Skoda Karoq 4X4 Style 2,0 TDI im Fahrbericht – kleiner Bruder des Kodiaq

29. April 2018 22:18 Autor:

Im Fahrbericht das kompakte SUV Skoda Karoq 4×4 Style DSG mit 150 PS starken 2-Liter Turbodiesel – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Dicht am Yeti – aber noch nicht dessen Nachfolger

Das kompakte Crossover-SUV Skoda Karoq ist der Nachzügler im VW-Konzern. Zwar entwickelte und montiert Skoda auch das nahezu baugleiche Schwestermodell Seat Ateca. Dafür hatten die Tschechen die Gelegeheit den Karoq besonders ausgereift auf die Straße zu stellen. Der VW T-Roc, Seat Ateca und der Skoda Karoq basieren gemeinsam auf dem Mobilen Querbaukasten MQB A1 des VW-Konzerns. Im aktuellen Kaufinteresse der Kunden stehen aktuell besonders die kleinen SUV- und Crossover-Modelle bis etwa 4,4 Metern Länge.

Ein typischer Ableger in diesem Segment ist der neue Skoda Karoq. Dabei ist er eigentlich gar nicht so neu, da die Tschechen auch die Entwicklung des Seat Ateca maßgeblich verantwortlich zeichneten. Dem Ateca gebührte die Ehre zuerst auf den Markt kommen zu dürfen. Mit dem Skoda Karoq kam nun vor einem knappen halben Jahr  das Schwestermodell auf den Markt. Auch die Montage beider Modelle findet bei Skoda statt. Wer die Fahrzeuge etwas genauer betrachtet, erkennt die Ähnlichkeit, obwohl es der Tscheche schafft, eine gewisse Eigenständigkeit zu wahren. Wir holten uns den Karoq mit Zweiliter-TDI, Allradantrieb und DSG für einen Fahrbericht als Testwagen in die Redaktion.

Dem mittlerweile eingestellten Skoda Yeti mit der eigenwilligen Hochdachkombi-Silhouette aber hervorragenden Verarbeitung, dürften noch immer viele Kunden nachtrauern. Das Top-Ranking im TÜV-Report sowie in diversen Dauertests diverser Automagazine sprachen für sich. Mit dem Karoq stellt Skoda Ende 2017 ein etwas größer dimensioniertes SUV in den Dienst, dem allerdings noch nicht die offizielle Rolle des Nachfolgers übertragen wird. Im Vergleich zum Yeti baut der Karoq zwar einige Zentimeter flacher, überragt ihn dafür mit 4,38 Meter um gut 16 Zentimeter in der Länge. Ein kleineres SUV soll noch dieses Jahr folgen und die offizielle Rolle des Yeti-Nachfolgers übernehmen.

 

Skoda Karoq 4x4 Style DSG 2.0 TDI 110 kW
Skoda Karoq 4x4 Style DSG 2.0 TDI 110 kW
Kleiner Bruder des Kodiaq: Der Skoda Karoq 4X4 Style 2,0 TDI im Fahrbericht - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Wie im SUV-Segment üblich, haben die Tschechen dem Karoq – die letzte Silbe aus einer indigenen Sprache übersetzt bedeutet dies soviel wie „Pfeil“ – eine leicht hochbeinige Kompaktkarosserie mit robuster Beplankung aufgepeppt. Außerdem verleihen fein in das Blech geprägte Charakterlinien sowie moderner LED-Lichtsignatur dem Fahrzeug eine edle Anmutung. Eher eine Spielerei ist die Lichtprojektion des Markenlogos auf dem Boden beim öffnen der vorderen Einstiegstüren.

Durchdachtes Interieur

Punkten kann der Karoq mit Variabilität und praktischer Funktionalität: Diese bedeutet viele simply Clever-Ideen, einfache Bedienung ohne Rätsel und viele Ablagen. Neben dem bekannten Park-Ticket-Halter hält das SUV etwa ein Regenschirmfach unter dem Beifahrersitz parat, bietet praktische Flaschenhalter in allen vier Türen, den neuen „Easy Open-Flaschenöffner“ oder simple aber schlaue Gummibänder in den Türen. Dann die bewährt herausnehmbare LED-Taschenlampe im Kofferraum und dem Eiskratzer im Tankdeckel ganz zu schweigen. Beeindruckend die Fülle an Detaillösungen: So wird hier der ganze Lenkradkranz beheizt – wobei sogar noch zwischen drei Stufen gewählt werden kann. Der Bordcomputer verrät seine Daten auch ohne Lektüre der Anleitung. Allerdings lag er bei der Berechnung des Durchschnittsverbrauchs immer etwas zu optimistisch.

