Fahrbericht: Alfa Romeo Giulia Super 2.0 Turbo mit 200 PS

20. Juli 2017 22:36 Autor:
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Im Test die Sportlimousine Alfa Romeo Giulia Super 2.0 Turbo

 

Der beste Alfa, der seit langer Zeit gebaut worden ist

Endlich ist sie da! Viele Alfisti auf der ganzen Welt haben sehnsüchtig auf die neue Alfa Romeo Giulia gewartet – ja sogar herbeigesehnt. Nach fünf Jahren schließt die bella macchina endlich die Lücke, die durch den Wegfall des Alfa 159 entstanden war. Die zuletzt schwächelnden Traditionsmarke aus Turin erhofft sich von der sportlichen Mittelklasselimousine nicht weniger als die Rettung. Mit neuer Technik und betörendem Design soll die neue Giulia unter ihrem klangvollen und geschichtsträchtigen Namen den Glanz vergangener Tage wiederbeleben. In Italien wird Alfa mit den Schwesternmarken Ferrari oder Maserati in einem Atemzug genannt. Viele Vorschusslorbeeren hat die rassige Italienerin erhalten. Fahrzeuge von Alfa Romeo galten seit jeher als formschönsten Vertreter ihrer Klasse, hatten allerdings unter funktionalen Gesichtspunkten gerade im direkten Vergleich zu der langweiligen Perfektion der teutonisch-sachlichen Wettbewerber das Nachsehen. Wir haben überprüft, ob sich diese Einschätzung mit der Wiederbelebung der Giulia widerlegen läßt.

 

Alfa Romeo Giulia Super 2.0 Turbo 2017
Viele Alfisti auf der ganzen Welt haben sehnsüchtig auf die neue Alfa Romeo Giulia gewartet - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Scudetto-Kühlergrill

Die Identität der Marke Alfa begründet sich nicht zuletzt in dem typischen Scudetto-Kühlergrill. Gegen Aufpreis wird er von aggressiv dreinblickenden Xenon-Scheinwerfern (1400 Euro) eingerahmt. Die dynamisch ansteigende Linienführung und Silhouette unterstreicht auch optisch die sportlichen Ausrichtung der 4,64 Meter langen Limousine. Auch das Fahrzeugheck ist eine optische Augenweide. Hinten sorgen serienmäßige LED-Heckleuchten, die etwas weniger aggressiv als an der Front wirken, aber ebenfalls das horizontale Design-Thema durchziehen. Das betont auch die Breite des Fahrzeugs.

Interieur

Im Innenraum präsentiert das neue Modell mit Platz für bis zu vier Personen. Die Bedienung von Radio oder Navi erfolgt über einen zentralen Dreh-Drückknopf und stellt den Nutzer vor keine großen Herausforderungen. Vorbildlich gelöst wurde die Bedienung der Lüftung über drei gut erreichbaren Bedienelemente konzipiert. Diese ermöglichen den direkten, schnellen Zugriff auf Temperatur und Gebläseleistung. In die A-Säule hat Alfa einen zusätzlichen Anströmer für die Seitenscheibe eingebaut, um ein der Beschlagen der Scheiben zuverlässig zu verhindern.

Die Materialanmutung und Haptik wirkt hochwertig. Die Verarbeitung erscheint solide. Auch zeichnet sich die Limousine durch das Fehlen jeglicher Klapper- oder Knarzgeräusche aus. Die Sitze der Alfa Romeo Giulia sind mit edlem Leder bezogen und durchaus langstreckentauglich. Allerdings bieten sie kaum Seitenhalt. Die Fondpassagiere müssen sich mit einer tief montierten Sitzbank arrangieren. Eine Mittelarmlehne ist für den Fond nicht erhältlich. Im Innenraum ist im Fond von dem langen Radstand leider nicht viel zu spüren: Für die Füße der Fondpassagiere bleibt nur wenig Platz, wenn der Vordermann den Sitz abgesenkt, passen die Schuhe kaum noch unter den Vordersitz.

