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Schon gefahren: Porsche Taycan Modelljahr 2021

Schon gefahren: Porsche Taycan 2021 - Bildnachweis: MOTORMOBILES

  

Porsche Taycan 4S, Turbo und Turbo S


Der Porsche Taycan (2019) kommt im Oktober 2020 in den Genuss einer Modellpflege. Porsche bietet den Taycan derzeit in drei Ausprägungen an: Als 4S, als Turbo und Turbo S. Wir hatten Gelegenheit das Update des Elektrosportwagen in allen drei Ausprägungen in der Lüneburger Heide zu testen und zudem von den fahrdynamischen Qualitäten des Taycan auf dem Areal des ADAC Fahrsicherheitszentrums Hansa des ADAC zu überzeugen.
 

Taycan überholt in Europa den 911er


Beim Sportwagen-Bauer Porsche zeigt sich eine Entwicklung, die verdeutlicht wie schnell die Tranformation zur Elektrisierung des Antriebsstrangs abläuft. Das neue Elektro-Modell der Zuffenhausener ist bereits zum meistverkauften Einzelprodukt aufgestiegen. Jeder zehnte Porsche ist aktuell bereits ein Taycan.


Mit dem Taycan bricht für den Sporwagenbaueraus Zuffenhausen eine neue Epoche an. Die Umstellung auf den batterielektrischen Antrieb rüttelt an den Grundfesten des Sportwagenbauer, der sicherlich noch lange Sportwagen mit Verbrenner bauen wird. Was der Taycan eindrucksvoll demonstriert ist, dass sich Sportwagen und Elektroantrieb nicht ausschliessen müssen. Nach nur 12 Monaten seit Markteinführung hat sich der batteriebetriebene Sportwagen sogar zum beliebtesten Porsche – noch vor dem 911 – emporgearbeitet.

 

Porsche Taycan MJ 2021
Wir konnten uns von den fahrdynamischen Qualitäten des Taycan auf dem Areal des ADAC Fahrsicherheitszentrums Hansa in der Nähe von Lüneburg unter Anleitung erfahrener Instrukteure überzeugen - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Der Porsche Taycan (2019) wird zum Modelljahr 2021 ab Oktober 2020 mit zahlreichen Verbesserungen aufwarten. Mit der neuen Plug & Charge-Funktion kommuniziert das Fahrzeug mit entsprechend dafür ausgerüsteten Ladestationen lässt sich dann erstmals ohne Bezahlen per App oder Karte der Ladevorgang starten. Die Ionity-Ladestationen dürften hierfür bereits ausgerüstet sein. In Unseren Test kommunizierte die Schnellladestation mit dem Taycan. Hier nähert sich Porsche dem Tesla-Ladevorgang an Tesla-Superchargern an: Der Ladevorgang startet direkt mit dem Einstecken des Ladekabels einer Plug- & Charge-fähigen Ladestation. Für die Bezahlung authentifiziert sich das Fahrzeug mit seiner ID. Zudem lässt sich erstmals batterieschonendes Laden aktivieren, das die Ladeleistung begrenzt und die Lebensdauer der Batterie verlängert. Maximales Schnell-Laden per Gleichstrom (DC) belastet den Akku sehr stark. Dies ist unnötig, wenn durchaus genügend Zeit zum Laden zur Verfügung steht. Ab Modelljahr 2021 halten neue Fahrzeugfunktionen wie die Servolenkung Plus, die aktive Spurführung und das Porsche InnoDrive Einzug, die sich flexibel online hinzubuchen lassen. Sie sind immer mit an Bord und lassen sich auch nach Erwerb des Fahrzeugs over the Air freischalten. Auch hier nähert sich Porsche dem bewährten Geschäftsmodell von Tesla an. Die Produktion wird durch die Reduktion der Varianten vereinfacht und softwareseitig lassen sich dann Funktionen „schaltern“. Die Modellpflege umfasst zudem ein optional verfügbares, farbiges Head-up-Display und die Kombination aus adaptiver Luftfederung und Smart-Lift-Funktion. Smart-Lift läßt sich für bestimmte Lokalitäten programmieren, um Garageneinfahren oder Unebenheiten durch ein Anheben des Fahrzeugs besser zu meistern. Neu ist zudem ein 22-kW-On-Board-Ladegerät um auch über die Typ-2-Schnittstelle zum Beispiel zuhause schneller laden zu können.

