Ist Erdgas eine Alternative für Umwelt und Geldbeutel? Seat Arona 1.0 TGI im Test

29. Mai 2019 23:12 Autor:
CNG-Antrieb im Test: Der Seat Arona Xcellence 1,0 TGI mit 90 PS auf Sylt – Bildnachweis: Seat

Die Spanier sind Technologieführer bei CNG-Fahrzeugen im VW Konzern

Der Anteil von Erdgasfahrzeugen auf deutschen Straßen ist nach wie vor gering. Dies möchte VW und insbesondere Seat ändern. Der VW-Konzern räumt dem Thema emissionsarmes CNG nach wie vor eine hohe Priorität ein. Hierzu trägt nicht zuletzt die noch fortdauernde Dieselkrise bei. Derzeit findet man bei fast jeder Konzern-Marke CNG-Modelle. Und da sind Bestseller wie VW Golf, VW Up, Skoda Octavia, Seat Leon oder Audi A3 dabei. Die bisherige Zurückhaltung ist unverständlich. Dabei spricht so vieles für diesen alternativen Kraftstoff. Seit wenigen Monaten bietet Seat auch den Arona mit CNG an. Wir haben uns das kleine Crossover-SUV auf Sylt mal etwas näher angeschaut.

Seat Arona Xcellence TGI - 90 PS
Die Redaktion MOTORMOBILES fuhr auf Sylt CNG-Fahrzeuge von Seat mit TGI-Motoren - hier der Seat Arona Xcellence 1.0 TGI mit 90 PS - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Seat baut seine CNG-Palette weiter aus. Nach dem Kleinstwagen Mii, dem Ibiza und dem Leon ist der Arona bereits das vierte Erdgas-Modell. Und man kann gespannt sein, ob es der VW-Tochter gelingt, gerade mit ihrem kleinen SUV mehr Kundinnen und Kunden für diesen effizienten Antrieb zu begeistern. Der neue Seat Arona TGI verfügt dabei über ein deutlich größeres Fassungsvolumen an Erdgas (13,8 Kilogramm) als an Benzin (9 Liter). Damit ist er zwar nach wie vor bivalent unterwegs, aber das Gros der Strecke kann mit ihm mit Erdgas zurückgelegt werden – und damit muss man entsprechend auch seltener an eine der bundesweit knapp 900 und damit immer noch zu wenigen Erdgastankstellen fahren.

Unsere mobile (mittel- bis langfristige) Zukunft dürfte elektrisch sein. Nur sind sich selbst die Experten darüber völlig uneinig wie, wann und warum das eigentlich so sein sollte. Die CNG-Initiative aus dem VW-Konzern und hier insbesondere die Tochter Seat demonstriert eindrücklich, dass der Verbrennungsmotor noch lange kein Auslaufmodell darstellt. Zweifelsfrei steckt noch viel Entwicklungspotential in dieser Technologie. Im urbanen Bereich werden E-Mobilität, Erdgas- und Benzinantriebe eine größere Rolle spielen. Doch mit Blick auf Ökologie und Wirtschaftlichkeit, bietet sich Erdgas nicht nur als Brückentechnologie an. Erdgas bietet sich je nach Wohnort und CNG-Tankstellenverfügbarkeit im näheren Umfeld an, um die Zeit bis zum Elektrozeitalter zu überbrücken oder auch als langfristige Alternative.

Klimavorteile für Erdgas

Der Erdgas-Antrieb (CNG = Compressed Natural Gas) fristet nach wie vor unter allen Antrieben nur ein Schattendasein. In Zeiten, in denen über Diesel-Fahrverbote und klimafreundliche Mobilität diskutiert wird, müssten CNG-Modelle einen Run erleben. Schließlich stößt Erdgas im Vergleich zum Diesel nach Angaben der Brancheninitiative Zukunft Erdgas bis zu 90 Prozent weniger Feinstaub und 80 Prozent weniger Stickoxide aus. Die CO2-Emissionen können zudem um rund ein Viertel reduziert werden. Trotz dieser gravierenden Vorteile wurden 2018 in Deutschland nur 96.531 CNG-Fahrzeuge (davon 80.826 Pkw) neu zugelassen. Der Zuwachs von fünf Prozent relativiert sich in einem Gesamtmarkt von 3,2 Millionen Fahrzeugen.