Das Cockpitdesign mit halbrunden Schalen ist eine Hommage an die Alfa-Tradition der Tacho- und Drehzahlmessereinfassung. Die Linien des Armaturenbretts sind sehr klar gezeichnet: Das neue Infotainment-System steht nicht hervor und integriert sich in eine ebene Fläche. Die fehlende Bedienmöglichkeit per Gesten oder Touch ist nicht ganz zeitgemäß. Auch in Bezug auf Konnektivität hält sich die Limousine äußerts bedeckt. Dafür ist die Bedienschnittstelle über den Drehknopf in der Mittelkonsole gute gelungen und bedarf ur einer kurzen Eingewöhnungszeit. Die Bedienung samt Reaktionszeiten könnten etwas performanter sein. In der höchsten Ausbaustufe lieferte es während unserer Testfahrten zuverlässige Stauinfos. Bei stark einfallender Sonne erweis sich die Abdeckung trotz dunkler Tönung als nicht ganz blendfrei. In unserem Testwagen war die optionale große Variante (Serie bei Quadrifoglio) mit 8,8 Zoll Display verbaut. In der einfachen Ausbaustufe ist die Bildschirmdiagonale des Display nur 6,5 Zoll groß.

 

Technische Daten Alfa Romeo Giulia Super 2.0 Turbo AT8
Hersteller:Alfa Romeo
Karosserie:Sportlimousine der Mittelklasse
Motor:Vierzylinder Turbo
Getriebe8-Gang Automatik, Start-Stopp
Hubraum:1995 ccm
EmissionsklasseEuro 6
Leistung:147 kW / 200 PS
Drehmoment:330 Nm bei 1.750 Umdrehungen pro Minute
Von 0 auf 1006,6 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit:235 km/h
Verbrauch (ECE)6,0 Liter
CO2-Ausstoß138 g/km
EffizienzklasseB
Kraftstoff:Superbenzin 95 Oktan
Leergewicht1.504 kg
Kofferraum480 Liter
Anhängelast1.600 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.643/2.024/1.436/2.820 mm
Testwagengrundpreis Fünftürer ab:ab 38.450,- Euro

 

Antrieb

Mit dem neuen Alfa-Modell feiert auch der Heckantrieb sein Comeback. Der Alfa lebt nicht von seiner Multimedia-Ausstattung oder einer Armada von Assistenzsystemen, der Alfa präsentiert sich primär mit seinem Antrieb samt Fahrwerk seiner Optik. Der von uns gefahrene 2.0 Turbo-Benziner ergänzt die Antriebsoptionen erst seit Ende 2016. Das Motorenangebot der Giulia umfasst neben dem 2.0 Liter-Turbo-Benziner noch einen 2.2-Liter-Turbodiesel und den V6 Bi-Turbo-Benziner.

Das Aggregat mobilisert 200 PS bei 5.000 Umdrehungen pro Minute und stemmt ein maximales Drehmoment von 330 Newtonmeter bereits ab 1.750 Touren auf die Kurbelwelle. Dies erlaubt den Null-Hundert-Paradeprint innerhalb von 6.6 Sekunden zu erledigen. Ein weitere Beschleunigung endet auf Wunsch erst bei der Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h. Damit bietet der 2.0 Turbo ausreichend Leistung für den automobilen Alltag. Sogar für gewisse sportliche Ansprüche verfügt das Aggregat über genügend Leistungsreserven. Seine Kraft überträgt der akustisch unauffällige Vierzylinder zwangsgekoppelt über eine hervorragende Achtgang-Automatik. Das ZF-Getriebe verrichte seine Arbeit angenehm unauffällig . Auch ohne manuelle Beinflussung entscheidet sie sich gekonnt für die richtige Zahnradpaarung. Wer dennoch manuell mitbestimmen möchte kann dies mit den beiden Schaltwippen am Lenkrad oder Automatikwählheben tun.
Nach einem Druck auf den extravagant am Lenkrad positionierten Startknopf erwacht der Turbo-Benziner leise und unaufdringlich zu Leben. Auch auf langen Strecken zeigt sich der Turbo-Benziner von einer eher unaufdringlichen Seite. Ein leichter Tritt auf das Alu-Gaspedal und der 2,0-Liter-Vierzylinder schiebt das Fahrzeug durchaus mit einer sportiven Note an. Bei einem Fahrzeuggewicht von knapp 1,5 Tonnen muss nur vergleichsweise wenig Masse in Bewegung gebracht werden. Der agile Eindruck, der nur zu Beginn der Beschleunigungsphase durch ein kleines Turboloch kurz gestört wird, bleibt dank des ordentlichen Drehmoments von 330 Nm sowie der guten Getriebeabstimmung samt präzisen Lenkung während der Fahrt erhalten.

