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Ein echtes SUV? Mercedes GLA GLA 220d 4Matic (H247) im Fahrbericht

Der Mercedes GLA 220d 4Matic 8G-DCT im Einzeltest - Bildnachweis: MOTORMOBILES

  

 

Die zweite Generation tritt an
 

Der neue GLA (Baureihe H247) komplettiert als achtes Modell die aktuelle Kompaktwagen-Generation von Mercedes. Produziert wird der GLA in Rastatt (Deutschland), sowie für den lokalen Markt in Peking (China). Wir haben den GLA als 220 CDI mit Allrad (4Matic) gefahren. Die Neuauflage des GLA ist 17 Zentimeter höher als die A-Klasse und immer noch 11 Zentimeter höher als der vorherige GLA. Zudem ist der neue GLA ist gewachsen und überragt seinen Vorgänger um mehr als zehn Zentimeter in der Höhe, ist aber anderthalb Zentimeter kürzer. Der Radstand wächst um 3 cm. Räder gibt es von 17 bis 21 Zoll. Die Länge von 4,41 m entspricht übrigens genau der Länge der Mercedes A-Klasse, und der GLA ist 22 cm kürzer als der Mercedes GLB.

Zugleich markiert der GLA den Markeneinstieg in die erfolgreiche SUV-Modellfamilie der Marke. Nach zwei Limousinen mit unterschiedlichem Radstand, dem Mini-Van B-Klasse, dem Siebensitzer-SUV GLB und dem schnittigen CLA nebst Shooting-Brake-Kombi markiert der GLA die achte und letzte Ausbaustufe der Stuttgarter Kompaktfamilie, die inzwischen zur größten im Mercedes-Angebot ausgebaut wurde. Vorne bietet der neue GLA mehr Kopffreiheit und hinten deutlich mehr Beinraum. Auffällig sind seine Offroad-typischen Designelemente wie die aufrechte Frontpartie, extrem kurze und knackige Überhänge vorne und hinten sowie die umlaufenden und schützende Beplankung und Claddings.

  

Der Mercedes GLA 220d 4Matic 8G-DCT im Einzeltest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Testwagen in Designo Mountaingrau magno
  

Für diese matten Lacke mit dem leichten, metallischen Schimmer ist Mercedes mittlerweile bekannt. Kein Wunder, denn das sieht außerordentlich sportlich und modern aus. Die designo-Lackserie erfreut sich einer hohen Beliebheit. Dass diese Schönheit ihren Preis hat, spürt man beim Blick auf die Preisliste: Mehrs als 2.200 Euro verlangt Mercedes für diese Lackspezialität. Mattlacke haben ihren optischen Reiz, aber auch einigen Nachteilen bei der Pflege oder Reparatur von Lackschäden.

 

 

Interieur Mercedes GLA 220d 4Matic 8G-DCT – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Interieur

 

Im Innenraum zeigt sich der GLA alles aufs feinste eingerichtet. Im Interieur offeriert der Mercedes GLA der Generation zwei nun vorne mehr Kopfraum. Die Sitzposition ist zudem SUV-typischer, während der Vorgänger noch sehr stark Crossover bzw. hochgebockte A-Klasse war. Fahrer und Beifahrer sitzen nun 14 cm höher als in der A-Klasse und 5 cm höher als in der B-Klasse.


Der GLA wirkt nicht nur wegen der in unserem Testwagen verwendeten sehr edlen Materialien recht gediegen. Die Schwaben haben im Interieur wieder zu ihrer alten Tugend einer maßgeblichen Premium-Qualität zurückgefunden. Harte Oberflächen und Kunststoffe kaschiert Mercedes extrem geschickt. Materialauswahl, Haptik und Gestaltung überzeugen. Im Griff- und Tastbereich fühlen sich Cockpit und Umgebung sehr wertig an. Er wirkt nicht nur wegen der in unserem Testwagen verwendeten edlen Materialien wie Aluminium, Hochglanzflächen und softigem Echtleder recht gediegen. Eine Hingucker ist das neue Armaturenbrett. Gefräste und sogar je nach Belüftunmgstemperatur beleuchtete Lüftungsdüsen zeugen vom Aufwand den Mercedes hier für die Optik und Funktionalität betreibt. Das Kofferraumvolumen offeriert 425 Liter. Über ein Umklappen der dreigeteilten Rücksitzlehnen läßt sich das Stauvolumen auf 1.420 Liter vergrößern. Vier Personen sitzen bequem und bis zu fünf Personen sind möglich. Gegen einen Aufpreis von 418 Euro lässt sich die Rückbank um 14 Zentimeter verschieben. Dies verschafft Variabilität, bringt aber natürlich nicht mehr Raum. Der GLA ist auch etwas breiter geworden, mit Außenspiegeln misst er nun knapp über zwei Meter. Da heißt es vorsichtig sein in engen Autobahnbaustellen.