Dem Seat Arona könnte hier die besondere Rolle eines Game-Changer zuteil werden und dem CNG zu mehr Popularität verhelfen. Das Segment kleiner SUVs erfreut sich aktuell einem enormen Zuspruch. Der Arona verbindet auf vortreffliche Art und Weise die Vorzüge eines SUVs mit dem Kosten- und Klimavorteilen von CNG. Das Konzept von CNG wird über den steigenden Anteil von erneuerbarem Biogas immer nachhaltiger und bedeutet zunehmend weniger fossiles Erdgas im klassischen Sinne. Das rund 4,14 Meter lange SUV gewinnt momentan einen Vergleichstest nach dem anderen. Sogar gegen den deutlich jüngeren konzerninternen Rivalen VW T-Cross. Die Basis stimmt also schonmal. Mit großen Reifen und seiner robust anmutenden schwarzen Schwellerverkleidung macht der Seat Arona zwar optisch auf Gelände ohne über einen in der Stadt verzichtbaren Allradantrieb zu verfügen. Dies ist typisch für das Segment der Crossover. Seat bewirbt ihn aber auch nicht als Offroader, sondern als Alltagsauto für den urbanen Dschungel. Im Vergleich zum Seat Ibiza, verfügt der Arona über großzügige Proportionen. In der Höhe überragt das Crossover den Ibiza um ganze 99 mm und bietet im Vergleich zum Ibiza damit nicht nur eine größere Bodenfreiheit für Offroad-Fahrten, sondern deutlich mehr Platz für Insassen und Gepäck.

Dass der Kofferraum der CNG-Variante des Arona nur 282 Liter statt 400 Liter fasst ist den Erdgastanks geschuldet. Gravierend ist dies aber nicht. Störender kann hier schon sein, dass der Arona dann (noch) nicht mit virtuellem Cockpit oder Anhängerkupplung erhältlich ist. Sieht man einmal von diesen  Mankos ab, gibt es wenig, was man am Arona monieren kann. Die Preisliste startet bei 19.820 Euro. Der Innenraum – gerade auch der von uns gefahrenen Ausstattungslinie Xcellence – ist wertig verarbeitet, die Sitze sind bequem und bieten auch bei schneller Kurvenhatz einen guten Seitenhalt. Die gute Rundumsicht, das üppige Platzangebot und die hohe Sitzposition sind eine der Stärken des Arona. Hinten wurden die Sitze sechs Zentimeter angehoben, bis zum Dachhimmel sind drei Zentimeter mehr Luft als beim Ibiza. Somit bleibt im Fond auch großen Mitfahrern noch genug Platz zwischen Knie und Vordersitz.

 

Gepflegt (Erd)Gas geben

Technisch nutzt die bivalente Motorisierung den modifizierten Dreizylinder 1.0 TSI. Als 1.0 TGI-Motor leistet er dann 90 PS. Der Antrieb wird eins zu eins vom Ibiza TGI, der bereits im Markt eingeführt ist, übernommen. Das maximale Drehmoment von 190 Nm liegt zwischen 1.900 und 3.500 Touren an. Im Gegensatz zum Ibizia erhält der Arona jedoch ein Sechsgang-Schaltgetriebe. Die höhere Karosserie des Arona lässt die Fahrleistungen etwas milder dastehen: Die 100 km/h werden erst nach 13,2 Sekunden erreicht. Der Verbrauch des Seat Arona wird mit 3,7 Kilogramm Erdgass auf 100 Kilometer angeben (CO2 101 g/km). Bei unseren Testfahrten auf Sylt kamen wir auf einen Verbrauch von 3,8 bzw. Kurzstrecken mit Kaltstartphase von 4,9 Kilogramm. Doch auch der erhöhte Verbrauch ändert nichts daran, dass der Arona TGI einen guten Gesamteindruck hinterließ. Der CNG-Arona fährt sich ohne Einschränkungen wie ein ganz normales Auto. Mit seinen 90 PS und maximalem Drehmoment von 160 Nm ist der Arona zwar kein Ausbund an Sportlichkeit und Kraft. Doch die Sprintzeit ist ebenso alltagstauglich, wie eine Höchstgeschwindigkeit von 172 km/h.

Wie unser Test mit dem Arona TGI zeigte erfolgt das Umschalten auf Benzin bei leerem Gastank so unauffällig, dass der Fahrer es kaum bemerkt. Der Arona TGI soll Benzin lediglich als Alternativkraftstoff für den Fall verwenden, dass die CNG-Tanks leer sind. Das einzige Anzeichen dafür, dass der Wagen mit Benzin und nicht mit Erdgas fährt, ist eine Anzeigeleuchte im Kombiinstrument. Der Arona ist für den Betrieb mit CNG ausgelegt, es kann nicht zwischen den Kraftstoffarten manuell umgeschaltet werden. Ist der CNG-Vorrat aufgebraucht, wird automatisch auf Benzinbetrieb umgeschaltet. Dies fällt nicht weiter auf, so wie auch der CNG-Betrieb selbst. Der kleine Dreizylinder klingt im CNG-modus eine Spur rauer, das leicht verminderte Temperament fällt im Stadtbetrieb nicht auf.  
Der Arona kann 13,8 kg komprimiertes CNG tanken. Bei unserer Testbetankung passt noch deutlich mehr komprimierter Treibstoff in den Tank. Die Behälter dafür sind unterflur angeordnet. Dies sorgt für eine Reichweite von bis zu 400 km im CNG-Betrieb, der Benzintank mit 12 Litern bietet weitere 160 km.

