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Fiat Panda Cross Hybrid mit elektrifiziertem Dreizylinder im Test

Im Test der Fiat Panda Hybrid Launch Edition 1.0 GSE HYBRID mit 70 PS - Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Die Gretchenfrage: Wieviel bringt Mildhybrid beim Dreizylinder

 

Fiat 500 und Panda haben einen neuen Mildhybrid-Dreizylinder erhalten. Bisher hielten sich die Italiener beim Thema Elektrifizierung sehr bedeckt. Das ändert sich gerade. Dem 70 PS und 92 Newtonmeter starken 1,0-Liter-Aggregat greift ein Riemen-Starter-Generator unter die Arme, der unter Last und beim Anfahren bis zu 3,6 kW Leistung beisteuert. Durch die ausgesprochen geschmeidige Rekuperation und normale Bremsvorgänge wird während der Fahrt Strom zurückgewonnen. Dieser wird in einem kleinen Lithium-Ionen-Akku unter dem Sitz gespeichert. Zu erkennen sind die Hybridmodelle am „Hybrid“-Schriftzug am Heck sowie einem Logo an der B-Säule: Der Buchstabe H wird hier von zwei Tautropfen gebildet. Technisch zählt der Pandy Hybrid zu den Mild-Hybriden (kurz MHEV). Mit dem neuen Antriebsstrang kann der Panda also nicht rein elektrisch fahren. Aber Sprit sparen. Wie gut ihm das gelingt, wollen wir im Fahrbericht erkunden.

 

Fiat Panda Cross Hybrid - 2020
Fiat Panda Cross Hybrid mit elektrifiziertem Dreizylinder im AlltagsTest - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Robuste Alternative zu Fiats Retro-Kleinstwagen 500

 

Neben dem vollelektrischen Cinquecento, der aktuell gerade debütiert, bringen die Italiener dessen Hybridversion an den Start – und haben naheligend auch gleich noch dem Panda die neue Antriebsoption, der durch einen Riemen-Starter-Generator (RSG) auf weniger Verbrauch und niedrigere Emissionen getrimmt wird, zugänglich gemacht. Der Panda wird zunächst nur als City Cross mit Hybrid angeboten.

Ein direkter Wettbewerber des Fiat Panda Hybrid dürfter der ebenso kompakte, viertürige Suzuki Ignis sein, den es ebenfalls als Mildhybrid gibt. Der gerade überarbeitete Ignis bietet ab 14.750 Euro ein ähnliches Format und verfügt optional über Allradantrieb. Ohne diesen gibt Suzuki den Verbrauch des 90 PS leistenden 1,2-Liter-Vierzylinders mit 4,3 l/100 km (98 g/km) an.

 

Der Fiat Pandy Hybird ist demnächst auch ohne Cross bestellbar – Bildnachweis: Laura Fleischhacker / MOTORMOBILES

 

Interieur – vor allem praktisch

 

Das Interieur präsentiert sich herrlich reduziert aber hochpraktisch. Im Testwagen sieht es aus wie in jedem Fiat Panda. Der Panda ist die pragmatisch-bodenständige, günstige und robuste Alternative zu Fiats Retro-Kleinstwagen 500. Ihm gegenüber punktet er auf ähnlicher Länge mit deutlich mehr Nutzwert. Der Panda verwandelt sich im Handumdrehen durch Umklappen der Rücksitzlehnen in einen“Großtransporter“. Auf die nur lackierte Rückenlehne im Kofferraum, haben sich die Italiener einen Nadelfilzteppich gespart.

Die „Launch Edition“ des Fiat Panda Hybrid leistet auch mit Sitzbezügen aus Recycling-Material Seaqual Yarn einen Beitrag zum Umweltschutz. So bestehen die Sitzbezüge aus einem innovativen Recycling-Material, das zum Teil mit aus dem Meer eingesammeltem Plastikmüll hergestellt wird. Darüber hinaus pflanzt Fiat in Deutschland für jeden verkauften Fiat 500 Hybrid oder Fiat Panda Hybrid fünf Bäume.

Gewöhnungsbedürftig ist die Integration der Klima-Steuerung in den farbigen Teil des Armaturenbretts. Das große, offene Fach neben dem Beifahrer entschädigt für die knapp bemessenen Ablagefächer in Mittelkonsole und Türverkleidung. Statt Navi muss es eine Halterung für das Smartphone richten. Fiats Handy-Halterung inkl. USB-Ladeport ist praktisch und besser als jede Nachrüstlösung, wenn auch immer etwas „wackelig“.

Bei großem Transportaufgaben sind die Möglichkeiten eines 3,65 Meter kurzen und 1,64 Meter schmalen Autos streng limitiert. Dennoch schöpft  der Panda sein Raumpotenzial erstaunlich gut aus.  Die tolle Kiste patzt zwar mit hoher Ladekante. Dafür passt aber dennoch ganz schön viel rein.  225 Liter fasst der Kofferraum regulär. Mit umgeklappter Rücksitzbank steigert sich das Stauvolumen auf immerhin 870 Liter. Ansonsten verfügt der Ladeboden über keinerlei variablen Tricks, die Stufe abzumildern.

