Test VW T-Roc Style 1.6 TDI : Kompaktes SUV-Coupé im Fahrbericht

25. August 2019 20:58 Autor:
Im Fahrbericht das komapkte SUV-Coupé VW T-Roc Style 1.6 TDI mit 115 PS – Bildnachweis: Laura Fleischhacker / MOTORMOBILES

Rockt er wirklich??

Gut anderthalb Jahre nach seiner Einführung hat sich der T-Roc fest in der Zulassungsstatistik etabliert. Mit ihm will Volkswagen das Segment der Kompakt-SUV aufmischen. Bisher lief es immer so ab: Egal ob Touran, Tiguan, Touareg oder T-Roc – für gewöhnlich ist VW immer ein bisschen spät dran und muss das Feld dann von hinten aufrollen. Mit frische Farben, frecher Formgebung und moderner Technik präsentiert sich der Crossover auf 4,23 Metern Länge. Den T-Roc als höhergelegten Golf zu vereinfachen, wäre zu kurz gegriffen. Er ist eher als die goldene Mitte zwischen dem „normalen“ Kompakten und dem deutlich größeren VW Tiguan anzusehen. Der T-Roc steht auf derselben Plattform wie der Golf, bedient sich aus demselben Motorenregal und nutzt auch sonst Technik und Ausstattung der nach ihm benannten Kompaktklasse. Allerdings vermitteln das Box-Design des T-Roc und die aufrechtere und höhere Sitzposition das aktuell so trendige SUV-Gefühl.

Das T in seinem Namen kommt von den beiden erfolgreichen Volkswagen Tiguan und Touareg – und der Roc ist eine Anlehnung an das englische Wort Rock. Nach unten hin rundet seit wenigen Wochen inzwischen der 4,11 Meter lange VW T-Cross, der auf dem VW Polo basiert, die SUV-Palette von Volkswagen ab. Der 4,23 Meter lange SUV-Coupé präsentiert sich mit einer ansprechenden Optik. Endlich gibt es wieder Ecken und Kanten im Blech. Speziell in der von uns gefahrenen Version „Style“- knallig lackiert, mit abgedunkelten Fenstern, Chromleisten und andersfarbigen Dach – sieht der Wagen richtig schick aus. Dazu breite Radhäuser und große Alufelgen (Grange Hill 7 J x 18 in Adamantiumsilber) in 18 Zoll. Und als wäre das Energetic Orange unseres Testwagen noch nicht poppig genug, gibt es über der markanten Chromspange entlang der Fensterlinie auf Wunsch auch noch Kontrastfarben für das Dach sowie ein paar bunte Kunststoffkonsolen und Ziernähte für den Innenraum. Das ergibt laut Hersteller mehr als 80 mögliche Kombinationen und macht den T-Roc damit zu einem Auto für Individualisten. Montiert wird der kleine Coupè-ähnliche SUV im portugiesischen Setubal.

 

VW T-Roc Style 1.6 TDI
Im Test der VW T-Roc Style 1.6 TDI mit 115 PS - Bildnachweis: Laura Fleischhacker / MOTORMOBILES
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Interieur mit ausgeprägtem Hang zu hartem Kunsstoff

Auch das Platzangebot geht völlig in Ordnung. Allerdings sind lange Strecken für die hinteren Mitfahrer kein wirklicher Spaß. Zum einen, weil die harte Bank wenig körpergerecht geformt ist. Zum anderen fehlt die Möglichkeit, die steilstehende Lehne zu verstellen. Trotz der hohen Ladekante lässt sich der Kofferraum gut nutzen. Das Fach ist zwar nicht sehr hoch, so dass es für große Koffer eng werden kann. Doch unter dem herausnehmbaren Ladeboden findet sich jede Menge weiterer Stauraum für weiche Taschen. Wer clever packt, bekommt gut das Reisegepäck für Vier unter. Einzig das Soundsystem Beats nimmt ein fetter Subwoofer viel Platz weg.

Dass hier und da auch Hartplastik angetroffen wird, ist anscheinend unvermeidlich. Die Hartplastiklandschaft, die wenig mit der hochwertigen Einrichtung anderer VW gemein hat, ist immerhin robust und leicht zu reinigen. Den Hang zum sparen merkt man auch an der Motorhaubenstrebe ohne Gasdruckfeder und vielen anderen kleinen Details. Letztlich nicht störend, wenn VW nicht der Hersteller wäre, der über viele Jahre mit seinem Qualitätsanspruch hausierte.

Die Passagiere vorne können sich über Platzmangel nicht beschweren. Auf der Rückbank wird es allerdings ein wenig eng für die Knie, wenn vorn grossgewachsene Mitfahrer sitzen. Bis 1,80 Meter große Personen fühlen sich im Fond des T-Roc noch wohl.

