line an. Der eigentliche ST mit 200 PS folgt erst in Kürze noch diesen Sommer 2018. Die 140 PS starke ST-Line nimmt aber schon einige Attribute vorweg. Mit tiefer gelegtem Fahrwerk, zweifarbiger Lackierung und mit wuchtigen Stoßfängern samt Diffusor und Dachspoiler am Heck, geht der kleine Wilde im nicht ganz alltäglichen Look ins Rennen.

Interieur

Den analogen Tacho hat Ford hervorragend gestaltet: Er überzeugt mit einer gut ablesbaren, klaren und übersichtlichen Darstellung. Der Ford Fiesta ST-Line bietet während der Fahrt eine Bedienung über das sprachgesteuerte Kommunikations- und Entertainmentsystem Ford SYNC 34 mit AppLink und Touchscreen an, um die Hände vom abgeflachten Lederlenkrad nehmen zu müssen. Die Sportsitze mit verstärktem Seitenhalt sowie die Einstiegszierleisten vorn mit „ST-Line“-Schriftzug runden das athletische Profil ab. Die verbesserte Qualität zeigt sich auch über optimierte Bedienlogik und -ergonomie. Statt vieler Knöpfchen vor einem kleinen Bildschirm hat der Fiesta nun einen großen Touchscreen. In unserem Auto ist es die Achtzoll-Variante, die mit Navigationssystem 450 Euro kostet. Der neue Touchscreen reagiert auf Wisch- und Zoom-Bewegungen und beherrscht nun eine erweiterte Spracheingabe mit ganzen Sätze. Das Display punktet mit hoher Auflösung, Helligkeit und angenehmen Kontrast. Er ist gut erreichbar plaziert und die Menüführung leicht verständlich. Das optionale Soundsystem von B&O verwöhnt nicht nur audiophil angehauchte Autofahrer mit dem Klang aus zehn Lautsprechern und einer kumulierten Gesamtleistung von 675 Watt. Bedient wird die Anlage über das Sync-3-Systems. Lenkrad und weitere Bedienelemente fühlen sich angenehm an. Dafür sorgen haptisch angenehme und griffsympathische Soft-Touch-Materialien. Harter Kuntsstoff kommt nur im unteren Bereich des Armaturenbretts zum Einsatz. Der Kofferraum fasst neben dem Ersatzrad bis zur Gepäckraum-Abdeckung 269 Liter, mit Reifenreparaturset passen 292 Liter hinein. Bei umgeklappten Rücksitzen passen immerhin schon bis zu 1.093 Liter ins Heck.

Antrieb

Kein Ford Fiesta „ST“, aber kurz davor: Der Fiesta ST-Line mit 140 PS steht gut im Futter. Der drehwillige 1.0-l-EcoBoost zieht kräftig an und läßt den 1.164 kg leichten Kleinwagen dank 180 Nm Drehmoment den Null-Hundert-Paradesprint in glatt neun Sekunden von 0 auf 100 erledigen. Eine weitere Beschleunigung endet erst bei 202 Stundenkilometer. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der Fiesta ST-Line wegen der insgesamt langen Übersetzung im sechsten Gang nur mit einigem Anlauf, im fünften geht das deutlich besser und schneller. Die Motorkraft gelangt ausschließlich über ein manuelles Sechsgang-Getriebe an die Vorderräder. Die Powershift-Automatik steht in Kombination mit dem 140-PS-Dreizylinder nicht zur Verfügung. Der manuelle Handschalter überzeugt mit präziser Führung und lässt sich angenehm bedienen.

Gemäß NEFZ beträgt der kombinierte Normverbrauch 4,5 Liter je hundert gefahrene Kilometer. Entsprechend einer CO2-Emissionen von 102 g/km. Diese werte sind allerdings unrealistisch bei einer artgerechten Haltung im Sinne des Erfinders. Wer es nicht übertreibt wird auch hier mit einem moderaten Verbrauch belohnt. Im Stadtbereich betrug unser Testverbrauch ungefähr 6,2 Liter. Bei Überlandfahrten und Landtsraße begnügte sich der Turbobenziner mit 5,2 Litern auf 100 Kilometer. Beim kombinierten Verbrauch über alles landete unser durchschnittlicher Benzinkonsum bei 5,6 Liter je hundert gefahrene Kilometer. Wenn der Fahrspass mit den 140 PS genügend Berücksichtigung finden soll, müssen allerdings schon gut 6,0 Liter eingeplant werden. Der Tankinhalt von 42 Litern ermöglicht dennoch genügend große Reichweiten. Praktisch empfanden wir daen Tankvorgang aufgrund des deckellosen Einfüllstutzen. Die Klappe in der Karosserie dient gleichermaßen als Verschluss. Als kleiner Ausblick: Wem die 140 PS nicht reichen sollte, für den hat Ford wie bereits erwähnt ab Sommer 2018, den neuen Ford Fiesta ST im Angebot, der mit einem 1,5 l EcoBoost und 200 PS (290 Nm Drehmoment), den Sportler in nur 6,7 Sekunden auf 100 km/h katapultieren.

