Ford Edge Titanium 2.0TDCI Bi-Turbo im Fahrbericht

25. März 2018 23:19 Autor:

Der Ford Edge 2.0 TDCi Titanium 4×4 – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

 

 

Ford Edge 2.0TDCI Bi-Turbo im Fahrbericht

In der Autoindustrie gibt es eine Party von der alle Hersteller möglichst stark partizipieren möchten. Gemeint ist das boomende Segment der SUVs. Hier in Europa vor allem das Midsize-Segment und kleinere SUVs. Ford plant seine SUV-Absatzzahlen in Europa drastisch zu steigern. Eine gewichtige Rolle kommt hier dem neuen Edge zu. Seit Sommer 2016 rollte er auch in Deutschland zu den Händlern. Ford schließt seine Lücken und rüstet kräftig auf. Mittlerweile verfügen die Kölner auch in Deutschland wieder über ein großes SUV. Wer bislang in Deutschland ein großes SUV aus dem Hause Ford ordern wollte, sah sich einer Angebotslücke gegenüber. Anders als in den USA war das Angebot an 4×4-Fahrzeugen in Europa sehr übersichtlich. Oberhalb des Kompaktmodells Kuga gab es in Deutschland nur noch den Pickup Ranger. Der im kanadischen Oakville montierte Ford Edge Edge soll mit viel Platz und Technik punkten. Wir haben überprüft was der Kunden für sein Geld – der Edge ist nicht günstig – bietet und seinen Preis wert ist. Ohne etwas vorwegnehmen zu wollen – ja das ist er.

Der Ford Edge ist in der oberen Mittelklasse positioniert. Hier trifft er auf ein dicht besetztes Wettbewerbsumfeld wie BMW X5, VW Touareg oder Hyundai Santa Fe. Der Ford verfügt über viel Platz, ordentliche Fahrleistungen und ein engagiertes Fahrwerk. Bei den Preisen ist Ford durchaus selbstbewußt. Die Listenpreise sind kein Ausdruck eines Sonderpreises. Qualität kostet. Wir baten den VW Touareg-Gegner mit dem 180 starken BiTurbo-Diesel zum Alltagstest. Mindestens 45.650 Euro werden so in der gehobenen Titanium-Ausstattung mit 2-Liter BiTurbo-Diesel fällig. Der Edge verleugnet bereits optisch nicht seine US-Herkunft. Eine leicht abfallende Dachkante mündet in einem dezent integrierten Dachspoiler und beginnt die Heckansicht zur schrägen Heckscheibe, welche darunter in den gut gezeichneten LED-Heckleuchten mit dem durchgehenden LED-Leuchtband mündet.

 

Ford Edge Titanium 4x4 2.0 TDCI 180 PS
Der Ford Edge 2.0 TDCi Titanium 4x4 mit 180 PS im Test - Bildnachweis: MOTORMOBILES
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Interieur

Der Edge punktet haptisch. Im Innenraum erwartet die Passagiere ein wirklich luxuriöses Ambiente. Was die Augen sehen und die Hände fühlen können, ist akurat. Geschäumte Oberflächen, erstklassig verarbeitetes Leder. Das Interieur ist ansehnlich ohne zu feudal oder pompös zu sein. Der Edge versucht sich nicht an Holzfurnier oder groß dimensionierten Displays. Man findet sich auf Anhieb zurecht und wird von jeder Menge Luxus verwöhnt. Zur Verbesserung des Geräuschkomforts wird beim neuen Ford Edge ab der Titanium-Ausstattung ein „Active Noise Control“-System verbaut, das Wind- und Dröhngeräusche im Innenraum unterdrücken hilft. Hierzu werden über das Audio-System des Ford Edge „Gegenfrequenzen“ eingespielt, ein System, das beispielsweise von ANC-Kopfhörern bekannt ist. Drei Mikrofone nehmen für den Gegenschall  hierzu die Innenraum-Geräusche auf. Gerade bei schnell Fahrt erweist sich diese aktive Geräuschunterdrückung als sehr effektiv.

Der weit oben platzierte 8.1-Zoll-Touchscreen des Sony Navigationssystems mit Ford Sync 3 und AppLink läßt sich intuitiv bedienen und ermöglicht auch per Direktwahl verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, wie etwa für die Lenkradheizung oder die klimatisierten Sitze. Das mattierte hochauflösende Touchscreen erweist sich  auch bei Sonnenlicht als sehr gut ablesbar, beherbergt gut bedienbare und verständlich strukturierte Bedienmenüs. Ausgewogen und mit solidem Bass-Fundament präsentiert sich das Soundsystem mit seinen 12 Lautsprecher für ein breites Klangspektrum.

Bei Winterwitterung überzeugte  die schnell arbeitende Frontscheibenheizung, die für flotte Enteisung und für freie Sicht sorgte. Angenehm waren auch die Lenkrad- und die kraftvolle Sitzheizung, die auch im bei eisigen Minustemperaturen schnell für ein angenehme Wärme sorgten.

