Schon gefahren: Jaguar XE Facelift (2019) – Gut dosiertes Update

23. Juni 2019 22:09 Autor:
Im Kurztest der Jaguar XE R-Dynamic S P250 – Bildnachweis: MOTORMOBILES

Mehr Premium in der Mittelklasse

Der Jaguar XE ist der ewige Verfolger der drei deutschen Wettbwerber  A4, 3er und C-Klasse. Bislang fuhr der Jaguar XE den deutschen Wettbewerbern hinterher. Damit der XE aufschließen kann, haben die Briten ihn kräftig aufgewertet. Vor allem bei der Materialanmutung im Interieur hat die Raubkatze kräftig aufgesattelt. Pünktlich zum aktuell anstehenden Händler-Start im Juni 2019 sind wir die aktualisierte Einstiegs-Limousine des britischen Herstellers bereits gefahren und konnten uns von den neuen Vorzügen überzeugen.

In der Historie war der XE-Vorgänger der wenig erfolgreiche Jaguar X-Type. Der Versuch in der Mittelklasse auf der Plattform des Ford Mondeo zu punkten scheiterte. 2014 launchte mit dem XE der erste „echte“ Jaguar in der Mittelklasse. Optisch war die Baby-Raubkatze so gelungen, dass nun mit dem Facelift nur sehr behutsame Änderungen eingebracht werden müssen. Und hier sind es eher die kleinen Modifikationen, die eine große Wirkung haben. Neben modifizierten Stoßfängern sind dies ein breiterer und flacherer Kühlergrill mit vergrößerten seitlichen Lufteinlässen. Das Radar für die adaptive Geschwindigkeitsregelung ist nun hinter das vergrößerten Logo im Kühlergrill platziert. Die schlanker ausgeführten Frontscheinwerfer senken die Bugpartie optisch ab. Das Tagfahrlicht in LED präsentiert sich mit J-Blade-Signatur. Die dunkel getönten Reflektoren untermalen den dynamischen Charakter des XE mit mehr Präsenz und mehr Sportlichkeit. Mit dem dynamisch geprägten Design setzt der Brite in jedem Fall einen erfrischenden Akzent und gehört damit fraglos zu einem der schickeren Modelle in der Mittelklasse.

Jaguar XE R-Dynamic S P250 - Mj2019
Bislang fuhr der Jaguar XE den deutschen Wettbewerbern hinterher. Damit der XE aufschließen kann, haben die Briten ihn kräftig aufgewertet - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Einen ähnlichen Effekt bewirken die LED-Heckleuchten, deren Blinker mit animierten Lauflicht nun ebenfalls sequentiell aufleuchten. Auch am Heck wurden die Stoßfänger neu gestaltet und unterstreichen optisch die Breite des Fahrzeug-Hecks. Eine in der Dachantenne eingebaute Kamera versorgt den Fahrer mit klaren Bildern von dem, was hinter dem Wagen passiert. Die Summe aller optischen Retuschen verschaffen dem XE eine dynamisch geprägte Optik. Damit setzt der Brite ein erfrischendes Ausrufzeichen in seinem Segment und gehört damit fraglos zu einem der schickeren Modelle in der Mittelklasse.

Die neue Hochwertigkeit –  Interieur

Neben der üblichen Facelift-Kosmetik an Front und Heck  – haben sich die Designer rund um Ian Callum vor allem des eng geschnittenen Interieurs angenommen. Hier sind die Modifikationen deutlich weitreichender als beim Exterieur. Das neue Interieur präsentiert sich nun deutlich hochwertiger und steht für einen Zugewinn an Komfort. Für ein edles Ambienté und haptischen Genuss sorgen eine erstklassige Verarbeitung und gediegene Materialauswahl. Hartplastik sucht man vergebens und auch Stoffsitze sind nicht mehr im Angebot. Hinzu kommen eine neugestaltete Türtafel mit größeren Ablagefächern und vor allem neue Hightech-Anzeigen. Komplett neu ist das Cockpit. Bei den Instrumenten hinter dem ebenfalls erneuerten Lenkrad erhält der Kunde serienmäßig eine analog-digitale Anzeige klassischer Prägung.  Zu einem Aufpreis für 700 Euro gibt es ein volldigitales 12,3-Zoll-Instrumentenpanel. Noch mal zweihundert Euro mehr werden für die dritte Anzeige fällig, das Head-up-Display. Der Bildschirm hat allerdings nicht sämtliche Bedienelemente  abgelöst. Somit bleibt das Fahren im XE 2019 nach wie vor  ein haptisches Erlebnis.