Das Kofferraumvolumen gibt Skoda mit 521 bzw. mindestens 479 Liter an. Damit bewegt sich das Ladeformat auf dem Niveau stattlicher Mittelklasse-Kombis wie beispielsweise dem Audi A4 Avant (505 Liter). Wird etwas mehr Platz  benötigt, lassen sich die Sitze der Rückbank in Längsrichtung nach vorne schieben oder die Rückbanklehne dreiteilig nach vorne klappen. Die Fondsitze präsentieren sich als einzelne, getrennt verschiebbare Möbel, was nicht nur der Sitzergonomie zuträglich ist, sondern auch die Praxistauglichkeit unterstützt – wenn man auf diese Weise beispielsweise etwas Platz im Kofferraum schaffen möchte. Zu einem Aufpreis von 390 Euro erhält der Kunde ein Varioflex-Sitzsystem, das nicht nur über einen zum Tisch umfunktionierbaren Mittelsitz verfügt. Die Stühle lassen sich auch ganz herausnehmen. Letzteres ist zwar umständlich, doch läßt sich so der Stauraum bei Bedarf auf über 1.800 Liter vergrößern. Gut gefallen hat uns in diesem Zusammenhang auch der doppelte Kofferraum-Boden mit eingebauter Gummi-Matte – indem man den Bodenbelag schlicht umdreht. Aber wir fanden auch kleine Kritikpunkte: Beiespielsweise lassen sich die Lehnen nicht über einen Zug oder Entriegelungsmöglichkeit im Kofferraum umklappen. Die Schlaufen befinden sich kurz über der Sitzfläche. Eine große Laderaumöffnung, kleine Zusatzstaufächer, Taschenhaken, eine gegen Aufpreis umklappbare Beifahrersitzlehne und die elektrisch öffnende Heckklappe runden das positive Nutzwertkapitel ab.

 

Navigation ohne Knöpfe oder Drehregler sopwie eine breite mittelkonsole – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Beeindruckend wie edel wirkt der opulente Touchscreen für das rund 2.300 Euro teure Infotainment-System Columbus. Das zentral im Armaturenbrett befindliche, hochauflösende 9,2-Zoll-Display punktet mit schneller Reaktionszeit und hochauflösender Grafik. Die Bedienlogik erweist zudem als weitgehend intuitiv. Außerdem lassen sich moderne Smartphones dank der aktuellen Konnektivitätsstandards Apple Carplay und Android Auto spiegeln und zudem Echtzeit-Verkehrsdaten in die Routenführung einbinden. Neben Navi- und Audiosystem lasssen sich so über den Bildschirm auch etliche Fahrzeugfunktionen steuern. Sehr konsequent ist der Verzicht auf eine Reihe von sonst üblichen Direktwahltasten im Cockpit. Somit präsentiert sich die Mittelkonsole angenehm aufgeräumt. Allenfalls die große Zahl an Bedienelementen für die Klimaautomatik trüben diesen positiven Eindruck. Was wir vermisst haben ist der diskrete Lautstärke-Drehregler, der sich kaum über +/- Touchfelder ersetzen läßt. Der Karoq ist der erste Skoda, für den ein virtuelles Kombi-Instrument erhältlich ist. Unser Testwagen fuhr noch mit konventionellem Cockpit vor. Die Materialauswahl, -anmutung und Verarbeitung empfanden wir insgesamt als sehr gut. Einen künstlichen Downgrade, um den Respektabstand zur Mutter VW einzuhalten, konnten wir nicht feststellen. Gerade im Vergleich zum T-Roc, der sich einem Spardiktat folgend, mit auffällig  mehr harten Kunststoffoberflächen präsentiert.

