Renault Scénic Energy TCe 115 (2017) im Fahrbericht – Schicker Kompaktvan

23. September 2017 21:33 Autor:

Im Test der Renault Scénic Energy TCe 115 in der Ausstattungsstufe Experience – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Unterwegs im neuen Renault Scénic

Der Scénic hat vor 20 Jahren das Segment der Kompaktvans in Europa begründet. Vor anderthalb Jahren hat Renault den Scénic komplett erneuert und offeriert ihn nun in vierter Auflage. Die Neuauflage ist deutlich schicker geworden. Der Kompaktvan aus der Feder von Laurens van den Acker verspricht mit der neuen Generation nicht nur hübscher, sondern soll auch deutlich praktischer geworden zu sein. Ob Renault dieses Versprechen halten kann haben wir in einem ausführlichen Fahrbericht überprüft.

Optik

Das Erscheinungsbild wird u.a. wesentlich durch die serienmäßigen „Large and Narrow“-Räder im XXL-Format bestimmt. Der Hersteller montiert 20-Zöller an ein Fahrzeug, das in der Basisversion bereits ab 19.900 Euro zu haben ist. Renault demonstriert eindrucksvolll, wie chick raumfunktionale Konzepte aussehen können. Die Begründung liegt in Effizienzgewinnen. In der Erstausrüstung kommen Reifen von Conti, Goodyear oder Michelin zum Einsatz. Renault argumentiert, die um 25 Prozent höheren Reifenkosten relativieren sich durch durch die um ein Viertel längere Lebensdauer. Zugunsten der Effizienz sind die Reifen mit 195 Millimeter zwar sehr schmal, und damit der Federungskomfort nicht leidet, ist die Reifenflanke knapp elf Zentimeter hoch. Eine optionale Zweifarblackierung verleihen dem Scénic noch eine weitere besondere Note. Optisch aufgewertet wirkt der Scénic mit dem optionalen LED-Tagfahrlicht. Zusammen mit dem LED-Band in den Rückleuchten bleiben diese im Fahrbetrieb immer eingeschaltet – auch am Tag.

 

Renault Scénic Energy TCe 115 Experience (2017)
Renault Scénic Energy TCe 115 Experience (2017)
Renault Scénic Energy TCe 115 Experience (2017)
Unser Testwagen in Honig-Gelb: Der Renault Scenic Energy TCe 115 Experience - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Interieur

Materialauswahl, Haptik und Verarbeitung überzeugen und präsentieren sich mit einer hohen Passgenauigkeit. Weder Klappern, Knistern oder Knarzgeräusche konnten wir vernehmen. Die weit vorne liegende A-Säule samt riesiger Frontscheibe des Renault Scénic lässt zum einen viel Licht in den Innenraum und vermittelt den Frontspassagieren ein großartiges Raumgefühl. Größere dürften sich zuweilen an den kurzen Lehnen der vorderen Sitze stören. Im Fond auf den Rücksitzen geht es für einen Van überraschend eng und unbequem zu. Ein einzigartiges Gimmick – aber technisch gut gelöst – ist die um 27 Zentimeter längs verschiebbare Mittelkonsole.

Das Kombiinstrument ist wieder direkt vor dem Fahrer und nicht wie beim Vorgänger mittig im Cockpit plaziert. Dort sitzt jetzt das Online-Multimediasystem. Alle Komfort-, Sicherheits- und Multimediafunktionen sowie die Fahrassistenten lassen sich über den 8,7 Zoll großen, im Hochformat eingebauten Touchscreen steuern. Das mattierte Display läßt sich sehr gut ablesen.

Die Käufer eines Van messen der Variabilität eine große Bedeutung bei. Die Sitze im Fond lassen sich im Verhältnis 40 zu 60 umlegen. Beim Vorgänger waren es übrigens noch drei Einzelsitze. Die Rücksitzbank lässt sich um bis zu 16 Zentimeter längs verschieben. Der Beifahrersitz kann in den beiden höchsten Ausstattungen komplett nach vorn umgelegt werden, dann finden Gegenstände bis 2,61 Meter Länge Platz. Die Lehnen der zweiten und dritten Reihe lassen sich mit Knopfdruck aus dem Kofferraum oder aber auch über das Bordmenü umklappen. Der auch im umgeklappten Zustand ebene Ladeboden schluckt 506 bis maximal 1.554 Liter Gepäck und damit 36 Liter mehr als noch beim Vorgänger. Weiteren Stauraum versprechen die vier im Boden eingelassenen Staufächer. Alle Ablagen summieren sich auf 63 Liter. Hierzu trägt auch das gekühlte, ausziehbare Handschuhfach mit gut elf Litern Volumen bei.

 

Motor

Die 1,2-Liter-Benziner leistet in unserem Testwagen 115 PS und stemmt 190 Newtonmetern auf die Kurbelwelle. Alles in allem eine alltagstaugliche aber auch nicht sportliche Motorisierung. Der Benziner macht den Scénic zwar nicht zum Verkehtshindernis aber zwangsweise zu einem eher defensiven Gleiter. Den Paradesprint erledigt der Scénic in 12,6 Sekunden. Eine weitere Beschleunigung des 1,5 Tonnen schweren Van endet auf Wunsch erst bei 185 Stundenkilometern. Ab Werk mit Start-Stopp-System ausgeliefert gönnt sich der Van während unserer Testfahrten ungefähr 6,8 Liter je hundert gefahrene Kilometer. Der Hersteller gibt einen Normverbrauch von 5,8 Litern, enstprechend einer CO2-emission von 129 g je gefahrenem Kilometer.

