Kompaktvan Kia Carens 1.7 CRDi Spirit (2017) als Siebensitzer im Test – Der Angreifer

10. Oktober 2017 15:23 Autor:
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Der Touran-Gegner überzeugt mit viel Platz und hoher Qualität zu einem günstigen Preis – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Der optionaler Siebensitzer als sympathischer Angreifer

Der Marke Kia gelang es in den vergangenen Jahren sukzessive ihre Modellpalette zu erneuern und den eigenen Markenwert zu steigern. Zwischenzeitlich reifte aus der biederen Marke ein Angstgegner der etablierten Platzhirsche von Volkswagen über Opel, Ford, Peugeot bis hin zu Toyota. Erfolgsfaktoren der Wachstumsstrategie sind eine erstklassig überzeugende Qualität in Verarbeitung, Materialauswahl und Technologie bis hin zum Design – wie aber auch der Preiswürdigkeit. Neben Kia und der Schwestermake Hyundai hat es bisher kaum eine Marke in dem Rekordtempo geschafft, sich so ein Renomée zu erarbeiten. Dank stetig steigender Qualität, langer Garantiezeiten und extrem guter Optik aus der Designexpertise des deutschen Peter Schreyer ernten Modelle wie der aktualisierte Kia Carens zu recht viel Anerkennung. Design ist zweifelfrei ein wichtiges Motiv bei der Kaufentscheidung eines Fahrzeugs. Der Komapktvan Kia Carens startete Anfang Mai 2013 und erhielt nun nach vier Jahren Anfang 2017 ein dezentes Facelift. Wir fuhren den Carens in der Top-Ausstattung Spitrit als Siebensitzer mit dem sparsamen 1.7 CRDi-Diesel. Wir haben den kompakten Van einem ausführlichen Fahrbericht unterzogen.

 

 

Kia Carens 1.7 CRDi Spirit
Kia Carens 1.7 CRDi Spirit 2017
Kia Carens 1.7 CRDi Spirit 2017
Design ist zweifelfrei ein wichtiges Motiv bei der Kaufentscheidung eines Fahrzeugs. Der Komapktvan Kia Carens startete Anfang Mai 2013 und erhielt nun nach vier Jahren Anfang 2017 ein Facelift. Wir fuhren den Carens in der Top-Ausstattung Spitrit als Siebensitzer mit dem sparsamen 1.7 CRDi-Diesel. Wir haben den kompakten Van einem ausführlichen Fahrbericht unterzogen - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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VW Touran im Visier

Der familientaugliche Van besitzt das Potenzial mit seiner Optik, guten Verarbeitung und viel Platz zu einem günstigen Preis der etablierten Minivan-Elite vom Schlage eines VW Touran, Opel Zafira, Renault Scénic und Ford C-Max viele Kunden abspenstig zu machen. Punkten können Vans in dem Segment primär mit großem Innenraum und möglichst vielen Sitzen. Der neue Carens wird ausschließlich im koreanischen Werk Gwangju montiert und ist zu Preisen ab mindestens 19.990 Euro (in der Ausstattung Attract) erhältlich. Dafür gibt es ihn als Fünfsitzer mit dem 135 PS starken 1,6-Liter-Benziner. Zu Preisen ab 21.990 Euro verkauft Kia den 2,0-Liter (Edition 7)  und für Vielfahrer rechnet sich der sparsame Diesel mit 1.7 Litern Hubraum, in der von uns gefahrenen Leistungsstufe mit 141 PS und einem Normverbrauch von 4,8 Litern. Für den Selbstzünder verlangen die Südkoreaner mindestens 23.990 Euro (Edition 7).

Außen und innen ein vielseitiges Gefährt

Das Facelift hat die Variabilität und die extrem gute Raumausnutzung des Vorgängers beigehalten. Der rekordverdächige Radstand – „Länge läuft“ – erstreckt sich auf rekordverdächtige 2,75 Meter bei 4,53 Metern Fahrzeuglänge. Praktische Details wie Klapptische an den Rückenlehnen oder zahlreiche Ablagen erleichtern den Alltag. Ganz nebenbei wurde der Carens mit optischen Retouchen hübscher gestaltet. Sein niedriges Dach sorgt für eine schnittige Erscheinung. Viele sportliche Attribute wurden geschickt mit weichen Linien kombiniert. Der Koreaner wirkt stilistisch gefällig, aber nicht beliebig. Das neue Kia-Familiengesicht mit dem neuen Kühler stehen dem Carens ausgezeichnet. Die weit in die Karosserie gezogenen Scheinwerfer und der Knick nach oben hinten in der Fensterlinie zeugen vom guten Design des deutschen Peter Schreyer. Am Heck zeugen Rücklichter in moderner LED-Technik neben einem guten Aussehen auch für ein hohes Sicherheitsniverau.