 

Der Skoda Karoq verfügt über LED-Rückleuchten in der für Skoda typischen C-Form inspiriert von der böhmischen Glasschliffkunst – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Antrieb

Zwei Benziner und drei Dieselaggregate stehen für den neuen Skoda Karoq (2017) zur Verfügung. Geschaltet wird wahlweise automatisch, mittels 7-Gang-DSG, oder manuell. Wir fuhren den 150 PS (110 kW) starken Diesel, der vor allem für Langstreckenfahrer eine erstklassige Wahl darstellt. Das bewährte und robuste Aggregat ist aus diversen Konzernmodellen hinlänglich bekannt. In unserem Testwagen mobilisiert der Selbstzünder 150 PS und bietet zwischen 1.750 und 3.000/min 340 Nm Drehmoment. Dank der Kraftverteilung auf alle vier Räder wird diese Kraft ohne quietschende Reifen sauber in Vortrieb umgesetzt.
Der Volkswagen-Konzern ersetzt auf breiter Front das zuverlässige, inzwischen aber auch betagte Sechsgang-DSG (DQ 250) durch einen modernen Nachfolger (DQ381). Auch hier laufen die Kupplungen in einem Ölbad. Nass-Kupplungen haben sich übrigens in der Vergangenheit als erheblich zuverlässiger erwiesen, als jene mit Trocken-Kupplung. Das Serviceheft des Karoq schreibt mindestens alle 60.000 Kilometer einen entsprechenden Ölwechsel für das DSG vor.

Gut gelöst ist auch das Start-Stopp-System, welches bereits beim Ausrollen den Motor abstellt und diesen erst wieder startet, wenn das Gaspedal getreten wird. Bei Ampelstopps sollte der Fahrer also den Fuß von der Bremse nehmen, ohne damit einen Motorstart zu provozieren. Sollte der Motor dennoch starten, weil etwa das Bordsystem Strom braucht, rollt der Karoq auch bei eingelegter Fahrstufe D nicht einfach los. Alles in allem bringt der von uns getestete Zweiliter-Diesel in Kombination mit Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und variablen Allrad (4×4)  gute Fahrleistungen mit mäßigem Verbrauch in Einklang. Der Hersteller gibt einen kombinierten Verbrauch von  5,2 Liter (138 g CO2/km) je hundert gefahrene Kilometer. Unser kombinierter Testverbrauch betrug knapp über 6 Liter. Bereits der von uns gefahrene 150 PS-Selbstzünder motorisiert das optisch gefällige Kompakt-SUV durchaus temperamentvoll und vermochte im Karoq längsdynamisch zu beeindrucken. Wem die Leistung in Anbetracht der knapp 1,6 Tonnen Leergewicht denoch nicht genügen sollte, dem steht in Kürze zum Modelljahr 2019 das Triebwerk in der Leistungsstufe mit 190 PS (140 kW) – ebenfalls mit Euro 6 und SCR – zur Wahl.

Um den Käufern die Angst vor Fahrverboten zu nehmen, gewährt Skoda seit dem 01. April 2018 ein sogenanntes Dieselversprechen. Vorausetzung für das Versprechen ist ein gekauftes, finanziertes oder geleastes Euro6-Dieselfahrzeug der Marke Skoda: Wird der Käufer an seinem Wohn- oder Arbeitsort innerhalb von 48 Monaten nach dem Vertragsschluss von einem Fahrverbot betroffen, nimmt der Skoda-Händler den Diesel zurück. Wie üblich muss das Verbot in einem 100-Kilometer-Radius um Wohnort oder Arbeitsstelle gelten. Für den Rückkaufpreis setzt Skoda den Restwert an, der bereits zum Kaufzeitpunkt zu erwarten war. Ein extremer Preisverfall durch flächendeckende Fahrverbote wird damit nicht an den Käufer weitergereicht. Das zu ersetzende Auto darf maximal 6 Monate alt sein oder 10.000 Kilometer auf dem Tacho haben.

 

LED-Hauptscheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht, inkl. adaptiven Frontscheinwerfer (AFS). Das Lichtsystem verfügt über erine vollautomatische und situationsabhängige Lichtsteuerung: Stadt-, Überland-, Autobahn- sowie Schlechtwettermodus), LED-Nebelscheinwerfer mit Abbiegelicht, automatische Leuchtweitenregulierung – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Fahreigenschaften

Bei der Fahrwerk-Auslegung haben die Tschechen einen guten Kompromiss gefunden. Der Karoq erweist sich im Test als geschmeidiger Gleiter. Die Feder-Dämpfer-Einheiten filtern selbst kurze Bodenwellen gekonnt weg. Er federt sportlich straff, aber nicht hart aus. Die direkte und gefühlvolle Lenkung gewährt dem Fahrer viel Rückmeldung  und vermittelt einen guten Kontakt zur Fahrbahn. Wer Wert auf Komfort legt sollte maximal zu 18 besser 17 Zoll-Felgen greifen.

