Mitsubishi ASX 2020 im Test: Geliftetes Kompakt-SUV mit 150-PS-Saugbenziner



Viel Ausstattung für wenig Geld

Ein Kompakt-SUV unterhalb des VW Tiguan mit 4,37 Metern Länge tritt gegen Opel Grandland X, Nissan Qashqai oder Seat Ateca an. Schon im Jahr 2010 gestartet, hätte der Wagen längst einen Generationswechsel verdient. Nach über neun Jahren und 1,36 Millionen verkauften Exemplaren mit zwei moderaten Facelifts spendiert Mitsubishi dem ASX nun ein drittes – besonders umfangreiches und tiefgreifendes – Facelift. Mitsubishi spricht von „neuer Generation“, obwohl die Grundarchitektur die alte blieb. Auch scheuten die Japaner nicht die hohen Werkzeugkosten zur Modifikation einiger Blechteile. Das ist ungewöhnlich bei einem Facelift. Neu geformt wurden Stoßfänger und die nun ausgeprägtere Unterschutzoptik vorn und hinten. Die Aktualisierung verschafft dem ASX vor allem vorne und hinten eine neue Optik, neue Motoren und (wieder) Allradantrieb. Seit September 2019 steht der frisch herausgeputzte Mitsubishi ab 21.290 Euro beim Händler. Dem schon angekündigten Nachfolger verschafft die umfassende Aktualisierung des Facelift noch etwas Entwicklungszeit. Wir haben uns für unseren Fahrbericht für den aktualisierten ASX mit 150 PS starkem Zweiliter-Benziner und Automatik in der Ausstattungslinie Top entschieden.



Best Value- und Quality-Ansatz


Mitsubishi verkauft als Importeurmarke übrigens mehr Autos an private Endkunden als viele auf dem deutschen Markt deutlich präsentere Marken wie Audi oder Opel. Das überrascht. Hat aber seine Gründe. Da sind zum einen das Qualitätsniveau aber auch das über Jahre erarbeitete Renomme eines guten Preis-/Leistungsverhältnis. Direkte Wettbewerber des ASX sind der Seat Ateca, Mazda CX-3, Opel Mokka X, Hyundai Kona, VW T-Roc oder auch Audi Q3. Die Reihen der Konkurrenz sind dicht besetzt.

Der neue ASX punktet optional wieder mit Allrad (4WD) – Bildnachweis: MOTORMOBILES



Design



Der ASX, der zwischenzeitlich auch die Basis für Citroen C4 Aircross und Peugeot 4008 war,  präsentiert sich nun deutlich bulliger. Der dezente Look der Vorgängergeneration weicht der neuen Designoptik „Dynamic Shield Phase 2“,  die sich deutlich zeitgemäßer und selbstbewußter darstellt. Das jüngste Facelift orientiert sich am großen Bruder Outlander und dem SUV-Coupé Eclipse Cross. Die neue Front mit den Tagfahrleuchten im Glasbaustein-Stil dem ASX ein noch sportlicheres Antlitz als die des deutlich jüngeren Optikspenders  Eclipse Cross. Der breite Kühlergrill mit schmalen LED-Scheinwerfern und ein angedeuteter Kuhfänger sind stilistisch gelungen und stehen dem ASX gut zu Gesicht. Aber auch am Heck betonen die Designer mit den neuen LED-Heckleuchten mit vielen kleinen Modifikationen geschickt den neuen Auftritt des SUV .
 

Interieur



Im Interieur präsentiert sich der Mitsubishi mit einer guten Verarbeitungsqualität und  hochwertigen Oberflächen. Man spürt überall den ergonomischem Feinschliff, die Dachhimmelverkleidung ist in Schwarz gehalten. Die gestiegene Qualitätsanmutung zeigt sich durch Verbesserungen im Detail wie beispielsweise eine Mittelkonsole mit teilweise metallischer Oberflächenstruktur und kontaktfreundlichen Softtouch-Kniepads.

Im Innenraum präsentiert sich der ASX optisch und technsich aufgefrischt mit neuen Bedienelementen für die Klimaregelung und überarbeiteten Infotainment-System. Der Touchscreen ist von sieben auf acht Zoll gewachsen. Zudem gibt es ein Multifunktionslenkrad und einen Schaltknauf in Leder, eine Rückfahrkamera und eine Sitzheizung.
Die implementierte Navigationsfunktion von TomTom punktet mit einem guten Funktionsumfang und guter Darstellung. Zudem kann sie sich  über das Smartphone des Fahrers Echtzeit-Verkehrsdaten heranziehen.
Vorne sitzt man ausgezeichnet, hinten im Fond wird im Kopfbereich für Großgewachsene (> 190 cm) schnell eng. Das Frachtabteil ist mit 406 bis 1.206 Liter kleiner bemessen als bei seinen direkten Wettebewerbern Nissan Qashqai (430 bis 1.598 Liter) oder Seat Ateca (510 bis 1.604 Liter). Dafür ist der Kofferaumzuschnitt mit nur kleiner Schwelle und fast ebenen Ladeboden sehr gut nutzbar.