 

  

Mercedes GLA 220d 4Matic 8G-DCT - 2021
Der Mercedes GLA 220d 4Matic 8G-DCT im Einzeltest - Bildnachweis: Laura Fleischhacker / MOTORMOBILES
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MBUX

  

Eine Wow-Effekt ruft immer das neue Armaturenbrett auf, das 2018 Einzug in die A-Klasse hielt, samt dem MBUX-Kommunikationssystem. MBUX heißt soviel wie “Mercedes-Benz User Experience”. Heute geschieht zudem vieles per Sprachbefehl „Hey Mercedes, Head-up-Display aus“, „Hey Mercedes, spiele NDR2“, „Hey Mercedes, klimatisiere auf 20 Grad“. Es ist überraschend welchen Umfang an Bedienmöglichkeiten sich auch sprachlich steuern lassen. Mit Navigationszielen fing es an. Mittlerweile ist Mercedes hier Technologieführer. Im Test klappte fast immer die Kommunikation.

 

Antrieb

  
Immerhin mobilisiert der Vierzylinder-Diesel 190 PS, die er aus 2.0 Litern Hubraum schöpft. Auf die Straße gebracht wird diese Leistung über ein Achtgang-DCT, also ein Doppelkupplungsgetriebe, das alle Viere antreibt. Unter optimalen Voraussetzungen soll der Mercedes GLA 250 den Null-Hundert-Paradesprint in 7,3 Sekunden auf 100 km/h erledigen. Das Ende des Vortriebs geben die Stuttgarter bei 219 km/h an. Ein Lob verdient der Verbrauch. Unser Testverbrauch im Dritelmix betrug bei sportlicher Fahrweise 6,5 Liter Diesel auf 100 gefahrene Kilometer. Bei zurückhaltender Sparfahrt sind auch Verbräuche um die 5 Liter gemäß Normverbrauch möglich.

  

Fahreigenschaften

  

An der Vorderachse verfügt der neue GLA über eine MacPherson-Konstruktion. Die Federung arbeitet meist ausgewogen und sehr harmonisch. Die Radführung übernehmen je ein Querlenker unterhalb der Radmitte, das MacPherson- Federbein und eine Spurstange. Der Querlenker ist ein Alu-Schmiedeteil. Das verringert das Gewicht und die ungefederten Massen. Die Achsschenkel sind aus Aluguss. Der GLA besitzt eine aufwändige Vierlenker-Hinterachse. Die drei Quer- und ein Längslenker pro Hinterrad sind für ein Höchstmaß an Fahrstabilität und -komfort; Längs- und Querdynamik abgestimmt. Die Hinterachse wird von einem Fahrschemel getragen, der vom Rohbau durch Gummilager entkoppelt ist – so übertragen sich weniger Vibrationen und Geräusche vom Fahrwerk auf die Karosserie. Mit 1.605 und 1.606 Millimetern (vorne/hinten) fällt die Spurweite über vier Zentimeter breiter als beim Vorgänger aus. Die stärkere Vorausfederung und die größeren Durchmesser der 17 bis 20 Zoll großen Räder führen zu einer höheren Bodenfreiheit (143 Millimeter/+9 Millimeter).

Unser GLA-Testwagen ist mit dem permanenten Allradsystem 4Matic (optional 2.200 Euro) mit vollvariabler Momentenverteilung ausgerüstet. Das Allradsystem arbeitet vollautomatisch im Hintergrund. Das Getriebe schaltet für den Fahrer kaum merklich, nur in der Stellung Sport ist das etwas anders, auch werden dann die Gänge im Vergleich zum Modus Comfort höher ausgedreht. Der sportlich ausgelegte Allradantrieb bietet dem Fahrer über den Dynamic Select Schalter die Möglichkeit, die Charakteristik der 4Matic zu beeinflussen. Es stehen drei Kennfelder für die Steuerung der Allradkupplung zur Verfügung, das System reagiert aber in jedem Modus flexibel auf die jeweilige Fahrsituation. Im regulären Fahrbetrieb ist für das Fahrprogramm “Eco/Comfort” eine Verteilung von 80:20 (VA:HA) die Basis, in dem Modus “Sport” von 70:30. Im Offroadmodus wird die Allradkupplung als Längssperre verwendet, die Basis-Aufteilung beträgt 50:50. Über eine Vielzahl von Sensoren fließt in die tatsächliche Regelung die aktuelle Fahrsituation aufgrund beispielsweise folgender Faktoren ein. Zu den Komponenten der 4Matic gehören der in das automatisierte Doppelkupplungsgetriebe integrierte Nebenabtrieb zur Hinterachse und das Hinterachsgetriebe mit integrierter Lamellenkupplung. Anders als beim Vorgänger mit hydraulischer Aktuierung wird die Kupplung elektro-mechanisch betätigt. Ein Bestandteil der kompakten Einheit ist auch das Hinterachsdifferential. Dieses gleicht die unterschiedlichen Wege/Drehzahlen der Hinterräder aus.