Gute Noten fährt der Kofferraum zumindest erstmal auf dem Papier ein. Sehr löblich ist die optional (395 Euro) elektrisch öffnende und schließende Heckklappe. Die Ladekante liegt  mit ihren knapp 78 cm relativ über der Straße. Seine 445 Liter Volumen, das sind immerhin 100 Liter mehr als beim Golf, klingen vordergründig nach viel mehr Platz. Doch es stellt sich schnell Ernüchterung ein. Bis zur Kofferraumabdeckung passen gerade einmal 245 Liter in den Gepäckraum. Eine Ursache ist beim Testwagen ein in der Reserveradmulde verbauter Subwoofer des optionalen Soundsystem aus dem Hause Beats, mit sechs Lautsprechern und 300 Watt starkem 8-Kanal-Verstärker, punktet mit voluminösem Sound. Ein angenehm tiefer Bass wie auch natürlich klingende Mitten und gut ausgepegelte Höhen sorgten in unserem Testwagen für einen adäquaten Musikgenuss.

Diverse Apps und Schnittstellen sorgen für eine gute Vernetzung. Das Thema Konnektivität liegt im Trend und gewinnt an Bedeutung. Die Vernetzungs- und Infotainment-Angebote im T-Roc befinden sich auf dem aktuellsten Stand. Im T-Roc erhält man z.T. optional mittels USB-Ports, Bluetooth, AUX-In, SD-Karten-Slots, CD-Laufwerk im Handschuhfach sowie den beiden wichtigen Apps Android Auto plus Apple Car Play alle aktuell notwendigen Dinge für eine umfassende Vernetzung.

Antrieb

Unser Testwagen mit SCR-gereinigtem 1.6 TDI-Diesel mobilisiert 115 PS und überträgt seine Kraft über ein lang übersetzten Sechsganggetriebe. Der nun gemäß Euro-6d-TEMP per selektiver katalytischen Reduktion (SCR) gereinigte Selbstzünder punktet im T-Roc mit einem erfreulich niedrigen Verbrauch. Manko ist hier allerdings das Kapitel Fahrdynamik. Stadtverkehr und über Land gemächlich cruisen beherrscht der Wagen unauffällig. Beim Anfahren fällt der Motor allerdings erstmal in ein Turboloch. Den kombinierten Normverbrauch gemäß praxisnahem WLPT gibt VW mit 4,3 Litern an. Das Aggregat ist sehr genügsam, begnügt sich auf unseren Testfahrten mit knapp über 5 Litern bei zügiger Fahrweise. Ein Verbrauch nahe Werksangabe scheint nicht völlig unrealistisch.

Die Fahrgeräusche halten sich insgesamt in Grenzen. Bei Tempo 100 liegen ungefähr 1.500 Touren an, wodurch sich der Selbstzünder angenehm im Hintergrund hält. Der T-Roc kann prinzipiell auch Langstrecke. Windgeräusche spielen erst bei bei hohen Tempi oberhalb 150 Stundenkilometer eine stetig zunehmende Rolle.

Nur rund ein Sechstel der deutschen T-Roc-Flotte ist mit einem Dieselmotor unterwegs. Das Nutzerverhalten für Kompakt-SUV mit einer hohen Quote an Privatkäufern ist ein anderes als bei den größeren SUVs und bekanntlich ist das Vertrauen in Selbstzünder aus dem Hause VW immer noch nachhaltig beeinträchtigt. Je nach Fahrprofil macht ein Selbstzünder im T-Roc aber durchaus Sinn. Man muss allerdings schon eine hohe Jahresleistung aufweisen, damit sich die 2.200 Euro Aufpreis gegenüber dem 115-PS-Benziner rechnen.


Fahreigenschaften

Der T-Roc verfügt über ein hohes querdynamisches Talent und macht auch auf verwinkelten Landstraßen eine gute Figur. Bei unseren Handlingfahrten hinterläßt der T-Roc mit seiner präzisen und serienmäßigen Progressiv-Lenkung sowie der fein zu dosierenden Bremse einen ausgewogenen Eindruck und vermittelt ein hohes Maß an Fahrsicherheit. Selbst schnelle Kurven – ein Schwäche von SUVs – beeindrucken den T-Roc ausgesprochen wenig und seine direkte Lenkung sorgt sogar für eine gehörige Portion Fahrspaß. Schlechten Untergrund nimmt das Fahrwerk gelassen. Allenfalls eine leichte Tendenz zu polternden Rädern läßt noch eine gewisse Feinabstimmung vermissen. Hierzu könnten auch die breiten 18-Zöller unseres Testwagens beigetragen werden.