Eine Innovation in dieser Fahrzeugklasse ist der ClearSight-Innenrückspiegel. Der digitale Rückspiegel überträgt über die in die Dachantenne integrierte Kamera das Bild des rückwärtigen Bereichs auf ein in das Spiegelgehäuse integriertes HD-Display. Sperrige Gegenstände,  groß gewachsene Personen im Fond oder eine beschlagene Heckscheibe können nun den Blick nach hinten nicht mehr trüben. Mit einem kleinen Kippschalter am Spiegel kann der Fahrer zwischen der neuen und der herkömmlichen Spiegeleinstellung wechseln. Dies funktioniert so gut, dann man sich an die neue Technik  schnell gewöhnen dürfte. Eine Empfehlung zu 400 Euro Aufpreis ist das Touch-Pro-Duo-Infotainmentsystem aus dem Elektro-SUV I-Pace, dass die Mittelkonsole mit dem serienmäßigen, breiten 10-Zoll-Touchscreen belegt und darunter noch ein zweites, halb so großes Display mitbringt. Das beherrscht ebenfalls eine Touchbedienung und dient u.a. der Steuerung der Klimaanlage.

 

Bisherige Basisantriebe entfallen

Drei Vierzylinder-Motoren stehen für den Fahrspaß zur Verfügung, zwei Benziner und ein Diesel. Den Einstieg markiert ein Zweiliter-Selbstzünder mit 180 PS, der mit einem  Drehmomentmaximum von 430 Newtonmeter reichlich Kraft zur Verfügung stellt. Sein kombinierter Normverbrauch gem. WLPT begnügt sich mit knapp fünf Liters Sprit. Erst mit gewissen Drehzahlen zeigt sich der mit Heck- oder Allradantrieb angebotene Selbstzünder  von der munteren Sorte. Alternativ bieten die Briten als ottoseitigen Einstieg auch einen  zwei Liter große Benziner  zu Preisen ab 44.390 Euro an. Dieser mobilisiert 250 PS und stemmt eine maximale Kraft von 365 Newtonmetern schon ab 1.300 Touren auf die Kurbelwelle. Das Aggregat bietet im XE genügend Kraft in allen Lebenslagen. Die seidenweiche Kraftentfaltung ist beeindruckend. Die Topmotorisierung kommt dem 300 PS starken Benziner zu. Hier verlangt Jaguar für den XE S P300 AWD mindestens 50.140 Euro. Der 300 PS starke Turbobenziner beschleunigt mit 400 Newtonmetern Drehmoment und serienmäßigem Allradantrieb in 5,7 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Der kombinierte Normverbrauich beträgt hier 7,5 Liter. Bereits seit dem Modelljahr 2019 rüstet Jaguar analog zu den Dieseln auch alle Benziner mit einem Partikelfilter (GPF) aus. Damit erfüllen alle Motoren die neue Abgasnorm EU6d-Temp.

Automatikwählhebel vom F-Type inspiriert

Den XE wird es künftig nur noch mit der Achtstufenautomatik von ZF geben. Neu ist zudem der Wähhebel in klassischer Ausführung für die Automatik. Der runde, aus dem Mitteltunnel ausfahrende Drehknauf ist damit abgelöst. Der bisherige Basisdiesel mit manuellem Schalter ist mit dem Facelift somit ebenfalls Geschichte. Und auch der Basis-Benziner wurde ersatzlos gestrichen.

Fahreigenschaften

Wer sich für die adaptiven Dämpfer entscheidet, kann den XE noch ein bisschen straffen. Ansonsten beeinflusst der Dynamikmodus nur Lenkung und Gasannahme. Die Spreizung ist allerdings gering und die gefühlten Unterschiede zum Komfortbetrieb sind nicht sehr ausgeprägt. Markentypisch gibt sich der XE kurvenhungrig und lenkt auf Wunsch präzise und entschlossen ein. Dank seiner punktgenauen Lenkung – sie charakterisiert den XE – zeigt sich der Jag hier besonders talentiert. Als erster Jaguar erhält der XE statt einer hydraulischen eine elektromechanische Servolenkung. Diese präsentiert sich mit sicherer Rückmeldung, präzise-neutral und stets gutem Handling. Die Lenkung im XE dürfte für sich aktuell den Benchmark in der gehobenen Mittelklasse für sich reklamieren. Hierzu trägt auch das per Bremseingriff simulierte Torque Vectoring bei. Hier drückt sich der Jaguar XE mit dem Heck erst enger in die Kurve, um dann vehement herausbeschleunigen zu können.
Unebenheiten werden vom Fahrwerk trotz straffer Auslegung stets sauber absorbiert. Auch die Autobahn beherrscht der adaptivgedämpfte (1.100 Euro) XE ausgezeichnet und federt geschmeidig über lange Wellen und steckt kurze Stöße sanft weg.  Ganz so, wie sich das für einen echten Jag eben gehört.