 

Antrieb des Fiat Panda MHEV

 

Den Fiat Panda der aktuellen Generation gibt es bereits seit 2012. Besonders beliebt sind die beplankten „Cross“-Versionen mit SUV-artiger Optik. Es gibt sogar einen Allradantrieb „4×4“. Der Panda Hybrid leitet seine Kaft aus seinem elektrounterstützten Dreizylinder aber stets an die Vorderräder. Dem 70 PS und 92 Newtonmeter starken 1,0-Liter-Aggregat steht ein Riemen-Starter-Generator zur Seite, der unter Last und beim Anfahren bis zu 3,6 kW Leistung beisteuert. Das „kleine zweite Herz“ des Fiat Panda Hybrid steuert damit ziemlich exakt 5 PS bei. Das klingt erstmal sehr unmerklich. Fiat verspricht für den elektrifizierten Dreizylinder eine Treibstoff- und CO2-Einsparung von 20 Prozent. Das neue Dreizylinder-Aggregat macht auch ohne Turbo einen vergleichsweise munteren Eindruck, denn die Stromunterstützung greift genau da ein, wo es bei so kleinen Maschinen sonst gerne hakt. Also beim Beschleunigen und beim Stop-and-Go. Hier steuert der RSG bis zu 3,6 kW zu, die Energie dazu liefert eine kleine, per Rekuperation beim Bremsen und im Schiebebetrieb befüllte Zusatzbatterie.
Durch die geschmeidige Rekuperation und normale Bremsvorgänge wird während der Fahrt elektrische Energie (zurück)gewonnen. Dieser wird in einem kleinen Lithium-Ionen-Pack mit elf Amperestunden gespeichert, der direkt unter der Rückbank platziert ist. Nimmt man unter 30 km/h den Fuß von der Kupplung und bringt den Schalthebel in Neutralstellung, setzt der Kleinwagen mit dem 12-Volt-Bordnetz sogar die Segel. Wird zusätzlich das Bremspedal betätigt, wird die Leistungsaufnahme des Riemen-Starter-Generators erhöht, er unterstützt damit für den Fahrer unmerklich die mechanische Bremse. Auch dabei wird Energie rekuperiert. 

Der Hauptvorteil des Mildhybrid-Antrieb (MHEV) auf Basis des bewärten Dreizylinder der Firefly-Motorenreihe sind die 20 Nm Zusatz-Boost seines Hybrid-Antriebs. Damit startet er flott nach jedem Ampelstart sofort zurück ins Leben. Mildhybridsysteme werden seit Jahrzehnten von Zulieferern auf den Automessen gezeigt, haben es aber leider erst seit Kurzem in die Serie geschafft. Sie sind eine preisgünstige Methode, um bessere Verbrauchswerte zu erzielen. Im Alltag fällt zuerst das perfekte Wiederstartverhalten des Dreizylinders an der Ampel auf. Kein Rumpeln, kein Schütteln. Der Ampelsprint wird unterstützt und selbst Zwischenspurts gelingen erfreulich knackig. Die Abstimmung des Energiehaushalt des Hybridsystems ist trotz kleiner Batterie den Italienern gelungen. Die 11 Amperestunden (multipliziert mit 12 Volt Bordspannung) und die daraus resultierenden 132 Wattstunden lesen sich erst einmal lächerlich angesichts von doch immerhin 3.600 Watt, die es anzutreiben gilt, zeigt sich auf der Straße ein ganz anderes Bild. Mit voller Batterie kann der Fiat Panda Hybrid umgerechnet etwa zwei Minuten lang boosten. Die 20 Zusatz-Newtonmeter stehen also praktisch bei Bedarf immer parat.

Das neue Hybrid-Aggregat ersetzt auch den bisherigen 1,2-Liter-Vierzylinder mit 69 PS. So schafft der Panda die Abgasnorm Euro 6d. Bei unserer Testfahrten konnte der Mildhybrid überzeugen. Der neue Dreizylinder klingt heiser, wird aber nie übermäßig vorlaut und präsentiert sich mit überzeugenden Manieren.Das Firefly Voll-Aluminium-Aggregat glänzt mit vielen technischen Raffinessen wie hoher Verdichtung, verstellbaren Steuerzeiten und integriertem Abgaskrümmer.  Der Elektro-Boost ist akustisch nicht bemerkbar und ist nur dezent spürbar. Trotzdem hilft es spürbar beim Spritsparen. Der sechste Gang des knackigen und gut abgestuften Schaltgetriebes ist übrigens bei beiden ein Novum und hilft bei höheren Geschwindigkeiten das Geräuschniveau zu senken.
  