   

   

Konnektivität



An Bord ist eine neue Version des Infotainment-Systems „Smartphone Link Display Audio II“ (SDA II) mit verbesserter Konnektivität, die eine Nutzung ausgewählter Smartphone-Apps während der Fahrt ermöglicht. Je nach Ausstattungslinie sorgt ein modernes TomTom-Navigationsgerät mit Echtzeitverkehrsanzeige (nur in Verbindung mit einer App) und Verkehrszeichenanzeige (über das Kartenmaterial) dafür, dass der Fahrer jederzeit den richtigen, sichersten und auch schnellsten Weg findet.


Antrieb mit rund 30 Prozent mehr Leistung



Der größte Fortschritt im Rahmen des Facelift fand unter der Haube statt. Den bisherigen 1,6-Liter-Saug-Benziner hat Mitsubishi durch einen modernen 2,0-Liter-Sauger ersetzt, der sich bereits in den USA-Modellen bewährt hat. Das neue Aggregat hebt das Leistungsniveau von bisher 117 auf nun 150 PS an. Und auch das Drehmoment profitiert mit einer Erhöhung von 154 auf 195 Nm. Die liegen erst bei hohen 4.200 Touren an, da die Japaner auf einen Turbolader verzichten. Seine Kraft überträgt der Antrieb auf alle vier Räder – und in unserem tetswagen – über ein CVT-Getriebe.  Zwischen 25 und 30 Prozent der Abnehmer entscheiden sich laut Importeur für den Allradantrieb. Außerdem kann der ASX wahlweise mit Fünf-Gang-Schaltgetriebe oder mit Sechs-Stufen-CVT-Getriebe kombiniert werden – Mitsubishi erwartet, dass ein signifikanter Anteil der Käufer die Automatik-Variante bevorzugen wird. Das CVT-Getriebe läßt sich auch per Lenkradpaddles manuell beinflussen. Man sollte nur dran denken, irgendwann den Automatikmodus wieder zu aktivieren (rechte Wippe länger gezogen lassen – auch für Eco-Modus).

Das CVT bietet nicht den Komfort einer Wandler-Automatik und reagiert auf Gasbefehl zuweilen etwas verzögert und wird unter Volllast immer noch recht laut, ist aber bei weitem nicht mehr so unharmonisch wie seine Vorgänger und im Alltag auf jeden Fall eine gute Alternative für Schaltfaule. Den Zeitgewinn des Null-Hundert-Paradesprint, das der frontgetriebene Handschalter gegenüber dem Vorgänger ermöglicht, macht das stufenlose Getriebe zu einem Teil zunichte – die 2WD-Version benötigt mit CVT 11,7 Sekunden, der Allradler 12,2 Sekunden. Die Spitze beträgt nun 190 km/h (Vorgänger 183 km/h), die Anhängelast steigt um 100 Kilogramm auf 1,3 Tonnen.  Mit Automatik liegt die Stärke des ASX im komfortablen Mitschwimmen im Verkehr.  Der Tankinhalt beträgt 60 Liter.

Den Allradantrieb hatte Mitsubishi 2018 gemeinsam mit dem Selbstzünder gestrichen und hat den sinnvollen 4WD nun wieder im Angebot. Das intelligente 4×4-System arbeitet nach klassischer Machart mit einer elektronisch geregelten Kupplung wird die Hinterachse bedarfsgerecht mit Kraft versorgt. Bietet der Untergrund genügend Grip, gehen nur zwei Prozent der Power nach hinten. Erkennt das System durchdrehende Räder, schickt es maximal bis zur Hälfte der Kraft an die Hinterhand. Über die Lock-Funktion lässt sich das maximale Drehmoment an der Hinterachse erzwingen, was beim Anfahren auf schlechtem Untergrund von Vorteil sein kann.
   

