DUH fordert Überprüfung von BMW-Typzulassung des BMW 320d

4. Dezember 2017 23:56 Autor:
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Noch sind es nur Indizien: Aber Dieselgate errreicht BMW – Bildnachweis: Simon Annen/DUH

 

Klare Indizien für eine Abschalteinrichtung?

Die Affäre um Abschalteinriochtungen und schmutzige Diesel konnte bisher BMW nichts anhaben. Die Deutsche Umwelthilfe findet zu Unrecht und untermauert diese These mit eigenen Messungen.  BMW dagegen fühlt sich dagegen einer Kampagne ausgesetzt.

Auf der Straße bis zu 7,2-fach höher

Gemeinsame Untersuchungen der Deutschen Umwelthilfe, des ZDF-Magazins „WISO“ und eines Software-Experten an einem BMW 320d aus dem Jahr 2016 geben Hinweis auf unzulässige Abschalteinrichtungen – Stickoxid-Emissionen sind auf der Straße im Gegensatz zum Rollenprüfstand bis zu 7,2-fach höher – „Motorschutzgründe“ können nach Ansicht der DUH hier nicht geltend gemacht werden, da die Abgasreinigung in allen normalen Betriebssituationen vollumfänglich funktionieren muss. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert eine Überprüfung der Typgenehmigung. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat in ihrem Emissions-Kontroll-Institut (EKI) die Abgaswerte eines BMW 320d Euro 6 im realen Betrieb auf der Straße gemessen. Auffällig bei diesen Messergebnissen war, dass die gemessenen Werte deutlich schwankten. Während das Fahrzeug auf dem Prüfstand den Stickoxid (NOx)-Grenzwert einhielt, waren die Emissionen auf der Straße um das bis zu 7,2-fache höher. Ursache für diese Werte ist vor allem, dass die Abgasrückführung unter bestimmten Bedingungen teilweise praktisch abgeschaltet wird.

Nach den gemeinsamen Untersuchungen wird als Parameter für diese Abschaltung nicht nur die Drehzahl, sondern auch das Drehmoment verwendet. Der Software-Experte Lothar Daub erklärte im WISO-Beitrag vom 4.12.2017, dass die Abgasrückführung oberhalb von 3.500 Umdrehungen komplett abgeschaltet wird und verwies darauf, dass dies in der Software des Fahrzeugs so abgelegt sei. Es gäbe ein Kennfeld dazu und entsprechende Daten. Eine solche Drehzahl erreicht man bereits bei 47 km/h im zweiten Gang, 70km/h im dritten Gang, 87 km/h im vierten Gang und 112 km/h im fünften Gang.

Die Europäische Typzulassungsverordnung 715/2007 zählt in ihrer Begriffsdefinition zu Abschalteinrichtungen ausdrücklich die Motordrehzahl (UpM) als Parameter für die Verringerung der Wirksamkeit des Emissionskontrollsystems bei normalem Fahrzeugbetrieb auf. Eine generelle Aktivierung von Abschalteinrichtungen ist nach dieser Verordnung eindeutig unzulässig.

Die DUH beantragt beim Verkehrsministerium die bisher unter Hinweis auf Betriebsgeheimnisse der Hersteller verweigerte Veröffentlichung aller amtlich bekannter Abschalteinrichtungen bei Diesel-Pkw unterschiedlicher Hersteller. BMW fordert sie dazu auf, alle in ihren Fahrzeugen verbauten, nach Außentemperatur, Drehmoment oder Motordrehzahl gesteuerten Abschalteinrichtungen komplett zu entfernen, da die Fahrzeuge nicht nur in Prüfsituationen, sondern in allen normalen Betriebssituationen eine voll funktionstüchtige Abgasreinigung haben müssen.

In Zusammenarbeit mit dem ZDF-Magazin „WISO“ wurde das Fahrzeug beim TÜV Nord auf dem Prüfstand im Zulassungstest, dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ), gemessen. Das Fahrzeug erreichte mit 27,6 mg NOx/km ein sehr gutes Ergebnis. Auch bei der Fahrt auf dem Prüfstand mit zehnprozentig höherer Geschwindigkeit (NEFZ+10%) lagen die Werte deutlich unter dem Euro 6 Grenzwert.

Dasselbe Fahrzeug wurde im Anschluss im EKI der DUH auf der Straße gemessen. Die „Real Drive Emissionen“ (RDE) lagen dabei deutlich über dem Grenzwert von Euro 6. Besonders bei den Messungen im „Außerortsteil“ des Zulassungstests (NEFZ) waren die NOx-Emissionen deutlich erhöht – und noch höher im NEFZ+10 Prozent. Im Vergleich zu den TÜV-Messungen lagen bei den Straßenmessungen die NOx-Emissionen im Außerortsteil des NEFZ+10 Prozent bei vergleichbarer Fahrweise um den Faktor 7,2 höher. Das Fahrzeug wurde vertieften Untersuchungen unterzogen, um den Ursachen des stark erhöhten NOx-Ausstoßes auf den Grund zu gehen.

KBA prüft Vorwürfe

BMW teilte im Zuge der Vorwürfe mit, dass Fahrzeuge von BMW grundsätzlich den gesetzlichen Vorschriften entsprächen und nicht manipuliert seien. Ein technisch identischen Modell sei schon 2015 der TÜV Süd nach unabhängiger Prüfung mit Stickoxid-Werten völlig unauffällig gewesen. unterdessen ist es immer nioch umstritten, wann das Herunterregeln der Abgasreinigung mit dem Motorschutz vereinbar ist.

 

 

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