Was im ersten Moment wie ein recht zögerlicher Schritt in Richtung Elektromobilität wirkt, ist im Endeffekt dann doch konsequent. Wer defensiv-sparsam fährt nähert sich dem Norm-Verbrauch von etwa 4,1 Liter je hundert gefahrene Kilometer an. Entsprechend einem CO2-Ausstoß von lediglich 93 Gramm pro Kilometer. Soll der kleine Fiat konstant sein Tempo halten, kann man ihn mit niedrigen Drehzahlen halten.

 

Das ist für einen Benziner ein respektabler Wert. 120 bis 130 km/h sind für den Panda auf der Autobahn eine gute Geschwindigkeit. Ab 150 bis 160 km/h nähert er sich der Höchtsgeschwindigkeit und wirkt angestrengt. Reiner Autobahnverkehr wird mit einem Vebrauch von knapp über 5 Litern quittiert. Immer noch ein guter Wert mit Verbrauchsvorteil bei einer Reisegeschwindigkeit von 120 bis 130 Stundenkilomtern.

 

 

Technische Daten Fiat Panda Cross 120 PS
Hersteller:Fiat
Karosserie:Kleinstwagen 5-türig
Hybrid:Riemen-Starter-Generator / Lithium-Ionen-Akku (12V)
Motor:1.0 GSE Hybrid (51 kW) Dreizylinder-Reihe
Getriebe:6-Gang manuell
Antrieb:Frontantrieb
Hubraum:999 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d
Leistung:51 kW (70 PS) bei 6.000 U/min
Drehmoment:92 Nm ab 3.500 U/min
Von 0 auf 100:10,1 s
Höchstgeschwindigkeit:155 km/h
Verbrauch (ECE):4,1 Liter
CO2-Ausstoß93 /n 88 g/km
CO2-EffizienzklasseA
Kraftstoff:Superbenzin
Wendekreis:9,7 Meter
Kofferraum:225 Liter
Tankinhalt:38 Liter
Leergewicht:1.055 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:3.686/1.662/1.635/2.300 mm
Basispreis:ab 15.190 Euro
Testwagenpreisab 16.655 Euro

  
Preise und Extras

 
Die Hybrid-Variante kostet ungefähr 1.000 Euro Aufpreis gegenüber dem identisch starken Benziner ohne Hybrid. Dafür spart man aber – langfristig  – deutlich an der Tankstelle. In der Ausstattungsvariante City Cross Plus bringt der Fiat Panda Hybrid serienmäßig zusätzlich unter anderem Klimaautomatik, Lederlenkrad sowie elektrisch verstellbare und beheizbare Außenspiegel mit.

 

Ein optisches Highlight ist der zusammen mit dem gleichnamigen Modelabel gestaltete Fiat Panda Hybrid Trussardi. Das unverwechselbare Windhund-Logo und der Schriftzug Trussardi zieren unter anderem Sitze und Lenkrad. In Schwarz gehalten sind die 15-Zoll-Leichtmetallräder, die Radlaufverkleidungen, der Motorunterfahrschutz, der hintere Stoßfänger, die Abdeckkappen der Außenspiegel und die Dachreling. Die Sitze sind mit einer Kombination aus elegantem braunem Stoff mit Webstruktur und schwarzem Techno-Lede bezogen. Braune Ziernähte sorgen wie bei einem eleganten Kleid für Kontraste. Die „Launch Edition“ des neuen Fiat Panda Hybrid (ab 15.190 Euro) bietet Sitzbezüge aus dem  umweltfreundlichen Seaqual Yarn.  

 

Das auf der Ausstattungsvariante City Cross Plus basierende Sondermodell ist an der exklusiven Karosseriefarbe Tau Grün, den 15-Zoll-Rädern im spezifischen Design mit weißen Radkappen sowie schwarzen Karosseriedetails zu erkennen. Zur Serienausstattung von Fiat Panda Hybrid „Launch Edition“ und Fiat Panda Hybrid City Cross Plus zählen darüber hinaus Scheinwerfer mit integrierten Nebelscheinwerfern und Stoßfängereinsätze in Wagenfarbe. Das Radio Uconnect Mobile ist um eine Smartphone-Halterung auf der Armaturentafel ergänzt, das so komfortabel beispielsweise als Navigationsgerät genutzt werden kann. Über drahtlose Verbindung mittels Bluetooth ist außerdem das Streamen von Musik oder Hörbüchern möglich.

 

 

 

 


Fazit: Und Fiat elekrifiziert sich doch!

Fiat näherte sich bisher nur sehr zögerlich der Elektrifizierung des Antriebsstrangs. Der Panda Hybrid zeigt, wie man auch im preissensiblen Segment Spritspartechnik sinnvoll einsetzen kann. Der Panda Cross Hybrid präsentiert sich pragmatisch und praktisch. Der Nachkomme des Ur-Panda, jenem simplifizierten Auto, das v.a. durchs Weglassen berühmt wurde, ist in dritter Generation ein komfortables, angenehmes Auto geworden, das im Kern noch immer irgendwie die tolle Kiste geblieben ist. Eine fahrende Verzichtserklärung mit Hybridantrieb ist der Panda auf keinen Fall.

Fiat Panda Cross Hybrid - 2020
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