Das Fahrwerk verfügt über eine aufwändige Mehrlenkerhinterachse, Die Vorderachse stammt aus dem F-Type und hat Doppelquerlenker, die verläßlich für einen konstanten Sturz sorgen. Zur Gewichtsreduktion der ungefeerten Massen bestehen die Achsschenkel aus Aluminium. Die hohl gebohrten Querstabilisatoren mindern zusätzlich das Gewicht. Auch dank ausgeglichener Gewichtsbalance vermag der Jaguar XE eine enge Verbindung zwischen Straße und Fahrer aufbauen.

 

Technische Daten Jaguar XE R-Dynamic S P250 - Mj2019
Hersteller:Jaguar
Karosserie:Mittelklasse-Limousine
Motor:2.0 Liter 4-Zylinder-Turbobenziner
Getriebe8-Gang Automatik mit Start&Stop
Hubraum:1.997 ccm
EmissionsklasseEU6d-TEMP
AbgasreinigungU.a. per Benzinpartikelfilter (GPF)
Leistung:184 kW / 250 PS bei 5.500 Umdrehungen pro Minute
Drehmoment:365 Nm von 1.300–4.500 Umdrehungen pro Minute
Von 0 auf 100: Handschalter6,5 s
Höchstgeschwindigkeit:250 km/h
Verbrauch (ECE)5,5 Liter
CO2-Ausstoß 160 g/km
Effizienzklasse:C
Kraftstoff:Superbenzin
Wendekreis11,2 Meter
Leergewicht 1.611kg
Kofferraum255–439 Liter
Tankinhalt63 Liter
Zuladung539 kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand 4.678/1.967/1.425/2.835 mm
Testwagenpreis ab:ab 44.390 Euro

  

 

Preise

Nach dem umfangreichen Facelift mit deutlicher Höherpositionierung bieten ihn die Briten als Turbodiesel mit Hinterradantrieb und S-Ausstattung ab 43.690 Euro an. Zwar ist der Grundpreis deutlich erhöht. Ausstattungsbereinigt ist er aber nicht gestiegen: 18-Zoll-Räder, LED-Scheinwerfer, Einparkhilfe vorne wie hinten, Rückfahrkamera, Spurhalte- und Aufmerksamkeitsassistent sowie die Smartphone-Koonektivität kosteten bisher kräftig Aufpreis. In Anbetracht des Mehrwert ist der Einstiegspreis des neuen Jaguar XE Facelift nur moderat gestiegen. Kunden können zwischen drei Ausstattungslinien – S, SE und HSE – wählen. Darüber hinaus stehen aufpreispflichtige Optionen wie das R-Dynamic-Paket zur Verfügung. Wir fuhren neben dem Jaguar XE S D180  (ab 43.690 Euro) noch den Jaguar XE R-Dynamic S P250 (ab 44.390 Euro). XE-Fahrer profitieren zudem vom kostenlosen Service- und Garantiepaket „Jaguar Care“. Käufer eines neuen Jaguar erhalten eine Dreijahres-Garantie sowie alle Inspektionen der ersten 36 Monate ohne Kilometerbegrenzung. Europaweit sorgt Jaguar zusätzlich drei Jahre lang mit der Mobilitätsgarantie für einen kostenlosen Pannendienst.

 

Fazit: Echter Jaguar-Charme auch für die Mittelklasse

Die Briten haben beim Facelift an den richtigen Stellen Hand angelegt und bewegen sich nunmehr wieder auf Augenhöhe zu den deutschen Premium-Konkurrenten. Das XE Facelift verfügt nun über die Souveränität und Reife um wieder voll in der gehobenen Mittelklasse mitmischen zu können. Jaguar betont , mit dem neuen Jaguar XE Facelift (2019) ein „echtes Fahrerauto“ geschaffen zu haben. Auch diesem Anspruch wird die britische Mittelklasse-Limousine nach ihrem Update vollumfänglich gerecht.

Jaguar XE R-Dynamic S P250 - Mj2019

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