 

Porsche Taycan Turbo - Lüneburg 2020

  
 

J1-Plattform von Porsche

Die besonders leichte Karosserie des Porsche Taycan besteht aus einem intelligenten Verbund aus Aluminium, Stahl und kohlefaserverstärkter Kunststoff. Der Taycan basiert auf der sogenannten J1-Plattform. Der kommende elektrische Macan wird die neue, gemeinsam von Porsche und Audi für den Volkswagen-Konzern entwickelte Premium Platform Electric (PPE) für große, leistungsstarke Elektroautos nutzen.

 

Fahrleistungen profitieren von der Modellpflege zum MJ 2021

 

Der von uns gefahrene Porsche Taycan Turbo S benötigt für den Sprint auf 200 km/h mit 9,6 Sekunden 0,2 Sekunden weniger als bislang. Es genügt ein leichter Tritt aufs rechte Pedal. Die Beschleunigung setzt ohne spürbare Verzögerung katapultartig und mit brachialer Vehemenz ein. Beeindruckend ist wie der Taycan die Traktion aufbaut und die Leistung und Kraft auf die Straße bringt sowie der Stuttgarter seine potenten Leistungsreserven auf die Straße bringt. Serienmäßig besitzt der Taycan einen Allradantrieb, den zwei leistungsstarke Synchronmotoren an der Vorder- und Hinterachse bereitstellen. Die beiden Elektromotoren arbeiten unabhängig voneinander und passen sich im Verbund blitzschnell den gegebenen Straßenverhältnissen an. Die elektronische Regelung agiert fünfmal schneller als konventionelle Systeme und funktioniert in der Praxis ausgezeichnet.

Der E-Porsche baut einen enormen Grip auf, so dass „gefühlt“ die Traktion und lineare Beschleunigung scheinbar nie enden will. Besonders beeindruckend war hier der Sprint im Launch-Control-Modus im Taycan Turbo S. Mit dieser Startautomatik kann der Fahrer aus dem Stand das maximale Beschleunigungsvermögen des neuen Taycan im Sport Plus-Modus aktivieren. Nach nur 2,8 Sekunden ist hier Tempo hundert erreicht. Mitmenschen mit nervösen Magen könnten hier ihr vegetatives Nervensystem schnell auf eine unfreiwillige Probe stellen. Für den Spurt aus dem Stand auf Tempo zweihundert benötigt der Taycan Turbo S nur sagenhafte 9,6 Sekunden. Eine weitere Beschleunigung endet erst bei 260. Das Zweigang-Getriebe funktioniert vollautomatisch augfgetilt an Vorder und Hinterachse. Ein kurzer erster Gang für maximale Beschleunigung folgt ein langer zweiter für Höchsttempo und Effizienz.

Porsche überläßt hier nichts dem Zufall. Die teuren Elektro-Synchron-Motoren sind in vielen kleinen Details optimiert. So sind die Wicklungen statt in runder in optimierter rechteckiger Drahtausführung, weil man so mehr wirksames Metall auf gleichem Raum für zusätzliches Drehmoment, besserer Kühlung bei zugleich vereinfachter Isolation unterbringen kann.