Als komfortabel erweisen sich die Sitze von Fahrer und Beifahrer. Der Edge punktet generell mit großzügigen Platzverhältnissen für bis zu fünf Insassen samt Gepäck. Der Kofferraum fasst 602 Liter und läßt sich über die geteilte Rückbank auf bis zu 1.836 Liter erweitern. Selbst die Fondpassagiere können sich über fürstliche Platzverhältnisse und sehr bequeme Sitzverhältnisse freuen. Als Sicherheitsinnovation sind im Fond sogenannte Gurtairbags verbaut, die man selbst bei deutschen Premium-Anbietern noch nicht findet.

 

Wir baten den VW Touareg-Gegner mit dem 180 starken BiTurbo-Diesel zum Alltagstest – Bildnachweis: MOTORMOBILES

 

Antrieb

Den Antrieb des für den europäischen Markt angepasste SUV wird von einem braven Vierzylinder-Dieselmotor übernommen. Diesen gibt es wahlweise mit 180 oder 210 PS. Schon der von uns gefahrene kleinere 180 PS- BiTurbo-Diesel mobilisiert 180 PS und  kommt mit den knapp 2 Tonnen Gewicht erstaunlich gut zurecht. Das Aggregat stemmt ein beachtliches Drehmoment von  400 Newtonmetern zwischen 2.000 und 2.500 Touren auf die Kurbelwelle. Damit zelebriert der Vierzylinder einen kräftigen Vortrieb mit einem ordentlichen Punch ohne großes Turboloch. Dank BiTurbo konnten wir keine wesentliche Anfahrschwäche verzeichnen. Das gut abgestimmte Sechsgang-Schaltgetriebe überträgt die Kraft bei Bedarf elektronisch geregelt auf alle vier Räder. Die Motorleistung ist dabei stets ausreichend, wer die volle Leistung abruft, sprintet in 9,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h und ist bis zu 200 km/h schnell unterwegs. Den kombinierten Normverbrauch gibt Ford mit 5,8 Litern je hundert gefahrene Kilometer – entsprechend einer CO2-Emission von 194 g/km – an. Unser Testverbrauch bei schneler Fahrweise betrug 7,4 Liter. In Anbetracht der Fahrzeuggröße geht das voll in Ordnung.

Fahreigenschaften

Für einen Nordamerikaner ist der Ford Edge angehm sportlich-komfortabel abgestimmt. Der Edge liegt gut auf der Straße. Mit europäisierter Abstimmung kommt der Edge durchaus an seine Wettbewerber heran.   Bodenunebenheiten werden gekonnt weggefiltert.

Ein Highlight des Edge ist seine aktive Geräuschdämmung. Durch die „Active Noise Control“ reduzieren sich störenden Fahr- und Motorgeräusche an den Ohren der Passagiere. Selbst bei hohem Autobahntempo ist der Geräuschpegel erstaunlich niedrig. Dadurch empfiehlt sich der Edge zudem als langstreckentaugliches Reisefahrzeug. Der permanente Allradantrieb reagiert blitzschnell bei Traktionsproblemen und passt die Kraftverteilung an. Während der Testfahrten hatten wir auch Tage mit Schnee und Winterwitterung und sind angenehm von den Allradqualitäten überrascht.

Die adaptive Direktlenkung Lenkung arbeitet über den gesamten Arbeitsbereich angenehm direkt und gefühlvoll. Dies trägt dazu bei dass sich der Ford Edge aus jeder Situation sehr präzise dirigieren läßt. Die elektrohydraulische Lenkung erhöht bei niedrigen Geschwindigkeiten ihre Unterstützung und „verhärtet“ umgekehrt bei höheren Tempi. Hierbei – das ist der besondere Clou dabei – variiert Ford auch die Lenkübersetzung. Bei schneller Fahrt ist deshalb weniger Lenkbewegung nötig, die Lenkung wird dadurch direkter. Knackig lässt sich der Edge so um die Kurven zirkeln. Die Wankneigung der Karosserie hält sich dabei trotz hohem Aubau in engen Grenzen.

Beim Rangieren in der Stadt kommt – die Abmessungen fordern ihren Tribut – unweigerlich die Größe des Edge zum Tragen. Ungeachtet dessen ist das SUV trotz seiner dynamischen Linienführung erstaunlich übersichtlich. Hier hilft vor allem die Rückfahrkamera nebst Einparkhilfe vorne und hinten beim Rangieren.