Der Kia Carens verfügt als als Siebensitzer ein Fassungsvolumen 492 bis 1.650 Liter

Arbeitsplatz und Mittelkonsole wirken übersichtlich gestaltet und gut durchdacht. Einzig die Lenkradsteuerung mit ihren 15 Funktionen bedarf einer kurzen Eingewöhnung. Gut gefallen hat uns das hochauflösende Zentraldisplay des Bordcomputers. Navi, Infotainment und deren Konnektivität via USB und Blootooth verrichten zuverlässig ihren Dienst und sind einfach zu bedienen. Das Ambiente punktet mit einer guten Haptik, griffsympathischen Oberflächen und solider Verarbeitung sowie hochwertig anmutenden Armaturen und Schalter. Fehlte den Asiaten früher das Gespür für gute Materialien so machen sie beim Carens irgendwie alles richtig. Eine sorgfältige Gestaltung und Materialauswahl sorgen für eine hohe Qualitätsanmutung die sich deutlich vom grauen Hartplastik-Einerlei einiger Wettbewerber absetzt. Und um es drastisch auszudrücken. Die nahezu vollständige Abwesenheit von Hartkunststoffen läßt den Carens im direkten Vergleich zu seinen europäischen Wettbewerbern – wohlbemerkt inklusive VW Touran – die Europäer in einem sehr schlechten Licht darstehen. Der Touchscreen für Infotainment und Navigation ist gut platziert. Die Bedienung des Kia-Vans ist einfach und selbsterklärend.

Nicht nur vorne, sondern auch hinter der ersten Sitzreihe finden sich bequeme Platzverhältnisse

Nicht nur vorne, sondern auch hinter der ersten Sitzreihe finden sich bequeme Platzverhältnisse. Die drei getrennten Einzelsitze im Fond sind variabel und lassen sich längs verschieben. Die Rücksitze lassen sich bei Bedarf alle getrennt voneinander umklappen und deren Lehnen separat in ihrer Neigung einzeln angekippt werden. So wachsen wahlweise die Kniefreiheit oder der Kofferraum. Sehr clever: Auf der Rückseite des mittleren Sitzes ist ein weiterer Getränkehalter integriert. In den Rücklehnen der Vordersitzen sind praktische Klapptische angebracht. Optional lässt sich der Kia Carens mit allerlei Extras ausstatten wie etwa eine Sitz- und Lenkradheizung, Spurassistent oder einem automatischen Parkpiloten. Zudem bietet auch der Kia Carens auch eine Sitzheizung für die Fondpassagiere an. Ein luxuriöses Extra, welches bisher eher in der Oberklasse zu suchen war. Was den Reisekomfort auf Langstrecken anbelangt, konnte der Kia Carens in unserem Fahrbericht ebenfalls punkten. Die hohe Sitzposition sorgte für einen guten Überblick, und die effektive Sitzbelüftung wußte ebenfalls zu überzeugen.

Glänzen kann der Kia Carens zudem – wie es sich für eine kompakte Großraumlimousine gehört – mit seinem Ladeabteil. Es bietet als Siebensitzer mit 492 Litern Fassungsvermögen ein stolzes Stauvolumen, dass sich dank niedriger Ladekante und einer hohen Variabilität gut beladen lässt. Wird der Beifahrersitz umgeklappt, wächst das Stauvolumen sogar auf 1.650 Liter. Die Koreaner haben hier einige pfiffige Ideen umgesetzt, die sie vor ihre europäischen Wettbewerber setzt. Bei Bedarf läßt sich die Kofferraumabdeckung in einem extra Fach im doppelten Ladeboden verstauen. Außerdem befinden sich hier hier Staufächer für kleinere, lose Teile. Für sehr lange Ladungen lässt sich zudem der Beifahrersitz des Carens serienmäßig vollständig nach vorne umklappen, so dass der Kia Carens in der Lage ist sperrige Gegenstände mit einer maximalen Länge von bis zu (!) 2,70 Metern zu transportieren. Gegen einen Aufpreis in Höhe von 750 Euro läßt sich der Kompaktvan auch als 7-Sitzer mit einer dritten Sitzreihe ordern. Als praktisch erwiesen sich zudem die vielen Ablagen, wie zum Beispiel die integrierten Unterflurbodenfächer vor den Sitzen der zweiten Reihe.