Die Kraft wird im CNG-Arona ausschließlich über ein manuelles Sechsgangschaltung übertragen und hinterließ dank präzisem Schaltpunkt und knackiger Übersetzung in unserem Testwagen einen guten Eindruck.
Alles in allem bietet der Arona ein sehr stimmiges Gesamtpaket und es spricht nichts dagegen, dass sich nicht noch mehr Kunden als bisher für ein Erdgasmodell entscheiden. Damit sorgt man nicht nur für eine Reduktion der Emissionen, sondern schont trotz des höheren Anschaffungspreises auch seinen Geldbeutel. Aktuell gibt es noch bis mindestens Ende Juni eine Aktion von Seat die den Aufpreis bei  der Anschaffung kompensiert. Zudem werden wie bei Elektroautos CNG-Modelle von einzelnen Gasversorgern mit Prämien gefördert. Bei einem Normverbrauch von etwa 3,5 Kilogramm pro 100 Kilogramm reicht der CNG-Vorrat damit für knapp 500 beziehungsweise 400 Kilometer. Ein neun Liter fassender Benzintank hilft dann bei Bedarf noch weiter, um die nächste Erdgastankstelle.

Erdgas ist eine saubere Treibstoffalternative. Und eine günstige obendrein. Dazu nicht giftig und geruchslos. Und auch Tiefgaragen dürfen damit problemlos befahren werden. Die Gastanks von Seat erweisen sich in Untersuchungen vom ADAC als genauso sicher wie Benzin- und Dieseltanks, sodass Käufer sich bei einem möglichen Unfall keine Sorgen machen müssen. Erdgas für Autos ist momentan sehr viel günstiger als Benzin oder Diesel und damit die perfekte Alternative für Vielfahrer und kostenbewusste Autofahrer. Die Reichweite ist aufgrund eines Gas- und eines Benzin-Tanks akzeptabel. Auch wenn Seat hier noch deutlich unterhalb eines vergleichbaren Diesel-Modell bewegt. Das Steuergerät stellt erst dann automatisch auf den Benzintank als Treibstoffquelle um, wenn der Gas-Tank leer ist. Übrigens können Gastankstellen unterirdisch über Leitungen beliefert werden, so das regelmäßige Anfahren durch laute Tank-LKW´s dadurch entfällt.

Die Preisangaben für CNG in Kilogramm an den Tankstellen sind auf den ersten Blick mit den Literpreisen für Benzin oder Diesel nicht zu vergleichen. Trotz seiner Gasförmigkeit ist das Erdgas energiereicher als die anderer Treibstoffe. Ein Kilogramm Erdgas der Sorte H (Methangehalt zwischen 87 und 98 Prozent) entspricht einem Energiegehalt von 1,5 Litern Superbenzin oder 1,3 Litern Diesel. Der Kilopreis bewegt sich sehr stabil zwischen 1,10 und 1,12 Euro, was umgerechnet Literkosten in Höhe von 0,70 bis 0,80 Cent entspricht.

Fahreigenschaften – nicht untermotorisiert – aber auch kein Ausbund an Sportlichkeit

Die Lenkung gewährt dem Fahrer eine gute Rückmeldung. Die Fahrwerksabstimmung beeindruckt mit einem guten Kompromiss aus Härte und Komfort.  Das SUV bereitet trotz seiner Leistung von nur 90 PS druchaus soetwas wie Fahrspaß. Auch wenn beim Arona der Komfort im Vordergrund steht. Die von uns gefahrenen Dreizylinder-Benziner erweisen sich als akustisch erstaunlich gut gedämmt. Erst bei höheren Drehzahlen ist das dreizylinder-typische Schnattern deutlich zu vernehmen.

Mit FR gibt es adaptive Dämpfer, die sich auf Normal und Sport einstellen lassen. Bei den Fahrmodi stehen Normal, Sport, Eco und Individual zur Verfügung. Der Arona lenkt präzise ein und verzeiht gutmütig auch eine zu zügige Gangart mit einer Tendenz zum sanften Untersteuern. Mit dem höheren Schwerpunkt ggü. dem Ibiza und einem angepaßten Fahrwerkssetting geht der Arona nicht ganz so agil und leidenschaftlich zur Sache. Schnelle Kurven beeinträchtigen allenfalls eine geringfügige aber bauartbedingte  Seitenneigung. Trotzdem erweist sich der Arona als sehr handlich und wendig. Auch Bodenwellen werden stets ordentlich weggefiltern. Allenfalls kurze Bodenwellen werde zuweilen auch an die Passagiere gereicht.