 

Technische Daten Ford Edge Titanium 2.0 TDCi 180 PS 4x4
Hersteller:Ford
Karosserie:Midsize SUV
Motor:2.0 TDCi
Getriebe:6-Gang manuell
Antrieb:„Intelligentes AWD-System“ mit elektronisch kontrollierter, variabler Drehmomentverteilung TVC (Torque Vectoring Control); Drehmomentverteilung vorne/hinten maximal 50:50; neue Generation
Hubraum:1.997 ccm
Emissionsklasse:Euro 6
Leistung:132 kW (180 PS)
Drehmoment:400 Nm ab 2.000 U/min
Von 0 auf 100:9,9 s
Höchstgeschwindigkeit:200 km/h
Verbrauch (ECE):5,8 Liter
CO2-Ausstoß194 g/km
Kraftstoff:Diesel
Wendekreis:11,9 Meter
Kofferraum:602 bis 1.842 Liter
Anhängelast gebremst2.000 kg
Tankinhalt:64 Liter
Leergewicht/Zuladung:1.912 kg / 593kg
Länge/Breite/Höhe/Radstand:4.808/1.928/1.707/2.848 mm
Basispreis Titanium:ab 45.650 Euro

Assistenten, Preise und Extras

Bei den Assistenzsystemen geht Ford bei dem Edge keine Kompromisse ein: Abstands- und Kollisionswarner stellen zugleich den Ford Pre-Collision-Assist dar: Eine LED-Kette im Armaturenbereich des Fahrers projiziert bei Gefahr ihr rote Lichterkette auf die Frontscheibe des Ford Edge. Unterschreitet man den Abstand im Übermaß, greift dieser Assistent auch per Bremsmanöver ein. Neben dem Totwinkelassistenten warnt dieses System auch vor Querverkehr bei Rückwärtsfahrten. Licht- und Regensensoren erweisen sich im Test als zuverlässig. Sinnvoll erweitern lässt sich die gute Serienausstattung mit dem 1.550 Euro teuren Businesspaket, das unter anderem Navi, adaptive LED-Scheinwerfer und DAB-Radioempfang umfasst. Für zusätzliche Sicherheit sorgen gegen 1.535 Euro Aufpreis ein Totwinkelassistent, Frontkamera, Abstandstempomat und Seitenairbags für die hinteren Sitze.

Den Ford Edge etwa gibt es in Deutschland ausschließlich mit dem Zweiliter-Diesel. In der leistungsstufe mit 180 PS als Handschalter. Die leistungsstärkere 210 PS-Version ist an ein  Doppelkupplungsgetriebe (Power-shift) gekoppelt. Optional jeweils als Titanium und ST-Line. Den Einstieg markiert der mager ausgestattete Trend in mit Handschalter ab 41.900 Euro. Für den von uns gefahrenen Titanium mit Handschalter verlangt Ford mindestens 45.650 Euro.

Bei der Ausstattung setzt Ford auf Pakete. Drei Varianten (beim Biturbo lediglich zwei), die sich noch mit einigen wenigen Zusatzoptionen weiter veredeln lassen. Dabei ist der neue Ford Edge preislich selbsbewußt. Positioniert sich hält aber dennoch einigen Respektabstand zu BMW X5 und VW Tourareg. Ab 42.900 Euro für den 180-PS-Edge mit Schaltgetriebe geht es los, für einen Automatik-Edge Biturbo mit allem inklusive scharf tönt die Kasse des freundlichen Ford-Händlers (zumindest offiziell) mit einem 62.800-Euro-Klingeln.

Alle aktuellen Assistenzssysteme (Totwinkelwarner, Kollisionswarner, adaptive Geschwindigkeitsregelung, Spurhalte-Assistent), Berganfahrhilfe und Vorhang-Airbags sind beim neuen Ford Edge an Bord. Für die hinteren Passagiere im Ford Edge kommen auf Wunsch innovative von Ford entwickelte Gurt-Airbags zum Einsatz, die bei einem Unfall mit komprimiertem Gas aufgeblasen werden und so die Sicherheit erhöhen sollen.

Das über EcoSport und Kuga SUV positionierte Ford-SUV empfiehlt sich gleichermaßen als Familienauto wie auch als komfortables Reisefahrzeug. Mit dem von uns gefahrenem 180 PS-TDCi startet der Titanium bei 45.650 Euro. Die erweiterte Ausstattung unseres Testwagen um das Businesspaet (2.000 Euro), adaptive Lenkung (700 Euro) Geschwindigkeitsregelanlage ACC (500 Euro), Frontkamera mit Split-View(350 Euro) und die Lackierung in Ruby-rot (1.000 Euro) und der Tote-Winkel-Assistent (460 Euro) treibt den Listenpreis indes auf 50.600 Euro.

 

Fazit: Gut verarbeitet und langstreckentauglich

Der Edge punktet mit großzügigen Platzverhältnissen für Passagiere samt Gepäck (602 bis 1.836 Liter) und empfiehlt sich zudem als langstreckentaugliches Reisefahrzeug. Die Optionen und Individualisierungsmöglichkeiten der Ford Edge Familie (Trend, Titanium, ST-Line und Vignale) sind umfangreich. Seine gute Verarbeitung und die interessante US-Optik sorgen im Marktumfeld für mehr Individualität und lassen ihn aus dem von den deutschen Herstellern dominierten Wettbewerbsumfeld angenehm hervorstechen. Der Edge hat sich in unserem Alltagstest gut geschlagen. Es gibt für potenzielle SUV- und Crossover-Käufer viele gute und gewichtige den Edge genauer zu betrachten.

 

Ford Edge Titanium 4x4 2.0 TDCI 180 PS
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