Das komplett neu entwickelte Zweiliter-Aggregat ist ein aus Aluminium gefertigter Reihenvierzylinder, mit elektro-hydraulischer Ventilsteuerung (MultiAir). Zusammen mit dem 2-in-1-System der Aufladung und der Kraftstoffdirekteinspritzung mit bis zu 200 bar sorgt sie für ein spontanes Ansprechverhalten und einen kombinierten Normverbrauch von 5.9 Litern. Unser tatsächlicher Praxisverbrauch während der Testfahrten betrug deutlich unter 7 Liter, ohne angestrengt sparsam unterwegs zu sein. Im agilen Dynamic-Modus war während der Fahrt primär Rot die dominante Farbe in der Effizienz-Anzeige. Im Dynamic-Modus rückt der Normverbrauch allerdings wieder in weite Ferne rückt. Eine Sieben vor dem Komma der Verbrauchanzeige ist dann deutlich realistischer. Wer sparen möchte, wechselt in den „Advanced Efficiency“-Modus – statt sportlich geht es hier ökonomisch zur Sache und – siehe da – die Effizienzanzeige informiert primär über grüne Animationsbildchen über Fahrgewohnheiten und der durchnittliche Verbrauch liegt dann meist wieder deutlich unter 7 Litern.

Fahreigenschaften

Fahrdynamisch bietet die Alfa Giulia einen gut gewählten Kompromiss aus Komfort und Sportlichkeit. Die Giulia ist zwar angenehm straff abgestimmt, verzichtet aber auf pseudo-sportliche Härte. Alfa betont den längsten Radstand seiner Klasse. Bei der Giulia macht sich dies durch einen geradezu phänomenalen Geradeauslauf bemerkbar. Die insgesamt gelungene Fahrwerksabstimmung und die einstellbaren Parameter für Antrieb und Lenkung über den DNA-Regler auf der Mittelkonsole intensivieren auch hier die Beziehung zwischen Auto und Fahrer. Ein guter Kompromiss aus den zwei diametralen Modi ist der mittlere Modus, der Natural heißt. So übrigens ergibt sich auf dem Auswahl-Drehknopf die schöne Buchstabenkombination D-N-A. Wer möglichst sportlich mit der Giulia unterwegs sein möchte wählt mit „d“ den Dynamic-Modus, um das Potenzial der Giulia auszureizen. Hier werden zwar keine Dämpfer geschärft, aber Gas-, Brems- und Lenkbefehle sehr direkt umgesetzt. Das Fahrerdisplay wechselt – wie bereits erwähnt – dabei schnell auf rote Illumination und wer will, kann nachschauen, ob eine nennenswerte und messbare Querbeschleunigung erfolgt ist. Letzteres lässt sich schon bei normalen Kurvenfahrten ein wenig nachvollziehen. Der klassische Heckantrieb unterstützt die Agilität beim flotten Durcheilen von Kurven.