 

Technische Daten Porsche Taycan Turbo S - MJ 2021
Hersteller:Porsche
Karosserie:Sportwagen 4-türig
Antrieb:Porsche E-Performance Antrieb mit je einer Permanenterregten Synchronmaschine an Vorder- und Hinterachse
Getriebe2-Gang Getriebe an der Hinterachse

1-Gang Getriebe an der Vorderachse
Overboost-Leistung bei Launch Control:bis zu 560 kW (761 PS)
Maximales Drehmoment bei Launch Control:1.050 Nm
AntriebsräderAllrad-Antrieb
Stromverbrauch kombiniert:28,5 kWh/100 km
Batteriekapazität:83,7 kWh (netto), 93,4 kWh (brutto)
Leistung Elektromotor:70 kW (95 PS) bei 2.200 Umdrehungen pro Minute
Reichweite kombiniert (WLTP)390 - 416 km
Ladezeit für Wechselstrom (AC) mit 11 kW (0 auf bis zu
100%)
9,0 h
Ladezeit für Gleichstrom (DC) mit maximaler Ladeleistung
(5 auf bis zu 80%)4.2 22,5 min
22,5 min
Beschleunigung 0 - 100 km/h bei Launch Control2,8 s
Höchstgeschwindigkeit:260 km/h
Verbrauch (ECE)3,1 Liter
CO2-Ausstoß lokal0 g/km
Gepäckraumvolumen vorne:84 l
Gepäckraumvolumen hinten:366 l
Wendekreis11,2 m Allradlenkung (Serie)
Zul. Gesamtgewicht2.870 kg
Leergewicht / Zuladung2.370/ 575kg
Bremsweg aus 100 km/h kalt 32,9 m / 11,7 m/s²
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.963/1.966/1378/2.900 mm
Testwagenpreis:ab 181.638,00 Euro

 

Rennstrecken-Spass ohne Boxer-Sound

 

Die Gesamtleistung beträgt je nach Modellversion des Porsche Taycan zwischen 530 und 761 PS. Die Kraftübertragung auf alle vier Räder übernimmt beim Tayqan ein Zweigang-Getriebe und verspricht raketenartige Beschleunigungsvorgänge. Der 4S bildet den Einstieg in die Modellpalette des Elektro-Boliden und ist mit zwei Batterie-Kapazitäten erhältlich. Die Leistung beträgt ab dem Modelljahr 2021 390 kW (530 PS) oder 420 kW (571 PS) und ermöglicht den Null-Hundert-Sprint innerhalb von immer noch beeindruckenden vier Sekunden. Eine weitere Beschleunigung endet erst bei der Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h. Ab Basis stromert der Taycan mit der einstöckigen Performance-Batterie, die über eine Kapazität von 79,2 kWh verfügt, und die nach Fahrweise gemäß WLPT bis zu 407 Kilometer Reichweite ermöglichen soll. Mit der optionalen Performance-Batterie Plus, deren Kapazität 93,4 kWh beträgt, soll der Taycan Reichweiten von bis zu 463 Kilometern schaffen.

Auf der Rennstrecke zeigt sich zudem wie gut der Taycan bei Leistungsabruf mit der enormen thermischen Belastung für die Batterie sowie Hitzeentwicklung in den Motoren zurecht kam. Porsche konnte das hohe Gewicht und die Auswirkung auf die Fahrdynamik gut kaschieren. Die Physik läßt sich zwar nicht überlisten. Aber ein niedriger Schwerpunkt, die perfekte Fahrwerksabstimmung und die optimale Gewichtsverteilung sorgen für diesen in fahrtechnischer Sicht beeindruckenden Kompromiss. Immerhin beträgt das Leergewicht des Porsche Taycan Turbo S ungefähr 2,3 Tonnen. In der Fahrdynamik merkt man davon erstaunlich wenig. Sensordaten an Fahrwerk, Allradantrieb und Lenkung werden in Echtzeit ausgewertet und zur Steuerung herangezogen. Die Luftfederung dämpft über drei Kammern pro Rad.

Der Porsche Taycan Turbo S läßt sich extrem feinfühlig dirigieren. Auf jede kleinste Korrektur und Bewegung reagiert das Fahrzeug wohldosiert. Hierzu trägt die perfekte Balance aus Bremsabstimmung, Lenkgefühl und Fahrwerks-Abstimmung bei. Auf dem FSZ Hansa des ADAC bei Lüneburg waren schon nach wenigen Runden Tempi mit dem E-Sportler möglich, die man bisher nur für schwer vorstellbar hielt.