Technische Daten Seat Arona Xcellence 1.0 TGI 90 PS
Hersteller:Seat
Karosserie:SUV-Crossover
Motor:Turbogeladener 1.0 TGI Dreizylinder - bivalent für Gas und Benzin-Betrieb
Getriebe:6-Gang manuell
Antrieb:Frontantrieb
Hubraum:999 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d-TEMP-EVAP (WLTP)
Leistung:66 kW (90 PS) bei 4.500 U/min
Drehmoment:160 Nm bei 1.900 U/min
Von 0 auf 100:10,0 s
Höchstgeschwindigkeit:182 km/h
Verbrauch (ECE):3,5 kg/100km
CO2-Effizienzklasse:A
CO2-Ausstoß98 g/km
Kraftstoff:CNG / Benzin
Wendekreis:10,6 Meter
Kofferraum:282- 1.162 Liter
Ladekantenhöhe:740 mm
Tankinhalt:13,8 kg CNG / 9,0 Liter Benzin
Leergewicht:1.308 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.138/1.780/1.552/2.566 mm
Versicherungsklassen KH/VK/TK16 / 17 / 20
Grundpreis Testwagen:21.280 Euro
Testwagenpreis:27.354 Euro

Preise und Extras

Mit dem Launch des Seat Arona TGI und der neuen TGI Generation wird auch der bisherige Aufpreis zum vergleichbaren Benziner reduziert. Beim Seat Ibiza von 1.450 auf 1.000 Euro und beim Seat Leon von 2.500 auf 1.500 Euro. Als Einführungsangebot sollen die TGI Modelle zeitlich befristet zum gleichen Preis wie die vergleichbaren Benziner angeboten werden. D.h. bis zum 30. Juni bietet das Unternehmen die Erdgas-Modelle zum gleichen Preis wie die Benziner-Versionen an. Eine Verlängerung der „Gleichpreisstrategie“ ist nicht gänzlich ausgeschlossen. Der Arona 1.0 TGI beginnt aktuell bei 19.820 Euro. Die Topversion FR kostet mindestens 21.820 Euro. Es gibt von Seat auch für die CNG-Variante das volle Ausstattungsprogramm mit Reference, Style, FR und Xcellence. Der von uns gefahrene Arona in der Ausstattungsvariante Xcellence und FR sind bereits mit ziemlich vielen elektronischen Unterstützern unterwegs wie einem Parklenkassistent, Tot-Winkel-Assistent und Rückfahrkamera (Aufpreis 590 Euro), einer adaptiven Geschwindigkeitskontrolle (210 Euro) und Tempomaten mit Müdigkeitserkennung. Der Ausparkassistent, der den rückwärtigen Verkehr erkennt, kostet zwar einen Aufpreis von 360 Euro. Doch diese Investition lohnt – gerade im beim rückwärts Ausparken.

Fazit: Vorurteile überholt – Erdgasautos reduzieren CO2-Ausstoß und Kraftstoffkosten

Die spanische VW-Tochter fährt für den CNG-Antrieb aus der Riege der Mini-SUV für den VW-Konzern vorweg. Als urbaner Lifestyle-Flitzer im Offroad-Look erweist sich der Arona als zeitgemäßer Vertreter der neuen Crossover-Welle. Der fehlende Allrad ist hier kein Manko, sondern ein vernünftiger Trend um Anschaffungs- und Kraftstoffkosten zu sparen. dies gilt insbesondere für den CNG-Antrieb. Der Arona trifft im Segment der kleinen Crossover auch auf starke Gegner wie VW T-Cross, Skoda Kamiq, Nissan Juke, Opel Mokka X und Renault Captur. Aber keiner der Rivalen verfügt aktuell wahweise über einen bivalenten CNG-Antrieb.  Das Design des Arona verzichtet auf unnötige Effekthascherei und ist sehr gefällig. Zwar steht beim Arona der Komfort im Mittelpunkt. Dennoch stellt sich bei den Passagieren das gewünschte SUV-Gefühl ein. Alles in allem präsentiert sich der neue Seat Arona 1.0 TGI als eine echte Ökokiste ohne Langweiler-Image oder sonstiger Ökonachteile.

Seat Arona Xcellence / FR 1.0 TGI - 90 PS
Ist Erdgas eine Alternative für Umwelt und Geldbeutel? Der Seat Arona Xcellence 1.0 TGI im Test.
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