 

Der von uns gefahrene Giulia Super 2.0 Turbo startet ab 38.450 Euro

 

Preise und Ausstattung

Günstigste Version die italienische Mittelklasse-Limousine zu fahren bleibt die 136 PS-Version mit 2,2-Liter-Diesel ab 33.100 Euro. Der von uns gefahrene Giulia Super 2.0 Turbo mit 200 PS startet ab 38.450 Euro. Richtig teuer wird es mit der 510 PS starken Top-Version der Giulia Quadrifoglio ebenfalls mit Achtgang-Automatikgetriebe erhältlich. Zum Die Giulia Quadrifoglio ist eine wahrhaftige Performance-Maschine mit V6-Biturbo-Benziner und 510 PS. Für diese Topversion verlangen die Italiener dann auch mindestens 74.050 Euro.Ganz generell muss man bei der zivilen Version der Giulia zwischen zwei Varianten der Giulia differenzieren. Zum einen gibt es die normale Limousine, die sich wiederum in eine einfache Einstiegsversion und in eine „Super“-Variante mit mehr Ausstattung unterteilen lässt. Für diese Version gibt es einen Diesel. Später folgt auch noch ein kleinerer Benziner.

Serienmäßig verfügt die Giulia über einen autonomen Notbremsassistenten, , Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Spurhalteassistenten, eine Cruise Control, Licht- und Regensensoren mit an Bord. Sicherheitsfeatures wie z. B. der Toter-Winkel-Assistent oder ein Fernlichtassistent sind zumindest optional im Rahmen des Assistenzpaketes verfügbar. Ein Head-Up-Display ist nicht in der Ausfpreisliste. Was ausstattungstechnsich zu empfehlen wäre ist, wäre die Einparkhilfe. Allein schon um die hübsche Scudetto möglichst lange unversehrt zu bewahren.

Der Farbton „Rosso Alfa“ ist ohne Aufpreis. Für einfache Unilackierungen werden 490 Euro verlangt, Metallic-Lackierungen müssen mit 930 Euro bezahlt werden. Ansonsten gibt es wie bei den Wettbewerbern neben der ordentlichen Grundausstattung – bei „Super“ unter anderem mit 17-Zoll-Leichtmetallfelgen, Zweizonen-Klimaanlage und Abgasanlage mit Doppelendrohr – viele Möglichkeiten den Preis in die Höhe zu treiben.

Die schöne, sportliche und mit sinnvolen Extras ausgestattete Giulia hat dann wie ihre deutschen Wettbewerbern ihren Preis. Über den Wettbewerb hinaus geht Alfa Romeo bei der Garantie. Die Italeiner sichern in Deutschland vier Jahre Garantie zu.

 

 

Fazit: Liebeserklärung an ein nicht perfektes Auto

Schon der Name klingt wie Musik. Die Giulia weiß sowohl in Sachen Sportlichkeit als auch beim Komfort zu überzeugen. Und diese Einschätzung gilt beileibe nur für Italophile. Übrigens soviele Unzulänglichkeit muss der Käufer einer Giulia gar nicht verzeihen. Viele Kunden von Alfa Romeo erwarten keine Perfektion – aber Charakter.

Die neue Giulia verfügt über viele gute Ansätze zum Teil sogar in Perfektion. Heckantrieb, ein emotionales Design und eine nie dagewesene Interieur-Qualität sind ein Konzept das aufgehen sollte. Allenfalls in einigen verzeihlichen Punkten fehlte allenfalls noch der letzte Feinschliff im Detail. Ein Aspekt der aber bei Alfa ebenfalls Tradition genießt und die Zuneigung zu den Fahrzeugen der Marke nie ernsnhaft auf die Probe stellte. Das was uns am Meisten freute, während der Testfahrten zu diesem Fahrbericht, war die Erkenntnis dass die Marke Alfa Romeo wieder zu ihrer alten Stärke findet. Nach fünf ewig langen Jahren der Abstinenz in der Mittelklasse. . Nach fünf Jahren beendet die bella macchina endlich die Abstinenz von Alfa Romeo in der Mittelklasse die durch den Wegfall des 159er entstanden war. Endlich!

 

 

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