 

Technische Daten Mitsubishi ASX 2.0 MIVEC CVT 4WD AT Top - 110 kW/150 PS
Hersteller:Mitsubishi
Karosserie:Kompakt SUV
Motor:2 Liter Saug-Benziner (MIVEC) der 4J11-Motorenfamilie mit Multipoint-Injection (MPI)
GetriebeCVT Automatik
Antrieb Allrad 4WD, variabel per Knopfdruck
Hubraum:1.998 ccm
EmissionsklasseEuro 6
Leistung:110 kW / 150 PS bei 6.000 U/Min
Drehmoment:195 Nm bei 4.200 U/min
Höchstgeschwindigkeit:190 km/h
Beschleunigung (0-100 km/h) in s12,2 Sekunden
Kombinierter Normverbrauch (ECE) 7,3 Liter /100 km
Testverbrauch8,9 Liter / 100 km
CO2-Ausstoß 167 g/km
EnergieeffizienzklasseD
AbgasnormEuro 6d-TEMP-EVAP-ISC
Kraftstoff:Benzin ROZ 95 E5/E10
Tankinhalt60 Liter
Leergewicht 1.590kg
Kofferraum406 - 1.156 Liter
Zuladung455 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand 4.365 / 1.810 / 1.640 / 2.670 mm
Wendekreis10,6 Meter
Zul. Anhängelast (gebr./ 12%) 1.300 kg
Testwagenpreis ab:33.390,– EUR

   

Fahreigenschaften



Die Lenkung ist angenehm sehr präzise und die Federung des ASX lässt kaum Wünsche offen. Das Fahrwerk kommt mit Unebenheiten gut zurecht, und hält Stöße von den Insassen fern. All dies ohne zu sehr nachzufedern. Das Abrollverhalten ist auf hohem Niveau. Lediglich kurz aufeinanderfolgende Querrillen lassen die Karosserie erzittern.  Auf der Straße fühlt sich der Wagen stets sicher an. Das narrensichere Fahrverhalten erweist sich als sehr gutmütig und stellt den Fahrer selbst bei schnell genommenen Kurven vor keine allzu großen Probleme. Eine Tendenz zum Unter- oder Übersteuern konnten wir nicht ausmachen. Hierzu trägt sicherlich auch das Allradsystem bei. Der ASX erwies sich als durchaus langstreckentauglich.  Eine entspannte Sitzposition  auf gut gepolsterten Sitzen ermöglicht einen besseren Überblick als in vielen seiner Wettbewerbern. Hierzu tragen auch die relativ großen Fensterflächen bei.

Kosten und Ausstattung



Bereits die Basisversion „Basis“ (21.290 Euro) verfügt serienmäßig über sieben Airbags, Bi-LED-Scheinwerfer, Regensensor und elektrisch beheiz- und verstellbare Außenspiegel sowie Klimaautomatik. Im mittleren Komfortniveau „Plus“ ab 25.990 Euro gehören 18-Zoll-Alus, Infotainment-System mit Smartphone-Integration und ein schlüsselloses Zugangssystem zum Bestandteil des Serienumfangs. Ab 29.990 Euro ist die von uns gefahrene Version „Top“ erhältlich, die unter anderem Ledersitze, ein Panorama-Glasdach, Sportpedalerie sowie ein Sound-System mit 710-Watt-Verstärker beinhaltet. Allerdings muss man auch in den höherwertigen Ausstattungsvarianten wie der von uns gefahrenen Version Top auf moderne Elemente wie einen Abstandstempomaten oder eine elektrische Heckklappe verzichten. Hier merkt man, dass der ASX im Kern nicht mehr ganz taufrisch ist.  Auch eine induktive Ladeschale oder ein Head-up-Display sucht man nach wie vor vergebens. Mit CVT-Automatik und Allrad kostet der ASX dann mindestens 33.390 Euro.

Fazit: Unverändert solide und ein Angebot für Sparfüchse



Möglichkeiten der Individualisierung und bei der Auswahl der modernsten Assistenten müssen beim ASX Abstriche gemacht werden.  Ansonsten ist das kompakte SUV hochgradig solide. Seien es der Antrieb inkl. Allrad wie aber auch Fahrwerk und Infotainment. Der ASX bietet viel Ausstattung zu einem sehr guten Preis und kombiniert Alltagsnutzen,  Haltbarkeit und Vollausstattung mit Preiswürdigkeit. Das Preis-/Leistungs- und Qualitätsverhältnis dürfte eines der wesentlichen Erfolgsfaktoren der japanischen Marke sein und den Begründungszusammenhang liefern, warum Mitsubishi gerade bei Privatleuten so erfolgreich punktet. Ein weiterer Aspekt dürfte hierfür die umfassende Werksgarantie für fünf Jahre oder bis zu 100 000 Kilometer sein. Seine deutschen Wettbewerber mit ihren kümmerlichen zwei Jahren Gewährleistung positionieren sich hier deutlich schlechter. Und mit seinem attraktiven Auftritt in kompakten Dimensionen, hoher Funktionalität und einem hohen Fahrsicherheitsniveau – je nach Antriebsvariante mit Allradunterstützung-  spricht die Neuauflage des ASX neben den Privatkunden durchaus auch die gewerbliche Klientel an.  Den um rund 4.000 Euro höheren Preis im Vergleich zum Vorgänger verargumentieren die Japaner – nachvollziehbar – mit der besseren Serienausstattung.