Ausgewogenes Fahrwerk

Unsere anfängliche Befürchtungen eines unbequemen Fahrwerks aufgrund der großen Räder mussten wir revidieren. Zwar sind die Reifen groß und aber auch schmal (195er Breite) -aber der Scenic rollt auf ihnen vervorragend ab. Der große Felgendurchmesser bieten in Verbindung mit dem verbindlich abgestimmten Fahrwerk ein hohes Maß an Komfort und Beherrschabarkeit, das sich weder durch Querrinnen oder Schlaglöcher so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Die Lenkung ist im neuen Scénic viel besser als in den Vorgängermodellen. Insgesamt präsentiert sich der Scénic als ein komfortabler Van – auch oder gerade auf schlechterem Untergrund.

Der Scénic offeriert verschiedene Fahrprogramme. Verstelldämpfer und Allradantrieb gibt es dagegen nicht. Bei Bedarf ändert sich auf Knopfdruck seine Abstimmung: In vier Presets läßt sich der Charakter von sportlich bis komfortabel über eine sparsame Auslegung beinflussen. Im fünften Modus kann der Scénic-Fahrer seinen Vorlieben freien Lauf lassen und frei konfigurieren: komfortable Lenkung, sportlicher Motor, sparsame Klimaanlage. Nebenbei ändert sich auch die Farbe der Ambientebeleuchtung sowie verschiedene Instrumenten-Designs im Cockpit.

Der Van reagiert prompt und präzise auf Lenkbefehle, bleibt stets gutmütig und läuft selbst bei Seitenwind gut beherrschbar und richtungsstabil geradeaus. Bei hohen Kurventempi und selbst in nassen Kurven lassen sich mit dem Scénic erstaunliche Querkräfte aufbauen. Kräftige Beschleunigungen und rasantes Anfahren auf nassem Untergrund führen den frontgetriebenen Scénic dagegen an seine Grenzen.

 

Technische Daten Scénic Energy TCe 115 Experience (2017)
Hersteller:Renault
Karosserie:Mini-Van
Motor:Tce 115 Reihenvierzylinder Turbo-Benziner
Getriebe6-Gang Handschalter
AntriebFrontantrieb
Hubraum:1.197 ccm
EmissionsklasseEuro 6b
Leistung:85 kW (115 PS) bei 4.500 Umdrehungen pro Minute
Drehmoment:190 Nm bei 2.000 pro Minute
Höchstgeschwindigkeit:185 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h) in s12,3 Sekunden
Kombinierter Normverbrauch (ECE)5,8 Liter /100 km
CO2-Ausstoß129 g/km
Kraftstoff:Super 95 oktan
Tankinhalt52,0 Liter
Leergewicht ohne Fahrer1.503 kg
Kofferraum506 bis 1.554 Liter
Zuladung528 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand4.407/1.866/1.624/2.734 mm
Grundpreis Testwagenab 22.190,00 Euro
Testwagenpreis24.560,00 Euro

 

Preise und Extras

Der neue Renault Scénic kostet mindestens 19.900 Euro. Das Basismodell rollt mit Stahlfelgen, Stockhandbremse, konventionellen Instrumenten, MP3-Radio und einem Mini-Display mit Bluetooth-Anschluss und Streaming-Funktion vom Band. Der Renault verfügt sogar serienmäßig über einen Notbremsassistenten mit serienmäßiger Fußgängererkennung. Wir fuhren den Van in der Ausstattungsversion Experience zum Basispreis von 22.190 Euro. Hier umfasst die Sereinausstattung per Werk  bereits LM-Felgen Experience in 20 Zoll, 2-Zonen-Klima-Automatik, Verkehrszeichenerkennung, Lendenwirbelstütze, MP3-Radio inkl. DAB auf 4,2 Zoll-Display und 4 Lautsprechern, Key-Card Handsfree, Lederlenkrad, elektronische Parkbremse, LED-Tagfahrlicht, , 3D-LED-Heckleuchten, Fernlichtassistenten, Licht- und Regensensor, Nebelscheinwerfer,  Klappspiegel mit LED-Blinkern,  Das Navigations- (690 Euro) und Komfortpaket neben dem Notrad und Metallic-Lackierung erhöhen den Preis dann auf 24.560 Euro. Am oberen Ende der Skala lockt das Bose-Top-Modell mit diversen Assistenzsystemen, nobleren Oberflächen und mehr Luxus in Form von Massagesitz und großem Farbdisplay. Der Scénic teilt sich mit dem Espace und der Limousine Talisman die modularen CMF-Plattform (Common Module Family) und kommt somit gegen Aufpreis in den Genuss erfreulich vieler Assistenzsysteme der größeren Modelle.

 

Fazit – Moderner Van mit kleinen Schwächen

Der neue Scénic fährt sich gut, bremst souverän, erweist sich als komfortabel und auch genügsam. Die großen aber schmalen Räder sind ein klares optisches Plus ohne gravierende funktionelle Nachteile. Der Fokus des Scénic liegt immer noch auf der Alltags- und Familienfreundlichkeit. So kann man die Rückbank z.B. mittlerweile direkt über den Touchscreen umklappen. Einizig bei der Raumökonomie wäre noch Verbersserungspotenzial.

 

 

Renault Scénic Energy TCe 115 Experience (2017)
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