Einige durchdachte Details haben sich die Südkoreaner von Skoda abgeschaut. An der Seitenwand des Kofferraums hat der Carens eine Leuchte, die sich auch mobil als Taschenlampe herausnehmen läßt. Wie Renault oder Peugeot bieten die Koreaner auch den praktischen zweiten Spiegel an, das den Fahrer in die Lage versetzt den rührseligen Nachwuchs im Blick zu behalten. Letztlich sind es gerade diese kleinen nützlichen Details, die den Carens so sympathisch erscheinen lassen.

 

Im Test: Der 1.6 GDI Benzindirekteinsritzer mit einer Leistung von 104 kW (141 PS) – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Antrieb

Wir fuhren den Carens mit der leistungsstäkeren Version des 1,7-Liter-Diesel die 141 PS mobilisiert. Der Verbrauch erscheint vor dem Hintergrund der Fahrzeuggröße angemessen: Im Test flossen druchschnittlich etwas über sechs Liter Diesel je hundert gefahrene Kilometer aus dem Tank. Den kombinierten Normwert gibt der Hersteller mit 4,8 Litern an. überzeugend schlägt sich der Vierzylinder-Diesel auch im Kapitel Akustik.

Lediglich die am Testwagen montierten (optionalen) 18-Zoll-Felgen konterkarieren mit ihrem holprigen Abrollverhalten den runden Eindruck etwas – kleinere Räder sehen vielleicht nicht so gut aus, wären hier aber wohl die bessere Wahl in Sachen Fahrkomfort. Zur Wahl stehen bei den Leichtmetallfelgen Modelle mit 17 und mit 16 Zoll. Allerdings sind 16-Zöller in der preislich attraktivsten Variante „Dream-Team-Edition“ (ab 23.900 Euro) nicht zu haben, sondern erst wieder eine Ausstattungsstufe höher beim „Vision“-Modell (ab 24.800 Euro. Für die Vielfahrer rundet ein sparsamer Selbstzünder das Angebot ab. Der Vierzylinder hat 1,7 Liter Hubraum und leistet 104 kW (141 PS) und punktet vor allem mit einem Drehmoment bis zu 340 Newtonmeter. Der von uns gefahrene 141 PS starke Turbodiesel präsentiert sich als kultivierter Selbstzünder. Das Aggregat mobilisiert — ohne Sportlichkeit aufkommen zu lassen – genügend Durchzugskraft. Den Paradesprint von null auf hundert erledigt der 1.591 Kilogramm schwere Kompaktvan in 10,4 Sekunden. Übertragen wird die Kraft dabei über ein manuelles gut abgestuftes und präzise zu schaltendes Sechsganggetriebe. Der Normverbrauch (NEFZ) beträgt laut Herstellerangaben 4,8 Liter. Dies entspricht einer CO2-Emission von 126 Gramm pro gefahrenem Kilometer. Unser Testverbrauch im Alltag betrug mit 6,5 Litern im Drittelmix dem üblichen Praxisaufschlag gegenüber dem realitätsfernen Normverbrauch.

 

Technische Daten Kia Carens 1.7 CRDi
Hersteller:Kia
Karosserie:Van - Testfahrzeug 7-sitzig
Motor:1,7 CRDi - 4-Zyl.- Commonrail-Diesel
Getriebe6-Gang Handschalter
AntriebFrontantrieb
Hubraum:1.685 ccm
EmissionsklasseEuro 6
Leistung:104 kW (141 PS) bei 4.000 Umdrehungen pro Minute
Drehmoment:340 Nm bei 1.750 bis 2.500 pro Minute
Höchstgeschwindigkeit:193km/h
Beschleunigung (0-100 km/h) in s10,4 Sekunden
Kombinierter Normverbrauch (ECE)4,8 Liter /100 km
CO2-Ausstoß126 g/km
EffizienzklasseA+
Kraftstoff:Diesel
Tankinhalt58 Liter
Leergewicht 7-sitzig ohne Fahrer1.591 kg
Kofferraum492 bis 1.650 Liter
Ladekantenhöhe680 mm
Zuladung659 kg
Anhängelast gebremst1.500 kg
Wendekreis11,0 Meter
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.525/1.805/1.605/2.750 mm
Grundpreis Testwagenab 32.040 Euro
Testwagenpreis35.370 Euro

 

