Überarbeiteter Ford EcoSport im Kurztest

13. November 2015 22:43 Autor:
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Im Test der frisch überarbeitete Ford EcoSport

Modernes Kompakt-SUV nach Aktualsierung im Erstkontakt

Dieses Facelift kommt früh

Seit eineinhalb Jahren markiert der EcoSport das untere Ende der Ford-SUV-Palette. Entwickelt wurde der Ford in Brasilien, produziert in Indien, China und Thailand. Seit anderthalb Jahren ist das Bonsai-SUV auch in Deutschland erhältlich. Das boomende Segment der subkompakten SUVs wächst überproportional. Die direkten Wettbewerber wie Opel Mokka, Nissan Juke, Skoda Yeti, Renault Captur oder Peugeot 2008 verkaufen sich bestens. Aufgrund der strategischen Bedeutung bringt Ford bereits nach 17 Monaten ein weitreichendes Facelift für sein Mini-SUV heraus. Hierzu haben die Kölner aufmerksam das Feedback von Kunden, Verkäufern und der Presse analysiert und aufgegriffen. Das ursprünglich für Südamerika konzipierte SUV auf Fiesta-Plattform wird damit deutlich näher an europäische Bedürfnisse, Gewohnheiten sowie Straßenverhältnisse angepasst. Eine bessere Dämmung, vor allem in den Türen, soll das Fahren geräuschärmer und damit komfortabler machen. Die auffälligste Änderung betrifft das große Reserverad am Heck. Dieser „Störfaktor“ ist serienmäßig entfallen und kein Muss mehr, sondern optional zu einem Aufpreis von 200,- Euro erhältlich. Wir sind das kleinste SUV aus dem Hause Ford gefahren und konnten überprüfen wie sich der kleine Bruder des Kuga mit Facelift fährt.

Ford EcoSport Facelift 2015
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Bei Ford läuft es momentan rund

Der kompakte EcoSport ist Teil der wachsenden SUV-Modellfamilie von Ford in Europa, zu der auch der Kuga zählt – sowie in Kürze der neue Ford Edge, der voraussichtlich ab Juni 2016 in Deutschland zu den Händlern rollen wird.     Ford hat, basierend auf den beiden SUV-Baureihen EcoSport und Kuga, im vergangenen Jahr 2014 in Europa rund 100.000 SUV-Einheiten abgesetzt. Das Ford-Vertriebsziel ist es in Europa, bis Ende 2016 rund 200.000 SUV-Einheiten per anno zu veräußern. Damit beabsichtigen die Kölner eine Verdoppelung ihrer absätze über alle SUV-segmente innerhalb von nur zwei Jahren. Entscheidend dazu beitragen muss dann auch der neue Ford Edge im Midsize-Segment, dersich gegen VW Touarek, Mercedes GLC und BMW X5 positioniert.

Rad ab

Bis auf das Reserverad gibt es äußerlich keine gravierenden Veränderungen. Von außen wirkt der Ford ohne das vorher polarisierende Reserverad am Heck nun viel kürzer und urbaner. Die wagenlänge schrumpft jetzt auf 4.017 Millimeter. Platzprobleme in Parklücken und eine unaufhaltbar aufschwingende Hecktür gehören damit der Vergangenheit an. Die Übersicht im EcoSport ist gut, dank kurzer Motorhaube und einer echten Tür am Heck ist es offensichtlich, wo das SUV anfängt und wo es endet – vor allem wenn man ohne hinteres Reserverad unterwegs ist. Das moderne Design und die aggressive Front mit dem großen Ford-typischen Kühlergrill soll besonders die junge Zielgruppe den sogenannten Millennials – das ist die junge Käufergruppe die 17- bis 34 Jährigen – ansprechen und zum Kauf dieses ultrakompakten SUVs animieren.

Interieur

Im Innenraum gibt es unter anderem mehr Chromzierrat an den Instrumententrägern sowie den Bedienlementen für die Fensterheber und ein neues Lenkrad. Die Innenbeleuchtung ist nun dimmbar. Zudem zeigt sich der Handbremshebel geringfügig modifiziert. Optional sind die Seiten- und Heckscheiben dunkel getönt. Leider bestehen die meisten Oberflächen unverändert aus ungedämpften Hartkunststoff. Etwas mehr Liebe wäre bei der Materialwahl durchaus angebracht gewesen. Der Innenraum bleibt funktional und sachlich. Die neue Leder-Stoff-Polsterung ist dagegen richtig schick geworden. udn auch die Verarbeitung ist absolut vertrauenswürdig. Es knarzt oder klappert nichts.