Hohe Fahrwerkskompetenz

Beim Ford Fiesta ST-Line trifft eine gesunde Kombination aus Dynamik auf Komfort aufeinander. Das Fahrwerk, traditionell eine Stärke von Ford, wirkt in der achten Auflage dank breiterer Spur und längerem Radstand äußerst souverän und vermittelt ein sehr gutes Sicherheitsgefühl. Damit setzte der Fiestan bei den Kleinwagen immer noch den Maßstab. Die präzise und direkte Lenkung sowie die standfesten Bremsen runden das gelungene Fahrverhalten ab. Neue Lager und Dämpfer etwa sorgen für geringere Abrollgeräusche. Wenn vom Motor keine Leistung abgerufen, sorgen Dämmung und Soundmodul im Innenraum für einen angenehmen Geräuschpegel – auch bei hohen Autobahn-Tempi. Nur wenn die Sportlichkeit betont wird gibt sich der Antrieb von der lauten Seite. Über die adaptive Temporegelanlage hält der kleine Kölner genügend Abstand zum Vordermann, bremst und beschleunigt automatisch. Der Abstand läßt sich in drei Stufen vorgeben. In der Praxis hat meist Stufe 2 als optimaler Kompromiss bewährt.

 

Technische Daten 1,0l EcoBoost ST-Line 140 PS
Hersteller:Ford
Karosserie:Kleinwagen - Limousine
5-türig ST-Line
Motor:1.0 Dreizylinder aus Leichtmetall
Getriebe6-Gang manuell, Start-Stopp
Hubraum:998 ccm
EmissionsklasseEuro 6
Leistung:103kW / 140 PS
Drehmoment:180 Nm bei 1.500 bis 5.000 Umdrehungen pro Minute
Von 0 auf 100: Handschalter9,0 s
Höchstgeschwindigkeit:202 km/h
Verbrauch (ECE)4,5 Liter
CO2-Ausstoß102 g/km
Kraftstoff:Superbenzin 95 Oktan
Kofferaumladekante700 mm
Leergewicht1.144 kg
Kofferraum269 bis 1.093 Liter
Wendekreis10,05 Meter
Tankinhalt42 Liter
Zuladung506 kg
Testwagengrundpreis Fünftürer (ST-Line) ab:ab 21.700,- Euro
Testwagenpreis:28.240 Euro

Preise und Extras

Die sportlichste Ausgabe des Ford Fiesta nach dem Fiesta ST heißt ST-Line und startet bei 17.800 Euro. Insgesamt 15 Assistenzsysteme stehen bereit, und damit auch fast alles was sich auch in höheren Klassen findet. Die elektronischen Unterstützer beziehen ihre Informationen von zwei Kamera-, drei Radar- und zwölf Ultraschall-Modulen. Eines von den Systemen ist der Pre-Collision-Assist. Das System erkennt Fußgänger sogar bei Nacht.

Die umfangreiche Serienausstattung umfasst unter anderem den Berganfahrassistenten, Sportsitze vorn mit Lordosenstütze für den Fahrer, 17-Zoll-Alus mit 205/45er Pneus. Das optionale Komfort-Paket II beschert neben einer Mittelkonsole mit verstellbarer Armlehne für den Fahrer auch dem Beifahrer eine justierbare Lendenwirbelstütze. Ebenfalls optional sind das Cool&Soundpaket IV inklusive B&O-Play-Soundsystem, Navi und DAB+ sowie das Sicherheitspaket II mit adaptiver Temporegelanlage, Verkehrsschilderfassung, Fernlichts-Assistent und Müdigkeitswarner. Auch die Metalliclackierung unseres Testwagen in Lichtsilber lässt Ford extra bezahlen.

 

Fazit: Sportiver B-Segmenter

Der Fiesta bietet als ST-Line komfortable aber nicht kompromisslose Sportlichkeit. Bereits die ST-Line bereitet sportlichen Fahrspaß. Dem sportiven Kleinwagen ist ein enorm alltagstauglicher Kompromiss gelungen. Der kleine Kölner ist ein toller Wagen, genau richtig für all jene, die glauben, ein betont sportlich ausgelegtes Fahrzeug haben möchten, ohne einen vollblütigen Sportwagen kaufen zu müssen. Trotzdem überzeugt die sportliche Attitüde des ST-Line. Ford liefert mit dem neuen Fiesta einen echten For(d)Schritt. Das hervorragend abgestimmte Fahrwerk ist weiterhin einer der Stärlken von Ford. Infotainment und Konnektivität sind auf dem allerneusten Stand. Die Materialauswahl, Qualitätsanmutung und Verarbeitung sind deutlich verbessert worden. Dafür verlangen die Kölner aber auch ihren Preis. Nach unserem ausführlichen Fahrbericht können wir dem Kleinwagen aber bescheinigen, dass das Geld gut angelegt ist.

 

Ford Fiesta ST-Line - Fahrbericht 2018
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