Fahreigenschaften

Das Fahrwerk ist ein guter Kompromiß aus Komfort und sportlicher Härte für eine geringe Wankneigung und möglichst hoher Zuladung. Damit fügt sich der Fahreindruck des Familien-Shuttle harmonisch in das Gesamtbild des kompakten Vans ein. Generell passt die Abstimmung gut zum unaufgeregten, aber nicht zu schaukelig abgestimmten Fahrverhalten des Carens. Kurvige Landstraßen und schlechten Asphalt dämpft der Carens ordentlich. Auch bei schnell gefahrenen Kurven ist der Kia Carens nicht aus der Ruhe zu bringen und neigt sich kaum zur Seite. Die tendenziell komfortable Abstimmung harmoniert mit den Antrieben und zielt auf ein entspanntes Reisen ab, ohne dabei jedoch allzu schwammig zu wirken. Adaptive Dämpfer hat Kia im Gegensatz zu einigen seiner direkten Wettbewerber noch nicht im Angebot. Im Bereich Fahrdynamik oder der Feinabstimmung der elektrischen Servolenkung ist durchaus noch ein wenig Luft nach oben. Die Lenkung bzw. ihr Drehmoment verfügt über drei Einstellungen. Unser Tipp: die härteste Stufe gewährt den präzisesten Lenkmodus.

 

Kia Carens 1.7 CRDii Spirit – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Üppige Seriensausstaung: Ausstattung und Extras

Viele Sonderausstattungen und Extras sind an eine der vier Ausstattungslinien oder fünf Optionspakete gekoppelt. Dafür sind einige Annehmlichkeiten im Angebot, die in diesem Segment eher selten anzutreffen sind. Dazu zählen die Sitzheizung für die zweite Sitzreihe, das beheizbare Lenkrad oder der Fahrersitz mit elektrisch verlängerbarer Beinauflage. Als elektronische Helferlein stehen unter anderem ein Spurhalte- und ein Einparkassistent zur Verfügung. Das Basismodell in der Ausstattungslinie Attract fängt bei 19.990 Euro an. Die von uns gefahrene Top-Ausstattungsversion Spirit  (ab mindestens 18.090 Euro als 1.6 GDI mit 99 kW) macht eine umfangreiche Komfortausstattung attraktiv, die sogar eine Zweizonen-Klimaautomatik, Sitzheizung und Lenkradheizung, Rückfahrkamera und Tempomat umfasst. Für 700 Euro Aufpreis gibt es den Carens auch mit sieben Plätzen. Wir wollen auch nicht verschweigen was es nicht gibt: Kia hat für den Carens weder Spurwechsel- noch Fernlichtassistent oder eine aktive Verkehrsschilderkennung im Angebot. Es gibt aber auch Kunden die das nicht vermissen.

Ein grundsätzlich gewichtiges Argument für den Kauf eines Kia ist dagegen die Sieben-Jahres-Garantie (oder 150.000 Kilometer), nebst fünf Jahren Lackgarantie bis 150.000 Kilometer sowie zwölf Jahren Garantie gegen Durchrostung ohne Kilometerbegrenzung sowie eine dreijährige Mobilitätsgarantie. Das Wartungsintervall beträgt 30.000 Kilometer oder 2 Jahre. Die Garantieleistungen sind fahrzeuggebunden, bleiben also beim Besitzerwechsel weiter bestehen und kommen damit auch dem Wiederverkaufswert zugute. Wer ein Fahrzeug mit Navigationssystem ordert, enthält künftig in diesem Zeitraum zudem kostenlose Karten-Updates.

 

FAZIT: Preiswürdiger und qualitativ hochwertiger Korea-Van

Das Modelljahr 2017 des kompakten Vans stellt im Fahrbericht nicht nur seine Transporter-Qualitäten unter Beweis, sondern zeigt sich auch als angenehmes Reisefahrzeug. Die schöne Hülle des Kia Carens trügt nicht, auch die inneren Werte wissen zu überzeugen. Selbst bei voller Besetzung mit 5 Erwachsenen kommt nicht das Gefühl von zuviel Enge auf. Der Kia Carens präsentiert sich als wandlungsfähiges siebensitziges Familienauto. Hier kommt der breite Mittelsitz im Fond zum Tragen, bei dem im Gegensatz zu Wettbewerbern kein Bodentunnel stört. Der Carens erweist sich innen auffällig ruhig, das Komfort-Niveau auf den vorderen Sitzen ist sehr hoch, dahinter gut bis ausreichend. Der Carens erwies sich trotz seiner Größe aufgrund seiner Wendigkeit und guten Manövriereigenschaften weitgehend innenstadttauglich. Kia hat mit dem Facelift gezielt die Schwächen im Bereich der Fahrwerksabstimmung beseitigt. Der Kia Carens hat in seiner aktuellen Evolutionsstufe dank seiner großen Reife das Rüstzeug es seinen Wettbewerbern ausgesprochen schwer zu machen. Für den Carens sprechen neben einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis auch kalkulierbare Folgekosten mit einer siebenjährigen Herstellergarantie.

 

Kia Carens 1.7 CRDi Spirit
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