Das für Porsche so typische kehliges Fauchen bis hin zum brachialen Brüllen fehlt dem E-Antrieb. Hier hilft Porsche mit einem Soundgenerator nach, der die Beschleunigung mit künstlich erzeugten und futuristisch anmutenden Motorgeräuschen untermalen soll. Hier ist es eine Geschmacks- und ggf. auch Gewöhnungssache, ob Porsche den richtigen Ton getroffen hat.


Ladetechnik

  

Eine Besonderheit ist das Ladesystem des E-Porsche, das mit einer neuartigen 800-Volt-Technik erlaubt, in gut fünf Minuten Energie für 100 Kilometer Reichweite nach WLTP nachzuladen. Den Nachteil einer schweren Batterie nutzt der Porsche Mission E derweil zu seinem Vorteil aus. Die Unterbodenbatterie erstreckt sich nämlich in voller Länge von der Vorder- bis zur Hinterachse und sorgt auf diese Weise für einen extrem niedrigen Schwerpunkt.

Zudem ist der Taycan das erste Serienauto mit 800-Volt-Batterietechnik. Das ist zum einen aufwändig, aber dafür ist ein schnelleres Laden möglich. Hierzu sind die Kabel dünner, damit besser zu verlegen und spart unter dem strich bis zu 30 Kilo Gewicht. Allerdings reagieren Batterien sensibler auf Temperaturen als Verbrenner-Technik. Thermo-Management heißt darum das Zauberwort. Drei Kreisläufe umspülen die Akkus: Für Heizung, Kühlung, Dauerbetrieb. Intelligent verbunden durch eine Verschaltungszentrale im Bug. Ein für den Laien schier undurchschaubares Gewirr aus Schläuchen, Abzweigen und Ventilen. Intern nicht ohne Grund „Schlangennest“ genannt.

Platzverhältnisse

 
Seine Paltzverhältnisse machen den E-Sportler voll alltagstauglich. Hinten fasst das Gepäckabteil 407 Liter, vorne 84 – das reicht auch für die gepflegte Urlaubsreise.


Preise

Die Bestellungen für den modellgepflegten Porsche Taycan werden ab September 2020 entgegengenommen.

Fazit: Porsche wird immer elektrischer


Stetige und kontinuierliche Updates und Verbesserungen – Software wie hardwareseitig – werden das neue „Normal“ sein. Mit der sportlichen Elektrolimousine hat Porsche sehr eindrucksvoll vor einem Jahr sein Zeitalter der Elektromobilität eingeläutet und nicht irgendein E-Auto gebaut, auf dem Porsche steht, sondern einen Porsche mit Elektroantrieb samt der kompletten DNA des Sportwagenbauers, um die Seele der Marke in ein neues Zeitalter zu bringen. Und genau dieser Aspekt macht den Taycan zu einem Porsche-Statement in dem von Tesla dominierten Segment.

Und die Zuffenhausener legen nun auch stetig nach. Das Update zum Modelljahr 2021 helfen dem Taycan sich im Wettbewerb zu Tesla besser zu positionieren. Insbesondere die neuen Plug & Charge-Funktion sind ein wichtiges Feature, um schnelles und problemloser Recharge an Schnell-Ladesäulen zu ermöglichen. Dies gerade auch in Anbetracht der begrenzten Reichweite (381 bis 450 Kilometer) des Taycan. Porsche hatte gerade betont sich eben nicht an dem Reichweitenwettlauf zu beteiligen. Zumal der Taycan mit 800 Volt-Ladetechnik ein echter Schnell-Lader ist. Und der Tayacan kommt bei den Kunden an. Mittlerweile hat er sogar Porsches bisherigen Bestseller, den Elfer, in Europa vom Thron gestoßen.

Porsche Taycan MJ 2021
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