 

Technische Daten Mercedes GLB 220d 4Matic 8G-DCT
Hersteller:Mercedes
Modelljahr / Baujahr seit:MJ 2021
Karosserie:Kompakt-SUV mit 5 Sitzplätzen
Motor:Zweiliter-Diesel
Getriebe:8G-Doppelkupplungsgetriebe (DCT automatisch)
Antrieb:Allrad 4Matic
Hubraum:1.991 ccm
Emissionsklasse:Euro 6d ISC-FCM
Leistung:140 kW / 190 PS bei 3.800 U/min
Drehmoment:400 Nm ab 1.600 -2.600 U/min
Von 0 auf 100:7,3 s
Höchstgeschwindigkeit:219 km/h
Verbrauch (ECE):6,1 – 5,6 Liter
CO2-Ausstoß 140 – 133 g/km
CO2-EffizienzklasseA
AbgasreinigungSCR mit AdBlue
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis:11,4 Meter
Kofferraum:425 - 1.420 Liter
Ladekantenhöhe692 mm
Anhängelast ungebremst / gebremst 12%750 / 2.000 kg
Tankinhalt / Reserve:51 / 5 Liter
Leergewicht/Zuladung;1.670 kg / 520 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.410/1.834/1.611/2.729 mm
Testwagen Basispreis 200d 4 Matic - 190 PSab 45.196,20 Euro

  

Ausstattung, Optionen und Preise
  

Als erstes Modell in seiner Klasse verfügt der GLA analog dem höher positionierten GLS über eine Waschstraßenfunktion. Dabei bleiben die Außenspiegel eingeklappt und die Seitenscheiben sowie das Schiebedach geschlossen. Die Information des Regensensors wird unterdrückt, damit die Scheibenwischer in der Waschanlage ausgeschaltet bleiben. Die Klimaanlage schaltet auf Umluftbetrieb. Beim Ausfahren aus der Waschanlage werden diese Einstellungen selbsttätig wieder zurückgeschaltet, sobald über 20 km/h beschleunigt wird.

Der von uns gefahrene 4Matic verfügt serienmäßig über das Offroad-Technik-Paket. Dieses umfasst ein zusätzliches Fahrprogramm, eine Bergabfahrhilfe, eine Offroad-Animation im Media-Display sowie in Kombination mit Multibeam LED Scheinwerfern eine spezielle Lichtfunktion fürs Gelände. Die Preisliste ist eine geschickte Inszenierung der alten Aufpreispolitik. Die 112-seitige Preisliste ist lang und der GLA läßt sich über Extras und Optionen breit gefächert individualisieren und damit sein Preis extrem in die Höhe treiben. Vieles, was im Testwagen beeindruckt hat, kostet Aufpreis. Das zu recht gelobte Infotainmentsystem MBux ist in verschiedenen Ausbaustufen erhältlich. Für das High-End-Paket verlangen die Schwaben über 3.500 Euro, das Advanced MBUX kostet 1.541 Euro. So wird aus einem Basispreis unseres Testwagen von 45.196 Euro ein happiger Endpreis von über 65.000 Euro.

 

Fazit: Der GLA wurde zu einem echten und äußerst souveränen SUV

Der neue Mercedes GLA wird etwas mehr SUV als der Vorgänger. Er bietet mehr Platz und mehr Infotainment. Zudem setzt sich der GLA mit seiner Neuauflage selbstbewusst an die Spitze des Segments – natürlich wie gewohnt auch mit einem sehr selbsbewußten Preis. Serh gut gefallen hat uns der feinfühlig regelnde Allradantrieb, der nur in der Offroad-Stellung das Drehmoment zu gleichen Teilen zwischen den Achsen splittet. Zielgruppe für den neuen GLA dürften progressive Städter und v.a. statusbewusste Besserverdiener sein. Für den einen oder anderen Kaufinteressenten könnte es schwierig sein zu entscheiden, ob er auf den elektrischen EQA wartet, der zum Jahresende zu den Händlern rollt.

 

Mercedes GLA 220d 4Matic 8G-DCT - 2021
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