Nur für die von uns gefahrene Allradversion(4×4) gibt es die adaptive Fahrwerksregelung DCC. Hier beeinflußen elektrisch angesteuerte Ventile die Arbeitsweise der Dämpfer. Allrad gibt es nur für die Diesel-Variante und in näherer Zukunft auch für den neuen 1,5 Liter-Benziner des Karoq. Im Offroad-Modus, der bei Geschwindigkeiten von bis zu 30 km/h genutzt werden kann, läßt sich auch in anspruchvollen Geländeformationen gut im Griff behalten. Das Offroad-System passt die Motoreigenschaften, die Assistenzsysteme und die elektronische Stabilisierungskontrolle an die Extrembedingungen an. Aktivierte Funktionen werden auf dem Display des Infotainmentsystems angezeigt.

Freihand-Fahren bis zu 20 Sekunden

Für den Einsatz als entspanntes Langstreckenfahrzeug empfiehlt sich der Karoq auch ob seiner guten Auswahl an verfügbaren Assistenzsysteme. So gibt es gegen Aufpreis eine Spurhalte-Assistenten in Kombination mit einem Abstandstempomat, der feinfühlig die Distanz zum Vordermann automatisch regelt. Der Fahrer kann dem Fahrzeug im Idealfall bis zu 20 Sekunden die Steuerung überlassen. So lange halten die elektrische Aktiv-Lenkung nebst Sensorik den Tschechen in der Spur, bis das Alarmsignal den Fahrer auffordert, das Steuer wieder zu übernehmen. Skoda verlangt für die Spurhalte-Kontrolle plus aktiven Tempomaten einen Aufpreis in Höhe von 1.500 Euro Mehrpreis. Das Geld ist gut investiert, da es in Stop-and-Go-Situationen den Fahrer wirklich enorm entlasten kann. Zudem unterstützen den Fahrer gegen Aufpreis auch Totwinkel-Warner, Verkehrszeichenerkennung, Fernlicht- oder Stauassistent.

Preise und Ausstattung

Der von uns gefahrene Karoq mit 2.0 TDI und DSG in der gehobenen Ausstattungslinie Style hat sich preislich bereits deutlich vom Einstiegspreis entfernt. 34.690 Euro kostet diese Variante ohne weitere Extras. Der dem Karoq sehr ähnliche Seat Ateca kostet mit dem gleichen 150-PS-TDI und Allradantrieb 33.180 Euro, ist allerdings nur mit Schaltgetriebe zu haben.

Mit ein paar Zutaten wie dem großen Navigationssystem, LED-Scheinwerfern, Leder und ein paar Assistenten verlangt Skoda für den Karoq schnell Listenpreise von 40.000 Euro und mehr. In Kürze folgt ein Diesel mit 190 PS und ein Benziner mit mehr als 200 PS soll auch hinzukommen. Der Benziner wird mit Umstellung auf das Modelljahr 2019 ab Sommer 2018 einen Partikelfilter (OPF) erhalten. Für potenzielle Karoq-Käufer kommt als interne Skoda-Alternative sicherlich auch der Octavia (Combi) in Betracht. In preislicher Hinsicht bedeutet der Karoq einen gewissen Aufschlag gegenüber dem Octavia . Das Basismodell mit einer schon recht umfangreichen Ausstattung kostet 24.290 Euro. Ein Octavia Combi erscheint ausstattungsbereinigt damit deutlich günstiger. Ähnlich ausstaffiert relativieren sich die Preisunterschiede beider Fahrzeuge.

 

Fazit: Top-Kombination aus 150-PS-Diesel und 4×4-Antrieb

Skodas zweites SUV ist ein familienfreundliches Raumwurnder. Zwar verfügt Skoda immer  noch über den Ruf  dem Best-Value-Gedanken mit besonders preiswerten Autos zu entsprechen. Dem wird die renditestarke VW-Tochter noch immer gerecht. Preiswert sollte hier allerdings nicht mit billig verwechselt werden. Das neue Kompakt-SUV punktet zudem mit einem extrem kleveren und durchdachten Raumkonzept, sparsamen Motoren und einer umfangreichen Sicherheitsausstattung. Auch wenn der Karoq nicht der Yeti-Nachfolger sein soll: Wer dem als Raumriesen einst gelobten Yeti nachtrauert, findet im Karoq jedenfalls eine interessante Alternative. Zumal das Größenzuwachs gegenüber dem Yeti nebenbei auch viele praktische Vorteile mit sich bringt. Auf unseren Testfahrten  erweist sich das kompakte SUV als geräumiges Vielseitigkeitstalent.

 

Skoda Karoq 4x4 Style DSG 2.0 TDI 110 kW
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