Das Konnektivitätssystem Ford Sync kommuniziert zukünftig mit den Insassen optisch über ein 4-Zoll-Display in der Mittelkonsole. Neu ist auch „AppLink“ – dieses ­System erlaubt es u.a. auf die Smartphone-App Spotify ­zuzugreifen und dadurch online Zugang auf Lieblings-Musik, Wiedergabelisten und Internet-Radio zu er­halten. Sync mit AppLink ermöglicht neben dem Abspielen von Music, das Tätigen und Entgegennehmen von Anrufen sowie das Steuern der Apps auf kompatiblen Mobiltelefonen per Sprachbefehl.

Erstmalig lassen sich für den Ford EcoSport sogar ein Navigationssystem und eine Rückfahrkamera ordern. Neu ins Angebot kommt ein optionales Winterpaket, in dem ein häufig artikulierter Kundenwunsch – einer beheizbaren Frontscheibe – mit beheizbaren Außenspiegel und beheizten Vordersitzen zusammengefasst (500 Euro) wird. Eine bessere Dämmung, vor allem in den Türen, trägt zu eine geräusch- und vibrationsärmeren und damit entspannteren Fahren bei. Auch hier haben die Ford-Ingenieure gute Arbeit geleistet.

Die Platzverhältnisse für Fahrer und Passagiere sind für einen Kleinwagen-SUV erstaunlich gut. Aufgrund der Höhe ist ein bequemes Einsteigen vorne wie hinten möglich. Der Kofferraum bewegt sich mit seinen 330 Litern im Klassendurchschnitt. Über geteilt  umgelegte Sitze,läßt sich das Fassungsvermögen auf gute 1.238 Liter steigern.

Antrieb

Zu Wahl steht seit kurzem die neue Topmorisierung des 140 PS starken 1,0-l-EcoBoost in der Top-Ausstattungen (Titanium). Der 125 PS starke 3-Zylinder bleibt unverändert im Programm. Als drittes Triebwerk steht der 1,5-Liter Ti-VCT-Benziner (6,3 l/100 km) auf der Liste. Dieser Motor ist wahlweise in Kombination mit dem Fünfgang-Handschaltgetriebe oder mit dem Ford PowerShift-Automatikgetriebe (Direktschaltgetriebe, 6-Gang-Automatik mit manueller Schaltmöglichkeit) bestellbar.

Als wir den 125 PS starken 1,0-Liter-Dreizylinder-Ecoboost-Motor starten, überrascht das geringen Innengeräusch. Auch während der Fahrt verfehlt die passive Dämmung nicht ihre Wirkung. Das knackig geführte manuelle Fünfgang-Getriebe passt mit seiner Abstufung gut zum Motor. Auch einem flotteren Landstraßen- oder Autobahntempo steht diese nichts mehr im Wege. Gerade die Konzipierung des EcoSport als urbanes SUV lassen im stockenden Stadtverkehr die Start-Stop-Automatik vermissen. Der dreizylinder stemmt ein Drehmoment von 170 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Der 1.0 EcoBoost treibt damit den 1.337 kg schweren EcoSport in 12.7 Sekunden auf Tempo 100. Bei einer Höchstgeschwindigkeit von 180 Stundenkilometern ist Schluss. Im Schnitt soll sich der EcoSport mit dem 125 PS Triebwerk mit 5.4 Litern Benzin auf 100 Kilometer im kombinierten Normverbrauch zufrieden geben. Unser Testverbrauch betrug knapp über 6 Liter. Der hochmoderne EcoBoost-Motor ist trotz Hubraum-Downsizing ein kleines Kraftwerk. Im Vergleich zu einem Vierzylinder verfügt er über die Kraftreserven eines konventionellen 1,6-Liter-Aggregats – ist aber bei weniger Emissionen dabei deutlich sparsamer unterwegs. Welch ausgezeichnetes Triebwerk den Kölnern mit dem Dreizylinder gelungen ist, demonstriert sich über den Umstand  das der 1,0-l-EcoBoost kürzlich zum vierten Mal in Folge als „International Engine of the Year“ ausgezeichnet wurde – in der Kategorie „Bester Motor bis ein Liter Hubraum“.

Ab Anfang des kommenden Jahres kündigt sich, exklusiv für die beiden gehobenen Ausstattungsversionen „Titanium“ und „S“ ein 1,0-Liter-EcoBoost-Dreizylinder-Motor mit 140 PS an. Dessen kombinierter Normverbrauch soll 5,5 Liter je hundert gefahrene Kilomter betragen. Die entspricht einer CO2-Emission von 125 g/km.

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Am deutlichsten wird die Veränderung am Heck.