 

Technische Daten VW T-Roc Style 1.6 TDI 115 PS
Hersteller:VW
Karosserie:SUV
Motor:1.6 TDI
Getriebe:6-Gang Schaltgetriebe inkl. Start & Stopp
Antrieb:Frontantrieb
Hubraum:1.598 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d-TEMP-EVAP-ISC
Leistung:85 kW (115 PS)
Drehmoment:250 Nm bei 1.750 - 3.200 U/min
Von 0 auf 100:10,9 s
Höchstgeschwindigkeit:187 km/h
Verbrauch (WLPT):4,3 Liter
CO2-Ausstoß113 g/km
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis:11,1 Meter
Kofferraum:445- 1.290 Liter
Anhängelast ungebremst/gebremst 12%690/1.500 kg
Tankinhalt:50 Liter
Tankinhalt AdBlue:12 Liter
Leergewicht:1.395 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.234/1.992/1.573/2.590 mm
Versicherungsklassen KH/VK/TK16/20/22
Garantie Allgemein/Rost2 Jahre/12 Jahre
Grundpreis Testwagen:26.210 Euro
Preis Testwagen:37.580 Euro

  

 

Preise, Extras und Assistenten

Der T-Roc richtet bietet viele Optionen einer individuellen Gestaltung. Es gibt allein elf zum Teil recht auffällige Außen- und vier Dachfarben. Insgesamt sind 24 Kombinationen möglich. Der Innenraum präsentiert sich in der Ausstattungsversion Style auf Wunsch ebenfalls mit bunten Optionen – Armaturenbrett, Einfassungen und Sitze können in der jeweiligen Außenfarbe geordert werden. Die von uns gefahrene Ausstattungsversion „Style“ lässt sich stilsicher durch Farbe und Design den individuellen Wünschen anpassen um den eigenen und unverwechselbaren T-Roc zu konfigurieren. Das „Energetic Orange Metallic / Schwarz (Dach)“ unseres Testwagen kostet 610 Euro Aufpreis. Das ist nach VW-Maßstäben fast schon avantgardistisch.

Nur knapp 400 Euro mehr als als ein vergleichbarer Golf kostet der T-Roc (alle Preise netto). Doch wer sich den kleinen SUV so zusammenstellt, dass er auch Spaß vermittelt, hat beispielsweise mit dem 1.6 TDI schnell Schwierigkeiten deutlich unter 40.000 Euro zu bleiben. Der niedrige Einstiegspreis in Höhe von 21.170 Euro täuscht darüber hinweg, dass der neue VW T-Roc erst in den Versionen Style oder Sport richtig hübsch wird.

Etliche Assistenzsysteme können dazubestellt werden. Das Infotainmentsystem kann um App Connect ( integriert Mirror Link, Apple CarPlay und Android Auto) erweitert werden. Der Park-Lenkassistent „Park Assist“ (795 Euro) sorgt für teilautonomes Einrangieren des T-Roc in Längs- und Querparkplätze. 320 Euro kostet der Tempomat mit automatischer Abstandsregelung (30 bis 210 km/h). Ein LTE-Stick ist für 150 Euro mit Mobilfunkvertrag buchbar, der dafür eine ständige WLAN-Verbindung garantiert. Den E-Call-Notrufservice gibt’s zudem für 320 Euro, der dann zehn Jahre lang aktiv bleibt. So ziemlich alle Fahrsicherheitssysteme wie Front- Assist mit Notbremsfunktion, Fußgängererkennung und Müdigkeitserkennung, plus Front- und Heck LED-Licht vermitteln das Gefühl, in einem Auto einer weit höheren Klasse zu fahren.

 

Fazit: Kompakt in den Abmessungen aber riesiges Selbstbewußtsein

VW ist mit dem T-Roc endlich mal wieder ein frisches und freches Auto gelungen. Mit dem T-Roc entwarf Klaus Bischoff und sein Team einen echter Hingucker, weit weg vom typischen Mainstream. Die Wolfsburger haben sich hier mal etwas getraut. Neben einer ordentlichen Portion Charme überrascht er mit einem vergleichsweise gutem Platzangebot. Mit den Attributen eines kompakten Soft-Offroaders erwies sich der T-Roc im Fahrbericht als ein praktischer und optisch ansprechender Begleiter für alle Lebenslagen. Auch wenn der Zwang zum Sparen im Innenraum mit viel Hartkunststoff einhergeht, unterstreichen die SUV-Gene des T-Roc seine Daseinsberechtigung. Und der Erfolg gibt dem coupéartigen Midsize-Crossover T-Roc recht. Er führt seit etlichen Monaten in seinem Segment die Zulassungsstatistik an. Und um auf unsere Eingangsfrage zurückzukommen: Wir finden das SUV-Coupé rockt sogar mit seinen 115 Diesel-PS!

VW T-Roc Style 1.6 TDI
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