Fahreigenschaften

Der weiterentwickelte EcoSport erhielt ein umfangreiches neues Fahrwerks-Setting. Über eine Tieferlegung um 10 Millimeter und straffer abgestimmte Feder- und Dämpferraten kommen die Kölner bei dem ursprünglich für Südamerika konzipierten SUV europäischen Vorlieben deutlich entgegen. Das Thema Fahrwerksabstimmung beherrscht Ford nicht nur beim Focus ziemlich gut. In Verbindung mit neu konstruierten Hinterachs-Querlenkern und der direkter eingestellten Lenkung fährt sich der EcoSport nun spürbar dynamischer. Die Maßnahmen bewirken insgesamt eine deutlich spürbare Optimierung und lassen insbesondere auf kurvigen Landstraßen sogar soetwas wie Fahrspaß aufkommen. Die sehr geringe Wanknneigung dank tieferem Schwerpunkt vermittelt dem Fahrer viel Sicherheit und deutliche Reserven für potentielle Ausweichmanöver. Auch das ESP wurde im Grenzbereich neu abgestimmt und auf die neue Fahrwerksabstimmung hin angepasst. Der Frontantrieb verleiht dem kompakten SUV viel Traktion. Er fühlt sich auf Wald- und Wiesenwegen genauso wohl wie auf der Landstraße oder vor allem in der Stadt. Allrad ist bis auf weiteres nicht erhältlich. Eine Berganfahrhilfe, die das Anfahren an Steigungen erleichtern würde, ist für den EcoSport 1.0 EcoBoost nicht lieferbar. Die Berganfahrhilfe gibt es nur mit dem Automatikgetriebe in Verbindung mit dem 1.5 Liter Benziner. Ins grobe Gelände dürften sich die meisten EcoSport-Fahrer allerdings vermutlich eher selten verirren. Insgesamt lässt sich der EcoSport äußerst wendig bewegen und passt mit seinen gut vier Metern Länge in fast jede Parklücke.

Die bescheidene Anhängelast von 750 kg ist der Kleinwagenplattform anzulasten. Auch die Dachlast mit 40 kg ist eher bescheiden und für ein typisches Stadtauto eventuell nicht so gravierend. Die geringe Stützlast der Anhängerkupplung von 30 kg verhindert allerdings sogar die Nutzung diverser Fahrradträger.

Technische Daten Ford EcoSport 1.0 EcoBoost 
Hersteller:Ford
Karosserie:SUV Subkompaktsegment
Motor:Dreizylinder
Getriebe5-gang manuelles Getriebe
Antrieb1-Liter Dreizylinder
Hubraum:997 ccm
EmissionsklasseEuro 6
EnergieeffizienklasseB
Leistung:92 kW / 125 PS
Drehmoment:170 Nm bei 1.400 bis 4.500 U/Min
Von 0 auf 100: Handschalter12,7 s
Höchstgeschwindigkeit:180 km/h
Verbrauch (ECE)5,4 Liter
CO2-Ausstoß125 g/km
Kraftstoff:Benzin
Wendekreis10,6 Meter
Leergewicht1.337 kg
Kofferraum525-1630 Liter
Tankinhalt52 Liter
Zuladung393 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.273/1.765/1.633/2.519 mm
Preise (Trend) ab:ab 18.990 Euro

Preise und Extras

Preislich bewegt sich der EcoSport mit einem Einstandspreis von 17.990 Euro für das Modell „Trend“ genau 1.000 Euro unter einem vergleichbar ausgestattetem Opel Mokka. Sollte jemand das Reserverad vermissen, so schlägt dies nun mit einem Aufpreis von 200 Euro zu Buche. Das Winterpaket mit beheizbarer Frontscheibe, das laut Ford mit einer Orderquote von 80 Prozent der Bestellungen dabei ist, kostet 500 Euro. Die am Häufigsten bestellte  Modellversion „Titanium“ startet ab 19.790 Euro. Anfang 2016 gesellt sich mit der S-Version neben „Trend“ und „Titanium“ noch eine dritte und optisch geschärfte Variante des EcoSport. Der EcoSport S soll noch zum Jahresende bestellbar sein. Auf dem Genfer Autosalon im Frühjahr 2015 hatte Ford bereits den EcoSport S  in tiefblauer Lackierung und schwarzem Dach sowie ebenso gefärbten Außenspiegelkappen vorgestellt. Hinzu kommen spezielle Raddesigns in 17-Zoll, ein modifiziertes Diffusor-Element am Heck sowie getönte Scheiben im Fond.

Fazit: Subkompakt SUV von Ford nun besser für die hiesigen Marktverhältnisse gewappnet

Der EcoSport bedient all diejenigen, die in der Stadt jede Parklücke nutzen und trotzdem Vorzüge wie eine hohe Sitzposition nicht missen möchten. Optisch und technisch hinterläßt der EcoSport einen sehr soliden Eindruck. Die Eleminierung des an der seitlich aufschwingenden Heckklappe angebrachten Reserverad wirkt sich optisch durchaus positiv aus. Viele kleine Optimierungen runden den EcoSport ab. Unverändert geblieben ist der Umstand, dass es weiterhin kein Allrad gibt, sowie der relativ hohe Preis.

Ford EcoSport Facelift 2015

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